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Bild: Barbara Dietl
Street Food

Die neue Esskultur

Berlinerinnen und Berliner entdecken den schnellen Genuss in Gourmetqualität: Angesagte Streetfood-Events verführen zu neuen und nachhaltigen Geschmackserlebnissen aus aller Welt.

E

s dauert gerade mal fünf Minuten und man hält ein dampfendes Etwas in den Händen – eine herrliche Schweinerei, die kaum ohne klebrige Finger und besudeltes Gesicht essbar ist. Eine Dampfnudel, gefüllt mit mariniertem Schweinefleisch und Koriander: Vietnamesisches Streetfood, serviert von Bao Burger in der Markthalle Neun . Dank angesagter Streetfood-Events ist die Stadt zum Mekka für unkomplizierte Feinschmecker geworden.

Markthalle Neun Baklawa
Bild: Barbara Dietl

Geschmack aus aller Welt

„Berlin ist inzwischen wie eine Miniaturausgabe der Streetfood-Metropole Singapur”, sagt Miranda Zahedieh vom Bite Club, der den Berliner Hunger nach ausgefallenem Essen mit dem Berliner Hunger nach Party kombiniert.

Markthalle Neun
Bild: Barbara Dietl

„Kreative Menschen aus der ganzen Welt teilen den Geschmack, den sie von zuhause kennen, mit der Stadt, in der sie leben”, so Miranda. Im letzten Sommer kamen zu den Bite Club Fridays mit DJs und Streetfood-Wägen mehrere tausend Gäste.

Die richtigen Standorte für die fahrbaren Küchen des Bite Clubs zu finden, ist allerdings gar nicht so einfach. Während solche Food-Trucks in den USA überall stehen können, wo es eben hungrige Kunden gibt, brauchen sie in Deutschland eine Genehmigung.

„Kein Trend, sondern eine Bewegung“

Deshalb hält Marvin Lerche mit seinem grünen Gorilla Barbecue -Mobil gerne auf Parkplätzen von Unternehmen. Das ist Privatgelände und demnach eine Sache der Absprache. Er findet es okay, dass nicht jeder überall stehen darf. „Sonst hätten wir vor dem Brandenburger Tor hundert Döner-Trucks”, so der 31-Jährige. Marvin kreiert seine Spezialitäten alle selbst. Grundlage ist immer das klassische amerikanische Barbecue – 14 Stunden lang gegartes Schweinefleisch. Das wird kombiniert mit anderen Einflüssen, zum Beispiel aus Asien. Heraus kommt dann der Taco Asia mit Miso-Soße und Wasabi-Mayonnaise.

Markthalle Neun
Bild: Barbara Dietl

Kreative, exotische Rezepte – das macht für viele den Reiz von Streetfood aus. Den Machern des Streetfood Thursday in der Markthalle Neun reicht das nicht. Sie wollen die Art zu essen und zu konsumieren verändern. „Für uns ist das nicht nur ein Trend, sondern eine gesellschaftliche Bewegung”, so Nikolaus Driessen vom Markthalle-Team. Gutes Essen – das hat für den Kreuzberger Streetfood-Pionier viel damit zu tun, wie und wo die Zutaten produziert wurden. „Wir wollen aber die Leute nicht über ihren Verstand erreichen, sondern über Auge und Bauch.” Deshalb muss gutes Essen eben erst mal gut aussehen und gut schmecken.

Streefood bedeutet Freiheit

Dafür sorgen die Köche, egal, ob Profi oder Autodidakt. Viele von ihnen träumen vom eigenen Restaurant. „Einige stehen kurz davor”, erzählt Driessen. Manche genießen aber auch die Freiheit, die Streetfood mit sich bringt. „Streetfood ist eine Art Mikrobusiness, das perfekt in Berlins wachsende Mikrowirtschaft passt”, so Miranda vom Bite Club.

Markthalle Neun
Begehrte Hefeklöße: Bao Burger in der Markthalle Neun. Bild: Barbara Dietl

Seit letztem Sommer leuchtet noch ein weiterer Stern am Berliner Streetfood-Himmel: der sonntägliche Village Market in den Hallen der Neuen Heimat in Friedrichshain. „Um 12 Uhr stehen längst die ersten vor dem Tor”, sagt Veranstalterin Janica Hieronimi. „Und das sind nicht nur die Feierleichen. Zu uns kommen auch gerne junge Familien.” Sie alle verbindet der Genuss: „Bei uns kann man sich eben all around the world futtern.”

Markthalle Neun
Bild: Barbara Dietl

Streetfood:

Adressen und Termine

Kulinarisches Kino
Streetfood-Wagen der Markthalle Neun auf der Berlinale, 5.-15. Februar am Potsdamer Pl.
www.berlinale.de

Pioniere zum Genießen
Streetfood Thursday, Do. 17-22 Uhr, Markthalle Neun, Eisenbahnstr. 42, Kreuzberg (U-Bahnhof Görlitzer Bahnhof).
www.markthalleneun.de

Futtern und Feiern
Berlin Village Market, So. 12-22 Uhr, Neue Heimat, Revaler Str. 99, Friedrichshain (U-/S-Bahnhof Warschauer Brücke).
www.neueheimat.com

Streetfood heißt Freiheit
Bite Club, unregelmäßig an verschiedenen Orten.
www.biteclub.com

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