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Titel Interview Katja Lucker Musicboard Berlin
Bild: Shutterstock
Interview

Sound of Berlin: „Berlin ist ein Schmelztiegel der Musik“

Katja Lucker leitet das städtische Musicboard Berlin. Die bundesweit einzigartige Einrichtung setzt sich aktiv für die Popmusikszene der Hauptstadt ein, unterstützt in Berlin lebende Künstler, kämpft für bezahlbare Probenräume, fördert und veranstaltet Festivals wie „Pop-Kultur“ und „Fête de la Musique“.

„Berlin ist möglicherweise die musikalisch aktivste Stadt der Welt“, schrieb kürzlich die New York Times. Würden Sie diesen Satz unterschreiben?

Na klar. Höchstens Austin in Texas kann noch mit Berlin konkurrieren. Hier in Berlin ist seit dem Mauerfall enorm viel entstanden. Der Techno kam über New York nach Berlin, die Love Parade ging hier an den Start. Die Stadt ist ein Schmelztiegel für Musikerinnen und Musiker aus der ganzen Welt. Die Berliner Clubszene ist mit rund 300 Clubs unglaublich vielfältig – und mit dem Berghain hat Berlin zweifellos den berühmtesten Club der Welt.

Was zeichnet die Musikstadt Berlin aus?

Ihre Offenheit. Berlin hat Musikerinnen und Musikern schon immer viel Freiraum geboten. Hier können sie experimentieren, müssen nicht gleich auf Hochglanz poliert sein. Und: Hier findet jeder seine Community – ob das Singer-Songwriter sind, Reggae-Musiker oder Hip-Hopper. Auch eine kleine Metal-Szene gibt es. Zudem sind große Labels ebenso ansässig wie Indie-Firmen, wir haben eine tolle Rundfunklandschaft, viele Konzerthallen und Open-Air-Spielstätten, dazu spannende Festivals. Eine solche Bandbreite hat keine andere Stadt. Was aber nicht bedeutet, dass man unbedingt sofort das große Geld verdienen kann. Bei allem Optimismus mache ich mir derzeit große Sorgen um die kreative Start-up-Szene.

Katja Lucker, Musicboard Berlin
Katja Lucker, Musicboard Berlin. Bild: Johanna Ruebel

Bislang galten die Rahmenbedingungen in Berlin für Musiker als besonders günstig. Was ist es, das Ihnen Kummer bereitet?

Der Immobilienboom verteuert die Räume für Kreative. Wir haben gerade eine Situation, in der immer mehr Probenräume wegbrechen, in der Clubs und Spielstätten von Investoren, die in Berlin »shoppen gehen«, gekündigt werden. Das nimmt mittlerweile dramatische Züge an.

Gibt es Möglichkeiten, gegenzusteuern?

Ich führe viele Gespräche mit Investoren, werbe um ihr Verständnis. Denn eine Stadt, aus der Kreative verdrängt werden, wird langweilig. Das Land Berlin hat ebenfalls bereits reagiert, indem es Gebäude zurückkauft – wie das Radialsystem oder die Alte Münze, die saniert und zum Musikstandort entwickelt wird.

Welche Möglichkeiten hat das Musicboard insgesamt, die Branche zu unterstützen?

Wir haben verschiedene Förderprogramme – vom „Karrieresprungbrett Berlin“ über „Pop im Kiez“ bis zur Festivalförderung. Wir vergeben Stipendien – beispielsweise für Plattenaufnahmen – und haben die Supportförderung, vermitteln Ansprechpartner. Angefangen haben wir mit einem Budget von rund einer Million Euro, mittlerweile vergeben wir jährlich mehr als vier Millionen Euro Fördermittel, davon allein 400.000 Euro für Festivals.

www.musicboard-berlin.de

Der Sound von Berlin

Erfahren Sie mehr über die Vielfältigkeit des Berliner Musikgeschäfts und Berliner Künstler in unserer Reportage „Der Sound von Berlin“.

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