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Liebesglück

„Das ist der erfolgreichste Anmach-Spruch“

Für unser Lebensglück ist eine erfüllte Partnerschaft entscheidend. Doch wie finden Singles ihren Traumpartner? Wie halten Paare ihre Liebe frisch? Wie flirtet man erfolgreich? Fragen an den Berliner „Gesichterleser“ Dirk W. Eilert (40).

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tudien belegen, dass eine erfüllte Beziehung auf sämtliche Lebensbereiche positiv ausstrahlt. Entsprechend wünschen sich viele Menschen eine glückliche Partnerschaft – doch der Weg dahin ist zuweilen beschwerlich. Insbesondere für Singles in der Großstadt. Dabei helfen möchte der Mimik-Experte Dirk W. Eilert. In seinem neuen Buch „Der Liebes-Code“ beschreibt der gebürtige Spandauer, wie Singles erfolgreich flirten und Paare ihre Liebe über Jahrzehnte frisch halten.

Mimik-Experte: Dirk W. Eilert. Bild: Hans Scherhaufer

Berliner Akzente: Herr Eilert, wir würden Sie gern auf ein Getränk einladen, haben Sie Lust mit uns in eine Bar zu gehen und was zu trinken?
Dirk W. Eilert: Sehr gern.

Das war jetzt einer der plattesten Anmachsprüche, mit dem Sie uns ins Netz gegangen sind. Ist es egal, was man sagt, wenn man auf eine Person zugeht?
Es gibt in der Tat einen wissenschaftlich effektivsten Anmachspruch, der in sämtlichen Studien gewonnen hat. Sowohl bei Frauen als auch bei Männern…

Der da lautet?
Hi, ich bin Dirk.

Das ist aber einfach. Kein „Du musst vom Himmel gefallen sein, du siehst aus wie ein Engel“?
Nein, das ist der effektivste Anmachspruch. Die gute Nachricht ist also: Man muss sich keinen Kopf um den kreativen ersten Satz machen. Die schlechte Nachricht ist: die eigentliche Arbeit kommt davor! Die Gesprächsphase ist nämlich erst die dritte Phase beim Liebeswerben. Wir haben noch zwei andere, die wir erst erfolgreich durchlaufen müssen.

Die haben Sie im Buch beschrieben: Man muss zunächst wahrgenommen werden, sprich auf sich aufmerksam machen, dann einen Blickkontakt herstellen – sonst klappt es nicht. Bleiben wir mal in der Bar; wie machen wir das nun?
Die wichtigste Regel ist: Bewegen Sie sich. Denn: Bewegung wird vom Gehirn bevorzugt verarbeitet. In der Evolution haben wir nur überlebt, wenn wir schnelle Bewegungen wahrgenommen haben. Wenn irgendwas schnell auf uns zustürmt, konnte das gefährlich werden. Also gehen Sie durch den Raum, am besten in die Richtung des Objekts Ihrer Begierde. Im Idealfall kriegen wir jetzt schon Blickkontakt. Nun schauen Sie genau hin: eine ehrliche Reaktion sehen Sie in den ersten 500 Millisekunden.

Sie als Experte vielleicht, aber ich als Laie?
Alles eine Frage des Trainings. Achten Sie auf die Augen! Wenn die Augenbrauen leicht hochgehen und sich die Lider anheben, ist das ein Hinweis für Interesse. Wenn wir jemanden sehen, den wir attraktiv finden, springt unser Belohnungszentrum im Kopf an, was dazu führt, dass wir uns freuen. Wenn der Blick dann noch verlegen runtergeht oder sich die Person am Kopf kratzt – beides Stress-Signale – haben wir zu 99 Prozent Erfolg.

Ob das Gegenüber tatsächlich Interesse hat, verraten vor allem die Augen-Lider. Bild: Shutterstock

Stimmt es, dass wir uns innerhalb von zwei Sekunden entscheiden, ob wir mit einer Person schlafen möchten?
Wir entscheiden das blitzschnell; sexuelle Anziehungskraft ist kein bewusster Prozess, sie passiert sogar nur in 300 oder nur 100 Millisekunden.

