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Titel Obdachlosen-aerztin
Ärztliche Hilfe für alle: Als pensionierte Ärztin ist Dr. Halina Wislawska mit dem Arztmobil der Caritas in Berlin unterwegs und behandelt obdachlose Menschen. Bild: Matthias Lindner
Engagement

Im Einsatz als Obdachlosenärztin: Etwas zurückgeben

Dr. Halina Wislawska ist acht Mal im Monat für die Caritas in Berlin unterwegs und bietet mobile ärztliche Hilfe für Obdachlose. Berliner Akzente sprach mit der Ärztin über ihr Engagement für Wohnungslose.

Was hat Sie dazu bewogen, die Tätigkeit als ehrenamtliche Ärztin für Wohnungslose aufzunehmen?
Ich hatte den Wunsch, ein wenig von dem, was ich selbst vom Leben bekommen habe, zurückzugeben und meine neu gewonnene Zeit im Ruhestand sinnvoll zu nutzen. Ein Großteil der Berliner Obdachlosen kommt aus Osteuropa, auch aus meiner Heimat Polen. Mit mir können sie in ihrer Muttersprache über Beschwerden und Nöte reden.

Wie läuft ein Arbeitstag ab?
Fast jeden Tag fährt das Caritas-Arztmobil mit einem Arzt, einer Krankenschwester oder einem Pfleger sowie einem Sozialarbeiter durch Berlin. Wir haben feste Touren mit Halt an bestimmten Orten, an denen wir die Patienten behandeln.

Wie erfahren die Obdachlosen davon, wo Sie stehen?
Die festen Orte sind Anlaufstellen, an denen die Obdachlosen warmes Essen, Kleidung und eine Duschmöglichkeit finden können. Diese Orte sind den meisten Obdachlosen gut bekannt; wir haben aber auch eine Liste der Adressen für Nichtinformierte. Wir fahren im Rahmen der „aufsuchenden Arbeit“ auch abgelegene Parkplätze, Brückenunterführungen und „wilde“ Zeltplätze an.

Wie sind die Patienten versichert und wie ist die Regelung, wenn sie z. B. ins Krankenhaus müssen oder teure Behandlungen benötigen?
Meist sind wir in der Lage, ihnen zu helfen. Im Notfall stellen wir eine Krankenhauseinweisung aus oder rufen den Notarzt. In der Regel bekommen die Patienten in den Krankenhäusern eine Notfalluntersuchung sowie dringend notwendige Behandlung.

Wie können andere Menschen helfen, die keine medizinische Ausbildung haben?
Man kann als Hilfskraft tätig werden in den Kleiderkammern und in Suppenküchen. Außerdem werden Begleitpersonen für Besorgungen bei Ämtern oder zur Fahrt in Therapieeinrichtungen benötigt.

www.caritas-berlin.de/spendenundhelfen

Nacht der Solidarität

Am 29. Januar 2020 findet in Berlin eine Premiere statt. Erstmals in Deutschland werden in dieser Nacht obdachlose Menschen gezählt und befragt, die nachts auf der Straße schlafen. Eine Aktion, gefördert durch den Berliner Senat und die Berliner Sparkasse. Ziel ist es, auf Grundlage der so erhobenen Zahlen die Hilfs- und Beratungsangebote auszuweiten und zu spezialisieren. Denn niemand soll auf der Straße leben müssen!
www.berlin.de/nacht-der-solidaritaet

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