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Titel Verschwundene Bauwerke
Bild: Willy Pragher, CC BY 3.0
Lost Places

Abgerissen: 7 verschwundene Bauwerke in Berlin

Das Stadtbild Berlins hat sich im Laufe der Jahrhunderte verändert. Wir zeigen Gebäude, die heute nicht mehr zur deutschen Haupstadt gehören, ihre Geschichten Berlin aber nachhaltig prägten.

S

chloss, dann Palast der Republik und heute wieder Schloss. Das Berliner Schloss ist ein Beispiel an dem die Baugeschichte der Stadt exemplarisch nachgezeichnet werden kann. Doch das Schlossprojekt ist zwar das vielleicht prominenteste Beispiel, aber die Frage „Abriss oder Wiederaufbau“ stellte sich immer wieder. Im Zweiten Weltkrieg wurden viele Gebäude der Stadt zerstört, manche wurden wieder aufgebaut, andere abgerissen. Ob nun Ruinen des Weltkriegs, vermeintliche Bausünden aus der DDR oder Platz für den Bau-Boom: Die Gründe, warum in Berlin abgerissen und gebaut wird, sind vielfältig. Die Debatten zeigen eine Stadt im Wandel. Wir haben uns auf Spurensuche nach verschwunden Bauwerken in Berlin begeben und stellen 7 Gebäude vor, die heute nicht mehr existieren

1. Die Bauakademie

Der Verlust der Bauakademie war vielleicht einer der schmerzhaftesten in der Geschichte der Berliner Architektur. Das Gebäude, das 1931–1936 von Berlins bedeutendsten Architekten Karl Friedrich Schinkel errichtet wurde, war ein Vorreiterbau.

M Bauakademie Berlin 1888
Bild: gemeinfrei

Zum einen war es der erste profane Großbau, bei dem die Backsteinmauer nicht verkleidet wurde und sichtbar blieb. Zum anderen gilt der Bau noch heute als Vorgänger der modernen Skelettbauweise. Der Bau auf quadratischem Grundriss mit offenen Innenhof wurde von Stützen getragen, die in einem Raster von 5,55 Meter aufgemauert wurden. Nicht die Wände, sondern diese Stützen trugen das gesamte Gebäude. Bahnbrechend für die Zeit. Neben der Bauakademie befanden sich in dem Gebäude ursprünglich Händler, die Oberbaudeputation, die für die Prüfung größerer staatlich geförderter Bauprojekte zuständig war, und die Dienstwohnung ihres Leiters, Architekt Schinkel, selbst. Bei dem Bombenangriff 1945 brannte die Bauakademie ab. In der DDR wurde zwar mit dem Wiederaufbau begonnen, doch als der Rohbau zu 90 Prozent stand, wurde die Baustelle stillgelegt. Andere Projekte am zentralen Platz wurden wichtiger und die Baupläne änderten sich. 1961 dann der Entschluss: Die Schinkelsche Bauakademie wird abgebrochen. 1965 bis 1967 wurde an der Stelle das DDR-Außenministerium errichtet.

Bauakademie Rekonstruierte Fassadenecke
Bild: Pazit Polak wikipedia.org (CC BY 2.0)

Nach der Wende ist dessen Abriss beschlossene Sache, auch wenn das Haus noch bis 1996 sein Dasein fristete. Der Hauptgrund war der Wunsch, die Bauakademie wieder originalgetreu aufzubauen. Seit Jahren zieren nun Baugerüste mit einer Plane, die die alte Bauakademie zeigt, das Bauprojekt um den Wiederaufbau.

Wo stand die Berliner Bauakademie? Zwischen Kupfergraben und Friedrichswerdersche Kirche

Was steht dort heute? 2016 wurde der Wiederaufbau der Bauakademie am selben Ort beschlossen.

2. Columbushaus

Der Potsdamer Platz war nach den Bombenächten ein Trümmerhaufen. Doch nicht alles lag in Schutt und Asche. Trotz der Ruinen blieb der Platz ein belebter Ort. Das Columbushaus, das große Haus am Platz, war völlig ausgebrannt, aber als Ruine noch in Benutzung.

Columbushaus
Bild: Bundesarchiv, Bild 183-19000-3579 / CC-BY-SA 3.0

In den unteren Etagen war die DDR-Handelsorganisation (HO) untergebracht und auch die Wache der Volkspolizei kam im Columbushaus unter. Das von Stararchitekt Erich Mendelsohn erbaute Gebäude war eines, wenn nicht das erste große Bürohaus, das im Inneren weitgehend ohne Stützen auskam. Die Geburtsstunde des Großraumbüros.
Am 17. Juni 1953 zogen zehntausende Demonstranten vor das Haus der Ministerien in der Leipziger Straße, in dem die Plankommission der DDR amtierte. Die Arbeitsnormen wurden zum wiederholten Mal erhöht, was zu Einkommenseinbußen führte. Forderungen nach Rücktritt und freien Wahlen wurden laut. Dann stürmten die Demonstranten die Polizeiwache im Columbushaus. Im Zuge der folgenden Ausschreitungen stand das Columbushaus in Flammen – 33 Tote waren die traurige Bilanz des Tages. 1957 wurde die Ruine abgetragen.

