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Titel Erkaeltung
Bild: Shutterstock
Gesundheit

8 Tipps: Wie Sie gesund durch die Erkältungs-Saison kommen

Mit Anti-Erkrankungs-Strategien lässt sich das Immunsystem noch rechtzeitig in Top-Form bringen. Ist es dafür zu spät, nicht verzweifeln – Husten, Schnupfen und Heiserkeit lassen sich bekämpfen.

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wei Erkältungen hat jeder Erwachsene durchschnittlich im Jahr, Kinder sogar neun. Doch so weit muss es nicht kommen.

Professor Markus Egert
Bild: Britt Schilling

„Ein Keim kommt selten allein“ heißt das Buch von Markus Egert, Professor für Mikrobiologie an der Hochschule Furtwangen. Wir sprachen mit ihm, wie man sich vor Keimen, Bakterien und Viren jetzt am besten in der Schnupfen-Saison schützt.

„Viren verbreiten sich über Tröpfchen, die Infizierte mit einer Geschwindigkeit von 160 Kilometern pro Stunde hinausniesen und die bis zu zwölf Metern weit treiben.“ Markus Egert, Professor für Mikrobiologie an der Hochschule Furtwangen

Strategie 1: Den Viren entkommen

Berliner Akzente: Professor Egert, wie weiche ich Erkältungserregern aus?
Egert: Das geht kaum. Viren verbreiten sich über Tröpfchen, die Infizierte mit einer Geschwindigkeit von 160 Kilometern pro Stunde hinausniesen und die bis zu zwölf Metern weit treiben. Das Ansteckungsopfer atmet die Viren entweder ein oder infiziert sich über das Händeschütteln oder an der Haltestange im Bus.

Haltestange Bus
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Eine clevere Strategie ist das Meiden von Menschenmassen. Lassen Sie im Büro den Aufzug sausen und gehen Sie zu Fuß, statt sich in volle Busse zu quetschen. Geht das nicht, dann suchen Sie sich einen Platz in Türnähe. Hier zirkuliert die Luft, die dadurch weniger Viren transportiert. Zeitung lesen schützt ebenfalls, da so eine Barriere zu den Mitreisenden aufgebaut wird. Denken Sie daran – die größte Keimquelle sind andere Menschen.

Formate: video/youtube

Strategie 2: Hygiene im Haushalt

Bakterien im Küchenschwamm, Keime auf der Klobrille: Wie vermeide ich eine Ansteckung in meinen eigenen vier Wänden?
Heutzutage findet sich in jedem Haushalt eine Flasche eines vermeintlichen Superreinigers, der angeblich 99,9 Prozent aller Keime zur Strecke bringt. Doch es ist nicht von Nutzen, unsere Wohnungen präventiv keimfrei halten zu wollen wie ein Krankenhaus. Der Einsatz von speziellen Desinfektionsmitteln zu Hause bringt keinen Vorteil.

Auch wenn die Familie erkältet ist, ist zum Beispiel für die Wäsche kein spezielles Hygiene-Waschmittel nötig. Aber es macht Sinn, mit 60 statt 40 Grad zu waschen, denn Viren an der Kleidung werden durch einen Waschgang bei 60 Grad inaktiviert. Wichtig: Vollwaschmittel in Pulverform benutzen. Nur das enthält die für die Virenbeseitigung wichtige Bleiche.

„Niesen sie in ihre Hände und begrüßen danach einen Kollegen mit Handschlag, ist das gradezu ein biologischer Anschlag.“ Markus Egert

Strategie 3: Trumpfkarte Händewaschen

Spezialreiniger bringen es also nicht. Was ist dann Ihr Tipp, um eine Ansteckung zu vermeiden?
Es ist billig, einfach und ich werde nicht müde, es anzupreisen: Der beste Schutz vor Erkältungen ist Händewaschen! Viren fangen wir uns nämlich an Türklinken, Treppengeländern und Einkaufswagen ein. Einmal an den Fingern, landen die Viren in den Schleimhäuten von Mund oder Augen, sobald man sich ans Gesicht fasst. Aus diesem Grund niesen und husten sie bitte auch nicht in ihre Hände, sondern in die Ellbeuge, wenn kein Taschentuch zur Hand ist. Niesen sie in ihre Hände und begrüßen danach einen Kollegen mit Handschlag, ist das sonst gradezu ein biologischer Anschlag.

Haende Waschen
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Hände mindestens 30 Sekunden lang einseifen, auch zwischen den Fingern, und beim Abwaschen schrubben, damit sich die Erreger von der Haut lösen. Für Handdesinfektionsmittel gilt das gleiche, wie für alle anderen Desinfektionsmittel. Sie töten wahllos Mikroorganismen – auch die guten, die den Säureschutzmantel der Haut organisieren.

