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Titel Klettern
Klettern in Berlin

Kletterparks in Berlin: Höhenangst weicht Glücksgefühl

Wie Indiana Jones über wacklige Seilbrücken klettern, in tiefe Abgründe schauen und die Verfolger im Nacken spüren: Kletterparks und Hochseilgärten in und um Berlin bieten dazu Gelegenheit. Unsere Autorin hat zwei von ihnen getestet. Außerdem stellen wir weitere Kletterparks in Berlin und Umgebung vor.

1. Abenteuerpark Potsdam

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in todesmutiger erster Schritt. Auf geht’s über den Abgrund hinweg. Richtig schwindelfrei bin ich nicht. Doch die vielen Menschen, die im Abenteuerpark Potsdam in Höhe der Baumwipfel an Drahtseilen über Balken und schwankende Holzbohlen von einer Plattform zur nächsten balancieren oder mit der 200 Meter langen Seilrutsche in die Tiefe sausen, machen mir Mut.

An Drahtseilen über Balken und Bohlen

Einige Minuten vorher: Unter fachkundiger Anleitung steige ich ins Gurtzeug, das Hüfte, Oberschenkel und Schultern umschließt, setze den Helm auf. „Wenn ihr euch einmal mit der Kralle ins Sicherungsseil eingehängt habt, könnt ihr den Parcours in einem Zug durchklettern“, erläutert die junge Mitarbeiterin das Sicherungssystem – eine Besonderheit, die die Potsdamer Anlage zu einem der weltweit größten Kletterparks mit solch einem System macht.

Gurtzeug festzurren und ab in die Tiefe

Ein kritischer Blick der Mitarbeiterin auf mein Gurtzeug, hier und da wird noch mal gerüttelt, alles sitzt fest. „Nehmen Sie den Ohrring lieber raus“, rät sie mir. Was jetzt wohl passiert, frage ich mich. „Auf Balken und Seilbrücken können sie sich entspannt an die Höhe gewöhnen“, stand eigentlich auf der Internetseite über die verschiedenen Schwierigkeitsgrade. „Na ja, so groß ist der Unterschied zwischen den Parcours gar nicht“, gibt sie zu bedenken. „Sie werden’s ja sehen.“ Was soll das heißen?

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Verschnaufspause auf kleinen Plattformen in neun Meter Höhe.

Ich hake mich ein. Die letzte Chance zum Umkehren habe ich verpasst. Los geht’s, über ein Seilnetz zur ersten Plattform, von dort über eine auf beiden Seiten mit Netzen bespannte Brücke. Die nächste Baumstation liegt einen Meter von meiner Plattform entfernt, dazwischen ist – nichts. Nur Abgrund. Der ist zwar nur ein paar Meter tief. Dennoch: Ich atme dreimal tief durch, höre mein Herz schlagen. Springe.

Keine Blöße vor den Teenies

Schnell merke ich, worauf es ankommt – sich zu überwinden. Denn ich hänge sicher im Seil, muss nur darauf achten, dass die „Laufkatze“ über meinem Kopf immer freien Lauf hat. Vorbei geht’s nun an Box-Säcken, die mir auf schmaler Brücke entgegenbaumeln, über diverse Stege, ein weiteres Netz, bis ich nach rund einer Stunde mit der Seilrutsche wieder zu Boden sause. Das hat ja hervorragend geklappt – vor den beiden Teenagern vor mir hätte ich mir auch keine Blöße geben wollen. Die Höhenangst wich schon nach kurzer Zeit einem gewissen Glücksgefühl.

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Immer schön festhalten, sonst geht’s abwärts.

Durchs Spinnennetz, über den „Schwebebalken“, plötzlich geht es nicht weiter. Auf der nächsten Plattform stehen schon drei Frauen, also heißt es warten – auf einem halben Quadratmeter Raum in neun Metern Höhe. Eine der drei traut sich nicht weiter, hat sich offenbar überschätzt. Minutenlang starrt sie in die Tiefe, streckt einen Fuß vor, zieht ihn wieder zurück – und entscheidet schließlich, sich abseilen zu lassen. Das kommt vor, ist aber kein Problem, Mitarbeiter des Kletterparks sind stets in der Nähe. Und wenn sie merken, dass gutes Zureden nicht mehr hilft, „bergen“ sie die Kletterer sicher aus luftiger Höhe.

