Titel Osteuropaeische Kueche
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Gastro

Osteuropäische Küche: „Dobry apetyt“

Der derzeitige Berliner Gastro-Trend heißt osteuropäische Küche: Sie steht für Gastfreundlichkeit und lecker deftige Kost. Wie schmeckt armenische Küche? Was kommt im Nachbarland Polen auf den Tisch, wenn es heißt „Dobry apetyt“? Und warum lohnt ein kulinarischer Besuch in Russland?

1. Café Datscha (russische Küche)

Die Datscha war in Russland und der DDR ein Ferienhaus, ein Ort, um sich zu erholen – genau wie das gleichnamige Café-Restaurant in der Kreuzberger Graefestraße, der Ableger der Friedrichshainer Datscha. Bunt und gemütlich, mit Tapeten und Jugendstil-Elementen kann man es sich in zwangloser Atmosphäre bereits zum Frühstück bequem machen.

Datscha
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Das wird sympathischerweise bis 16 Uhr serviert. Blintschiki (Crepes mit saurer Sahne und Obst für 6 Euro) oder ein opulenter Arbeiterinnen- und Bauernschmaus (15,50 Euro), bestehend aus Lachs, Kartoffeln, Piroggen und Auberginenaufstrich, machen den Start in den Tag angenehm. Zum Lunch wird ein wöchentlich wechselndes Vier-Gänge-Essen mit Getränk für sensationelle 8 Euro angeboten.

Abends empfehlen wir die gemischte Platte für Zwei namens Kollektiv (19 Euro), zu der 100 ml Wodka auf den Tisch kommen. Beliebt sind Klassiker wie Soljanka (5,50 Euro), Borschtsch (5 Euro) oder Beef Stroganoff (15 Euro).

Wen trifft man: Publikum aller Altersgruppen aus dem lässig-alternativen Graefekiez.
Tipp: Legendär ist der Brunch am Sonntag von 10 bis 15 Uhr für 12,40 Euro. Leider sind keine Reservierungen möglich.

Café Datscha Xberg, Graefestraße 83, Kreuzberg Tel. 556 11 216, Öffnungszeiten: Mo bis So 10 bis 1 Uhr, www.datscha.de

2. Genazvale (kaukasisch-georgische Küche)

Ein schöner Altbau mit einladendem Entree. Drinnen ein aufwändig gestaltetes Restaurant mit Backsteinwänden und großen Gemälden. Das sorgt für Lokalkolorit. Ein Besuch im Genazvale (das bedeutet guter Freund) soll eine kulinarische und kulturelle Reise für Feinschmecker sein. Der Service ist sehr zuvorkommend. Essen ist in Georgien ein Zeremoniell mit jahrhundertealter Tradition. Überfülle gilt als Zeichen von Großzügigkeit.

Genavzale
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Bei den reichlichen Portionen, serviert auf grobem Tongeschirr, schmecken zum Beispiel Khinkali (gefaltete Nudeltaschen ab 1,80 Euro), Rote Bete Salat (4,50 Euro) und Schaschlik, das im Kaukasus erfunden wurde. Für größere Runden empfehlenswert: Mtsvadi Mix mit Hähnchen, Schwein, Lamm und Stör am Spieß für 80 Euro. Falls noch Platz ist (eher fraglich) wird das üppige Mahl mit Schmandpfannkuchen (8,50 Euro) oder Medovik (Honigkuchen 4,50 Euro) beendet.

