Newsletter abonnieren
Titel Humboldt-tour
Bild: Christoph Schieder (mit Material von Shutterstock und einem Gemälde von Friedrich Georg Weitsch)
250 Jahre Humboldt

Schnitzeljagd durch Berlin: Auf Entdeckungsreise mit Alexander von Humboldt

Alexander von Humboldt war ein neugieriger Mann. Ein Forscher, der den Dingen stets auf den Grund gehen wollte. Dazu reiste er von Europa zu den Anden und bis nach Asien. Wer etwas über Alexander von Humboldt erfahren will, muss allerdings nicht so weit fahren: Zum 250. Geburtstag Humboldts hat der „me Collectors Room Berlin“ eine Schnitzeljagd entwickelt, die zu wichtigen Stationen in Humboldts Leben führt. Die Berliner Akzente haben sich auf Entdeckungsreise begeben.

Auf dem Gendarmenmarkt herrscht Trubel. Gleich mehrere Reisebusse mit ausländischen Kennzeichen halten vor dem Konzerthaus, Touristen sitzen auf den Stufen vor dem Deutschen Dom und strecken ihr Gesicht in die Mittagssonne. Jetzt kommt auch noch eine Seifenkisten-Rallye vorbei, knatternd umkurven die behelmten Fahrer in ihren Mini-Fahrzeugen den Platz. Irgendwo hier zwischen Deutschen Dom und Konzerthaus muss die Informationstafel sein, die wir suchen sollen. Also runter vom Fahrrad und los.

Gendarmenmarkt Berlin
Bild: Shutterstock

Humboldt-Rallye zum Downloaden

Der Gendarmenmarkt ist die erste Station der Schnitzeljagd. Die fünf Din-A4-Blätter mit den Aufgaben für die Spurensuche haben wir uns von der Homepage des me Collectors Room Berlin heruntergeladen. „Entschuldigung, hier soll es eine Infotafel geben“, fragen wir Passanten. Doch die zucken nur mit den Schultern: „We only speak English“. Ah, da steht eine junge Frau mit dem Schriftzug „Guide“ auf ihrem orangefarbenen T-Shirt. Sie weiß Bescheid. Auf der Tafel erfahren wir, dass der Gendarmenmarkt 1688 als Erweiterung der Friedrichstadt erbaut wurde und sich viele französische Einwanderer in der Umgebung niederließen.

Jaegerstrasse-22 Berlin
Bild: Katrin Starke

„Auch Humboldts Mutter entstammte einer hugenottischen Familie“, steht auf unserem Schnitzeljagd-Fahrplan.In der Jägerstraße 22, gleich um die Ecke, bewohnte die Familie ein Winterquartier. Die Sommer verbrachten Alexander und sein Bruder Wilhelm meist im Schloss Tegel.

Orte finden und Lösungswort errätseln

Welchen prunkvollen Kuppelbau die Humboldts von ihrer Wohnung aus sahen, dürfen wir an dieser Stelle natürlich nicht verraten. Denn ein Buchstabe aus dessen Namen gehört ja schon zu dem Lösungswort, nach dem wir suchen. Das einstige Wohngebäude der Humboldts, das Alexanders Großvater 1749 kaufte, steht dort nicht mehr. 1930 wurde es abgerissen und durch ein anderes Gebäude ersetzt – an dem heute eine Gedenktafel an die Familie Humboldt erinnert. Wie das Gebäude heute genutzt wird? Ein langer Name, gleich drei Zeilen füllen die Striche auf unserem Zettel, auf denen wir die entsprechenden Buchstaben eintragen müssen. Aber kein Problem: Auf einem großen Plexiglasschild gleich rechts vom Haupteingang findet sich die Lösung.

Sonderbriefmarke für Alexander von Humboldt

Zum Humboldt-Jubiläum erscheint die Sonderbriefmarke „250. Geburtstag Alexander von Humboldt”. Am 5. September von 12 bis 16 Uhr wird der me Collectors Room Berlin zum Postamt: Dann kann dort nicht nur die Sondermarke, sondern exklusiv auch der limitierte Ersttagsbrief erworben werden. Außerdem kann bereits frankierte Post mit dem Ersttags-Humboldtpinguin-Stempel gestempelt und verschickt werden.

