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Titel Nachhaltige Produkte
Bild: Oliver Janesh Christiansen
Nachhaltige Produkte

4 Lebensmittel aus Berlin die gut schmecken und Gutes tun

Es gibt Lebensmittel und Getränke, die einfach nur unglaublich gut schmecken. Es gibt solche, die gut schmecken und dazu richtig gesund sind. Und es gibt welche, die gut schmecken, gesund sind – und mit denen die Konsumenten auch noch dazu beitragen, dass die Produzenten dieser Köstlichkeiten Gutes tun. Weil sie Teile ihres Gewinns für soziale Projekte spenden. In Berlin gibt es so einige Start-ups, denen es um weitaus mehr geht als um das Geld im eigenen Portmonee.

1. The Rainforest Company: Vom Regenwald in den Supermarkt

Albana Rama ist bei den Großeltern im Kosovo aufgewachsen. In einer Holzhütte, mitten in der Natur, zum Duschen gab es Regenwasser. Die Eltern waren Gastarbeiter in der Schweiz.

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Bild: Valentin Angerer

„Die unbeschwertesten Jahre meiner Kindheit”, sagt sie heute. Das Ziel der Teenagerin war damals jedoch ein anderes: Mit 27 Jahren saß sie mit der Spitze der Schweizer Finanzbranche an einem Tisch. Eine Bilderbuchkarriere, die ihr Anerkennung brachte – jedoch keine Erfüllung.

Reise in den Amazonas als Beginn von „The Rainforest Company“

Eine Reise ins Amazonas-Gebiet, die sie mit ihrem damaligen Freund und heutigen Co-Founder Jan Philipp Sasse 2015 antrat, veränderte ihr Leben: Was als Urlaub begann, wurde zu einem Abenteuer, aus dem sich die Geschäftsidee für das Berliner Startup „The Rainforest Company“ entwickelte. „Wir lebten mehrere Wochen bei Bauern, die vom Acai-Business ihren Lebensunterhalt bestritten“, erzählt Albana. Menschen, die diese Wunderbeere im Regenwald wild ernteten, die auf Palmen in der freien Natur wachsen. Doch die Kleinbauern bangten um ihre Existenz. „Weil Brasilien als weltweit größter Exporteur von Soja und Rindfleisch immer mehr Flächen braucht und deswegen riesige Wälder vernichtet“, sagt Albana Rama. „Die gerodeten Flächen werden meist zunächst als Weideland genutzt, anschließend wird auf ihnen Soja angebaut.“

Acai-Bowls im Onlineshop oder in Rewe-Märkten zu kaufen

Zurück aus dem Regenwald, gründete Albana Rama „The Rainforest Company“. Das Startup, europäischer Pionier für das Superfood aus Brasilien, bietet die tropische Frucht als veganes, gefrorenes Püree für die Zubereitung gesunder Bowls und Smoothies an.

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Bild: The Rainforest Company

Direkt von zertifizierten brasilianischen Kleinbauern-Kooperativen bezieht das Unternehmen die Wunderbeeren, lässt sie zu Pürees verarbeiten und verkauft seine Acai-Bowls mittlerweile in mehreren tausend Lebensmittelmarktfilialen in Deutschland und der Schweiz sowie über den Online-Shop in ein gutes Dutzend europäischer Länder. Mehr als fünf Prozent ihres Umsatzes spendet „The Rainforest Company“ an lokale Nicht-Regierungs-Organisationen (NGO) in Brasilien und unterstützt Projekte, die sich um die Wiederaufforstung des Regenwaldes kümmern.
Unterstützt wird das Unternehmen dabei von Pamela Reif, einer der erfolgreichsten Fitness-Influencerinnen Deutschlands. Ihr Gesicht ziert auch die meisten Verpackungen der Marke – ihre rund 4,6 Millionen Instagram-Follower werden regelmäßig mit Acai-Content versorgt.

Ziel bis 2021: 100 Acai-Bauern und Familien zu unterstützen

„Mit dem Anbau heimischer Früchte wie Kakao oder Acai können sich die Kooperativen langfristig ein stabiles Einkommen sichern“, betont Albana Rama. Zugleich würde damit die Wasser- und Bodenqualität der umliegenden Gebiete verbessert. „In enger Zusammenarbeit mit lokalen NGOs haben wir bereits mehr als zwei Millionen Bäume gepflanzt und über sechs Millionen Bäume vor dem Abholzen gerettet“, sagt die Unternehmerin. „Bis 2021 ist unser Ziel, 100 Familien mit dem Anbau und der Aufforstung zu unterstützen und ihnen neue wirtschaftliche Perspektiven aufzuzeigen.“

Mehr über The Rainforest Company: www.therainforestco.de

2. Proviant: Schorlen, Smoothies und Einsatz für die Wildbiene

Unter dem Motto „Ohne Pollen keine Pullen“ engagiert sich das Berliner Startup Proviant für die Umwelt. Ganz konkret für die Wildbienen. Ein Großteil aller Kulturpflanzen wie Kern-, Stein- und Beerenobst werde von Wildbienen bestäubt, erklären die Proviant-Macher. Darunter auch die Bio-Früchte, aus denen die Berliner Fruchtmanufaktur ihre Schorlen produziert.

