Titel Tipps Fuer Paare
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Liebes-Tipps für Paare

So backen Sie Ihr Liebesglück

„Man muss jedes Problem ausdiskutieren.” Unsinn, sagt Paarberater Christian Thiel in seinem neuen Buch über die populärsten Irrtümer über Beziehungen und Liebe.“ Bei einer Lesung im Prenzlauer Berg erklärte er, warum Liebe wie Brot ist und wie man sie frisch hält. Plus: BerlinerAkzente verrät seine Top 5 Liebestipps für Paare.

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renzlauer Berg, ein Tag im Frühling. Draußen schlagen die Bäume aus, Blumen locken Bienen mit den schönsten Blüten an, Vögel überschütten sich mit Liebesbeweisen. Auf den Straße küssen sich die Paare. Oder eben nicht.

Liebe ist wie Brot

Wir Menschen träumen von der ewigen Liebe. Aber in jeder Partnerschaft bedrohen Alltagsstress, mangelnde Zuwendung, Unzufriedenheit und Streit das Paradies der Zweisamkeit. Schlimmstenfalls kommt es zur Trennung – oder zur gemeinsamen Einsamkeit. „Ein fataler Irrtum ist der Mythos, Liebe sei wie ein Edelstein: Man muss ihn nur finden und dann ist alles gut“, sagt Paarberater Christian Thiel . „In Wirklichkeit ist Liebe wie Brot: Man muss es jeden Tag wieder neu backen.“

Aber wie bäckt man die Liebe? Wie halten wir sie frisch? Was tun, damit sie im Laufe der Jahrzehnte nicht austrocknet und schlecht wird? Um das zu erfahren, hat sich ein interessiertes Publikum zu einer Lesung im Café Krüger versammelt. Christian Thiel, Autor von Ratgebern wie „Was glückliche Paare richtig machen”, stellt sein aktuelles Buch vor: „Wieso Frauen immer Sex wollen und Männer immer Kopfschmerzen haben. Die populärsten Irrtümer über Beziehungen und Liebe.“

Die Wirklichkeit ist besser

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Alltagsstress als Beziehungs­killer: Verständnis und Zuwendung halten die Liebe frisch. Bild: shutterstock / Doremi

Die „Geschlossene Veranstaltung“ erinnert mehr an eine Therapiesitzung als an eine klassische Lesung. Es gibt keine Bühne, kein Pult, keine Scheinwerfer, keine Stuhlreihen, kein Podest. Wir sitzen mit dem Experten im Stuhlkreis. Die Themen sind intim: Liebe, Sexualität, Sehnsucht nach Zweisamkeit. Die Teilnehmer (etwa 80 Prozent Frauen) sind während der Lesung mucksmäuschenstill, manche gucken nachdenklich, einige fast traurig.

Aber es wird auch viel gelacht. Christian Thiel, ein Mensch mit freundlichem Humor und positiver Ausstrahlung, schafft schnell eine entspannte und vertrauensvolle Atmosphäre. In seinem Buch entlarvt er populäre Annahmen über die Liebe als große Irrtümer. Forschungsergebnisse und berührende, auch witzige Erfahrungen aus seiner Paarberater-Praxis zeigen, dass oft das Gegenteil stimmt.

Top 5 Tipps für Paare

… von Paarberater Christian Thiel:

Umarmen Sie sich täglich – mindestens sieben Sekunden lang.

Küssen Sie sich immer zur Verabschiedungen und Begrüßung – mindestens fünf Sekunden lang.

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Die vielen Lacher bei der Lesung zeigen, dass sich das Publikum in den typischen Situationen und Irrtümern der Liebe wieder erkennt. Und sie zeigen fröhliche Erleichterung. Denn die Wirklichkeit, so die Botschaft von Christian Thiel, ist meist positiver und vielversprechender als die gängigen Klischees.

„Vitamin V“ statt Diskussionen

Eine der vielen guten Nachrichten für Paare: Der ebenso verbreitete wie anstrengende Ratschlag „Man muss jedes Problem ausdiskutieren“ ist Unsinn, sogar schädlich. „Probleme sind wie Goldfische: Sie wachsen, wenn man sie füttert”, erklärt Christian Thiel. Denn beim „Ausdiskutieren” verfallen Menschen oft in den „Ich-bin-im-Recht-Modus“, der die Lösung eines Problems eher verhindert als fördert. Kritik und ergebnislose Diskussionen bringen nur noch mehr negative Gefühle in eine Situation, die ohnehin schon belastet ist.

