Titel Restaurants In Brandenburg
Restaurant Friedrich Wilhelm im Bayrischen Haus in Potsdam. Bild: Promo
Gastro

Land-Lust und lecker: die schönsten Restaurants in Brandenburg

Herrliche Natur trifft auf historische Orte und köstliches Essen: In ihrem Reiseführer „Aufgetischt“ präsentieren die Autoren Matthias Fischer und Jost Hering die schönsten Gasthöfe und Restaurants in Brandenburg. Das sind die Favoriten der Autoren.

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efinitiv; Brandenburg ist immer einen Ausflug wert: klare Seen, einsame Wälder, historische Orte. Aber geht auch kulinarisch was? „Definitiv!“, sagt Matthias Fischer. Der Grafiker und leidenschaftliche Genießer ist seit dem Mauerfall von der Prignitz bis zur Lausitz unterwegs gewesen, immer auch auf der Suche nach lohnenswerten Lokalen. Gemeinsam mit Jost Hering hat der 51-Jährige darüber ein Buch geschrieben: „Aufgetischt – Die schönsten und besten Gasthöfe und Restaurants in Bandenburg“. Bereits zum dritten Mal erscheint das Buch, proppenvoll mit 160 Seiten, 81 Empfehlungen und vielen praktischen Tipps. Unsere Gastro-Expertin Maggie Riepl hat Matthias Fischer zu Tisch gebeten:

Ein schönes Buch! Wie ist die Idee entstanden?
Matthias Fischer: Quasi bei einem Glas Wein. Wir wollten einen benutzerfreundlichen Ratgeber, der die Qualität der Restaurants, Anreise, Preise, aber auch praktische Tipps beinhaltet. Er sollte zudem handlich sein; das heißt, beim Ausflug in einen Rucksack passen und den Leser schnell ans Ziel führen. Wir haben zunächst auf Ausflügen, dann in Büchern nach Lokalen gesucht und im Internet recherchiert. Freunde haben uns Empfehlungen gegeben, und wir haben Leute vor Ort befragt. Insgesamt waren wir mehrere Jahre undercover unterwegs und haben uns hunderte Restaurants angesehen und getestet.

In Brandenburg hat sich eine moderne Landküche etabliert, weil kreative Küchenchefs die deftigen Traditions-Gerichte entstaubt und verfeinert haben. Matthias Fischer, Autor

Was zeichnet die Brandenburger Küche besonders aus?
Typisch sind natürlich Fischgerichte, wie Zander aus den regionalen Gewässern und Wild aus den heimischen Wäldern. Auch glasierte Teltower Rübchen sind für uns etwas Wunderbares. Innerhalb Brandenburgs gibt es wiederum einige regionale Unterschiede und Spezialitäten wie etwa den Knieper Kohl in der Prignitz, Leinöl und Gurken im Spreewald oder an der Oder die Einflüsse aus der polnischen Küche.

Wie hat sich die Küche in den vergangenen Jahren entwickelt?
Brandenburg hat – im Gegensatz zu manch anderem Bundesland – nur zwei Sternerestaurants, aber insgesamt ist in den vergangenen Jahren doch viel passiert. Es hat sich inzwischen eine frische, wohlschmeckende und moderne Landküche etabliert, weil kreative Küchenchefs die doch recht deftigen Traditions-Gerichte mitunter „entstaubt“ und verfeinert haben.

Blutwurstpraline trifft Senfschaum

Ein Beispiel für die eher exquisite Küche ist die Speisenkammer in Burg im Spreewald. Hier verwöhnt Marco Giedow, Brandenburger Meisterkoch 2011 und 2015, seine Gäste mit Blutwurstpraline in Senfschaumsauce, Gemüse-Sushi und Knollensellerie-Ragout mit Trüffeln. Zu den Toprestaurants gehört auch das Friedrich-Wilhelm im Fünf-Sterne-Hotel Bayrisches Haus. Es liegt etwas abgelegen im Potsdamer Wildpark, aber die Anreise lohnt.

Speisenkammer
Speisenkammer in Burg (Spreewald) Bild: Promo

Maître Alexander Dassel, früher im Berliner „Borchardt“ tätig, führt das Gourmetrestaurant seit 14 Jahren und wurde vom Gault-Millau und Guide Michelin mit einem Stern belohnt. 79 Euro kostet das Menü, das Entenleber mit Auberginen-Marmelade und Salzzitrone kombiniert. Oder Ziegenmilch-Ravioli mit Butternusskürbis, Pampelmuse und Anis serviert.

Zu den Gipfelstürmern der brandenburgischen Genuss-Gastronomie gehört seit 2018 auch das 17fuffzig im Wellnesshotel „Zur Bleiche“, wo der junge Koch Rene Klages (Meisterkoch der Region 2017) neue Spreewaldküche mit Anklängen aus der klassisch französischen sowie japanischen Küche angeboten hat. Jetzt wird man sehen, was der neue Spitzenkoch Alexander Müller, der das klassische französische Handwerk liebt, ab Mai dort auf die Teller zaubert.

