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Bild: Wolfgang Stahr
Lange Nacht der Museen

"80 Museen in einer Nacht"

Annette Meier, 53, Projektleiterin bei Kulturprojekte Berlin, über die Vielfalt der Berliner Museumsschätze. Hier spricht Sie über Geheimtipps für die Lange Nacht, unterhaltsame Expressführungen – und ein Wunder auf der Leinwand.

Die „Lange Nacht der Museen“ wurde 1997 in Berlin erfunden und seitdem auf der ganzen Welt kopiert. Was ist besonders typisch für das Original?

Nirgendwo sonst kann man 80 Museen in einer Nacht anschauen: von den weltberühmten Häusern auf der Museumsinsel bis zu kleinen Spezialsammlungen. Es sind Schlösser dabei und multimediale Ausstellungen, Kunstmuseen und Bunker. Typisch für die Berliner Lange Nacht sind auch die vielen Begegnungen mit den Museumsleuten: Die Direktorin zeigt Lieblingsstücke, junge Museumsgründer sprechen über ihre Vision, Zeitzeugen führen durch original erhaltene Räume, Techniker erläutern Geräte.

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Bild: Lange Nacht der Museen

Was sind die neuen oder besonders erwähnenswerten Institutionen für 2016?

Die hochauflösende Fulldome-Projektion des frisch sanierten Zeiss-Großplanetariums an der Prenzlauer Allee kann man erstmals erleben, zum ersten Mal dabei ist auch C/O Berlin im Amerikahaus. In der Zitadelle Spandau ist die neue Ausstellung mit Berliner Denkmälern inklusive Leninkopf zu sehen. Das Technikmuseum nimmt zum ersten Mal mit den Ausstellungen in der Ladestraße teil. Besichtigen kann man auch den Rohbau des Hauses der Zukunft, das derzeit am Kapelle-Ufer entsteht.

Die Ausstellungsorte sind dann auch Bühnen, Konzertsäle und Abenteuerspielplätze. Kennen Sie schon Höhepunkte?

Anlässlich der Ausstellung „El Siglo de Oro“ in der Gemäldegalerie feiert das Kulturforum eine „spanische Nacht“ mit Führungen, Konzerten, Tanz, Theater und Lesungen. Das Museum für Kommunikation veranstaltet eine Lange Nacht der Superhelden, gekrönt vom Auftritt des Berliner Duos „Stereo Total“. Vor dem Technikmuseum baut der Chaos Computer Club eine 200 Meter lange leuchtende Rohrpostanlage auf. Und der Glashof des Jüdischen Museums verwandelt sich in eine Golem-Lounge.

In dieser Nacht kann man Dinge und Orte sehen, die den Rest des Jahres verborgen bleiben. Haben Sie einen Geheimtipp für 2016?

Tipp für Autofans: Im DDR Museum, das zur Langen Nacht seinen neuen Ausstellungsteil eröffnet, ist nur für diesen Abend ein Melkus RS 1000 zu sehen – der einzige, tatsächlich sehr schicke Rennwagen der DDR.

Die ersten Stunden sind auch prima für Familien mit Kindern. Was sind hier ideale Anlaufpunkte?

Zum Beispiel das Deutsche Historische Museum, in dem Kinder in Ritterrüstungen schlüpfen können. Die Archenhold-Sternwarte in Treptow, wo Fernrohre und Wasserraketen gebaut werden. Oder die Berlinische Galerie, wo Kinder angeregt von Hannah Höch fantastische Pflanzen gestalten und kurze Filme drehen.

Es gibt sicher immer noch Berlinerinnen und Berliner, die bei Museum an verstaubte Schaukästen und langatmige Texttafeln denken. Warum ist die Museumsnacht die beste Gelegenheit, um diese Klischees über Bord zu werfen?

Weil sich die Museen an diesem besonderen Abend von einer anderen Seite zeigen: Unter wilhelminischen Kuppeln wird gerockt, Foyers sind in buntes Licht getaucht, es gibt Cocktails unter Sauriern. Und viele Texte lesen oder langen Erläuterungen zuhören braucht man in der Langen Nacht ohnehin nicht: In 15-20-minütigen Expressführungen werden die Highlights der Sammlungen kurz und meist sehr unterhaltsam vorgestellt.

Die Lange Nacht der Museen steht am Ende des Berliner „MuseumsSommers“, der seit letztem Jahr Ausstellungshöhepunkte im Juli und August zusammenfasst. Was sind hier Beispiele?

Der MuseumsSommer ist eine Einladung, die vielen im Grünen gelegenen Museen Berlins kennen zu lernen, wunderbare Orte wie das Georg Kolbe Museum oder die Liebermann-Villa am Wannsee. Er fasst die vielen Open-Air-Konzerte und-Filme in den Museumsgärten zusammen, Führungen in Parks und in der Stadt und Aktionen für die ganze Familie. Das reicht von der Botanischen Nacht bis zum Kultursommer im Jüdischen Museum, von der Nachtwanderung im Grunewald bis zur Sternenbeobachtung für alle am Gleisdreieck. 2016 gibt es außerdem eine Open-Air-Filmreihe im Podewil in der Klosterstraße. Immer mittwochs werden berühmte und neu zu entdeckende Filme gezeigt, die in den großen europäischen Museen gedreht wurden.

Nofretete, erster Computer oder ausgestopfter Eisbär: Die Ausstellungsstücke der Berliner Museen könnten nicht vielfältiger sein. Haben Sie ein Stück, das Ihnen besonders viel bedeutet?

Ich bin Kunsthistorikerin und interessiere mich vor allem für Malerei. Ein Bild, von dem ich jedes Mal wieder beeindruckt bin, ist „Der Mennonitenprediger Anslo und seine Frau“ im Rembrandt-Saal der Gemäldegalerie. Dass ein Maler die Überzeugungskraft einer Rede darzustellen mag, von der man ja kein einziges Wort hört, ist ein Wunder.

Infos zur nächsten Langen Nacht der Museen unter
www.lange-nacht-der-museen.de

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Fünf Frauen prägen diesen Sommer mit sehr unterschiedlichen Themen unsere Stadt. Lesen Sie weitere Interviews über kulturelle, politische und andere Veranstaltungshighlightsin unserem Artikel oder direkt:

Silke Hellemann Veganes Sommerfest

Simone Leimbach Berlin Art Week

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