Orte rund um die Humboldt-Universität zu Berlin

„Gehe nun zurück zur Markgrafenstraße, folge ihr und überquere die Französische Straße, dann biege rechts ein in die Behrenstraße“, folgen wir den Anweisungen. Mit dem Fahrrad ist das ja nur ein Klacks. Und natürlich kennen wir auch den Namen des Platzes, an dem die Humboldt-Brüder Alexander und Wilhelm die erste Universität Berlins mitbegründeten und der später von den Nationalsozialisten als zentraler Ort für die Bücherverbrennung missbraucht wurde. Schwieriger scheint da zunächst die Frage, welche zwei Gegenstände der Bildhauer Reinhold Begas in die Statue von Alexander von Humboldt eingefügt hat, um auf dessen Forschungsreisen anzuspielen.

Denkmal Humboldt-universitaet Berlin
Bild: Shutterstock

Als wir an der riesigen Statue emporblicken, die rechts vor dem Eingang in den Ehrenhof der Uni steht, fällt die Antwort aber doch nicht schwer. Und auch welche zwei großen Bäume auf dem Ehrenhof stehen, ist schnell beantwortet. Jetzt sind wir dem Lösungswort schon ziemlich nahe. Den letzten noch fehlenden Buchstaben können wir schon ergänzen, ohne den entsprechenden Ort aufgesucht zu haben – aha, in diesem Gebäude mit der großen Kuppel wurde Alexander von Humboldt also getauft und auch aufgebahrt.

Veranstaltungen zu Alexander von Humboldt

„Humboldt! Ein Musical für Alexander von …“

Die Musikschule Reinickendorf führt vom 12. bis 15. September 2019 erneut ihr beliebtes Humboldt-Musical auf. Schon zur Uraufführung im Jahr 2010 wurde es vom Publikum mit Beifallstürmen bedacht. Hier finden Sie weitere Informationen zu Terminen und Karten >>

„Humboldts Tierleben“

Die Humboldt-Bibliothek in Berlin-Reinickendorf zeigt vom 2. September bis 26. Oktober in einer Ausstellung 15 ausgewählte Zeichnungen von Alexander von Humboldt. Die Ausstellung ist von Dienstag bis Sonntag von 12 bis 20 Uhr zu besichtigen. Weitere Informationen finden Sie hier >>

Über die Museumsinsel ...

Wir radeln weiter die Straße „Unter den Linden“ entlang in Richtung Alexanderplatz. Auf der rechten Seite das wiedererrichtete Berliner Schloss. Ende nächsten Jahres wird dort das Humboldt Forum eröffnet mit Sammlungen außereuropäischer Kulturen. „Gehe nun links am Kanal entlang.“ Ein Weg, den Humboldt vermutlich oft gelaufen ist. „Es war sein Arbeitsweg, da er Kammerherr von Friedrich Wilhelm IV. am preußischen Hof war und der König in Berlin im Schloss residierte“, heißt es in unseren Schnitzeljagd-Papieren. „Hier in der Nähe wohnte Humboldt 14 Jahre lang, nachdem er zwischen 1799 und 1827 Amerika und Europa bereiste.“ Die Wohngegend habe damals „Neuer Packhof” geheißen, später seien die Häuser für den Bau der heutigen Museumsinsel abgerissen worden, lesen wir.

... zum Schaffensort von “Kosmos“

Über selbige gelangen wir zu unserer fünften Station: In seinen letzten Lebensjahren wohnte Humboldt in einem unauffälligen Bürgerhaus in der Oranienburger Straße, direkt gegenüber dem Postfuhramt. Hier verfasste er sein großes literarisches Werk „Kosmos“ – 17 Jahre nach seinen legendären Kosmos-Vorträgen, die er in der Berliner Singakademie vor mehr als 1.000 Zuhörern hielt. Singakademie?

