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Titel Foodblogger Per Meurling
So schlank kann man als Food-Blogger sein: Per Meurling betreibt einen der erfolgreichsten Food-Blogs in Berlin. Bild: Katja Gartz
Gastro

Per Meurling: Null Toleranz für schlechtes Essen

Mehr als eine halbe Million Berliner folgen seinen „Berlinfoodstories“: Per Meurling betreibt einen der erfolgreichsten Food-Blogs in Berlin. Der Gastro-Kritiker sieht die hohe Küche der Hauptstadt im Aufwind. Pizza mag er trotzdem.

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in sonniger Herbstnachmittag in der Torstraße in Mitte: Die verkehrsreiche Straße hat sich zur Ausgehmeile mit angesagten Restaurants und Bars gemausert. Wir treffen Per Meurling (35) im Hermanns: Ein groß gewachsener Mann, sportlich mit Jeans und Sneakers. Für das viele Essen, das er probiert, ist er erstaunlich schlank.

Er begrüßt uns entspannt und bestellt einen Cappuccino. Für die Bedienung scheint er ein bekanntes Gesicht zu sein. Während draußen die Straßenbahnen vorbeirauschen, gibt Per Meurling gut gelaunt einen Einblick in das kulinarische Berlin.

Formate: video/youtube
„Nirgendwo passiert kulinarisch in Europa mehr als hier. Ich vergleiche Berlin mit New York.“

Herr Meurling, warum ist die Berliner Food- und Gastronomie-Szene für Sie die spannendste in Europa?
Nirgendwo passiert mehr als hier. Durch den Zufluss von Leuten aus aller Welt, den ganzen Young Professionals, ist ein riesiges Angebot entstanden. Auch die Nachfrage nach gutem Essen ist gestiegen. Ich vergleiche Berlin immer ein bisschen mit New York. Hier gibt es gutes Essen für jeden Geldbeutel – von einer guten türkischen Pizza für drei Euro bis hin zum Sterne-Menü für 250 Euro.

Welche Rolle spielt Berlin für kulinarische und gastronomische Trends?
Trends entstehen vor allem in den USA, in London oder in Asien. Es tut sich hier schon sehr viel, aber dieses sehr kreative, das man in der Kunst- oder Musikszene in Berlin sieht, färbt nicht auf die Gastronomie ab. Die meisten Sachen, die passieren, schaut man sich ab. Was heute erfunden wird, ist morgen auf Instagram und übermorgen überall.

Ein Schwede in Berlin

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Der Schwede kam mit seinen Eltern nach Deutschland: und speist sich seit 2009 durch die Gastro-Landschaft Berlins. Bild: Katja Gartz

Per Meurling ist in Schweden geboren und im Hunsrück aufgewachsen. Sein Vater war als Zahnarzt in den 1970er Jahren in Deutschland gefragt. Die Familie zog in den Hunsrück. Zum Studium ging Per Meurling nach Schweden zurück und studierte Betriebswirtschaft. Ein Job in einem Start-Up zog ihn 2009 nach Berlin. Doch immer mehr wurde die kulinarische Welt seine große Leidenschaft: Er gründete 2012 die Online-Plattform Berlin Foodstories, schreibt über Food und Gastronomie auf seinem Blog, für Zeitungen und Magazine und veranstaltet regelmäßig Food-Touren durch Berlin sowie Fine-Dining-Abende mit jeweils einem ausländischen und einem Koch aus Berlin. Außerdem ist er Gastro-Kritiker für Spreeradio.

Heute zählt der 35-Jährige zu den Spezialisten der Gastronomie-Szene. Um in Form zu bleiben, treibt er viel Sport und verzichtet auf Süßigkeiten. Mit seiner Frau und seiner zweijährigen Tochter wohnt er in Prenzlauer Berg. Alles rund ums Essen fand er selbst schon als kleiner Junge faszinierend.

