Newsletter abonnieren
Titel Altberliner Kneipen
Bild: Raphael Guillou, Cool Cities Media
Alt-Berliner Gastlichkeit

Berliner Kneipen: Mit Stulle und Schulle

Urige Berliner Eckkneipen gehörten einst zu unserer Stadt wie Schultheiss und Spree.
Doch seit Bio-Limonade Molle & Korn den Rang abläuft, sind sie vom Aussterben bedroht. Aber es gibt sie noch: die typischen Berliner Kneipen.

Schon zu Kaisers Zeiten spotteten die Leute, in Berlin gäbe es an jeder Kreuzung fünf Kneipen, und allgemein herrschte die Ansicht: „Wer nicht in der Lage ist, seinen Wirt zu ernähren, ist es nicht wert, in Berlin zu leben.“

Berliner Kneipen: Synonym einer Lebensart

Tatsächlich ist in keiner anderen Stadt das Lebensgefühl der Einwohner derart untrennbar mit der lokalen Gastronomie verbunden. 1930 zählte die Statistik über 30.000 lizenzierte Lokalitäten, die Zahl der illegalen dürfte ebenfalls beträchtlich gewesen sein, zudem war Berlin als Stadt der 100 Brauereien berühmt.

Die Berliner Kneipe wurde zum Synonym einer unverwechselbaren Lebensart, und nirgendwo sonst manifestierte sich die von Tabak und Bierdunst geschwängerte Philosophie aus Herz und Schnauze.

  • Diener

    Autogramme prominenter Gäste als Wandschmuck im Diener Tattersaal, Charlottenburg Raphael Guillou, Cool Cities

  • Henne

    Alt-Berliner Wirtshaus Henne in Kreuzberg, beliebt auch als Kulisse für Historienfilme Roland F. Bauer, Cool Cities Media

  • Bornholmer Huette

    Kegelbahn der Bornholmer Hütte in Prenzlauer Berg Martin Nicholas Kunz

  • Sophieneck

    Sophieneck in Mitte Raphael Maxim Guillou

  • Yorkschloesschen

    Flipper in der Jazzkneipe Yorckschlösschen, Kreuzberg David Burghardt/teNeues Digital Media

  • Zur Letzten Instanz 2

    Zur letzten Instanz in Mitte, mit fast 400 Jahren die älteste noch bestehende Restauration der Stadt Roland F. Bauer, Cool Cities Media

  • Zur Letzten Instanz

    Zur letzten Instanz in Mitte Martin Nicholas Kunz

Bild

Kneipen wurden Coffeeshops

Doch die guten alten Zeiten, die alles andere als gut waren, sind längst vorbei, und nach dem Zweiten Weltkrieg begann das Kneipensterben in Berlin. Zuerst verschwanden die Bierpaläste und die Groß-Destillen, in den 50ern und 60ern erlagen viele Wirte der Moderne und sorgten mit Resopal und PVC für ein trostloses, aber voll abwaschbares Ambiente.

Nach der Wende herrschte in der Berliner Gastronomie Tabula rasa; aus den Kneipen wurden Clubs, Kaschemmen wurden Coffeeshops, und in alte Destillen zogen Shishabars ein. Statt Molle mit Korn verlangte die neue Kundschaft Caipirinha oder Latte macchiato. Auch die großen traditionellen Kaffeehäuser an der Straße Unter den Linden und am Kurfürstendamm sind weitgehend verschwunden. Heute gibt es nur noch rund zwei Dutzend originale und originelle Kneipen im Stadtgebiet, die den Wandel der Zeit an ihrem ursprünglichen Standort überdauert haben.

Die letzten ihrer Art

Cover Jahrhundertkneipen
Berliner Jahrhundertkneipen, Hrsg. Cool Cities Media, Verlag avedition, 29 Euro

Sie alle haben 100 Jahre oder mehr auf dem Buckel, und seit ehedem bieten sie ihren Gästen eine geborgene Heimstatt, in der bei einem Frischgezapften mit Kümmel und einer Bulette mit viel Senf über Gott und die Welt debattiert wird. Der Berliner Autor Clemens Füsers hat 17 von ihnen in seinem Buch “Jahrhundertkneipen” ein Denkmal gesetzt. Es erzählt, opulent bebildert, von Geschichte und Geschichten dieser Berliner Dinosaurier.

Wir verlosen 2 Exemplare der „Jahrhundertkneipen“. Schicken Sie bis zum 30. Juni 2019 eine Email mit dem Stichwort »Kneipe« an berliner.akzente@berliner-sparkasse.de

Diese Themen könnten Sie auch interessieren