Kleines Haus
Regional orientiert: Das „Kleine Haus“ in Linum Bild: Stefan Abtsmeyer

Haben Sie eine Lieblingslocation?
Von Konzept und Karte überzeugt mich vor allem das Kleine Haus in Linum. Hier wird regional orientiert gekocht und der Küchenchef ist mit Leib und Seele dabei. Köstlich ist das marinierte Havelland-Rind mit Rauchkapern und Tomatensalsa. Ein besonderer Tipp war für mich das KochZIMMER in Beelitz mit seiner neuen preußischen Küche. Das Restaurant ist kürzlich an den Neuen Markt in Potsdam gezogen, wo Jörg und Claudia Frankenhäuser und Küchenchef David Schubert mit Menüs ab 72 Euro auch weiterhin für ganz großes Gaumenkino sorgen wollen. Auf der Karte stehen zum Beispiel Karotte bei 90 Grad im Ofen karamellisiert mit Kopfsalat, Dattelcreme und Puffreis oder Beelitzer Landei bei 64,5 Grad gegart an schaumiger Nussbutter mit gehobelten Wintertrüffel und Broccolistiel. Als Location gefällt mir der Grüne Baum in Boitzenburg und das Gasthaus Kaupen Nr. 6 in Lübbenau besonders gut.

Gemüse aus dem hauseigenen Garten

Doch nicht nur das, was ein Küchenchef am Herd zaubert, macht den Reiz eines Restaurants aus, findet Autor Matthias Fischer. Das Land zwischen Oder und Elbe punktet auch mit außergewöhnlichen Locations.

Kranhaus
Das „Kranhaus“ in Wittenberge Bild: Promo

Da sind historische Häuser wie das „Kranhaus“ in Wittenberge, traditionelle Gastbetriebe wie Zur alten Brauerei Beelitz, die gibt es seit 1650. Nach zwangsweiser Einstellung in der DDR wurde die Brauerei 1991 in nunmehr neunter Generation wiederöffnet.

Auch in schöne Landgasthäuser wie Zum Mühlenteich in Petershagen kehrt Fischer gerne ein. Reizvoll finden die Autoren auch etliche der restaurierten Schlösser wie Schloss Liebenberg im Löwenberger Land. Hier stammt das Gemüse aus dem hauseigenen Garten. Gerichte wie Zartweizenrisotto mit Strauchtomaten, Parmesan, Frühlingslauch und Chili werden mit Kreativität und handwerklicher Präzision auf den Teller gebracht. Und wer es weniger vornehm und lieber urig mag, dem empfiehlt Fischer die Randwirtschaft in Oderaue, um hier hausgemachte Rinderbuletten mit Estragonsenf oder Apfel-Selleriesuppe zu essen.

Schloss Liebenberg
Dinner im restaurierten Schloss? Gibt’s zum Beispiel im Schloss Liebenburg im Löwenberger Land Bild: Promo

Malerisch am Wasser mit schöner Aussicht speisen Ausflügler in der Werft in Brandenburg, im Klosterblick in Lindow oder im Fährhaus in Caputh.

Auch beim Thema „guter Service“ hat sich in Brandenburg in den vergangenen Jahren viel getan. Matthias Fischer

Es wird ja immer wieder gemeckert, dass es in Brandenburgs Gastronomie an freundlichem Service mangelt…
Ich finde guten Service sehr, sehr wichtig. Als Gast will man sich ja wohl fühlen. Aber auch in der Beziehung hat sich in den vergangenen Jahren einiges verbessert. In der Brennerei in Neu-Hardenberg zum Beispiel ist der Gast wirklich König. Und die Speisen wie die Brandenburger Ente in Rotweinsauce oder Schweinefilet aus der Traubenbeize mit Blauschimmel-Käsesauce sind einfach fantastisch, die Weinkarte ist hervorragend. Hier stimmt einfach alles.

Im Buch werden nur Tipps für die Anreise mit dem Auto gegeben. Welche Restaurants lassen sich auch gut mit der Bahn erreichen?
Eigentlich alle in Potsdam, aber auch der Fischerkietz in Strausberg, das ProbierMahl in Eberswalde und der Huberhof in Seehausen.

Muss man eigentlich in allen Lokalen vorher reservieren?
Das ist sehr unterschiedlich. In den Tipps, die es im Buch zu jedem Restaurant gibt, ist jeweils vermerkt, ob man vorher einen Tisch bestellen sollte. Manche Lokale sind ja auch sehr klein. Daher haben wir die Zahl der Plätze immer erwähnt.

Ein Ausflug besteht ja nicht nur aus Essen, so wichtig Stärkung auch ist. Wo kann man denn Kultur, Kulinarik und Sightseeing am besten verbinden?
Brandenburg an der Havel lohnt einen Besuch und hat sich in den letzten Jahren kulinarisch gut entwickelt, Wittenberge, Neuhardenberg, Rheinsberg und auch die Uckermark teilweise kann ich empfehlen und natürlich wieder Potsdam. Der Spreewald hat für den, der es mag, auch seine Qualitäten zum Radeln. Endlose Radtouren kann man auch wunderbar entlang des Deichs an der Oder unternehmen, vorbei an Orte mit eigenartigen Namen wie Zäckericker Loose und Neulietzegöricke. Fast am Ende der Welt findet man das empfehlenswerte Gasthaus Zollbrücke, in dem hungrige Reisende unbedingt einkehren sollten.

Aufgetischt – Die schönsten und besten Gasthöfe und Restaurants in Bandenburg, dritte erweiterte Auflage, 2017, 11,80 Euro, Bässler Verlag

Restaurant-Tipps für jeden Geschmack

Knapp vier Millionen Einwohner und fast ebenso viele Geschmäcker, verschiedene Kulturen und Küchen: Die Vielfalt unserer Stadt spiegelt sich auch im kulinarischen Angebot wieder, 4.500 Restaurants öffnen hier täglich. Wir haben schöne Lokale und leckere Speisen für unsere Leser herausgesucht – von regional bis international und von Hausmannskost bis exotisch. Außerdem: Die schönsten Frühstückslokale und besten Orte für Tee-Zeremonien.

Alle Gastro-Tipps von Berliner Akzente finden Sie hier.

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