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Titel Sommer-cocktails
Bild: Cielito M. Vivas

Was Berliner Barkeeper empfehlen: Sommer-Cocktails 2016

Moscow Mule, Hugo und Aperol Spritz: In den vergangenen Jahren dominierten Trendgetränke. Doch wie sieht es 2016 aus? Die Antworten sind überraschend vielfältig – und zeigen trotzdem einen klaren Trend.

Ein kurzes Zischen, ein leises Gurgeln. Luca Maranta (36) von der Monkey Bar schüttelt noch einmal die Edelstahlflasche kräftig und drückt dann den Hebel: Eine rosafarbige Masse strömt aus der Öffnung, ein Erdbeer-Vanille-Schaum (von Barkeepern „Espuma“ genannt), der den Fizzy Sunrise krönt. Er ist eine Eigenkreation. Die Basis des erfrischend-fruchtigen Cocktails bildet ein Wermut-Rosé aus Deutschland, der auf Eis und mit Lime Cordial und Limettensaft serviert wird. Der fruchtig-süße Schaum besteht aus frischen Erdbeeren, Eiweiß und selbstgemachtem Vanillesirup. Ein Traum für Naschkatzen.

Im Trend: homemade und regional

Eine Mischung aus „klassisch und modern“ nennt Maranta die Cocktail-Kreationen. Das passt auch zur Location: Die Monkey Bar im obersten Stockwerk des 25hours Hotel Bikini Berlin mitten in der City West.

Luca Maranta Monkey Bar
Ein Mann schäumt: Barkepper Luca Maranta von der Monkey Bar mit dem „Fizzy Sunrise“. Bild: Julia Schattauer

„Der Trend geht zu Homemade und regionalen Produkten“, da ist sich der Assistent Bar Manager sicher. „Wir nehmen bei unseren Cocktails ein klassisches Gerüst wie einen Sling, Tiki oder Punch und kombinieren ihn mit etwas Besonderem wie hausgemachter Marmelade oder eben der Espuma“.

„Im Sommer wollen die Leute keinen schweren Whisky sondern etwas Frisches und Fruchtiges,“ weiß der 36-Jährige. In Kombination mit saisonalen und regionalen Produkten ist der Fizzy Sunrise deshalb ein tolles Trendgetränk für diesen Sommer“, prognostiziert Luca Maranta und entschuldigt sich, die Arbeit ruft.

Fizzy Sunrise
Der „Fizzy Sunrise“ ist eine Eigenkreation mit Trend-Potenzial für den Sommer. Bild: Julia Schattauer

Doch wie entsteht ein Trendgetränk? „Richtig große Trends wie beispielsweise der Aperol Spritz kamen durch Marketing-Kampagnen von Firmen“, berichtet Nils Wrage, Chefredakteur des Cocktailmagazins „mixology “. Ein anderer Faktor seien Trendaromen und Trendfrüchte. Hier sieht Wrage heimische Beeren oder auch Zwetschge und Quitte weit vorne, die als Obstbrände oder frische Zutat in den Cocktail kommen. „Wo vor ein paar Jahren noch exotische Früchte wie Melonen angesagt waren, wenden sich die Barkeeper dieses Jahr mehr denn je heimischen Früchten zu.“

Experimente statt Standards

Ortswechsel: Eine Gruppe Mittdreißiger hat sich rund um die Bar im Knutschfleck am Alexanderplatz versammelt. Vor ihnen werden gerade Spirituosen, Shaker und Früchte aufgestellt. Gleich kann es losgehen. „Die Cocktailkurse sind der Renner“, erklärt Stefanie Knispel (26), Marketing Director in der Cocktail- und Varietébar. Hier bekommen die Besucher keine Standardrezepte gezeigt – Experimentieren steht stattdessen auf dem Plan. Was passt zusammen, was nicht? Schmecken, riechen, ausprobieren. „Wir wollen unsere Gäste ermutigen und neugierig machen auf neue Geschmäcker“, sagt Knispel.

Knutschfleck
Berlins erste Cocktail-Börse „Knutschfleck“ setzt nicht nur auf Klassiker, sondern kredenzt auch Neues. Bild: Promo

„Handmade“ steht im Knutschfleck an der Tagesordnung. „Von rund 130 Cocktails auf der Karte sind circa 100 Eigenkreationen“, betont sie. Wer gediegenes Kerzenlicht sucht, ist im Knutschfleck falsch. In der großräumigen Bar im Stil der 1950er-Jahre stehen Burlesque-Shows, Tanzabende, Karaoke – und eine Cocktailbörse – auf dem Programm. Letztere funktioniert so: Je mehr die Leute von einem Cocktail bestellen, desto billiger wird er.