Wie kann ich meine Attraktivität erhöhen?
Auf dem Weg zur besagten Person sollten Sie nicht nur Blickkontakt aufnehmen, sondern vor allem lächeln. Das ist Ihr attraktivster Gesichtsausdruck, wie mehrere Studien gezeigt haben. Gleichzeitig muss die Männerwelt aufpassen, nicht zu dominant sondern ungefährlich rüberzukommen. Also: nicht den Kopf in den Nacken, sondern in einer neutralen Position. Kein Imponiergehabe; nicht den Stand zu breit, nicht die Arme verschränken.

Was sollen wir nach „Hi, ich bin Dirk“ sagen?
Jetzt gilt das Ähnlichkeitsprinzip. Es gibt spannende Studien, was Gemeinsamkeiten ausmachen. Sie sind ein Attraktivitätsbooster und der Schlüssel, das Gespräch ins Laufen zu bringen. Ich würde an Ihrer Stelle nach offensichtlichen Gemeinsamkeiten suchen. Welchen Cocktail trinkt die Dame, trinken wir vielleicht den gleichen? Dann können Sie sich langsam über Hobbys annähern.

Eine schwierige Phase, gerade vor diesem ersten krampfigen Gespräch haben ja viele Leute Angst.
Aber genau jetzt können Sie sich entspannen. Der schwierigste Teil liegt hinter Ihnen. Es ist ja keine Einbahnstraße, sondern ein Dialog. Das beste ist, Fragen zu stellen. Der Fokus sollte hier auf dem Positiven liegen. Politik und Jammerei gehören hier nicht hin. Vorsicht aber vor Fragen wie: Wohnst du in der Nähe? Hier ist der Subtext: Zu mir, oder zu dir?

  • Flirt-Blick bei Frauen: Lächeln und leicht zur Seite geneigter Kopf signalisieren Interesse. Bettina Volke

  • Männer lächeln insgesamt weniger als Frauen. Aber auch sie können sich bei echtem Interesse ein Lächeln nicht verkneifen. Bettina Volke

  • Noch besser läuft’s, wenn das Gegenüber „Beruhigungsgesten“ zeigt. Bettina Volke

  • Kratzen am Hals, Lippen lecken – beides steht für die Aufregung, dem Gegenüber gefallen zu wollen. Bettina Volke

  • Auch das Lippenbeißen zählt zu solchen Gesten. Wenn diese sich mit dem Lächeln abwechseln, hat man zu 90 Prozent Erfolg beim Flirten. Bettina Volke

  • Die Beruhigungsgesten bei Männern: die Hand berührt das Gesicht. Bettina Volke

  • Oder greift zum Ohr. Bettina Volke

  • Ähnliche Gesten gelten auch zum Beispiel Berührung am Revers oder Kragen. Bettina Volke

  • So nicht: Mit solchen Dominanz-Gesten kommen Männer bei Frauen gar nicht gut an. Bettina Volke

  • Cooler Blick, Arme verschränkt: das treibt Frauen nicht in die Arme, sondern eher in die Flucht. Bettina Volke

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Zwei Zahlen aus Ihrem Buch frustrieren uns: Nur 36 Prozent der Männer erkennen überhaupt einen Flirtversuch, bei den Frauen sind es sogar nur 18 Prozent.
Das liegt vor allem daran, dass Männer und Frauen körpersprachlich anders ticken. Frauen lächeln mehr – Männer wollen meist cool wirken und kommen dann ernst oder gelangweilt rüber. Männer interpretieren entsprechend ein Lächeln von Frauen oft über – Frauen denken sich: Hä, warum verzieht der jetzt sein Gesicht?

Das heißt, wir missverstehen uns permanent im Alltag?
Genau. Der Spracherwerb hat uns in dieser Beziehung nicht gutgetan. Wir achten viel mehr auf das Wort als auf die Körpersprache und Mimik. Unsere Fähigkeit, Gesichter zu lesen, ist verkümmert. Der Steinzeitmensch war der bessere Flirter. Kinder sind geborene Gesichterleser; wir konnten das alle mal – wir müssen uns nur wieder erinnern.

Leichter als im Netz ist es im realen Leben zu flirten. Doch die wenigsten trauen sich, im Supermarkt Avancen zu machen. Bild: Shutterstock

Ist die Bar überhaupt noch der richtige Ort, den Traumpartner zu finden? Wie oft geht man noch als Erwachsener mit Full-Time-Job in eine Bar…
Ersetzen Sie die Bar durch Alltagssituationen, wie zum Beispiel den Supermarkt. Ich finde solche Situationen besser als das Internet, weil wir komplett sinnliche Erfahrungen machen: Wir erleben, wie der andere sich bewegt, wie er spricht oder gar riecht. Viele Menschen haben aber in der Tat nicht ausreichend Zeit; für die ist das Online-Portal der bessere Ort. Aber Achtung: Hier können sie sich einzig mit dem Profilbild und -text präsentieren und sollten deshalb hierauf Ihr Augenmerk legen.

