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Bild: Wolfgang Stahr

"Das Neue in der populären Musik"

Katja Lucker, 46, Leiterin von Festival und Musicboard, über musikalische Premieren und Visionen. Wie entwickelt sich die Popmusikszene der Hauptstadt, welche Zusammenarbeit kann das Festival zutagefördern und wie sieht die Zukunft der Popmusik aus?

Wie kann man das Konzept des dreitägigen „Pop-Kultur“-Festivals beschreiben?

Wir zeigen Dinge, die man so noch nicht gehört und gesehen hat. Viele unserer Konzerte sind Premieren – für Berlin oder international. Außerdem schaut das Festival in die Zukunft: Wo steht die Popmusik im Jahr 2016 – und wo will sie hin? Bei uns sind Sänger, Musiker oder Theoretiker zu erleben, die gerade „state of the art“ sind. Einzigartig im Vergleich zu anderen Festivals ist sicher der große Nachwuchsbereich.

Popkultur 250
Bild: Pop-Kultur

Für die Premiere 2015 im Berghain gab es beste Kritiken. Trotzdem wird das zweite Mal ganz anders. Was ändert sich?

Das Berghain war ein fantastischer Ort für unsere Premiere, aber „Pop-Kultur“ zieht nun jährlich weiter. 2016 sind wir in Neukölln: Rund um das SchwuZ ist das Festivalzentrum, wir bespielen Huxleys, Heimathafen, Prachtwerk, Kellerclub oder Passage-Kino.

Die Vielfalt der Berliner Musikszene ist riesig. Was ist in Ihrem Sinne „Pop-Kultur“?

„Von Abba bis Zappa“, beschreibt es unser Kurator Martin Hossbach. Populäre Musik geht bei uns durch alle Genres, mit allen Zwischenstufen. In dieser Bandbreite suchen wir das Neue. Dabei achten wir übrigens auf einen Frauenanteil von 50 Prozent. Das ist besonders, da Festivals komischerweise in Männerhand sind.

Was sind die Highlights im Programm, was die Geheimtipps 2016?

Ein Highlight ist sicher Mogwai, außerdem will ich unbedingt hinweisen auf Selda Bagcan, Musik-Ikone aus der Türkei, die im Huxleys mit Boom Pam aus Israel auftritt. Ich freue mich auch sehr auf Berliner Lokalmatadore wie Brandt Brauer Frick oder die Berlin-Premiere von Mule & Man, neues Projekt von Bonaparte. Zu den Geheimtipps gehören auch einige unserer starken Frauen: A-Wa aus Israel, Fatima Al Qadiri aus Kuwait oder die Amerikanerin Sassy Black.

Von „Pop-Kultur“ werden aktuelle Trends und Tendenzen erwartet: Welche sind gerade besonders erwähnenswert?

Zukünftiges zeigt sich naturgemäß stark im Nachwuchsbereich. Wenn Matthew Herbert oder die Band Algiers mit der nächsten Generation in unseren Workshops arbeiten, entstehen erstaunliche Dinge. Von einem New York Institut kommen die neuesten Technologie-Trends, der Musikjournalist Jens Balzer spricht über sein neues Schlüsselwerk „Pop“ bei uns.

Das Festival will sich noch stärker um den Nachwuchs kümmern, beispielsweise mit Workshops. Was können junge Musikerinnen und Musiker bei Ihnen lernen?

Wir haben den Nachwuchsbereich von 150 auf 250 Plätze ausgebaut, für die sich junge Musiker, DJs, Blogger oder Agenten bewerben konnten. Diese jungen Leute, die professionell in die Musik wollen, können bei uns von erfolgreichen Profis in Workshops und Lectures viel Neues erfahren und Kontakte knüpfen. Nach dem großen Erfolg vom letzten Jahr entwickelt sich diese Interaktion der Generationen zu einem Herzstück des Festivals.

Für’s Publikum gibt’s bei Ihnen drei Tage und Nächte Konzerte, für Branchenvertreter außerdem Netzwerken und vielleicht auch gute Geschäfte. Wie erleben Sie die Laune der Profis, mitten im Umbruch von der CD zum Streaming?

Ja, es sind spannende Zeiten für die Branche! Die ganz großen, wie beispielsweise Universal aus Berlin, sind sehr zufrieden mit den Streaming-Umsätzen. Für die ganz kleinen ist es hingegen schwierig. Oft wird durch die neuen Vertriebsstrukturen auch gefragt, ob in digitalen Zeiten der Apparat eines Labels überhaupt noch nötig ist. Allen ist klar, dass sich das Rad nicht zurückdrehen lässt. Fest steht: Das Live-Geschäft ist nun für alle eine zentrale Säule – davon profitieren Festivals wie wir.

„Pop-Kultur“ ist Projekt des Musicboard Berlin, mit dem Sie ganzjährig die Popmusikszene der Hauptstadt unterstützen. Was sind derzeit drängende Anliegen von Musikerinnen und Musikern in Berlin?

Großes Thema sind bezahlbare Proberäume und Studios für Musiker. Wir engagieren uns in Zusammenarbeit mit dem Kultursenat, damit trotz steigender Mieten Platz für Kreativität bleibt. Mit dem Clubkataster haben wir zudem ein Portal etabliert, das die Berliner Clubkultur dokumentiert. Neubauprojekte sollen so auf bestehende Strukturen Rücksicht nehmen können. Es ist so wichtig, dass Berlin seinen kreativen Charme nicht verliert, dass viele unterschiedliche Orte und Freiräume für diese unverwechselbare kulturelle Bandbreite bestehen bleiben.

Pop-Kultur 2017
23. bis 25. August
www.pop-kultur.berlin

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