Newsletter abonnieren
Titel Oliver-mommsen
Bild: Mirjam Knickriem / photoselection.de
„Mein Berliner Akzent“

Oliver Mommsen: „Ein verrücktes Areal mit Platz für Ideen“

Der „Berliner Akzent“ des Schauspielers Oliver Mommsen ist das Gelände an der Spree zwischen Elsenbrücke und Lohmühleninsel. Dort ein paar Stunden zu verbringen, das sei wie ein Kurzurlaub.

Entspannen, etwas erleben und dazu tolle Ein- und Ausblicke – das alles kann die Ecke“, sagt der 51-jährige gebürtige Düsseldorfer, der seit 1990 in Berlin zu Hause ist. 18 Jahre lang mimte er den Kommissar Stedefreund im Bremer „Tatort“. In den nächsten Monaten dürfte er gleich in mehreren neuen Rollen im deutschen Fernsehen zu sehen sein – vom autistischen Wolkenforscher bis zu einem Vater, dessen Tochter an Magersucht erkrankt.

Oliver Mommsen:

„Wenn ich Texte lerne, muss ich mich bewegen. So habe ich mir im Laufe der Jahre mit kleinen kopierten Drehbüchern in der Hand ganz Berlin erlaufen. Eine Entdeckung war für mich das Gelände am südlichen Spreeufer von der Elsenbrücke stadteinwärts.
Auf der Elsenbrücke kurz innehalten und zusehen, wie hinter der Oberbaumbrücke die Sonne untergeht – das ist ein Wahnsinnspanorama und für mich immer wieder ein ganz toller Berlin-Moment. Dann die Treppe runter und vor dem ,Molecule Man‘, dieser monumentalen Skulptur des amerikanischen Bildhauers Jonathan Borofsky, Blick und Gedanken schweifen lassen und auf dem Sonnendeck der ,Hoppetosse‘ die leichte Brise von der Spree her spüren – da kriege ich richtig gute Laune. Im Sommer kann man dann noch zuschauen, wie die Leute im Badeschiff planschen. Das ist schon eine ziemlich abgedrehte Sache, diese schwimmende Badeanstalt in dem alten Schubleichter.
Von da aus mache ich gern noch einen Abstecher zum ,Club der Visionäre‘ am Flutgraben. Und immer wieder begeistert bin ich von der ,Arena‘. Wie deren Macher es mit unendlich viel Idealismus geschafft haben, diese 7.000 Quadratmeter große, denkmalgeschützte Halle von einem alten Busbetriebshof in einen Ort für Theater und Konzerte, für Events und Kultur zu verwandeln, finde ich beeindruckend.
Gern schlendere ich auch über den Hallenflohmarkt an der Arena – da habe ich sogar mal meinen alten Schreibtisch aus der Schulzeit ertrödelt. Was für ein inspirierendes, was für ein verrücktes Areal! Überhaupt liebe ich alte Industriegelände.
Mich fasziniert auch, mit welcher Kreativität in Berlin Brachen und alte Gebäude zwischengenutzt werden – ich denke da ans ,Tacheles‘ oder den ,Tresor‘, die ,Bar25‘ und alle anderen mutigen Großstadtpiraten. Da ist Platz für Ideen, zum Spielen in jeglicher Form. So etwas kannte ich nicht, als ich vor 30 Jahren aus Düsseldorf nach Berlin kam, das gab’s da nicht.“

Über Oliver Mommsen:

  • geboren am 19. Januar 1969 in Düsseldorf (als Ururenkel des Historikers Theodor Mommsen, der als einer der bedeutendsten Altertumswissenschaftler des 19. Jahrhunderts gilt).
  • Nach dem Besuch zweier Internate in Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein machte er 1988 sein Abitur, anschließend Zivildienst.
  • Besuch der Schauspielschule Maria Körber in Berlin, danach erste Engagements in Berlin und Zürich. Regelmäßig steht Mommsen seither in Berlin auf der Bühne, u. a. Komödie am Kurfürstendamm. Zudem Theater-Tourneen und Engagements in Hamburg (Komödie Winterhuder Fährhaus).
  • Diverse Kinofilme. Sein Kinodebut gab Mommsen 2002 in dem Drama „Junimond“ an der Seite der Schauspielerin Laura Tonke. In „Die Haut der Anderen“ – ein Film, den der Berliner Regisseur Thomas Stiller aus eigener Tasche finanziert hat – spielt Mommsen einen pornosüchtigen Erfolgsautoren, der sich vorsichtig verliebt. Und letztes Jahr war er in „Lottaleben“ als grummeliger Papa auf der Leinwand zu sehen.
  • Von 2001 bis 2019 spielte Oliver Mommsen im „Tatort“ aus Bremen den Ermittler Nils Stedefreund als Kollegen von Kommissarin Inga Lürsen (dargestellt von Sabine Postel).
  • Zudem Rollen in zahlreichen deutschen Fernsehfilmen wie „Der offene Käfig“ (ARD), „Ohne Dich“ (ARD), „Love is in The Air“ (Sat.1), „Der beste Papa der Welt“ (ARD) oder „Passagier 23“ (RTL).

Im vorigen Jahr sei er richtig fleißig gewesen, sagt Oliver Mommsen. Unter anderem entstand 2019 das von Sat1 produzierte Drama „Aus Haut und Knochen“, in dem Mommsen an der Seite von Anja Kling eine der Hauptrollen spielt. Zum Inhalt: Das Elternpaar Susanne (Anja Kling) und Peter (Oliver Mommsen) hat die Zeichen lange übersehen. Erst als die Ärztin das Offensichtliche ausspricht, setzen sie sich damit auseinander, dass ihre Tochter Lara (Lisa-Marie Kroll) magersüchtig ist. „Ein sehr emotionaler Film“, sagt Mommsen, „ein Film, der sich diesem Thema sehr angemessen genähert hat“.

Für die ARD stand Oliver Mommsen zudem als autistischer Wolkenforscher vor der Kamera, der seine Familie nach Spitzbergen versetzen will. „Ein großer Spaß“ seien auch die Dreharbeiten für die ARD-Degeto-Komödie „Ziemlich russische Freunde“ unter der Regie von Esther Gronenborn gewesen. Gedreht wurde in Wiesbaden und Wien.

Und in Österreich ging es für Mommsen – nach der viermonatigen Corona-Zwangspause in diesem Frühjahr – auch gleich weiter: Im Südtiroler Filmdorf Ellmau begannen im Juni die Dreharbeiten für die 14. Staffel der Serie „Der Bergdoktor“, wo Mommsen eine Gastrolle übernommen hat. Von dort ging’s nach Dresden zum Dreh für den neuen Stubbe-Krimi „Abendlicht“ und danach gleich weiter nach Hamburg, wo Mommsen im Spätsommer vier Wochen lang drehte: Er spielt die Hauptrolle in einem Streifen über einen Paketboten, der im Lotto gewinnt.

Sendetermine mit Oliver Mommsen:

„Papa auf Wolke 7“: 30. Oktober, 20.15 Uhr, ARD
„Ziemlich russische Freunde“: 27.11., 20.15 Uhr, ARD
„Aus Haut und Knochen”: 01.12., 20.15 Uhr, Sat.1

Diese Themen könnten Sie auch interessieren