Titel Flying Illusions
Bild: Little Shao
Interview

„Berlin bleibt niemals stehen – das hat auf uns abgefärbt."

1993 hat Vartan Bassil, damals 18 Jahre alt, die Break-Dance Company Flying Steps gegründet. Mit deren Shows hat er heute die ganze Welt bereist, in Berlin führt er mittlerweile die größte Urbane Tanzschule Deutschlands – nun kehrt eine seiner Produktionen für vier Wochen nach Berlin zurück. Wir sprachen mit ihm über Illusionen und Kämpfe auf der Bühne, Chancen für Berlins Talente und den besonderen Reiz des Heimspiels.

Hallo Vartan, vom 17. Mai bis 10. Juni kommt deine Show „Flying Illusion“ ins Theater am Potsdamer Platz. In der Ankündigung sprichst du davon, dass ihr es „vom Pappkarton aufs Parkett geschafft“ habt. Damit spielst du darauf an, dass du selbst als Breakdancer auf der Straße angefangen hast. Können die Berliner euch heute noch auf der Straße sehen?
Auf der Straße eigentlich gar nicht mehr. Durch unsere Tanzschule haben wir ja genug Räume, in denen wir trainieren können. Aber wenn jetzt die schönen Tage mit viel Sonne kommen, rollen wir auch mal einen PVC aus, schmeißen die Boxen an und trainieren draußen im Park. Man muss auch mal zurück zu den Wurzeln.

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In der Flying Steps Academy in Kreuzberg wird der Nachwuchs ausgebildet. Bild: Promo

Reden wir übers Parkett. War das von Anfang an das Ziel, als du 1993 die Flying Steps gegründet hast?
Das hat sich langsam entwickelt. Wir haben einige Wettbewerbe gewonnen, aber gleichzeitig wurden wir erwachsen, wollten zuhause ausziehen – und dann war klar: Wir müssen Shows machen, um mit dem Tanzen Geld zu verdienen. Anfangs haben uns Firmen gebucht, aber das hat nicht gereicht. So ist die Idee entstanden, den Urbanen Tanz – zu dem auch der Breakdance gehört – populärer zu machen, mehr Respekt zu bekommen.

Das hat geklappt: Ab 2009 habt ihr große Shows entwickelt und mit „Flying Bach“ in über 50 Ländern gespielt, darunter in historischen Spielstätten wie dem Wiener Burgtheater oder der Nationalgalerie. Wie hast du den Weg vom Tänzer zum Geschäftsmann erlebt?
Am Anfang ging es ganz klar nur um eines: Das Hobby, die Leidenschaft am Tanzen. Ich habe nicht darüber nachgedacht, dafür mal am Schreibtisch zu sitzen. Wir mussten ja auch viel trainieren (lacht). Aber mit dem Erfolg wurde ich zum Manager. Man muss die Auftritte ja organisieren, die Jungs koordinieren und neue Shows entwickeln. Aber der Job erfüllt mich, ich arbeite für meine große Leidenschaft. Einer klassischen Lohnarbeit möchte ich nicht nachgehen.

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„Gut gegen Böse”: Bei Flying Illusion kommt es zum klassischen Duell. Bild: promo

Bleibt da noch Zeit um selber zu tanzen?
Auf der Bühne bin ich nicht mehr aktiv, das liegt auch am Alter. Aber ich tanze noch regelmäßig und habe weiterhin viel Freude dabei.

Bis zu welchem Alter kann man die großen Bühnenshows tanzen?
Das hängt schon stark von den individuellen Voraussetzungen ab. Unser ältester Showtänzer ist aktuell 41 Jahre alt – und er macht immer noch verrückte Moves. Ihm sieht man sein Alter gar nicht an.

‘Wow, wie hast du denn diesen Move gemacht. Ich muss wohl nochmal trainieren gehen’

Bei „Flying Illusion“ kommt es in einer comichaften futuristischen Stadt zum ewigen Kampf zwischen Gut und Böse. Zu einem Kampf gehören immer Gewinner und Verlierer: Wie kann man denn ein Tanz-Battle gewinnen?
Die Tänzer müssen sich beweisen: Einer legt vor mit seinen Moves, der andere versucht, es besser zu machen oder mit eigenen Bewegungen zu antworten. Dabei entsteht ein kreativer kämpferischer Tanz, bei dem die Tänzer mit vielen Aspekten punkten können. Das Ziel ist, dass der Gegner denkt: ‘Wow, wie hast du denn diesen Move gemacht. Ich muss wohl nochmal trainieren gehen’. Oder dass die Zuschauer sich fragen, ob das Dargebotene wahres Können oder eine Illusion ist.

Illusionen sind Programm. Was erwartet die Zuschauer denn bei den anstehenden Shows?
Zum einen gibt es die klassischen visuellen Illusionen, wie man sie von Magiern kennt: Auftauchen, Verschwinden und Fliegen. Zum anderen hilft auch der Sound bei einigen Illusionen. Ein Highlight ist sicherlich der Kampf eines Tänzers mit seinem eigenen Schatten, der sich plötzlich selbstständig macht.

Verlosung (beendet)

Wir verlosen 3×2 Freikarten für „Flying Illusion” am Freitag, 25. Mai um 20 Uhr.

Um an der Verlosung teilzunehmen, schreiben Sie einfach bis zum 15. Mai eine E-Mail mit Betreff „Flying Steps” an akzente@pretzlaw.de . Die Gewinner werden per Mail von uns benachrichtigt. Hier geht’s zu unseren Teilnahmebedingungen für Gewinnspiele.