Was also tun bei Konflikten? Positive Anstöße setzen, sagt der Experte. Verständnis für den anderen ausdrücken und um Verständnis für die eigenen Wünsche werben. Denn „Vitamin V“, Verständnis, sei das, wonach sich Menschen in der Partnerschaft am meisten sehnen. Wenn beide das Gefühl haben, dass sie es von ihrem Partner bekommen, sei es viel einfacher, Lösungen für Konflikte zu finden. Mit Toleranz und Verständnis für die Bedürfnisse des anderen, die sich naturgemäß manchmal von den eigenen unterscheiden, lösen sich manche Konflikte sogar von selbst.

Was hilft bei Problemen? Sex!

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Sex als Problemlöser? Ja, sagt der Beziehungsberater und verweist auf das Bindungs­hormon Oxytocyn. Bild: shutterstock / Doremi

„Mit Sex kann man keine Probleme lösen“ sei ein anderer Irrtum, sagt Thiel. Erotik sei im Gegenteil sehr förderlich für Paargespräche, da dabei ein hochwirksamer Hormoncocktail ausgeschüttet werde: Oxytocyn, ein Bindungshormon, das uns sanft, friedlich und kompromissbereit stimmt. Dopamin, das so genannte „Glückshormon”. Und (sowohl bei Männern als auch bei Frauen) Testosteron, das Zuversicht und Tatkraft stärkt. All diese Stoffe erzeugen eine positive, bindungsfreundliche Grundstimmung. Die Bereitschaft, Kompromisse einzugehen, steigt, ebenso die Fähigkeit, Lösungen für Konflikte zu finden.

Auch hier lautet der Schlüssel also: positive Zuwendung. „Beim Menschen ist Sex in erster Linie Kommunikation.“ Natürlich sei er kein Allheilmittel: Bei massiven Vertrauensproblemen rät Thiel zu einer Partnerschaftsberatung. Und erzwingen lasse sich Sex nicht. „Reizwäsche bringt die Erotik wieder in Schwung“ sei ein gefährliches Klischee, das auf Dauer nicht funktioniert und somit sogar schade. Oft seien Stress und Sorgen Grund für eine Flaute im Bett, oder Unzufriedenheit mit einem gestressten Partner. Dann helfen Stressabbau, zum Beispiel Yoga, und konstruktive Gespräche. „Vitamin V“, Verständnis, sei auch dabei der Schlüssel. Kuscheln, Küssen, Umarmen – jede Art von liebevoller Aufmerksamkeit tut der Beziehung wirklich gut.

Mehr Liebes-Tipps

… von Christian Thiel auf seiner Website: www.die-liebe-bleibt.de

Bücher von Christian Thiel
„Wieso Frauen immer Sex wollen und Männer immer Kopfschmerzen haben. Die populärsten Irrtümer über Beziehungen und Liebe“. südwest Verlag, 14,99 Euro

Positive Zuwendung macht glücklich

Mit Verständnis und liebevoller Zuwendung könne man sogar den Partner ändern, sagt Thiel. Natürlich nicht seinen Charakter. Aber störende Verhaltensweisen, ein häufiger Grund für Beziehungszoff und den darauf folgenden Frust. Wichtig sei es auch hier, nicht zu nörgeln, sondern positiv zu bleiben: „Sagen Sie Ihrem Partner, was Sie sich von ihm wünschen, und loben und belohnen Sie ihn, wenn er Ihnen zuliebe etwas ändert.“

Verstanden und gesehen werden – das ist viel wichtiger als die Frage, wie viel Zeit ein Paar miteinander verbringt, bilanziert Thiel bei der Fragerunde am Schluss der Lesung. Er selbst lebt seit 14 Jahren „zusammen allein” mit seiner Frau: Jeder hat eine eigene Wohnung. „Für viele Paare ist das ein gutes Modell. Sie treffen sich und erzählen von ihrem Tag – dieser Austausch ist sehr gut für die Partnerschaft.“ In seinem Fall so gut, dass er und seine Frau nun ein neues gemeinsames Abenteuer planen: Sie ziehen zusammen.

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