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Titel Mobilitaets-sharing
Bild: Coup Mobility GmbH
Sharing-Anbieter im Vergleich

Mobil auf zwei und vier Rädern – Sharing macht’s möglich

Mobile Sharing liegt im Trend: Mietautos und Leihfahrräder, per App buchbare Elektro-Motorroller – der Markt ist in den vergangenen Jahren enorm gewachsen, mit ihm die Fahrzeugflotte. Unzählige Anbieter buhlen um die Gunst der Kunden. Aber wer bietet eigentlich was an? Und zu welchen Konditionen?

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rst seit Mitte Juni sind E-Scooter in Deutschland zugelassen. Und von Anfang an ist der Markt in der Hauptstadt heiß umkämpft. Der Sharing-Anbieter Circ war der erste, der seine elektrischen Tretroller in Berlin auf die Straße brachte. Kurz darauf gingen Lime, Voi, Bird und Tier mit ihren Scootern in den Innenstadtbezirken an den Start. Die Uber-Tochter Jump schickte Mitte September ihre leuchtend roten Roller ins Rennen.

E-Scooter für kurze Strecken

Das Ausleihen ist denkbar einfach: Kostenlose App herunterladen, sich registrieren, Kreditkartendaten hinterlegen, schon kann’s losgehen. Bei 1 Euro Grundgebühr und 15 Cent pro angefangener Minute eignen sich die Scooter besonders, um kürzere Strecken zurückzulegen – schnell und ohne lange nach einem Parkplatz suchen zu müssen.

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Bild: Tier

Eine Batterieladung reicht für mittlere Strecken bis zu 40 Kilometern. So weit fährt aber kaum jemand – denn bislang dürfen die E-Scooter nur in der Innenstadt ausgeliehen und auch nur in einem genau definierten Innenstadtbereich wieder abgestellt werden. In welchem Radius man sich bewegen darf, erfährt man über die jeweilige App.

ADFC: E-Scootern sinnvoll für „die letzte Meile“

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) sieht die E-Roller als stadt- und umweltverträgliche Alternative für die „letzte Meile“ – also den Weg von und zu Haltestellen des öffentlichen Nahverkehrs – und als gute Ergänzung zum ÖPNV. „Ebenso wie Fahrräder fahren sie emissionsfrei, leise und brauchen kaum Platz“, sagt Nikolas Linck, Sprecher des ADFC Berlin. Allerdings seien sie „weniger nachhaltig als einigermaßen hochwertige Fahrräder“, schränkt er mit Blick auf die Produktion und den schnellen Verschleiß der E-Roller ein.

Wo dürfen E-Scooter fahren?

  • E-Scooter sind auf Radwegen, Radfahrstreifen und in Fahrradstreifen erlaubt. „Nur wenn diese fehlen, darf auf die Fahrbahn ausgewichen werden“, informiert der ADAC. Gehwege und Fußgängerzonen sind dagegen für E-Tretroller tabu. Bei Verstößen droht ein Bußgeld. Außerdem sollten die kleinen Roller nicht mitten auf Gehwegen oder in Einfahrten geparkt werden.
  • Das Mindestalter liegt bei 14 Jahren
  • Es besteht keine Helmpflicht
  • Für die Scooter-Fahrer gelten die gleichen Alkoholgrenzwerte wie für Autofahrer
Escooter-tier 2
Bild: Tier

Nachhaltigkeit bei E-Scootern fragwürdig

Ähnlich sieht das der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC). Nicht nur für Batterieherstellung und -entsorgung seien beträchtliche Ressourcen notwendig, erklärt Sandra Hass, Sprecherin des ADAC Berlin-Brandenburg, „sondern auch für das Einsammeln der E-Scooter über Nacht zum Aufladen und die anschließende Neuverteilung über das Geschäftsgebiet mit konventionell angetriebenen (Diesel-)Transportern“. Anders als der ADFC schätzt der ADAC aber ein, dass die Scooter noch eher selten von Pendlern genutzt werden, sondern vornehmlich von Touristen. Die Verleiher böten die Roller ja auch insbesondere rund um touristische Hotspots an, sagt Sandra Hass.

E-Bikes sind beliebtes Sharing-Angebot

Trotz der Scooter-Welle liegen nach wie vor Leihfahrräder hoch im Kurs. Da unterscheiden sich die Angebote – abgesehen von den verschiedenen Fahrrad-Typen – darin, wo sie ausgeliehen und wieder abgestellt werden können. Räder von Nextbike zum Beispiel leiht man an den Stationen des Anbieters aus und muss sie auch an eine Nextbike-Station wieder zurückbringen.

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Bild: Shutterstock

Wo in der Nähe sich eine solche befindet, lässt sich auf der Standortkarte in der App feststellen. Die orangefarbenen Räder von Donkey Republic – die übrigens auch für eine ganze Woche ausgeliehen werden können – sind ebenfalls stationsgebunden. Anders ist das beispielsweise bei Lidl-Bikes, die man an jeder Straßenecke wieder abstellen kann. Mit diesem stationsungebundenen System sind die Nutzer etwas flexibler.