„Essen war immer ein großes Thema. Schon als Kind habe ich gerne Kochbücher gelesen.“

Andere spielten Fußball, Sie begeisterten sich früh fürs Essen. Warum?
Schon als Kind habe ich gerne Kochbücher gelesen. In den Sommerferien in Schweden sind wir zum Fischen gegangen und mein Vater hat Elche gejagt. Wir haben viel gekocht. Essen war immer ein großes Thema. Entscheidend war auch die Zeit an der Uni. Da habe ich immer samstags für rund 120 Studenten die Menüs meiner Koch-Idole zubereitet.

Warum machten Sie gerade in Berlin Ihre kulinarische Leidenschaft zum Beruf?
Ich war schon früher häufiger Berlin. Die Stadt war für mich immer ein besonderer Ort in Deutschland. Gerade in der Zeit, in der ich anfing, mich beruflich mit dem Thema Essen zu beschäftigen und darüber zu schreiben, fing auch die Szene an sich zu entwickeln. Da gab es keinen besseren Platz.

Pro Monat 150.000 Besucher auf seinem Blog

Per Meurling ist als Gastrokritiker gefragt und betreibt einen der erfolgreichsten Food-Blogs der Stadt : Über 60.000 Follower bei Instagram, über 20.000 bei Facebook. Pro Monat besuchen 150.000 Personen seine Homepage und 250.000 hören seine Restaurantkritiken auf Spreeradio. Wenn er Restaurants testet, reserviert er immer einen Tisch unter einem anderen Namen und zahlt die Rechnung selbst. Ihn interessieren vor allem besondere Kreationen, die interessant und gut sind. Pizza liebt er trotzdem.

„Woran viele Gastronomen wirklich verzweifeln, ist, dass Berliner Gäste häufig bei einem Glas Wein stundenlang sitzen und nichts nachbestellen.“

Essen die Berliner am liebsten Curry-Wurst und Döner oder hat sich das Bewusstsein für kulinarischen Genuss inzwischen verändert?
Curry-Wurst und Döner werden gerne gegessen, aber ich glaube, mittlerweile isst der Berliner besser. Es hat sich viel getan in dem Bewusstsein, was gutes Essen, gute Zutaten und gute Zubereitung ausmacht. Das verbessert auch die Qualität der Restaurants.

Woran liegt das?
Durch die vielen neuen Restaurants sehen die Gäste, dass es nicht nur die römische, sondern auch die neapolitanische Pizza gibt und wie unterschiedlich Mozzarella schmeckt. Der Wettbewerb unter den Restaurants ist viel stärker geworden und die Toleranz für schlechtes Essen niedriger.

Gibt es etwas, das typisch für den Berliner Gast ist?
Er hat sehr hohe Ansprüche an Service und Qualität. Das Verhältnis von Preis und Leistung muss stimmen. Woran viele Gastronomen wirklich verzweifeln, ist, dass Berliner Gäste häufig bei einem Glas Wein stundenlang sitzen und nichts nachbestellen. Wichtig für Restaurants ist, dass man den Tisch öfter belegen kann.

Jede Menge Ideen für die Zukunft

An Ideen für die Zukunft mangelt es Per Meurling nicht: Eine neue Internetseite, die globale Version der Berlin-Seite, sein eigenes Foodtravel-Magazin „Finest Foodstories“, sowie mehr Videos und Events. Am Herzen liegt ihm die gastronomische Entwicklung Berlins.

Wie sehen Sie die Zukunft der Gastronomie in Berlin?
Sie wird sich in Richtung europäischer Metropolen entwickeln. Wo mehr Geld ist, gehen die Leute mehr Essen. Auch hier wird künftig wie in Städten wie London mehr in Restaurants investiert werden. Kochen und Essen ist heute eine globale Sache, da ist die deutsche Gastronomie oft noch zu festgefahren. Ich möchte so viele Brücken bauen wie möglich, damit ich auch selber gut essen kann. Meine Zukunftsvision ist ein Berlin, in dem es alles gibt, so dass ich nirgendwo mehr hinfahren muss.

www.berlinfoodstories.com und im Radio https://www.spreeradio.de/experten/restaurant/

Autorin: Katja Gartz

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