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Titel Stefan Juergens
Bild: Tine Acke
Mein Berliner Akzent

Stefan Jürgens: „Mit Abstand durch den Tiergarten“

Der „Berliner Akzent“ des Schauspielers und Musikers Stefan Jürgens ist der Tiergarten. Dort werden Spaziergänge für ihn oft zu „Gedankengängen“, dort ist er alleine unterwegs oder auch mit Produzenten, privat wie beruflich.

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erade hat Jürgens weitere Folgen von „SOKO Wien“ abgedreht. Für ihn ist es die letzte Staffel: Nach 14 Jahren steigt er aus der Serie aus. 2021 will sich Jürgens verstärkt neuen Projekten widmen – schauspielerisch wie auch als Musiker. Neben seinen „KLANG Stall“-Programmen steht eine große Konzert-Tour durch Deutschland und Österreich auf dem Programm.

Stefan Jürgens:

„Ich bin ein großer Fan des Tiergartens. Das ist für mich einer der schönsten Orte in Berlin – der gerade in diesen Zeiten eine wunderbare Möglichkeit bietet, sich mit Abstand zu begegnen.
Wenn ich in Berlin bin, ist ein Nachmittagsspaziergang durch den Park für mich fast so etwas wie eine liebgewonnene Gewohnheit geworden. Aber auch zu jeder anderen Tageszeit hat der Tiergarten seinen Reiz. Traumhaft schön ist es zum Beispiel, ganz früh morgens durch den Park zu streifen, wenn die Stadt noch schläft. An Tagen, die sehr früh beginnen, bin ich dort auch schon mal um sechs Uhr unterwegs. Die Ruhe im Park, aber das Wissen um die Urbanität ganz in der Nähe – das macht für mich den besonderen Reiz des Tiergartens aus, ist motivierend und inspirierend.
Seit Beginn der Corona-Pandemie habe ich so manches berufliche Treffen in den Park verlegt, denn hier ist es leicht, die Abstandsregeln einzuhalten. Mit Filmproduzenten bin ich hier durch die Gegend gelaufen, auch Interviews habe ich hier gegeben.“

Interviews, in denen Jürgens auch von seiner Beziehung zu Berlin erzählt. 1983 sei er das erste Mal in der Stadt gewesen, für sechs Wochen – der Liebe wegen. Eine Schauspielschülerin an der Hochschule der Künste, der heutigen UdK, hatte sein Herz erobert. „Sehr verliebt“ sei er gewesen, „aber auch Berlin ist mir damals ans Herz gewachsen“. Zum zweiten Mal kam er 1987 für eine längere Zeit in die Stadt, „im Theater des Westens haben wir zur 750-Jahr-Feier Berlins die Dreigroschenoper gespielt“, erinnert er sich. 1989 lebte er wieder für ein halbes Jahr in Berlin, war hier am Tag des Mauerfalls. Zum ersten Mal eine Wohnung in der Stadt gemietet hat er aber erst während der „Tatort“-Zeit um die Jahrtausendwende. 2005 zog er dann mit der gesamten Familie nach Berlin. Nach wie vor hat er eine kleine Mietwohnung in Wilmersdorf, obwohl er sich vor einigen Jahren einen alten Vierseithof in der Prignitz gekauft hat, den er Stück für Stück ausbaut.

Über Stefan Jürgens:

  • geboren am 26. Februar 1963 in Unna.
  • Ab 1983 absolvierte er an der Westfälischen Schauspielschule in Bochum eine dreieinhalbjährige Ausbildung zum Darsteller.
  • Anschließend verschiedene Theater-Engagements, unter anderem am Schauspielhaus Bochum, dem Theater Dortmund, am Theater des Westens in Berlin, im Theater am Goetheplatz in Bremen und am Schauspiel Köln. 2010 beispielsweise war er mit dem Solostück „Seitenwechsel“ auf der Bühne der Hamburger Kammerspiele zu erleben.
  • 1993 war Jürgens Gründungsmitglied der Comedyshow „RTL Samstag Nacht“, die fünf Jahre lang lief.
  • 1999/2000 verkörperte er in sechs Folgen den Berliner „Tatort“-Kommissar Robert Hellmann.
  • Vor allem ist Jürgens dem Fernsehpublikum als Major Carl Ribarski in der ZDF/ORF-Krimi-Serie „SOKO Wien“ bekannt – eine Rolle, die er seit 2007 spielte. Im November 2020 kündigte er seinen Ausstieg aus der Serie an. Die neue Staffel von „SOKO Wien“ – und zugleich die letzte mit Stefan Jürgens als Major Carl Ribarski beginnt im Januar. Die nächsten Sendetermine: 8.1.21 „Freier Fall“, 15.1. „Das Phantom“, 22. 1. „Die Ballade von Franz und Franzi“, jeweils 18 Uhr im ZDF. „Das war ein sehr erfolgreiches und lustvolles Arbeiten“, sagt Jürgens. „Aber nach 14 Jahren ist es an der Zeit, etwas Neues anzufangen. Ich habe genug Verbrecher von der Straße geholt.“
  • Darüber hinaus spielte Stefan Jürgens in zahlreichen nationalen und internationalen Fernseh- und Kinoproduktionen mit – im TV war er unter anderem in „Plötzlich berühmt“ (2005), „Unter Umständen verliebt“ (2011) oder „Tödliche Gefühle“ (2016) zu sehen, im Kino beispielsweise in „666 – Traue keinem, mit dem du schläfst!“ (2002) oder „Ossi’s Eleven“ (2007).
  • Seit früher Jugend macht Jürgens zudem Musik. In seinen Drehpausen geht er seit vielen Jahren äußerst erfolgreich mit seiner Band auf Tour. Der Singer-Songwriter und Pianist schreibt und komponiert fast alle seiner Songs selbst. Im Februar 2021 beginnt seine neue Tour durch Deutschland und Österreich. Am 22. Februar ist er live im Schlosspark-Theater in Berlin zu erleben. „Ich hoffe ganz fest, dass die Tour stattfinden kann – auch wenn wir vielleicht nur vor 20 Leuten spielen dürfen“, sagt Jürgens.

Was auf jeden Fall stattfinden kann und weiterhin stattfinden wird, sind die „Stall-Konzerte“. Den ehemaligen Stall seines Hofes hat Jürgens zu einem gemütlichen Saal für Wohnzimmerkonzerte ausgebaut. In seinen „KLANG Stall“ lädt er regelmäßig befreundete Musiker sowie Poetry-Slammer und Comedians ein, um mit ihnen 60-minütige Programme zu produzieren: die „Lieder aus Freilandhaltung“, Konzerte mit Talks und Zwischentönen. Künstler wie Torsten Sträter, Stefan Stoppok oder Tom Lünerburger haben beispielsweise schon mitgewirkt. Über das Internet-Portal Vimeo können die Konzertabende on demand gestreamt werden. „Live-Konzerte sind zwar durch nichts zu ersetzen“, sagt Jürgens. „Aber zumindest können wir eine sehr persönliche Note hineinbringen.“ Und der Ort habe eben auch eine ganz besondere Atmosphäre. „Das ist wie Bullerbü mit Hausmusik“, sagt Jürgens und lacht. Der 4. KLANG Stall wird am 14. Februar Premiere haben.

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