50.000 Euro für die Wildbiene

Doch die fleißigen Summer sind in Gefahr. In Deutschland seien 290 von 585 Wildbienenarten bedroht oder bereits ausgestorben, sagt Proviant-Gründer und -Geschäftsführer Paul Löhndorf: „Da sich diese Bienen nicht nur in ländlichen, sondern auch in urbanen Gegenden aufhalten, wo Wildflächen immer knapper werden, ist ihr Fortbestand zunehmend bedroht“, so Löhndorf. Um dem „kleinsten Mitarbeiter“ etwas zurückzugeben und für geeignete Wildbienenlebensräume zu sorgen, unterstützt Proviant die Initiative „Deutschland summt!“ der Stiftung für Mensch und Umwelt. 50.000 Euro macht die Fruchtmanufaktur für drei Projekte der Stiftung locker – für ein Wildbienenpatenprojekt, eine Mitmachaktion und ein Projekt zur Revitalisierung eines stillgelegten Wildbienenschaugartens.

Mehr über Proviant: www.proviant-limo.de

3. Quartiermeister: Bier trinken und Geld spenden für soziale Projekte

Groß geschrieben wird Engagement auch bei der Berliner Biermarke „Quartiermeister“, bestehend aus einem Unternehmen und einem Verein. Pro verkauftem Liter Bier spendet Quartiermeister zehn Cent an soziale Projekte in den Nachbarschaften der Verkaufsorte.

Quartiermeister Produktpalette
Bild: Quartiermeister

Beispielsweise wurden das Lacrima-Zentrum für trauernde Kinder in Dresden und der Support Convoy für Geflüchtete unterstützt. An 130 Projekte überwies das 2014 gegründete Sozialunternehmen mittlerweile mehr als 140.000 Euro. Auf seiner Website stellt Quartiermeister mögliche künftige Projekte vor, über einen Klick können Interessierte darüber mitbestimmen, wohin die nächste Spende geht.

Mehr über Quartiermeister: www.quartiermeister.org

4. Solidarity Drinks: 100 Prozent der Gewinne an soziale Projekte für Geflüchtete

Eine ähnliche Struktur wie Quartiermeister – mit Unternehmen und Verein – hat auch das 2016 gegründete Berliner Sozialunternehmen „Solidarity Drinks“, das mit „Solimate“ und „Solicola“ lokale Initiativen und Projekte von und mit Geflüchteten unterstützt. „Mit einem festen Betrag pro verkaufter Flasche sowie 100 Prozent der Gewinne“, erklärt Geschäftsführerin Frauke Wiegand. Die Getränke seien aber „im Grunde nur Mittel zum Zweck“, sagt die 36-Jährige. Um Initiativen für Geflüchtete eine Plattform zu geben. „So kamen wir auf die Idee, ein Alltagsprodukt, das sich jeder leisten kann und dass man im öffentlichen Raum trinkt, als Litfaßsäule zu nutzen“, erzählt Frauke Wiegand. „Mate eignet sich dazu perfekt. Cola ebenso. Getränke haben per se etwas Soziales, etwas Gastliches.“ In mehr als 100 Berliner Clubs und Cafés sind die Solidrinks mittlerweile zu haben, darüber hinaus in kleinen Bio- und Unverpackt-Läden „und seit diesem Winter in einzelnen Edeka-Märkten“. Die Rezepte für die beiden Getränke hat das Team von Solidarity Drinks selbst entwickelt, in Zusammenarbeit mit einem Getränkelabor.

Solidrinks
Bild: Solidrins

Verein entscheidet, wohin die Solidrink-Spenden gehen

Welche Initiativen unterstützt werden, darüber entscheiden die Mitglieder des Solidrinks-Vereins gemeinsam mit einem Kuratorium aus Vertretern vormals geförderter Projekte. Das Ergebnis ist auf jeder Flasche nachzulesen: „Unsere Etiketten machen mit wechselnden Sprüchen und Illustrationen auf die Fluchtproblematik in einer globalisierten Welt aufmerksam. Außerdem stellen sich hier alle Initiativen vor, die wir aus dem Erlös der Flaschen unterstützen“, sagt Frauke Wiegand. Wer Solimate oder Solicola trinkt, soll direkt sehen, wohin seine Spende geht. Waren es bei der ersten Soli-Kampagne Projekte der Seenotrettung, steht bei der nun anlaufenden Frühjahrskampagne das Thema „Wohnen ist Menschenrecht“ im Fokus. Unterstützt werden sollen vier Projekte: die Kontakt- und Berliner Beratungsstelle für Flüchtlinge und Migrantinnen (KuB), die Schlafplatzorga, der Infopoint im Kulturzentrum Yaam und das Netzwerk Solidarity City Berlin.

Mehr über Solidrinks: www.solidrinks.de

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