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Hier springt der Funke über: Für das FFF-Programm werden die Publikumsgewinner von rund 250 internationalen Festivals gesichtet. Bild: Jonas Friedrich
Festival im City Kino Wedding

Filme, die berühren

Das „Favourites Film Festival” (FFF) im City Kino Wedding: Im September laufen hier Publikumslieblinge aus aller Welt. Mitbegründerin Anna Jurzik über ihr Programm.

1. Beim FFF laufen nur Filme, die auf internationalen Festivals die Publikumspreise abgeräumt haben. Was haben diese Filme gemeinsam?
So vielfältig Festivals auf der ganzen Welt sind, so unterschiedlich sind auch deren Publikumspreisgewinner. Doch nur weil ein Film einen Publikumspreis gewonnen hat, heißt das noch lange nicht, dass wir ihn für unser Programm auswählen. Unter knapp 250 publikumspreisgekrönten Filmen suchen wir jährlich diejenigen heraus, die uns auf die eine oder andere Weise besonders berühren. Filme, die es schaffen, uns in ihre Welten hineinzuziehen, Fenster in ein anderes Leben öffnen und neue Perspektiven zeigen und die dabei etwas über die gesellschaftlichen Verhältnisse in dem Land oder dem Milieu erzählen, in dem sie spielen. Außerdem achten wir auf eine Vielfalt der Herkunftsländer und Themen.

Anna Jurzik
Anna Jurzik Bild: Promo

Alle Filme, die es letztendlich ins FFF-Programm schaffen, sind Filme, die auf die große Leinwand gehören. Sie haben die Kraft, den Blick und das Herz ihrer Zuschauer zu öffnen, indem sie nicht von außen auf ihre Protagonisten und ihre Welten blicken, sondern sie lassen den Zuschauer die Schicksale und Lebenswege unmittelbar miterleben und vor allem mitfühlen. So ebnen die Filme hoffentlich den Weg, Menschen mit anderen Lebensentwürfen und Bedürfnissen, Träumen und Zukunftsvorstellungen möglichst unvoreingenommen zu begegnen. Mit dem auf das Publikum ausgerichteten Konzept wollen wir außerdem Menschen ansprechen, die sich selbst nicht als Filmnerds oder Cineasten bezeichnen würden, sondern einfach Lust auf emotionale, starke Filme haben.

2. Auch ihr habt seit sieben Jahren einen Publikumspreis. Was liebt das Berliner Publikum besonders: Spielfilme oder Dokus, Komödien oder Dramen?
In den ersten drei Jahren haben Spielfilme, seitdem Dokumentarfilme „unseren“ Publikumspreis gewonnen. Allen Gewinnern war das Vermögen gemeinsam, die Distanz zwischen Leinwand und Zuschauerraum zu überwinden und das Publikum in ihren Bann zu ziehen.

Insbesondere bei den Dokumentarfilmen achten wir sehr auf einen erzählerischen Ansatz. Ein großes Thema reicht nicht unbedingt aus. Wir suchen auch nach filmisch überzeugenden Erzählweisen. Nehmen wir zum Beispiel den Gewinnerfilm aus dem letzten Jahr: der iranische Dokumentarfilm SONITA. Er begleitet die gleichnamige 19-jährige afghanische Rapperin, die als illegale Migrantin in Teheran lebt und mit mutigen Texten für ein selbstbestimmtes Leben kämpft. Der Film zeichnet ein eindrucksvolles Porträt einer charismatischen und unerschrockenen jungen Frau und liefert eindringliche Einblicke in ein Leben als Geflüchtete. Gleichzeitig wirft er aber auch interessante Fragen rund um Verantwortung und Einflussnahme von Dokumentarfilmern auf, denn als Sonitas Familie ihre Tochter für 8.000 Dollar an einen unbekannten Ehemann zwangsverheiraten will, bittet Sonita die Filmemacherin um Hilfe.

Wir veranstalten das Festival ja nicht nur in Berlin, wo wir es 2011 gegründet haben, sondern seit fünf Jahren auch in Bremen. Es war von Anfang an unser Wunsch diese besonderen Filme, die wir auswählen und von denen uns jeder einzelne am Herzen liegt, direkt zum Publikum zu bringen, damit so viele Menschen wie möglich die Chance haben, sie zu sehen.

Bemerkenswert ist, dass die Besucher bereits mehrmals in Folge in beiden Städten den selben Filme zu ihrem Lieblingsfilm gewählt haben – so auch SONITA.

3. Gibt es schon das ein oder andere Highlight, das für 2017 feststeht?
Wir sind momentan noch mitten in der Sichtung, das komplette Filmprogramm wird also erst kurz vor dem Festival fertig sein. Die Zuschauer können sich aber auf jeden Fall schon jetzt auf ein vielfältiges, internationales und vor allem bewegendes Programm freuen.

4. Durch euer Festival lernen viele Berliner das wunderschöne City Kino Wedding neu kennen. Dabei hat dieses eine große Tradition …
Der mit 220 Plätzen ausgestattete Kinosaal im französischen Kulturzentrum wurde 1958 von den französischen Alliierten gebaut und war nach verschiedenen Versuchen der Wiederbelebung jahrelang geschlossen. Erst seit Januar 2015 wird das Kino wieder mit einem regelmäßigen Programm bespielt und bereichert seitdem als einziges Arthouse-Kino weit und breit den Berliner Nordkiez. Das Programm, das Anne Lakeberg und Wiebke Wolter seit knapp drei Jahren machen, hat uns von Anfang an sehr sehr gut gefallen und die beiden waren sofort total offen für die Idee, dem Favourites Film Festival eine Heimat zu bieten. Noch immer ist im Kino der Charme der Fünfziger- und Sechzigerjahre zu spüren und so bietet das City Kino Wedding mit seinem imposanten Foyer und dem verschlafenen Innenhof den idealen Ort für die für das FFF-typische familiäre Festivalatmosphäre.

Favourites Film Festival
20.–24. September
City Kino Wedding
Müllerstraße 74, Wedding
www.favouritesfilmfestival.de

Die Berliner Sparkasse unterstützt das FFF: Gegen Vorlage der SparkassenCard gibt es ermäßigte Eintrittskarten zu 5 Euro.

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