Beisheim Center
Bild: Jörg Zägel / wikipedia.org, GNU Free Documentation License, Version 1.2

Wo stand das Berliner Columbushaus? Am Potsdamer Platz
Was steht dort heute? Heute befindet sich das Beiheim Center am Potsdamer Platz an der Stelle, wo einst das Columbushaus stand.

3. Sportpalast

Die Eröffnung des „Hohenzollern-Sport-Palast“ am 17. November 1910 war eine Sensation. Der Sportpalast mit der damals größten Kunsteisbahn der Welt hatte je nach Bestuhlung Platz für 6.000 bis 10.000 Zuschauer, die Eishockey und Eiskunstlauf zum Publikumserfolg verhalfen. Wirtschaftlich war der Eispalast zunächst kein Erfolg und ein Mäzen musste den Konkurs bereits in den ersten Monaten abwenden. Nachdem die Inflation überstanden war, brachten neben den Eishockeyspielen Boxwettkämpfe und das Sechstagerennen die Prominenz in die Hallen. Ab den 1920er-Jahren war der Sportpalast auch Ort für Parteitage.

NSDAP-Großkundgebung Im Sportpalast
Bild: Bundesarchiv, Bild 183-J05235 / Schwahn / CC-BY-SA 3.0

Ab 1933 war der Sportpalast an der Pallasstraße der zentrale Ort für die NS-Propaganda, die in Goebbels Frage nach dem „Totalen Krieg“ gipfelte.
Am 30. Januar 1944 wurde der Sportpalast zerbombt. Noch im gleichen Jahr notdürftig hergestellt, fanden schnell wieder Veranstaltungen statt, erst im Freien, später auch wieder mit Überdachung. Ende der 60er Jahre spielten Größen wie Frank Zappa, Jimi Hendrix und Pink Floyd hier ihre Konzerte. Als der Geschäftsführer bei einem Unfall ums Leben kam, musste der Sportpalast schließen und wurde 1973 abgerissen.

Sozialpalast 2
Bild: Gunnar Klack (CC BY-SA 2.0)

Wo stand der Sportpalast in Berlin? In der Potsdamer Straße 172 in Berlin-Schöneberg
Was steht heute dort? Das Pallasseum, ein unter Denkmalschutz stehendes Wohngebäude, besser bekannt als “Sozialpalast“.

4. Das Palasthotel

Das Palasthotel galt in der DDR als pompöses Vorzeigeobjekt in bester Zentrumslage. Direkt an der Spree und dem Palast der Republik gelegen, war das Hotel erstes Haus am Platz.

Bundesarchiv Bild 183-1987-0424-040 _berlin _frachtschiff Auf Spree _palasthotel
Bild: Bundesarchiv, Bild 183-1987-0424-040 / Zimmermann, Peter / CC-BY-SA 3.0

Das riesige Hotel mit Platz für 1.000 Übernachtungsgäste wurde 1979 eröffnet und zwischen 1992 bis 1994 umfassend saniert. In der Zeit spielten sich im 5-Sterne-Haus so einige Geschichten ab. Geschäftsleute aus vorrangig westlichen Ländern, Mitarbeiter der Stasi und zahlreiche Damen tummelten sich an den Bars und hofften auf ihren Anteil an den hier abgeschlossenen Geschäften. Nach der Wende galt das Hotel als unrentable Altlast. Nach dem Abriss 2001 wurde hier das CityQuartier DomAquarée mit dem Radisson Blu-Hotel gebaut.

Berlin-mitte Domaquaree
Bild: A.Savin (Wikimedia Commons · WikiPhotoSpace) (CC BY 3.0)

Wo stand das Palasthotel? Am Marx-und-Engels-Platz, heute Schloßplatz
Was steht dort heute? Das CityQuartier DomAquarée, in dem sich auch das Radison-Blu-Hotel mit dem Aqua-Dom, dem größten Zylinderaquarium der Welt, befindet.

5. Konsistorium der Evangelischen Kirche

Ebenfalls unter den Stempel „DDR-Baulasten“ fällt ein Gebäude mit dem sperrigen Namen „Konsistorium der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg“, das seinen Sitz an der Bachstraße in Mitte hatte.

