Titel Theater
Bild: Florian Profitlich

Kultur

Was für ein Theater?!

Die neue Theater-Spielzeit beginnt: Rund 140 Theater aller Genres buhlen in Berlin um Zuschauer. Eine Vielfalt, die so manchen Berliner allerdings förmlich erschlägt. Wir geben den Überblick: Welches Theater eignet sich für wen?

Inhaltsspalte

1. Für Qualitätsbewusste

Die Theater-Kritiker des Feuilletons sind streng – doch bei den Inszenierungen von folgenden Häusern geraten sie über­durchschnittlich ins Schwärmen:

Maxim Gorki Theater
Maxim Gorki Theater Bild: [[http://www.shutterstock.com/gallery-1277254p1.html?cr=00&pl=edit-00|pavel dudek / Shutterstock]]

Maxim Gorki Theater
Auf das Wesentliche reduzierte Bühnenbilder, nackte Schauspieler, radikal interpretierte Klassiker: Das Schauspielhaus an der Prachtallee Unter den Linden beweist regelmäßig Mut zum Experiment – und wird dafür nicht selten mit Höchstbewertungen belohnt. Mit 440 Plätzen ist es das kleinste der Berliner Staatstheater. Doch die Energie der Stadt und die Geschichten seiner Einwohner fangen die Intendantin Shermin Langhoff und ihr Kollege Jens Hillje großartig ein.

Am Festungsgraben 2, 10117 Berlin-Mitte
www.gorki.de
Kartenbestellung: 20 22 11 15

Schaubühne
Schaubühne Bild: Gianmarco Bresadola

Schaubühne
Hier spielen sich die Theater-Größen dieser Stadt gegenseitig an die Wand: Lars Eidinger in gefeierten Shakespeare-Rollen oder Mark Waschke (Tatort) und Nina Hoss in „Bella Figura“ von Yasmina Reza oder „Die kleinen Füchse“. Zeitgenössisch, heftig, wagemutig – so sind die Inszenierungen an diesem Haus am Ku’Damm in Wilmersdorf häufig. Unser Tipp für September: Schatten (Eurydike sagt) von der Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek.

Kurfürstendamm 153, 10709 Berlin-Wilmersdorf
www.schaubuehne.de
Kartenbestellung: 89 00 23

Berlins Theater in Zahlen:

Zahl der Theater in Berlin insgesamt: 140
Zum Vergleich : 175 Museen, 300 Kinosäle
Quelle: Visit Berlin

Zahl der staatlich geförderten Theater: 35
Zahl der Zuschauer 2015: 3,1 Millionen
Tendenz: stagnierend, aber auf hohem Niveau
Quelle: Tagesspiegel

Die Theater mit den höchsten Besucherzahlen :
Berliner Ensemble (175.000), Deutsches Theater (160.000), Volksbühne (143.000), Schaubühne (119.000), Maxim Gorki (100.000)

Quelle: Nachtkritik

2. Für Einsteiger ins Theaterleben

An diesen Theaterhäusern kommt kein Freund der Hochkultur vorbei: Das Deutsche Theater und das Berliner Ensemble. Beide liegen nur unweit voneinander – und könnten doch kaum unterschiedlicher sein.

Deutsches Theater
Deutsches Theater Bild: [[http://www.shutterstock.com/gallery-3419207p1.html?cr=00&pl=edit-00| hinterhof / Shutterstock]]

Deutsches Theater
Bereits die Fassade zeigt die Ausrichtung dieser Sprechtheater-Bühne: Elegant, klassisch, traditionsreich. Das Haus gehört zu den bedeutendsten Theatern im deutschsprachigen Raum. Hier erleben Zuschauer Klassiker wie „Nathan der Weise“ von Lessing oder Stücke zeitgenössischer Autoren, aktuell „Tschick“ nach Wolfgang Herrndorf. Und diese Inszenierungen sind alles andere als angestaubt! Hier spielt Corinna Harfouch mal die Furie, oder nimmt das Publikum auf der Bühne Platz, während sich die Schauspieler durch leere Sesselreihen spielen.