Für Stefanie Knispel könnte das Trendgetränk 2016 der Showtime 43 werden. Die Eigenkreation mit Likör 43, Milch und Schlagsahne kommt zwar relativ klassisch daher, aber das selbstgemachte Erdbeermark ist „unschlagbar fruchtig und die Erdbeere eine tolle saisonale und regional Frucht“, meint die Cocktailkennerin.

Keine Bestellung ohne Beratung

„Regional“ ist auch das Stichwort für Laura Maria Marsueschke (30), Inhaberin der Thelonious Bar in der Neuköllner Weserstraße. Edles Design, indirektes Licht und sanfter Jazz hüllen die Bar in ein stilvolles Wohlfühl-Ambiente. Entschleunigung pur. Statt den Blick auf die Standardkarte zu werfen, verlassen sich Gäste auf die Empfehlung der Inhaberin: „Mir ist die persönliche Beratung wichtig. Herausfinden, was der Gast will.“ Bei Gästen entwickle sich immer mehr ein Bewusstsein für qualitativ hochwertige Cocktails.

Thelonious Bar Laura Maria Marsueschke
Laura Maria Marsueschke von der Neuköllner „Thelonious Bar“ meint, regionale Zutaten für Cocktails seien stark im Kommen. Bild: Cielito M. Vivas

Bewusster Genuss, gute Drinks und ein Barkeeper – oder in diesem Fall Barkeeperin, die eine Geschichte zum Produkt erzählen kann – das ist die Philosophie der Thelonious Bar. Für Laura Maria Marsueschke läuft der Trend 2016 auf GSA-Produkte hinaus: Produkte aus Germany, Switzerland und Austria. Regionale Produkte sind gefragt wie nie zuvor. „Das betrifft sowohl die Spirituosen selbst als auch die frischen Zutaten wie Früchte oder Kräuter“, erklärt die Bar-Inhaberin.

„Heute gehen Barkeeper tatsächlich wieder raus in die Natur und sammeln Kräuter, pflücken Kirschen oder Blumen für ihre Kreationen“. Als heiße Anwärter auf Trend-Spirituosen sieht Marsueschke aber auch durchaus Exoten wie Mezcal und Sotol , zwei mexikanische Brände aus Spargelgewächsen. „Momentan sind das noch absolute Nischenprodukte, doch ich glaube, die werden ganz groß“, sagt die Barkeeperin. „Die Mezcal- und Sotolherstellung ist noch echte Handwerkskunst mit Geschichte und das kommt an.“

Mit Feilchen und Lavendel

„Den Trendcocktail 2016 gibt es nicht“, meint wiederum David Wiedermann, Inhaber der Reingold Bar und Leiter der Sage Cocktails Barschule Berlin . „Aber es gibt Geschmäcker und Komponenten, die gerade angesagt sind.“ Hinter dem meterlangen Bartresen taucht die goldenen Farbe die ganze Location in warmes Licht. Edel, klassisch, exklusiv.

Reingold Lavendel Gimlet
Und beim „Reingold“ sieht man florale Aromen wie Lavendel oder Gimlet im Trend. Bild: Julia Schattauer

„Nur weil es heißt, dass gerade Energizer im Trend liegen, ziehen wir da nicht mit“, erklärt der Inhaber, „wir sind und bleiben klassisch“. Das bedeutet aber keineswegs, dass im Reingold nichts Neues ausprobiert wird. „Wir arbeiten mit Klassikern und überraschen mit Details“, erklärt Wiedemann. „Im Moment sind florale Aromen beliebt“. Zum Beispiel Veilchen oder Lavendel. „Mein Favorit dieses Jahr ist der Lavendel Gimlet“, sagt er und öffnet die Box, aus der ein Duft vom frischen Lavendelblüten strömt. Hieraus wird zusammen mit selbstgemachtem Honigwasser, frischer Limette und dem passenden Gin dann ebenfalls ein formidabler Sommercocktail.

Restaurant-Tipps für jeden Geschmack

Knapp vier Millionen Einwohner und fast ebenso viele Geschmäcker, verschiedene Kulturen und Küchen: Die Vielfalt unserer Stadt spiegelt sich auch im kulinarischen Angebot wieder, 4.500 Restaurants öffnen hier täglich. Wir haben schöne Lokale und leckere Speisen für unsere Leser herausgesucht – von regional bis international und von Hausmannskost bis exotisch. Außerdem: Die schönsten Frühstückslokale und besten Orte für Tee-Zeremonien.

Alle Gastro-Tipps von Berliner Akzente finden Sie hier.

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