Konsistorium
Bild: Benedikt Hotze / wikipedia.org (CC BY-SA 3.0)

Neben dem Konsistorium, die oberste Verwaltungsbehörde der Kirche, befanden sich im Bürogebäude auch die Kirchenleitung mit dem Bischof und weitere kirchliche Institutionen. Aluminiumverkleidung und die quadratischen, zu Bändern zusammengefassten Fenster mit abgerundeten Ecken, zeichnen das Haus als Vertreter der Space-Age-Architektur aus. Ende der 1960er- bis Mitte der 1970er Jahre war diese futuristische Fassadengestaltung absolut in Mode. 2011 verschwand das 1971 errichtete Gebäude aus dem Stadtbild. Bereits im Jahr 2000 waren die kirchlichen Institutionen nach Friedrichshain umgezogen. Nach jahrelangem Leerstand ging die Immobilie an ein zur Kirche gehörendes Wohnungsunternehmen, das hier eine Wohnanlage errichtete, die gesichtslos die Lücke füllt.

Wo stand das Konsistorium? In der Bachstraße in Berlin-Mitte.
Was steht heute an diesem Ort? Heute steht dort ein Wohngebäude

6. Stadtbad Wedding

Das ursprüngliche Stadtbad Wedding aus dem Jahr 1907 wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und in den 1960er Jahren im typischen Stil der Zeit wiedererrichtet. Nach der Schließung des Badebetriebs aus baulichen und hygienischen Gründen im Jahre 2001 entstand hier 2009 ein Kulturort, der seinesgleichen suchte, das Stattbad Wedding.

Stattbad Wedding
Bild: Fridolin freudenfett (Peter Kuley) / wikipedia.org (CC BY-SA 3.0)

Die alten Becken und der Heizungskeller wurden als Club für Partys und Ausstellungen genutzt. In den oberen Räumen zogen Künstler und Kreative in Ateliers und Studios ein. Doch geplante Investition in Umbau und Brandschutz wurden nicht umgesetzt und so musste der Club 2015 schließen und die Künstler zogen aus.

Abriss Stadtbad Wedding
Bild: Tobias Preuß / wikipedia.org (CC BY-SA 4.0)

Ein Investor kaufte das Gebäude und ließ es 2016 abreißen, um auf der Fläche eine Wohnanlage zu errichten.

Wo stand das Stadtbad Wedding? In der Gerichtsstraße im Wedding.
Was steht heute an diesem Ort? Heute steht dort ein Wohngebäude.

7. Gloria-Palast

Einst war der Gloria-Palast am Ku’damm das Herz der Berliner Kinowelt. In der Vorkriegszeit eines der repräsentativen Filmtheater der Stadt, fiel es der Zerstörung im Krieg zum Opfer.

Berlin Gloria-palast
Bild: Willy Pragher, CC BY 3.0

1953 wurde der neue Lichtspiel-Palast in moderner Architektursprache als fünfgeschossiger Skelettbau ganz in der Nähe eröffnet. Das Kino war einer der Hauptspielorte der Berlinale und der Deutsche Filmpreis wurde hier verliehen. 1985 wurde bekannt: Das beliebte Gebäude soll einer Einkaufspassage samt neuem Kinosaal weichen. Einzig die Fassade und das Foyer sollen erhalten bleiben. Alle Entrüstung half nichts. 1986/1987 verschwand der Kinosaal zugunsten eines kleineren, aber 1998 gingen auch hier die Lichter aus. Zwischenzeitlich wurde das erhaltene Kinofoyer als Benetton-Filiale genutzt. Im Frühjahr 2018 wurde dann auch die alte Fassade, obwohl sie zwischenzeitlich denkmalgeschützt wurde, abgerissen. Eine Ikone des deutschen Kinos verschwand gänzlich.

Wo stand der Gloria-Palast? Kurfürstendamm 10/10a
Was befindet sich heute an diesem Ort? Momentan befindet sich hier eine Baustelle. Im Frühjahr soll der Gebäudekomplex mit Einzelhandel und Büros fertig sein.

Unser Buchtipp: „Abgerissen! Vom Anhalter Bahnhof bis zum Palast der Republik“

Das Buch „Abgerissen! Vom Anhalter Bahnhof bis zum Palast der Republik“, versammelt Gebäude, die aus dem Stadtbild verschwinden mussten. Ob Verluste aus dem Zweiten Weltkrieg, Bauwerke, die im Kalten Krieg abgerissen wurden, als Bausünden der DDR galten oder Opfer des Berliner Baubooms wurden – Arnt Cobbers widmet sich den Häusern, die in ihrer Abwesenheit Sinnbild für den Wandel der Stadt und ihres Architekturverständnisses sind.

„Abgerissen! Vom Anhalter Bahnhof bis zum Palast der Republik. Verschwundene Bauwerke in Berlin.“, 96 Seiten
Arnt Cobbers, Jaron Verlag, aktualisierte Auflage 2019

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