Titel Retro
Bild: Shutterstock
Zukunft schon heute

Trends von gestern

Die Zukunft ist nicht nur digital: Manche Dinge sind so gut, dass sie einfach bleiben, wie sie sind. Wir zeigen analoge Errungenschaften für die Ewigkeit.

D

as Ding sieht aus wie eine Mischung aus buntem Plastikspielzeug und futuristischem Miniatur-Raumschiff: Brigitte Baumgart streicht mit dem Finger liebevoll über das Gehäuse ihrer Polaroidkamera. Natürlich ist das Digitalzeitalter an der Berliner Fotografin nicht vorübergegangen. Doch in letzter Zeit greift sie immer wieder zur Sofortbildkamera, freut sich, wenn der schmale Schlitz am Kamerafuß mit leisem Surren das soeben geschossene Bild auswirft.

Sofortbildkamera
Bild: Promo

Sie liebt „diesen Effekt des Haptischen”, das sofort greifbare Ergebnis ihrer Arbeit. „Da schwirren die Fotos nicht im Nirwana von Computerfestplatten herum.” Und: Jedes einzelne Bild ist ein Unikat. Eines, das nicht immer perfekt ist. „Die Anfälligkeit für Fehler macht gerade den Reiz der Sofortbildfotografie aus”, sagt eine Kundin im Sofortbild-Shop von Simone Freitag in Mitte. Unscharfe, verwackelte Bilder – „das kommt vor”, sei eine besondere Ästhetik.

Immerwährende Retro-Welle

Mittlerweile werden hierzulande wieder mehr Sofortbildkameras verkauft als zu Zeiten der Analogfotografie. Doch nicht nur die erlebt eine Renaissance, sondern ebenso die analoge Spiegelreflexkamera. „Wir entwickeln wieder 60 bis 100 analoge Filme pro Tag”, erzählt Vincent Meyer, Juniorchef von Foto Meyer in Schöneberg.

Kleinbildfilme
Bild: Shutterstock

„Eine Generation, die ausschließlich mit digitaler Technik aufgewachsen ist, hat das Analoge für sich entdeckt.” Das Einstellen von Belichtung und Schärfe, das Festhalten des besonderen Moments, das Warten auf die Entwicklung des vollgeknipsten Rollfilms, das entschleunigt. Die eigene Dunkelkammer sei ebenfalls wieder angesagt, sagt Meyer.

FÜR FANS DER ANALOGEN FOTOGRAFIE

Foto Meyer, Weserstr. 1, Schöneberg, Tel.: 235 09 90
www.fotomeyer.de

Sofortbild Shop Berlin, Mulackstr. 22, Mitte, Tel.: 93 95 53 42
www.sofortbild-shop.de

Nostalgie ist angesagt. Das hat jüngst auch eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov ergeben. Danach stimmte 2015 gut jeder Vierte in Deutschland der Aussage „Früher war alles besser” zu. 2016 waren es schon 41 Prozent.
Fahrrad
Bild: Shutterstock

„Back to the roots” heißt es auch beim Fahrrad. Exakt 200 Jahre nach dessen Erfindung rollt die Retro-Welle wie noch nie. Holland-Rad mit geschwungenem Lenker und Ledersattel statt 27-GängeRad. Nicht nur bärtige Hipster machen Strecke auf schlichten Singlespeed-Rädern ohne Schaltung.

Auch die Rohre der Rahmen sind nicht mehr so dick wie vor ein paar Jahren, weiß Henrike Dyballa vom „Ostrad”. Beim Händler aus Prenzlauer Berg bestellen vornehmlich Mittzwanziger immer öfter klassische Rennradrahmen. „Die bauen sich ihre Räder selbst zusammen, ganz individuell”, sagt Dyballa. „Ist ja kein Problem, weil nicht so viel Technik dran ist.”

FÜR FANS BESONDERER FAHRRÄDER

Ostrad, Weinstr. 48, Prenzlauer Berg, Tel.: 44 34 13 93
www.ostrad.de

Pret-à-Vélo, Fehrbelliner Str. 17, Mitte, Tel.: 24 63 79 12
www.pret-a-velo.de

Mit den eigenen Händen etwas herstellen

Etwas selber machen, das ist das Stichwort. In aller Ruhe. Basteln und stricken, den Kaffee langsam durch den Porzellan-Filter in die Kanne laufen lassen, backen – und Marmelade kochen. Am besten mit Früchten aus eigenem Anbau. Aus dem Urban-Gardening-Projekt oder dem Schrebergarten. Was jahrzehntelang Inbegriff spießigen Rentnerdaseins mit Gartenzwerg war, gilt heute als perfekter Ausgleich zum hektischen, meist digitalen Alltag. „Außerdem weiß man dann, was man isst”, sagt die Weddinger Kleingärtnerin Geraldine Ströbl. „Ein Gefühl von Heimat.”