Wie sieht ein erfolgreiches Profilbild denn aus?
Es sollte gute Kontraste haben, die zeigen: Ich bin hier! Also, nicht mit dem weißen T-Shirt vor eine weiße Wand. Ein Lächeln in Kombination mit einem leicht zur Seite geneigten Kopf drückt aus: Ich bin attraktiv – und ungefährlich!

Und was schreibe ich im Chat?
Hier gilt es, aus der Masse hervorzustechen. Ein einfaches „Hi“ oder „Hi ich bin“ reicht nicht aus. Hier schauen Sie am besten, was Sie anders machen können, um aufzufallen. Bleiben Sie aber dabei ehrlich und authentisch. Und schreiben Sie im Profiltext, was Sie gerne machen, etwa Hobbys. Dann haben die anderen gleich einen Ansatzpunkt.

Wie können denn Paare ihre Liebe frisch halten?
Für mich ist das Wichtigste, die emotionale Landkarte des anderen zu kennen. Studien zeigen, dass dies langfristig am glücklichsten macht. Setzen Sie sich einmal am Tag zusammen und tauschen Sie sich zwei Minuten über positive Erlebnisse des Tages aus.

Immer wieder sieht man Paare in Restaurants, die sich anschweigen. Die kennen sich offensichtlich schon so gut, dass sie sich gar nichts mehr zu sagen haben.
Die kennen sich zwar in ihrer Funktion, aber gewiss nicht in ihrer Emotion. Wer nur noch darüber redet, was der andere einkaufen muss, verliert die Liebe. Liebe entsteht in Mikro-Momenten, in denen wir positive Gefühle teilen. Diese Momente können sich Paare bewusst schaffen, indem sie sich zusammensetzen: Mensch, was hast du heute Schönes erlebt? Dann bleibt die Liebe frisch. Das Teilen positiver Erlebnisse ist übrigens wichtiger als das Sprechen über die unangenehmen Erlebnisse. Hier geht es aber nicht darum, sich Positives abzuringen, wenn Sie einen komplett bescheidenden Tag hatten.

Sie sind ein großer Filmfan. In Filmen sieht man immer wieder Paare, die so tun, als ob sie sich nicht kennen und sich in einer Bar erobern. Ist das ein Hollywood-Gespinst oder durchaus ein Trick?
Das klappt definitiv. Dazu gibt es sogar Studien. Mein Tipp: alle vier Wochen was Neues und Aufregendes zu tun. Brechen sie aus den bewährten Bahnen aus. Dann passiert nämlich was Spannendes im Kopf: unser Belohnungszentrum springt an. Diese leichte Aufregung verwechselt der Körper mit Verliebtsein. Es gibt sogar Statistiken, dass nach Erdbeben die Hochzeitsrate steigt, weil Menschen Angst haben und der Körper das Angstgefühl mit Verliebtsein verwechselt.

Also wäre Ihr Tipp für Paare: Sorgen Sie für mehr Erdbeben zwischen sich?
Positive Erdbeben ja. Eine regelmäßige Portion freudige Aufregung im Beziehungsalltag ist eine super Sache. Dann kann man die Liebe über Jahrzehnte konservieren.

Buch: Der Liebes-Code

Dirk W. Eilert: Der Liebes-Code – Wie Sie Mimik entschlüsseln und Ihren Traumpartner finden
Ullstein, 14,99 Euro (Taschenbuch, 9,99 Euro)

Dirk W. Eilert

  • Jahrgang 1976, verheiratet, zwei Töchter, lebt in Berlin.
  • Seit 2001 als selbstständiger Speaker und Trainer tätig. Sein Spezialgebiet: Das präzise Lesen von Emotionen in Mimik und Mikroexpressionen.
  • In der Eilert-Akademie für emotionale Intelligenz in Berlin-Spandau gibt er Kurse und Seminare zum Thema Mimikresonanz und Emotionscoaching.

Eilert-Akademie*
Frieda-Arnheim-Promenade 14
13585 Berlin-Spandau
www.eilert-akademie.de

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