Rund 500 Kletterparks und Hochseilgärten in ganz Deutschland

Zwölf Parcours in bis zu 12 Metern Höhe mit einer Gesamtlänge von 1,7 Kilometern und 170 verschiedenen Elementen – der Potsdamer „Abenteuerpark“ ist nur schwer zu toppen. Er gilt deutschlandweit als einer der größten. Fast 500 Kletterwälder und Hochseilgärten gibt es hierzulande mittlerweile.

Adresse: Albert-Einstein-Straße 49, 14473 Potsdam
Öffnungszeiten: Ende März bis Ende Mai, sowie Anfang August bis Ende September mittwochs bis sonntags von 10 bis 19 Uhr, Ende Mai bis Anfang August täglich von 10 bis 19 Uhr, Ende September bis Ende Oktober mittwochs bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, Ende Oktober bis Anfang November mittwochs bis sonntags von 10 bis 16 Uhr
Eintritt: Erwachsene 24 Euro, Kinder zwischen 15 und 18 Euro, ermäßigt für Studenten, Azubis und Schüler 21 Euro
www.abenteuerpark.de

2. Kletterwald Wuhlheide

Der erste Kletterwald in Berlin liegt in der Wuhlheide. Er versprüht seinen ganz eigenen Reiz: Auf dem etwa einen Hektar großen Waldareal sind 90 Kletterelemente in sieben Parcours in den Baumbestand integriert.
Auf dem „Risiko-Parcours“ kommen mutige Kletterer in zehn Metern Höhe ebenso auf ihre Kosten wie in Potsdam, und beim „Abenteuer-Parcours“ erfordert die Kletterei durch den Netzschlauch schon einige Kraft, ebenso wie das Skateboard auf dem Seil auch nur mit einer großen Portion Geschicklichkeit zu bewegen ist. Und wer sich in Potsdam noch wie Jane fühlte, kann nun den Tarzan geben: Der „Tarzansprung“ ins Netz gehört zu den Attraktionen in der Wuhlheide.

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Kinder üben sich an niedrigen Höhen.

Da wird natürlich noch mal jede Menge zusätzliches Adrenalin ausgeschüttet – aber Höhenangst ist beim „Risiko-Parcours“ in der Wuhlheide ein absolutes K.o.-Kriterium. Was aber nicht heißt, dass die Angsthasen-Fraktion gar nicht klettern kann. Im Gegenteil: Der „Spaß-Parcours“ stellt auch schon einige Ansprüche, was Geschicklichkeit und Ausdauer anbelangt. Doch die Höhe von gerade mal zwei Metern ist noch gut zu verkraften. Zudem macht die unmittelbare Nähe zum Jugend- und Familienzentrum FEZ den Berliner Kletterwald gerade für einen Tagesausflug mit dem Nachwuchs attraktiv, der sich auf dem „Spiel-Parcours“ vergnügen kann.

Ganz neue Aussichten genießen

Auf die Frage, was den Reiz von Kletterwäldern ausmacht, antwortet Gartenbauwissenschaftlerin Henrike Janczik: „Man kann Naturverbundenheit mit sportlicher Aktivität verbinden und den Wald auf völlig neue Art erleben.“ Gemeinsam mit ihrem Mann betreibt sie den Kletterwald in der Wuhlheide. Die Motorik werde gefördert. Und das Selbstbewusstsein. „Kinder, aber auch Erwachsene lernen, sich selbst einzuschätzen und mitunter an ihre Grenzen zu gehen“, sagt Janczik. Na dann: Auf zum Abenteuer!