Maxim-gorki-theater Berlin
Bild: Shutterstock

An dem Gebäude sind wir auch schon vorbeigeradelt. Heute residiert darin das Maxim Gorki Theater. Wie viele Vorlesungen es waren? Und wie viele Briefe bekam Humboldt, der rege mit wichtigen Persönlichkeiten seiner Zeit wie zum Beispiel Goethe korrespondierte, jährlich in die Oranienburger Straße geschickt? Da können wir nur raten. Sollten wir falsch liegen, ist das aber auch nicht so schlimm. Für unser Lösungswort ist das nicht relevant.

In der Stiftung Olbricht mehr über Humboldt erfahren

Ob wir richtig geschätzt haben, werden wir gleich im „me Collectors Room“ erfahren, dem Ausstellungshaus der Stiftung Olbricht. Neben wechselnden Ausstellungen privater Kunstsammlungen kann dort dauerhaft die „Wunderkammer Olbricht“ besucht werden. „Wunderkammern entstanden erstmals während der Spätrenaissance und im Barock“, erklärt Stiftungssprecherin Tina Volk. „Das waren private Sammlungsräume, in denen kostbare Kunstwerke, seltene Naturalien, wissenschaftliche Instrumente, Objekte aus fremden Welten und unerklärliche Dinge – sogenannte Mirabilia – aufbewahrt wurden.“

Objekte aus dem Besitz Humboldts

Ein solches „Abbild der Welt im Kleinen“ ist auch die Berliner Wunderkammer des Kunstsammlers Thomas Olbricht. Und darin ist neben einigen Briefmarken, die Alexander von Humboldt selbst ebenso wie von ihm entdeckte Tiere oder Pflanzen zeigen, auch der Humboldt-Pokal zu entdecken.

Humboldt-pokal Wunderkammer-olbricht Berlin
Bild: Katrin Starke

„Der wurde Mitte des 17. Jahrhunderts vom niederländisch-brasilianischen Generalgouverneur Johann Moritz von Nassau in Auftrag gegeben und gelangte 1795 in den Besitz Humboldts“, erklärt Tina Volk. „Vermutlich stand er einige Jahre auf Alexanders Schreibtisch, dann schenkte er ihn seinem engen Freund Reinhardt von Haeften.“ In dessen Familie blieb er bis 2013, danach kam er in die Wunderkammer.
Dort ist der kostbare Kokosnusspokal mit den aufwendigen Schnitzereien schnell entdeckt – denn schließlich ist er auf dem riesigen Transparent zu sehen, das für einen Besuch in der Wunderkammer wirbt. Nun nur noch rasch eine der drei auf dem Pokalrelief abgebildeten Szenerien aufs Schnitzeljagd-Papier skizzieren und das Ganze am Einlasstresen abgeben. Im Gegenzug gibt’s das Lösungsblatt und ein kleines Geschenk aus dem Museums-Shop.

Zwei Stunden auf den Spuren von Humboldt

Zwei Stunden sollte man mindestens einplanen für die Tour, denn auch in der Wunderkammer gibt es ja noch Einiges zu entdecken. „Humboldts Grundverständnis, die Natur als Ganzes zu erfassen, ist auch unser Museumskonzept“, begründet Tina Volk, wie die Idee zur Humboldt-Schnitzeljagd entstanden sei. Touristen will man damit ebenso ansprechen wie „Berliner, die ihre Stadt einmal mit anderen Augen sehen wollen“. Die meisten Antworten ließen sich ja recht problemlos vor Ort ermitteln, sagt die Sprecherin der Stiftung. „Und wenn’s mal nicht klappt: Leute vor Ort fragen“, rät sie. „Das ist doch toll, einfach mal so ins Gespräch zu kommen.“

Me-collectors-room-berlin-stiftung-olbricht
Bild: Daisy Loewl

me Collectors Room Berlin / Stiftung Olbricht
Auguststraße 68 in Mitte
Öffnungszeiten: Mi-Mo, 12-18 Uhr
Eintritt: 8 Euro
Telefon: 86 00 85-10
www.me-berlin.com

Die Humboldt-Schnitzeljagd wird bis Ende des Jahres angeboten.

Diese Themen könnten Sie auch interessieren