Schumannstraße 13a, 10117 Berlin-Mitte
Kartenbestellung: 28 441 225
www.deutschestheater.de

Berliner Ensemble
Intendant Claus Peymann hat das Haus mit seiner linkspolitisch aneckenden Art geprägt. Im September beginnt seine letzte Spielzeit an dem Theater am Schiffbauerdamm, das einst kein Geringerer als Bertolt Brecht gegründet hat. Geblieben ist der Geist des Politischen, regelmäßig reflektiert das Haus aktuelles Zeitgeschehen mit neu interpretierten Theaterklassikern. Unser Tipp für diese Saison: „Die Räuber“ von Friedrich Schiller. Wer sich vorab auf den Theaterabend einstimmen will: Die Dramaturgen bieten eine Dreiviertelstunde vor Beginn oft eine Einführung im Foyer.

Bertolt Brecht Platz 1, 10117 Berlin-Mitte
www.berliner-ensemble.de
Kartenbestellung: 28 40 81 55

3. Für einen unvergesslichen Besuch

Volksbühne
Volksbühne Bild: [[http://www.shutterstock.com/gallery-3419207p1.html?cr=00&pl=edit-00| hinterhof / Shutterstock]]

Volksbühne
Eines ist klar: Frank Castorfs Kunsttempel ist alles andere als ehrwürdig-eingestaubt. Der Intendant gilt als „Meister des Stückezertrümmerns“. Die Zuschauer sollen mit Situationen konfrontiert werden, die sie ratlos machen. So kann es schon mal sein, dass sie sich auf den nackten Boden setzen müssen (so geschehen bei René Polleschs Stück „Service/No Service“). Unser Favorit: Herbert Fritsch widmet sich dem Weltuntergang und bringt die „Apokalypse des Johannes“ auf die Bühne.

Linienstraße 227, Berlin-Mitte
www.volksbuehne-berlin.de
Kartenbestellung: 24 06 57 77

4. Für Freunde des Lokalkolorits

Heimathafen
Heimathafen Bild: Promo

Im Heimathafen Neukölln stehen der Bezirk und seine Bewohner im Mittelpunkt. Volkstheater im wörtlichen Sinne. Hier geht es um Heimatgefühle genauso wie um Migrationskonflikte. Die neue Spielzeit beginnt mit „Ultima Ratio“: Darin wird die aktuelle Flüchtlingsdebatte als „Live Graphic Novel“ aufbereitet. Hoher Gänsehaut-Faktor!

Karl-Marx-Straße 141 in 12043 Berlin-Neukölln
www.heimathafen-neukoelln.de
Kartenbestellung: 56 82 13 33

Prime Time Theater
Prime Time Theater Bild: Janina Heppner / Ivonne Schulze

Prime Time Theater im Wedding
Ein Bezirk als Trash-Soap: „Gutes Wedding, schlechtes Wedding“. Mittlerweile gibt es mehr als 100 Folgen der „Live-Sitcom“ rund um humorvoll-ironische Alltagsbeobachtungen im Leben der Hauptfiguren Kalle, Sabrina und Murat.

Müllerstraße 163b, 13353 Berlin-Wedding
http://primetimetheater.de
Kartenbestellung: 49 90 79 58

5. Für Eltern mit Theatermuffel-Teenagern

Theater unterm Dach
Theater unterm Dach Bild: Beate Höckner

Theater unterm Dach
Das Haus gilt als Brutkasten für Talente. Das Theater unterm Dach, in Szenekreisen liebevoll TuD genannt, sieht es als seine Aufgabe, junge Künstler zu unterstützen. So machten Schauspielerin Corinna Harfouch und der Regisseur Sebastian Hartmann in dem nur 80 Plätze fassenden Haus erste Bühnenerfahrungen.

Danziger Straße 101, 10405 Berlin-Prenzlauer Berg
www.theateruntermdach-berlin.de
Kartenbestellung: 90 29 53 817

Grips Theater
Grips Theater Bild: [[https://commons.wikimedia.org/wiki/File:GRIPS_am_Hansaplatz.jpg?uselang=de|Wikimedia / Miriam Guterland]] – [[http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/|CC BY-SA 3.0]]

Grips-Theater
Das Grips stellt die Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen in den Mittelpunkt. Bereits seit 30 Jahren ist das Stück „Linie 1“ perfekt, um Berlin-Besuchern einen Einblick zu geben, wie die Hauptstädter so ticken. Die Handlung der musikalischen Revue fesselt erfahrungsgemäß selbst wenig theateraffine Teenies: Eine Ausreißerin aus der Provinz landet am Bahnhof Zoo, auf der Suche nach ihrem Märchenprinzen, einem Berliner Musiker. Auf der U-Bahn-Linie 1 begegnet ihr ein Kaleidoskop großstädtischer Typen und Schicksale.

