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Musik für alle

Balkonkonzerte gegen die Krise

Die Berufsmusikerin Daniela-Mercedes Wendler veranstaltet abends kleine Konzerte von ihrem Balkon aus – die Nachbarn freut´s.

Mercedes Wendler gibt Balkonkonzerte im Prenzlauer Berg
Bild: Clément Madeline
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eden Abend, von Montag bis Freitag, tritt Daniela-Mercedes Wendler um Punkt 19 Uhr auf ihren Balkon. Sie setzt das Saxophon an die Lippen und spielt, mal Jazz, mal Swing oder auch ein poppiges Stück, an anderen Tagen wechselt sie zur Querflöte. Seit dem 23. März 2020 hat die Berufsmusikerin nun internationale Bühnen gegen den Balkon in der Esmarchstraße im Prenzlauer Berg getauscht, das Konzertpublikum gegen die Balkonnachbarn.

Die Straße als Konzertsaal

Die meisten Nachbarn stehen schon erwartungsvoll bereit, wenn Daniela-Mercedes Wendler die Balkontür öffnet. Damit es nicht eintönig wird, wählt die Saxophonistin jeden Tag Stücke verschiedenster Genre aus ihrem breitgefächerten Repertoire. Dazu gehören etwa „Via con me“ vom italienischen Cantautore Paolo Conte, Jazzstücke wie „Take Five“ oder auch Songs von Celine Dion. Zur Begrüßung gibt es vom Balkonpublikum ein Winken, ein Nachbar stimmt ab und an spontan mit der Trommel ein, Passanten bleiben erstaunt stehen und lauschen den Tönen. Das abendliche Konzert ist für die Nachbarn längst zum liebgewonnenen Ritual geworden, eine willkommene Ablenkung zum derzeitigen Alltag.

Gemeinsame Momente

„Ich wollte mit meinen musikalischen Beiträgen Dank und Respekt gegenüber dem Pflegepersonal in der Coronakrise ausdrücken und meinen Beitrag dazu leisten“, verdeutlicht die Diplom-Musikerin ihre Motivation für fünf Wochen Konzertabende. Mit den vielen begeisterten Reaktionen und der Freude, die sie den Nachbarn bereitete, hat sie nicht gerechnet. Es gibt nicht nur Applaus, sondern auch kleine Aufmerksamkeiten wie Blumen, Schokolade und handgeschriebene Dankesbriefe. Die Aufmerksamkeiten verdeutlichen, wie sehr solche Aktionen die Menschen erreichen. Während der Ausgangsbeschränkungen sind die Balkonkonzerte, wie sie in vielen Städten der Welt initiiert wurden, nicht nur ein Zeichen der Solidarität, sondern auch Momente des Zusammenkommens, die in Zeiten von Kontaktbeschränkungen rar geworden sind. Wer weiß: Vielleicht lassen sich solche aus der Not entstandenen kreativen Ideen auch längerfristig aufrecht erhalten. Schön wäre es!

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