Adresse: An der Wuhlheide 199, 12459 Berlin
Öffnungszeiten: April bis Ende Mai Di., Fr.-So. 10 bis 19 Uhr, Juni bis Ende August tägl. 10 bis 19 Uhr, Mitte August bis Mitte Oktober Di., Fr.-So. 10 bis 19 Uhr, in der Ferienzeit tägl. 10 bis 18 Uhr, Mitte Oktober bis Ende Oktober, Di., Fr.-So. 10 bis 17 Uhr
Eintritt: Erwachsene 20 Euro, Kinder von 7 bis 12 Jahre 14 Euro, Kinder unter 7 Jahre 10 Euro, ermäßigt 17 Euro
www.kletterwald-wuhlheide.de

3. MountMitte

Mitten in Berlin lädt dieser Hochseilgarten zum ausgiebigen Klettern ein. Auf drei Ebenen in drei bis 15 Metern Höhe warten rund 92 Kletterhindernisse aufs Bezwingen. Auf insgesamt sechs Routen von „Brocken“ bis „Everest“ können sich die Besucher, entsprechend gesichtert austoben. Und wer vom Klettern genug hat, der kann sich auf den Beachvolleyballfeldern austoben.

Adresse: Caroline-Michaelis-Str. 8, 10115 Berlin
Öffnungszeiten: montags bis freitags ab 14 Uhr, in den Schulferien ab 10 Uhr
Eintritt: Erwachsene 21 Euro, Jugendliche und ermäßigt 18 Euro, Kinder 15 Euro
www.beachberlin.de/mountmitte

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4. Waldhochseilgarten Jungfernheide

Mitten im Volkspark Jungfernheide liegt der Waldhochseilgarten Jungfernheide. Hier finden Besucher etwa Erholung vom Großstadtdschungel und können beim Erklimmen des Kletterparks ihre eigenen Grenzen austesten. Die Kletterstrecken sind für alle Niveaus ausgelegt. Es gibt spezielle Kletterrouten für Kinder und Erwachsene. Letztere können zwischen einfacheren und herausfordernden Kletterrouten wählen. Auf drei bis 17 Metern Höhe schlängeln sich die Strecken durch den Mischwald.

Adresse: Heckerdamm 260, 13627 Berlin
Öffnungszeiten: ab Ende März je nach Wochentag zwischen 10 bis 19 Uhr, von Ende April bis Mitte Oktober je nach Wochentag zwischen 9 bis 20 Uhr, ab Mitte Oktober bis Ende Oktober j nach Wochentag von 11 bis 17 Uhr
Eintritt: Erwachsene 24 Euro, Kinder bis 14 Jahre 18 Euro, ermäßigt ab 14 Euro
www.waldhochseilgarten-jungfernheide.de

5. Kletterwald Strausberg

Vor den Toren Berlins liegt der Kletterwald Straußberg. Auf rund 2,7 Kilometern Gesamtlänge warten 12 Kletterparcours auf mutige Kletterer. Auf unterschiedlichen Höhen können verschiedene Schwierigkeitsstufen erklettert werden – geeignet für Besucher von 7 bis 99 Jahren. Wie wäre es mit einem Skateboard durch luftige Höhen zu schweben oder gewagte Sprünge in luftiger Höhe zu versuchen? Dieser Kletterpark im Berliner Norden verspricht Kletterspaß pur.

Adresse: Sport- und Erholungspark 32, 15344 Strausberg
Öffnungszeiten: Von Mitte April bis Anfang Oktober täglich oder Di. bis So. von 10 bis max. 19 Uhr
Eintritt: Erwachsene 20 Euro, Kinder 14 Euro, ermäßigt 17 Euro
www.climbup.de/kletterwald-straußberg

6. Kletterwald Klaistow

Hoch hinaus geht es auch in diesem Kletterpark südlich von Berlin. Elf verschiedene Kletterwege stehen hier zur Verfügung und können von kleinen und großen Besuchern erkundet werden. Rund zweieinhalb Stunden sollte man für eine Klettertour einplanen. Ein besonderes Highlight im Kletterwald Klaistow: die 200 Meter lange Riesen-Seilrutsche, an der es rasant durch den Wald geht. Auch an kleine Kinder ist gedacht: ein spezieller Parcours ist extra für Knirpse zwischen drei und sechs Jahren aufgebaut.

Adresse: Glindower Strasse 28, 14547 Klaistow
Öffnungszeiten: von Mitte April bis Anfang November täglich oder Di. bis So. von 10 bis max. 19 Uhr
Eintritt: Erwachsene 20 Euro, Kinder 14 Euro, ermäßigt 17 Euro
www.climbup.de/kletterwald-klaistow

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