Titel Beruert Verfuehrt
„Isch abe gar kein Auto!“: Herr Angelo (unten) aus der Nescafe-Werbung ist nur eines von vielen bekannten Werbegesichtern in der Ausstellung „Berührt – verführt“. Bild: Bert Bostelmann
Ausstellung

Zum Hinschauen verführt

Das Museum für Kommunikation Berlin zeigt berühmte und erfolgreiche Werbekampagnen, die die Gesellschaft maßgeblich mitgeprägt haben.

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n einem Werbespot tänzelt der Berliner Sänger Friedrich Liechtenstein durch einen Edeka-Markt und preist Produkte an. „Supergeil!“ – so hieß der dreieinhalbminütige Werbespot, der 2014 in ganz Deutschland für Aufregung sorgte. Bis heute haben mehr als 17 Millionen Menschen das Video auf YouTube angeklickt. Doch erfolgreiche Werbung gibt es nicht erst seit „Supergeil!“. Schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg machte Persil mit dem Slogan „Persil ist wieder da!“ auf sich aufmerksam.

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Bild: Arcus AS

Das Museum für Kommunikation Berlin präsentiert ab dem 31. März 2017 die Ausstellung „Berührt – Verführt. Werbekampagnen, die Geschichte machen“. Sie zeigt berühmte Kampagnen, die Menschen seit der 1950er Jahre bewegt haben. 1992 schockierte etwa die Bekleidungsmarke Benetton ganz Europa, als das Unternehmen Plakate mit einem AIDS-Kranken druckte. „Wenn wir uns mit Werbung verbinden können – auch auf kontroverse Weise – bleibt sie besonders im Gedächtnis“, sagt Monika Seidel vom Museum für Kommunikation Berlin.

Die Ausstellung erzählt ein Stück deutsche Geschichte: Über Nachkriegszeit, Wirtschaftsaufschwung, Wiedervereinigung und digitalen Wandel. Besucher entdecken, wie sich Werbung auf unseren Alltag auswirkt – und umgekehrt. „Vor allem wenn Werbesprüche das aktuelle Lebensgefühl aufgreifen, beeinflussen sich Gesellschaft und Reklame“, meint Seidel. In den 1980er-Jahren sei der Slogan „Man gönnt sich ja sonst nichts“ von Aquavit zum Beispiel in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen.

Mehr als 50 der populärsten Kampagnen und 350 Plakate, Fotos und Interviews stellt das Museum bis September 2017 aus. Besonderen Einblick erhalten Gäste in die Reklame der Bundesrepublik Deutschland, aber auch Werbung aus der DDR hängt in den Räumen. An interaktiven Ständen können Besucher moderne Methoden der Werbebranche selbst ausprobieren – und so auch in die Zukunft blicken: Mit „Eyetracking“ messen Experten heute etwa, wohin Menschen auf Werbeplakaten zuerst schauen.

Autorin: Katinka Reiner

Berührt – Verführt. Werbekampagnen, die Geschichte machten

Museum für Kommunikation Berlin
Leipziger Straße 16
10117 Berlin
31. März bis 27. August 2017
www.mfk-berlin.de

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