Strategie 4: Grippeimpfung

Kann ich der laufenden Nase durch eine Impfung entgehen?
Eine Grippe ist keine intensive Erkältung, die auch als grippaler Infekt bezeichnet wird. Die Grippe ist eine schwere Krankheit. 1665 Tote waren die Bilanz der Grippesaison 2017/2018. Eine Erkältung kündigt sich langsam an, meist mit einem Kratzen im Hals und Schnupfen. Eine Grippe beginnt in der Regel plötzlich mit Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen.

Impfung
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Die Grippe hat im Januar und Februar Hochsaison. Wichtig ist es vor allem für chronisch Kranke, Schwangere und Ältere, sich gegen Grippe impfen zu lassen. Bis der Schutz im Körper aufgebaut ist, vergehen zwei Wochen. Wer sich im Oktober oder November piksen lässt, hat gute Chancen, den Ansturm der Grippeviren gesund zu überstehen. Gegen Erkältungserreger existiert keine Impfung – es gibt zu viele Arten.

Strategie 5: Hilfe aus der Apotheke

Welche Arzneien versprechen Linderung?
Eine Wunderpille, die die Dauer der Erkältung abkürzt, gibt es nicht. Tees und Vitamine schaden sicher nicht, ändern aber den Ablauf der Erkrankung nicht entscheidend. Gegen Gliederschmerzen helfen Schmerzmittel, gegen Schnupfen abschwellende Nasensprays. Diese sollten nur von einer Person verwendet werden, um eine Keimübertragung zu vermeiden. Das Spray befreit die Nase, aber nur für ein paar Stunden. Dann schwillt die Nase wieder zu.

Antibiotika helfen nicht bei einer Virusinfektion. Sie sind nur angemessen, wenn sich Bakterien ansiedeln – etwa bei einer Lungen- oder einer Nasennebenhöhlen-Entzündung.

Mit ihren Flimmerhärchen, die eindringende Partikel abfangen, besitzt die Nase einen vorinstallierten Antiviren-Schutz. Markus Egert

Strategie 6: Schleimhäute schützen

Wie kann ich durch alltägliche Handlungen Viren das Verbreiten schwer machen?
Mit ihren Flimmerhärchen, die eindringende Partikel abfangen, besitzt die Nase einen vorinstallierten Antiviren-Schutz. Kälte und Heizungsluft lassen diese Abwehrbarriere austrocknen. Ein prima Klima schaffen Grünpflanzen, die das Gießwasser über die Blätter in die Raumluft zurückgeben. Auch Stoßlüften, Wasserschälchen auf der Heizung oder Luftbefeuchter lassen das Immunsystem aufatmen. Hustenbonbons schützen die Schleimhaut in Mund und Rachen vor dem Austrocknen, weil sie den Speichelfluss anregen. Speichel enthält Abwehrstoffe gegen Viren.

Strategie 7: Hilfe aus der Küche

Frau Am Fenster Trinkt Tee
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Was ist dran an Omas Ernährungstipps?
Ausreichend trinken ist Trumpf, empfohlen sind zwei bis drei Liter. Heiße Milch mit Honig ist eher was für die Seele, als dass der Honig irgendeine nachgewiesene Wirkung hätte. Schaden kann das Getränk aber nicht, da viel Trinken in jedem Fall angeraten ist. Wichtig: Bienenhonig ist für Kinder bis zu einem Jahr tabu, da er Sporen von Clostridium botulinum enthalten kann.

Orangensaft
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Im Herbst und Winter kommt in unseren Breiten kaum UV-Strahlung an. Menschen können dann kein Vitamin D synthetisieren. Einem Mangel kann man durch Ernährung vorbeugen. Zum Beispiel über fetten Fisch wie Lachs. Zwei Orangen liefern den Vitamin-C-Tagesbedarf von 100 mg. Die täglich empfohlenen 1000 Mikrogramm Vitamin A stecken beispielsweise in 100 g Karotten. Bei einer ausgewogenen Ernährung braucht man keine zusätzlichen Vitamine in Pillenform. Schon gar nicht nach dem Gießkannenprinzip nach dem Motto „von allem ein bisschen“.

Strategie 8: Das Immunsystem stärken

Was machen Sie persönlich, um sich zu schützen?
Der beste Alliierte im Kampf gegen die Viren ist ein starkes Immunsystem. Wer generell fit ist, wird weniger leicht krank. Also treiben Sie Sport, vermeiden Sie Zigaretten und achten Sie auf Ihr Gewicht. Das ist kontinuierliche Vorbeugung und wichtiger als irgendeine Akutmaßnahme, wenn es einen erwischt hat. Anders gesagt: 20 Zigaretten am Tag quarzen und dann einen Salbeitee aus der Apotheke holen, bringt nichts.

Jogging Im Winter
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Mein besonderer Tipp: Schonen Sie sich, wenn es Sie hart erwischt hat. Gehen Sie nicht zur Arbeit. Bettruhe hilft nicht nur dem Immunsystem, sondern schützt auch die Kollegen. Diese Präsentismus-Kultur in deutschen Unternehmen, dass man sich also zur Arbeit schleppt, solange es irgendwie geht, ist eine Unsitte.

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