Altonaer Straße 22, 10557 Berlin-Tiergarten
www.grips-theater.de
Kartenbestellungen: 39 74 740

6. Für den romantischen Abend

Ob Hamlet oder Romeo und Julia: Shakespeares Stücke sprühen vor Gefühlen – und eignen sich hervorragend für einen romantischen Theaterbesuch mit einem Date. Damit noch genügend Zeit fürs romantische Dinner bleibt, zeigt die Vaganten-Bühne in Charlottenburg „Shakespeares sämtliche Werke leicht gekürzt“. Was sonst 120 Stunden dauern würde, geht hier in 90 Minuten über die Bühne. Zusätzlich werden die Stücke in moderne Szenerien verlagert.

Kantstraße 12 a, 10623 Berlin-Charlottenburg
www.vaganten.de
Kartenbestellung 31 24 529

7. Für Fernseh-Promi-Fans

Wenn die Eltern oder andere Verwandten mal zu Besuch in Berlin sind, lohnt dieser Theaterbesuch: Hier gibt es die Fernsehgesichter aus ARD und ZDF zum Anfassen:

Schlosspark Theater
Schlosspark Theater Bild: DERDEHMEL / Urbschat

Schlosspark Theater
Intendant Dieter Hallervorden präsentiert im September „Honig im Kopf“, die Adaption des Drehbuches von Til Schweiger über den Umgang mit Demenz. Karsten Speck, bekannt als Moderator und aus Fernsehserien hat eine tragende Rolle.

Schlossstraße 48, 12165 Berlin-Steglitz
www.schlossparktheater.de
Kartenbestellung: 78 95 66 71 00

Renaissance Theater2
Renaissance Theater Bild: Florian Bolk

Renaissance-Theater
Hochwertiges Boulevard-Theater mit prominenter Besetzung. Im Songdrama Ewig Jung singt und spielt aktuell Angelika Milster, bekannt aus der ZDF-Serie „Der Landarzt“.

Knesebeckstraße 100, 10623 Berlin-Charlottenburg
www.renaissance-theater.de
Kartenbestellung: 312 42 02

8. Für Freunde von Humor mit Tiefgang

Distel
Distel Bild: Joerg Metzner

Bissiger Humor, Spott über brandaktuelle Politik und Stachel „am Regierungssitz“: So präsentiert sich das Kabarett-Theater „Die Distel“ an der Friedrichstraße. Ob in Sketchen, Solonummern oder sarkastischen Songs: Das Kabarett-Theater begreift seine Nähe zum Reichstag und Kanzleramt als Anreiz zum kabarettistischen Rundumschlag. Fürs Publikum gibt’s folglich jede Menge Lachsalven – und Tiefgang.

Friedrichstraße 101, 10117 Berlin-Mitte
www.distel-berlin.de
Kartenbestellung: 20 44 704

Schnäppchen-Tipps: Einfach und günstig an Karten kommen

1. Gewusst wann:
Einmal im Monat ist zum Beispiel im Deutschen Theater Blauer Tag, dann kosten alle Plätze 12 Euro.

2. Gewusst wie
Als Mitglied im Verein Freie Volksbühne Berlin kann man die Berliner Kultur­szene preiswert und bequem er­kunden. Karten sind bis zu 40 Prozent billiger als an der Abend­kasse. Bei der Karten­be­stel­lung wird kompe­tent beraten.

Jahresmitgliedschaft ab 36 Euro
www.lustaufkultur.de

Beim Maxim Gorki gibt es immer ein Kontingent an Karten, das nicht in den Vorverkauf geht, sondern an der Abendkasse zurückgelegt wird.

Ansonsten: Beim Newsletter des jeweiligen Theaters anmelden – und sofort zuschlagen.

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