Die Technik ist trotzdem ein großes Hilfsmittel bei den Bühnenshows. Erwarten die Zuschauer heute mehr als vor 10 Jahren? Muss es immer funken, knallen und bunt sein?
Zum Glück nicht. Wir sind weiterhin eine Tanzshow. Der Tanz selbst hat sich so positiv weiterentwickelt, dass er eine Attraktion bleibt. Das Publikum sieht herausragende menschliche Leistungen, die Technik macht ein spannendes Gesamtkonstrukt daraus.

Wie haben sich die Übungen der Tänzer denn verändert?
Die Chance, das Tanzen zum Beruf zu machen und mehr zu trainieren, hat die Entwicklung klar vorangetrieben. Als wir früher nach der Schule oder neben der Arbeit tanzten, haben die Besten 30 Headspins geschafft. Das ist die bekannte Rotation, bei denen lediglich der Kopf den Boden berührt. Heute schaffen die Profis bis zu 120 Runden mit einem Schwung. Ansonsten werden die Kombinationen der Elemente immer länger und kreativer.

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Die Weltklasse von morgen? Bild: Promo

Stichwort Training: Die Flying Steps Academy, die du 2007 mitgegründet hast, ist die größte Urbane Tanzschule Deutschlands. Wie viele Tänzer lernen hier – und wie viele können es ganz nach oben schaffen?
Wir haben derzeit knapp 1.000 Tänzer, darunter viele Talente. Aber nur diejenigen, die echtes Durchhaltevermögen haben und ein Feuer entfachen, schaffen es ganz nach oben. Weltklasse werden so am Ende wahrscheinlich nur zwei oder drei. So eng ist es, wenn du wirklich ganz nach oben möchtest.

Und Weltklasse muss man sein, um bei den Flying Steps zu tanzen?
Langfristig schon. Aber wir fördern talentierte Tänzer, in dem wir sie zu den Flying Steps holen und hier versuchen, die Rohdiamanten zu schleifen.

In der Ankündigung zur Show sagst du weiterhin: „Wir sind Berlin, leben in dieser Stadt und lieben sie.“ Wieviel Berlin steckt denn in den Flying Steps?
Unser fester Kern besteht tatsächlich aus echten Berliner Jungs, die hier geboren sind. Oder wie ich zumindest hier aufgewachsen: Meine Familie kam aus dem Libanon nach Berlin, als ich sieben Jahre alt war. Unser Anspruch ist aber, den Tanz in seiner besten Form zu zeigen. Daher schauen wir auch über den Berliner Tellerrand hinaus. So haben wir auch ein paar Tänzer aus Frankreich in der Company– die jetzt aber auch Berliner geworden sind. (lacht)

Und welchen Einfluss hat Berlin auf euch gehabt?
Berlin bleibt niemals stehen, hat sich ständig neu erfunden – das hat auf uns abgefärbt, denke ich. Stillstand ist auf der Bühne auch tabu. (lacht) Dass wir Berlin weltweit repräsentieren können, macht mich stolz.

„‚Gefällt oder gefällt nicht’: Das Berliner Publikum ist authentisch.“

Und nun als das ausgiebige Heimspiel: 29 Shows in vier Wochen, knapp 50.000 Zuschauer können im Theater am Potsdamer Platz dabei sein. Ein ambitioniertes Projekt, oder?
Das stimmt. Uns war auch bewusst, dass das kein leichtes Brot wird. Aber wir lieben die Herausforderung. Von nix kommt nix.

Was erwartest du denn vom Berliner Publikum? Worin unterscheidet sich das Berliner Publikum vielleicht von dem in anderen Städten und Ländern?
In einigen Ländern rasten die Zuschauer schon vor der Show komplett aus, die Japaner sind völlig zurückhaltend und kommen erst nach der Show aus sich raus. Die Berliner sind im internationalen Vergleich weder laut noch leise, eher solide.

Das klingt erstmal nicht euphorisch.
Doch, doch. Ich mag das Berliner Publikum total. Die Berliner sind direkt und machen, worauf sie gerade Lust haben. So nach dem Motto ‚gefällt oder gefällt nicht’. Das ist authentisch, so ist die Stadt wie ich sie liebe.

Dann wünschen wir, dass möglichst viele den Hebel auf ‚gefällt’ legen. Aber zum Abschluss machen wir noch eine kleine Zeitreise zurück. Was würde der heutige Vartan Bassil dem Vartan Bassil von 1993 sagen, der gerade die Flying Steps gründet?
Puh, das ist schwierig. Es sind einige Dinge passiert, die meine Erwartungen weit übertroffen haben. Ich habe drei Kinder, eine tolle Frau, mache was mir Spaß macht. Daher hätte ich nur Angst, die Zukunft des damaligen Vartan zu verändern, wenn ich mit ihm rede. Ich sage ihm also lieber nichts – es ist ja alles gut gegangen.

Rabattaktion der Berliner Sparkasse

Die Berliner Sparkasse feiert ihren 200. Geburtstag und lädt alle Berlinerinnen und Berliner ein, daran teilzuhaben – unter anderen mit verschiedenen Rabattaktionen. Für „Flying Illusion“ erhalten die Kunden der Berliner Sparkasse so 25% Rabatt auf die PK 1-3. Buchbar online oder telefonisch unter 03047997476 mit der Eingabe bzw. Nennung des Kennwortes: Sparkasse.

Mehr Infos zu dieser und weiteren Rabattaktionen unter
https://www.berliner-sparkasse.de/de/home/200jahre.html

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