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Verschiedene Fahrrad-Sharing-Modelle

Stationsloses Bike-Sharing ermöglichen in Berlin unter anderem Lime, Mobike oder Jump. Jeder Anbieter hat dabei bestimmte Besonderheiten. Lime zum Beispiel vermietet „normale“ Fahrräder ebenso wie Elektrofahrräder und auch Scooter. Das normale Velo schlägt mit einem Euro pro halber Stunde zu Buche, für Elektrounterstützung sind zusätzlich 15 Cent pro Minute zu berappen. Bei Mobike dagegen ist die erste Fahrt kostenlos, danach richtet sich der Preis nach dem eigenen Mobike-Kredit: Bei gutem Verhalten werden Kreditpunkte gutgeschrieben, bei unangemessenem Nutzerverhalten gibt es Punktabzug.

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Bild: Shutterstock

Vorteil wiederum bei Lime: der große Radius, in dem die Räder genutzt werden können. So kann man sie in Vororten abstellen oder in Potsdam – was den Abieter für Pendler attraktiv machen könnte. „Leicht verfügbare Leihräder locken Menschen raus aus dem Auto und rauf aufs Rad“, sagt ADFC-Sprecher Linck. „Dadurch werden die Städte von Stau, Lärm und Schadstoffen entlastet.“ Essenziell für ein gut funktionierendes Leihradsystem sei aber dessen Engmaschigkeit. „Wenn man erst mehrere hundert Meter laufen muss, steigt man doch eher ins Auto oder ins Taxi“, schätzt er ein.

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Carsharing: große Angebotsauswahl in der Hauptstadt

Vielfältig sind auch Carsharing-Angebote in Berlin. Hier gibt es ebenso wie bei den Zweirädern den Unterschied zwischen fahrbaren Untersätzen, die an einer Ausleihstation abgeholt und wieder abgegeben werden müssen und solchen, in die man nach dem Free-Floating-Prinzip im gesamten Geschäftsgebiet eines Verleihers ein- und aussteigen kann. Nach dem Free-Floating-Prinzip agieren in Berlin unter anderem die zu Share Now fusionierten einstigen Konkurrenten Car2go und DriveNow, aber auch das Berliner Start-up Miles, bei dem die Kunden nicht für die Leihdauer, sondern die gefahrenen Kilometer zahlen. Die Miles-Flotte umfasst neben Pkw auch Transporter.

Auch VW mischt bei Carsharing mit

Noch recht neu auf dem Berliner Markt sind die Fahrzeuge von WeShare. Dahinter verbirgt sich das Car-Sharing-Angebot von Volkswagen, gefahren wird ausschließlich mit Elektroautos, die mit Ökostrom „betankt“ werden. Das Berliner Geschäftsgebiet umfasst derzeit rund 150 Quadratkilometer. Damit sind das Stadtzentrum, aber auch Bereiche außerhalb des S-Bahnrings abgedeckt. Das genaue Gebiet kann in der App eingesehen werden. Die Autos mit den WE-Kennzeichen dürfen zwar auch außerhalb dieses Bereich gefahren, nicht aber dort abgestellt werden.

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Bild: WeShare

Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr

Als „sinnvollen Baustein eines stadtverträglichen Verkehrs, der den ÖPNV ergänzen soll“ bewertet Sandra Hass von ADAC das Carsharing. Die „verkehrlichen und ökologischen Wirkungen“ würden sich allerdings in Grenzen halten. „Das wird auch an den nach wie vor steigenden Pkw-Zulassungszahlen in Berlin deutlich“, so Hass. Das Free-Floating-Carsharing – beliebt für Kurzstrecken in der Stadt – berge zudem die Gefahr, „als Ersatz statt als Ergänzung für die Fahrt mit dem ÖPNV oder Fahrrad genutzt zu werden“.

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Bild: Emmy

Zum guten Schluss dürfen auch die Leih-Motorroller in dieser Übersicht nicht fehlen. In Berlin konkurrieren die schlanken roten E-Flitzer von Emmy (ehemals eMio) mit den rundlichen mintgrün-schwarzen E-Rollern von Coup. Letzterer kündigte an, wegen zu hoher Kosten den Betrieb einzustellen und bis Mitte Dezember 2019 alle Roller aus Berlin zu entfernen. Danach folgen auch die Metropolen Paris und Madrid, wo die schwarz-grünen Zweiräder ebenfalls unterwegs unterwegs sind.

Mehr über das Berliner Unternehmen Emmy finden Sie in unserem Video „Einfach dein Kiez – Tempelhof-Schöneberg“ >>

Vernetzte Mobilität – mit Jelbi

In diesem Sommer haben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) in Kooperation mit Next Bike einen Versuch gestartet, Mobilitätsangebote zu vernetzen – in der App Jelbi. Eingebunden sind:

  • BVG mit Bussen, Bahnen und Fähren
  • Berlkönig
  • S-Bahn
  • Nextbike-Räder
  • Tier
  • Emmy
  • Miles

Damit enthält die App zunächst von jedem Verkehrsmittel einen Anbieter. Das ermögliche Berlinern und Besuchern auf komfortable Art und Weise, verschiedene Angebote „sinnvoll miteinander zu kombinieren“, schätzt ADAC-Sprecherin Hass ein. So auch ADFC-Mann Linck. Wichtig ist ihm zudem, dass das Angebot in ein städtisches Gesamtkonzept integriert wird. Denn noch hapert es an ausreichenden Mobilitätsangeboten außerhalb des S-Bahn-Rings, Leihfahrräder oder E-Scooter fehlen gerade dort, wo Bus und Bahn spät abends eben nicht mehr verkehren. Auch deshalb sei es unerlässlich, dass das Land Berlin Mobilitätsangebote gemeinsam mit den Anbietern gestalte, vertritt Nikolas Linck – „um die Mobilität im gesamten Stadtgebiet zu gewährleisten“.

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