Wen trifft man: Geselliges Publikum und georgische Familien, vor allem viele Stammgäste.
Tipp: Probieren Sie den Landwein aus Kacheti, gekeltert nach der Marani-Technik. Seit 2013 zählt die georgische Methode der Weinherstellung zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Genazvale, Hohenzollerndamm 33, Wilmersdorf, Tel. 23 57 82 92, Öffnungszeiten: Mo bis Fr 15 bis 24, Sa bis So 14 bis 24 Uhr, www.genazvale.de

3. Amberd (armenische Küche)

Namenspatron des Restaurants ist zwar eine mittelalterliche Festung in Armenien, doch die Einrichtung des großen Lokals ist sehr modern und schlicht: Weiße Wände lediglich mit ein paar Steinreliefs dekoriert, weiß eingedeckte Tische. Ein schöner Rahmen. Empfohlen wird als Einstieg die warme Joghurtsuppe (5 Euro), eine gemischte Vorspeisenplatte (13,50 Euro) oder Rollos (9,50 Euro) aus Lawasch, ein Fladenbrot, das zum Beispiel mit Hähnchen und Granatapfelsirup gefüllt, dann gerollt und im Ofen gebacken wird.

Spezialität des Hauses ist die reichhaltige Auswahl an marinierten Fleischgerichten vom Lavastein-Grill (13 bis 21 Euro). Lecker: frischer Dugh, ein ayranähnliches Joghurtgetränk, wie es auch gerne im Orient getrunken wird. Die Preise für Hauptgerichte beginnen ab 6,50 Euro.

Wen trifft man: Gehobenes Mittelalter, auch viele Russen aus der Nachbarschaft.
Tipp: Alle Gerichte werden auch als Kindermenüs angeboten.

Amberd, Uhlandstraße, 67, Wilmersdorf, Tel. 861 45 557 Öffnungszeiten: Di bis Sa 17 bis 24 Uhr, So 15 bis 24 Uhr, www.amberd.de (amberd)

4. Tak Tak (Polnische Küche)

Tak heißt auf Polnisch „ja“, und das sagt man gern zu dem leckeren Street Food, das Karol Kasierski in seinem Polish-Deli am Rosenthaler Platz anbietet. Das Ambiente ist schlicht, aber stylish, die Gerichte sind traditionell, aber modern interpretiert wie die gefüllten Pieroggen (ab 6,90 Euro) zum Beispiel mit Pute, getrockneten Tomaten und Feta. Den Teig gibt’s auch ohne Ei für Veganer. Man ist schließlich in Mitte.

Taktak
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Die Teigtaschen, die stets mit Sour Creme, Röstzwiebeln und geschmolzener Butter serviert werden, sind ein ideales Take away. Was auf der Karte nicht fehlen darf, ist der typisch polnische Eintopf: das Nationalgericht Bigos aus verschiedenen Fleischsorten, Kraut und Pilzen (7,90 Euro) oder in vegetarischer Variante mit Räuchertofu und Pflaumen (6,90 Euro). Żurek (Saure Mehlsuppe) ist eine herzhafte Speise mit Weißwurst, Roggenschrot und Kartoffeln, die es in jedem Restaurant Polens gibt.

Wen trifft man: Hippe Mitte-Menschen, die ihr Essen auch gern mitnehmen und bei gutem Wetter am kleinen See im Weinbergpark genießen.

Tipp: Die klare Rote Bete-Suppe (Barszcz Czerwony ab 2,30 Euro) probieren, die im Glas serviert und in Polen traditionell zu Piroggen getrunken wird.
Tak Tak, Brunnenstraße 5, Mitte, Tel. 0151-40 43 26 18, Mo bis So 12 bis 22 Uhr, www.taktak-polishdeli.de

Restaurant-Tipps für jeden Geschmack

Knapp vier Millionen Einwohner und fast ebenso viele Geschmäcker, verschiedene Kulturen und Küchen: Die Vielfalt unserer Stadt spiegelt sich auch im kulinarischen Angebot wieder, 4.500 Restaurants öffnen hier täglich. Wir haben schöne Lokale und leckere Speisen für unsere Leser herausgesucht – von regional bis international und von Hausmannskost bis exotisch. Außerdem: Die schönsten Frühstückslokale und besten Orte für Tee-Zeremonien.

Alle Gastro-Tipps von Berliner Akzente finden Sie hier.

