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Bild: Wolfgang Stahr
Veganes Sommerfest

"Tiere, Umwelt, Klima schützen"

Silke Hellemann, 33, Leiterin Organisationskomitee Veganes Sommerfest, spricht über die Vorteile veganer oder vegetarischer Ernährung über den Tierschutz hinaus, das pralle Angebot von 90 Ständen auf dem Sommerfest und eine optimale Gelegenheit, Klischees über Bord zu werfen.

Veganer genießen das Leben, ohne dass Tiere dafür leiden müssen. Was bedeutet das neben dem Verzicht auf Wiener Schnitzel?

Tierische Nahrungsmittel wie Fleisch, Fisch, Milch, Eier oder Honig können einfach durch pflanzliche Alternativen ersetzt werden. Veganer lehnen alle tierischen Produkte ab. Die meisten meiden auch Pelz, Wolle und Leder und verwenden tierversuchsfreie und vegane Kosmetik.

Veganessommerfest 250
Bild: Veganes Sommerfest Berlin

Gibt es neben dem Tierschutz weitere Argumente für eine pflanzliche Lebensweise?

Die vegane Lebensweise schützt die Tiere, die Umwelt, die eigene Gesundheit und das Klima. Auch das Thema Welthunger spielt eine Rolle. Mehr als 90 Prozent des weltweiten Getreide-Anbaus landen im Trog von sogenannten Nutztieren, statt auf dem Teller von Menschen. Die Tierhaltung erzeugt rund 18 Prozent der weltweit klimaschädlichen Gase, das ist mehr als der gesamte weltweite Transportsektor.

Neuerdings gibt es sogar beim Discounter „vegane Fleischwurst“. Sind veganer schon Mainstream?

Dass das Thema mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist, zeigt sich in den unterschiedlichsten Bereichen: Der Boom pflanzlicher Lebensmittel, veganer Kochbücher und Magazine ist offensichtlich. Auch das Angebot in Restaurants, Kantinen und Mensen wird immer größer. In Berlin gibt es mittlerweile 43 vegane Gastronomiebetriebe, 2011 waren es zwölf.

Das Vegane Sommerfest findet im August mitten in der Stadt am Alex statt. Was ist dort zu erleben?

An rund 90 Info-, Gastronomie- und Marktständen warten internationale Leckereien, vegane Bio- und Rohkostspezialitäten, tierversuchsfreie Kosmetik, Mode sowie lederfreie Accessoires auf die Gäste. Im Kongresszelt gibt es Vorträge und Workshops, auf der Bühne ein Musik- und Showprogramm. Ein betreutes Kinderprogramm mit Hüpfburg und Kinderschminken sorgt für Spaß bei den jüngsten Gästen.

Hinter den Aktionstagen am Alex stehen drei Berliner Vereine. Ganz kurz: Für was stehen diese jeweils?

Das Vegane Sommerfest Berlin wird vom VEBU (Vegetarierbund Deutschland), dem Tierrechtsbündnis Berlin-Vegan und der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt organisiert. Der VEBU ist die größte Interessenvertretung vegetarisch und vegan lebender Menschen in Deutschland. Seit 1892 setzt sich die Organisation mit positiver Öffentlichkeitsarbeit dafür ein, den Fleischkonsum dauerhaft zu senken und eine pflanzenbetonte Lebensweise als attraktive und gesunde Alternative allen Menschen zugänglich zu machen. Die Albert Schweitzer Stiftung engagiert sich im Gedenken an den großen Arzt und Philosophen gegen die Massentierhaltung und für die Verbreitung der veganen Lebensweise ein. Schließlich schloss Albert Schweitzers Ethik der „Ehrfurcht vor dem Leben“ Tiere mit ein. Schweitzer engagierte sich daher stets für den Tierschutz und lebte vegetarisch. Das Tierrechtsbündnis Berlin-Vegan ist ein freies Netzwerk, das sich für die Verbreitung der veganen Lebensweise und das Thema Tierrechte einsetzt. Zahlreiche Ehrenamtliche von Berlin-Vegan engagieren sich für das Vegane Sommerfest Berlin.

Ist euer Sommerfest auch ein prima Ort, um die Klischees zu Veganern über den Haufen zu werfen?

Unser Fest besuchten letztes Jahr rund 55.000 Besucher. Nicht alle Besucher des Festes leben vegan. Unser Ziel ist es, mit dem Veganen Sommerfest eine möglichst breite Zielgruppe anzusprechen. Deswegen haben wir auch den Alexanderplatz als Veranstaltungsort gewählt. Die Menschen, die an den Ständen des Festes arbeiten, leben oft vegan. Beim Bummel über das Fest haben die Besucher die Chance, sich ein eigenes Bild über vegan lebende Menschen zu machen und ihre Fragen vor Ort an die Experten zu richten.

Was ist Ihr veganer Tipp für Berlinerinnen und Berliner, die im Sommer grillen?

Wer es gemüsig mag, dem empfehle ich einen – in mit Kräutern verfeinertem Öl eingelegten – Gemüsespieß mit Paprika, Zucchini, Pilzen, Aubergine und Süßkartoffeln. Dazu frisches Brot, am besten über dem Grill geröstet, und einen pikanten Erdnuss-Chili-Dip oder vegane Kräuter“butter“. Wer auf der Suche nach dem herzhaften Fleischgeschmack ist, dem kann ich Seitansteaks empfehlen.

Veganes Sommerfest 2017
25.-27. August 2016, Alexanderplatz
www.veganes-sommerfest-berlin.de

Wir machen den Berliner Sommer!

Fünf Frauen prägen diesen Sommer mit sehr unterschiedlichen Themen unsere Stadt. Lesen Sie weitere Interviews über kulturelle, politische und andere Veranstaltungshighlights in unserem Artikel oder direkt:

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Annette Meier Lange Nacht der Museen

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