Marmelade
Bild: Promo

Auf die Zubereitung wie damals bei Oma setzt man auch bei der Berliner Bio-Marmeladenmanufaktur. „Wir halten die Zutatenliste kurz, kochen in ganz kleinen Töpfen”, erzählt Gabriele Kutzborski, eine der beiden Inhaberinnen, „damit das Aroma nicht verloren geht”.

FÜR MARMELADENFANS

Bio-Marmeladenmanufaktur, Obentrautstr. 64, Kreuzberg, Tel.: 68 32 40 44
www.biomarmelade-berlin.de

Moderne Zeiten: Vinylplatten aus dem Online-Shop

Bewusst genießen – darum geht es beim Essen ebenso wie bei der Musik. Ein Grund dafür, dass die Schallplatte seit Jahren Revival feiert. „Das hat doch was, so eine Platte aus der Hülle zu ziehen”, schwärmt Ken Husemann, „dann das Ding auf den Teller legen, vorsichtig den Tonabnehmer aufsetzen.” Das erste Knistern, schon bevor die Nadel die erste Musikrille erreicht hat, das liebt der 54-jährige Kreuzberger

Schallplatte
Bild: Shutterstock

Das ergraute Haar trägt er zum Zopf. Galten Männer wie er, die ewigen Hippies, lange als die Lebensretter des Vinyls, die Musik aus der schwarzen Rille dem Sound vom Silberling oder vom Laptop vorzogen, haben mittlerweile auch junge Leute die 33 Umdrehungen als die richtige Geschwindigkeit für ihr Leben ausgemacht. Vinyl als Revolte gegen den Massentrend, als Seelentröster auf der Suche nach Individualität.

„Schade nur, dass wir als klassischer Platteneinzelhandel, als ›Krämer‹, kaum etwas von dem Trend haben”, bedauert Bernd Leyon, Inhaber vom „Music Department” an der Kastanienallee in Prenzlauer Berg. Denn da sind die jungen Vinyl-Fans dann ganz Kinder ihrer Zeit – und kaufen Platten im Onlineshop im Internet. Außerdem: „Wissen Sie, ob digitale oder analoge Aufnahmen die Grundlage für Neupressungen sind?”, fragt Leyon. Die Industrie hat aus dem Trend längst wieder ein Geschäft gemacht. Kaum ein Produkt, von dem es keine Vintage-Version gibt.

FÜR VINYL-FANS

Oye Records, Oderberger Str. 4, Prenzlauer Berg, Tel.: 66 64 78 21
www.oye-records.com

Jazz Dreams, Hermann-Hess Str. 25, Niederschönhausen, Tel.: 54 84 05 50
www.jazz-dreams-hifi-berlin.de

Berliner-akzente-titel
Bild: Berliner Sparkasse

Leute von heute, Orte von morgen, Trends von gestern

„Die Zukunft – schon heute?“ ist der Schwerpunkt-Thema unseres aktuellen Print-Magazins. In der Sommerausgabe (Juli 2017) erzählen wir von Dingen, Menschen und Orten, die unter dem Titel »Die Zukunft – schon heute« Berlin als Zukunftsstadt mitgestalten und vorantreiben:

Leute von heute: Vier Berliner, die nicht auf die Zukunft warten wollen: Wie wir mit digitaler Technik besser leben und mit ökologischen Konzepten nachhaltig wirken können.

Orte von morgen: Wie wir in Zukunft leben, arbeiten, spielen und Krankheiten besiegen: Hier können Berlinerinnen und Berliner visionäre Ideen erleben.

Online-Banking ist keine Zukunftsmusik: Über die Unterstützung der Berliner Sparkasse für digitale Spätstarter.

Berlins nachhaltigstes Stadtquartier: Wie zahlreiche Unternehmen und Einrichtungen den EUREF-Campus in Schöneberg zu einem europaweit einzigartigen Zentrum für innovative Zukunftsprojekte machen.

Die Zukunft in der eigenen Immobilie: Warum sich die Investition in Wohnung oder Haus in Berlin weiterhin lohnt. Und warum die Berliner Sparkasse hier ein hervorragender Partner ist.

Diese Themen könnten Sie auch interessieren