5. Kirsons (Baltische Küche)

Im Baltikum ist die aus Riga stammende Marke Lido seit 30 Jahren ein Begriff in der Gastronomie. Nun gibt es unter dem Namen Kirsons auch zwei Ableger in Berlin: in Kreuzberg und Mitte. Beim Kochen werden nur natürliche Zutaten und keine künstlichen Gewürze, Farbstoffe oder Geschmacksverstärker verwendet.
Das Selbstbedienungsrestaurant bietet täglich eine Auswahl an verschiedenen Fleisch- und Fischgerichten mit Beilagen an sowie eine große Salatbar (2,40/ 4 Euro). Das Ganze zu sehr moderaten Preisen: Lachsfilet mit Tomaten und Käse für 4,40 Euro. Hühnerschinken heißgeräuchert für 3,60 Euro.

Kirsons
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Als Nachtisch schmeckt das Brotdessert (1,90 Euro) aus Roggenbrot, getrockneten Aprikosen, Pflaumen und Schlagsahne. Das mit reizendem Akzent deutschsprechende Personal stammt aus unterschiedlichen Ländern Osteuropas. Ein geräumiges Tagesrestaurant für schnelle, frische Küche, das freundliche Kantinen-Atmosphäre mit Landhausstil verbindet.

Wen trifft man: Internationale Touristen vom nahen Checkpoint Charlie, aber auch viele Medien-Leute vom nahen Springer Verlag oder der Taz.

Tipp: Die Take-Away-Vitrine bietet alle Speisen zum Mitnehmen, außerdem gibt es Spezialitäten wie getrocknete Moosbeeren und Sprotten in der Dose zu kaufen.

Kirsons, Charlottenstraße 13, Kreuzberg, Tel. 23 39 67 08, Öffnungszeiten: Mo bis Frei 11 bis 19 Uhr, Sa 13 bis 19 Uhr. Kirsons im Alexa Shopping Center, Mitte Grunerstraße 20 , Tel. 23 39 89 81, Mo bis Frei 10 bis 21 Uhr, Sa 13 bis 18 Uhr, www.kirsons.de

6. Odessa Mama (Ukrainische Küche)

Viele osteuropäische Restaurants haben einen rustikalen Folklore-Charakter. So auch das Odessa Mama in Schöneberg mit seinem nostalgischen Charme. Es ist das einzige ukrainische Restaurant Berlins. Die Besitzer Sascha und Natascha stammen von der Schwarzmeerküste. Daher bedient die reizende Natascha mitunter auch mit keckem Halstuch über dem weißen Hemd und Seemannsmütze auf dem Blondhaar oder auch in ukrainischer Tracht.

Serviert wird frische Hausmannkost wie Deruni (Kartoffelpuffer mit saurer Sahne 6,50 Euro), Schwarzmeer-Soljanka mit Fisch, sauren Gurken, Oliven und Kapern (5,90 Euro), Podzarka (Schweinefleisch aus der gusseisernen Pfanne 9,50 Euro), Wareniki (Maultaschen mit Kartoffelfüllung, Speck und Zwiebeln (8,90 Euro). Kalorien zählt man hier nicht. Auf Vorbestellung gibt es Holodez (Hühnersülze) Seledka Pod Schuboj (Hering im Mantel) und Buzenina Spigowana (Schweinebraten mit Kartoffelpüree) – alles, was schnell aufgegessen werden muss, wie Natascha sagt.

Wen trifft man: Viele Familien und Gäste aus aller Herren Länder, die Deftiges mögen.

Tipp: Wer Samstags kommen will, reserviert am besten mehrere Wochen im Voraus.

Odessa Mama, Innsbrucker Platz 3, Schöneberg, Tel.781 98 45, Di bis Frei 13 bis 23 Uhr, Sa 19 bis 24 Uhr, So 13 bis 23 Uhr, www.odessamama.de

7. Primaria (bulgarische Küche)

Die wenigen bulgarischen Lokale der Stadt sind eher sehr urig. Eine schöne Ausnahme ist das Primaria in Friedrichshain. Ein angenehm puristischer Rahmen mit unverputzten Wänden, schlichtem Holzmobiliar und dezenter Blumendeko. Sehr zu empfehlen die Vorspeisen ab 4 Euro wie Pastarma (Rindfleischspezialität) und Lutenitza (Paste aus gerösteter Paprika).

