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Bild: Wolfgang Stahr
CSD

"Danke für nix"

Monique King (40), Vorstand im CSD e.V., über den lesbisch-schwulen Demo- und Partytag. Warum noch lange nicht alles erreicht ist, Homophobie im Berliner Alltag nach wie vor für Schwule, Lesben und Transgender eine belastende Rolle spielt, wie der CSD-Umzug bei ihr Gänsehaut-Momente erzeugt und eine Woche des queeren Stolzes auf Berlin wartet.

Die Demonstration der Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transmenschen steht diesmal unter dem trotzigen Motto „Danke für nix”. Was sind die wichtigsten Forderungen?

Passend zum Motto sind die Forderungen im Prinzip die selben wie 2015: Es gibt sechs Themenblöcke, in denen es beispielsweise um Ehe-Öffnung geht, um stärkere Sichtbarmachung von Vielfalt und die Sicherheit von queeren Geflüchteten. Die kompletten Forderungen sind auf unserer Website nachzulesen.

Csd 250
Bild: CSD

Rund um die Demo gibt es ein Rahmenprogramm mit Auftakt und Abschlusskundgebung.

Wir freuen uns, dass der Regierende Bürgermeister Michael Müller die Demo eröffnet. Das Bühnenprogramm vor dem Brandenburger Tor startet dann Benjamin Boyce mit „Love is everywhere”. Mit der spanischen Sängerin Barei vom ESC 2016 haben wir ein weiteres internationales Highlight. Moderiert wird die Abschlusskundgebung erstmalig von Balian Buschbaum und Annie Heger.

Auch im weltoffenen Berlin gehört Homophobie bis heute zum Alltag. Wie kann man dieser noch besser begegnen?

Aufklären, Dranbleiben und vor allem Zivilcourage zeigen!

Haben Sie eine persönliche Erinnerung an einen CSD der letzten Jahre, die zeigt, wie wichtig so ein Tag auch heute noch ist?

Im letzten Jahr haben wir den sogenannten „leisen Block“ zum Beginn der Demonstration eingeführt, damit kleinere Projekte nicht zwischen den lauten Trucks untergehen. Wir starteten dann mit der längsten Fußgruppe überhaupt und die Menschen ringsherum haben unseren Forderungen gelauscht und applaudiert. Das war ein echter Gänsehautmoment. Da wurde plötzlich diese gemeinsame Energie für die politischen Ziele spürbar. Denn erst wenn wir die gleichen Rechte wie alle Menschen haben und nicht allein wegen unserer Sexualität diskriminiert werden, wird so ein Tag überflüssig, aber davon sind wir leider noch weit entfernt.

Manche Kritiker bemängeln, dass der Zug durch die Innenstadt mehr kommerzielle Straßenparty als Demonstration ist. Was antworten Sie diesen?

Zwei Dinge: Zum einen präsentiert der Berliner CSD seine politischen Forderungen traditionell in einer Mischung aus klassischem Demoaufzug und fröhlich feiernder Parade. Dabei werden auch das Selbstbewusstsein und die Lebensfreude unserer Community sichtbar. Zum anderen: Nicht meckern, sondern machen! Schnappt euch ein paar Leute, bastelt euch Demo-Schilder, holt euch ein Megafon, und dann ab auf die Straße – CSD ist das, was DU draus machst!

Der zentrale Fest- und Demotag der queeren Community findet 2016 einen Monat später statt als gewohnt. Warum?

Die Achtelfinalspiele der Fußball-EM der Männer finden am üblichen CSD-Wochenende statt. Daher weicht der Berliner CSD auf den 23. Juli aus. Dieses Datum bietet auch ausreichend Abstand zu den anderen großen CSDs in Deutschland. Andere Pride-Events wie das Lesbisch-Schwule Stadtfest, der CSD auf der Spree und der Dyke-March sind ebenfalls mitgezogen. Dieses Jahr muss sich also niemand zwischen Fanmeile oder dem Pflichtprogramm für queere Berlinerinnen und Berliner entscheiden.

Zur „Pride Week” zwischen Lesbisch-schwulem Stadtfest am Nollendorfplatz und CSD kommen tausende Touristen aus aller Welt. Was macht Berlin für Schwule und Lesben so attraktiv?

Berlin ist der klassische Melting-Pot: Hier treffen so viele Kulturen, Weltanschauungen und Lebensentwürfe aufeinander – die Stadt hat eigentlich alles schon mal gesehen. Gleichzeitig ist in Berlin auch sehr viel „leben und leben lassen“ angesagt. Man kann hier also noch relativ frei und entspannt queer sein.

Christopher Street Day 2017
22. Juli, Start 12:30 Uhr Ku’damm, Finale ab 14 Uhr Brandenburger Tor.
www.csd-berlin.de

Wir machen den Berliner Sommer!

Fünf Frauen prägen diesen Sommer mit sehr unterschiedlichen Themen unsere Stadt. Lesen Sie weitere Interviews über kulturelle, politische und andere Veranstaltungshighlights in unserem Artikel oder direkt:

Silke Hellemann Veganes Sommerfest

Annette Meier Lange Nacht der Museen

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