Primaria
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Natürlich gibt es vieles mit dem berühmten bulgarischen Schafskäse wie zum Beispiel Schopska: Salat mit Tomaten, Gurken, Zwiebeln, Oliven, gerösteter Paprika (7 Euro). Nach Empfehlung des Hauses auch mit 2 cl Rakia oder Mastika serviert –- das sind traditionelle bulgarische Schnäpse (dann für 8,50 Euro). Oder Kartofki im Tontopf (5 Euro): Kartoffeln in Butter und Knoblauch bestreut mit Schafskäse. Stammgäste lieben Marias Lachs-Spinattopf in Weißwein-Sahnesoße (9,50 Euro). Lecker zum Dessert sind die gefüllten Palatschinken zum Beispiel mit Rosenkonfitüre (3,50 Euro). Insgesamt sehr moderate Preise. Am Wochenende gibt es Frühstück bis 16 Uhr.

Wen trifft man: Unkompliziertes junges Publikum aus „Frittenhain“, viele Bulgaren

Tipp: Auf Nachfrage werden auch Weinverkostungen angeboten. Einheimische Sorten sind Mavrud und Melnik. Bulgarien hat eine lange Weinbautradition und zählt zu den weltweit größten Weinerzeugerländern.

Primaria, Gärtnerstraße 12, Friedrichshain, Tel. 29 04 49 76, Öffnungszeiten: Mo bis Do 16 bis 24 Uhr, Frei von 13 bis 24: Uhr, Sa/ So 10 bis 24 Uhr, www.primaria.de

8. Madloba (georgische Küche)

Lichterfelde-West ist nicht gerade der Ort, wo kulinarische Trends geboren werden, doch auch hier gibt es seit kurzem ein georgisches Restaurant. Von der Decke hängen Kronleuchter, ansonsten ist die Einrichtung mit dunklem Holz und plüschigen Stühlen etwas bieder. Für Lokalkolorit sorgen große Wandgemälde und ein runder Steinofen, in dem Brot gebacken wird. Es gibt auch Vegetarisches, aber insgesamt viel Lamm, Hähnchen, Schwein, Kalb – gebraten, geschmort und jeweils als Kebab-Spieß.

Madloba
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Zwischen 3,50 und 10 Euro kosten Vorspeisen, Hauptgerichte zwischen 10 und 20 Euro. Wer sich einmal kreuz und quer durch die Gerichte essen will, bestellt am besten das Menü für zwei Personen für 35 Euro. Günstig ist das tägliche Mittagsmenü von 12 bis 16 Uhr.

Ein ungewöhnlicher Nachtisch sind die eingelegten grünen Walnüsse – sehr süß, aber sehr lecker. Als Durstlöscher: Zedazeni-Limo in der 05- Liter-Flasche (5 Euro) probieren, gibt es in verschiedenen Geschmacksrichtungen wie Birne, Estragon und Feijoa, einer guaveähnlichen Frucht.

Wen trifft man: Gutbürgerliches Publikum aus der Nachbarschaft, das sich nicht davon abschrecken lässt, dass man von außen wegen der bemalten Fenster nicht ins Lokal gucken kann.

Tipp: Zum Fleisch unbedingt die georgische Soßen bestellen wie Thema aus Trauben, Ajika aus Paprika oder Satsebei aus Tomaten (1,50 Euro).

Madloba, Gardeschützenweg 139, Lichterfelde, Tel. 22 46 78 20. Öffnungszeiten täglich 12 bis 22 Uhr (am Wochenende auch länger). Es gibt auch Lieferservice. www.madloba-berlin.de

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