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Titel Kinderfreundliches Berlin
Bild: Shutterstock
25 Jahre Berliner Akzente

Junges Berlin: Kleine Leute in der großen Stadt

Wie kinderfreundlich ist Berlin? Familien-Expertin Gabriele Schmitz erzählen, was sich in den letzten 25 Jahren für Berliner Kinder und ihre Familien verändert hat. Eine Bestandsaufnahme zu 25 Jahren Kinderstadt Berlin.

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erlin ist eine kinderfreundliche Stadt mit unzähligen Möglichkeiten für Sonnenschein, aber auch bei Regen. So rührt Visit.Berlin die Werbetrommel für einen Familienbesuch in der Hauptstadt. Von den vielen Angeboten für Kinder profitieren natürlich auch die Jungen und Mädchen, die hier leben und aufwachsen. Denn mal ehrlich: Wo sonst haben Kinder die Wahl zwischen Zoologischem Garten und Tierpark? Und wo gibt es ein Museum schon für die Kleinsten? In Berlin haben Kids mit dem „MACHmit! Museum“ und dem Kindermuseum „Labyrinth“ gleich zwei Häuser ganz für sich. In Berlin groß zu werden ist zwar bisweilen anstrengend, hat aber auch viele gute Seiten. „Das meiste hat sich in den vergangenen 25 Jahren verbessert“, sagt Gabriele Schmitz, wenn sie auf die kindgerechte Entwicklung Berlins – und insbesondere West-Berlins – zurückblickt.

Ein Recht auf Kita

Die Leiterin der Geschäftsstelle des Berliner Beirats für Familienfragen hat Beispiele parat. So sei das Recht auf einen Kita-Platz eingeführt worden. „Und es ist zur gesellschaftlichen Normalität geworden, den Nachwuchs mit einem Jahr in die Kita zu geben.“

Gabriele Schmitz
Gabriele Schmitz ist seit 2018 Leiterin der Geschäftsstelle des Berliner Beirats für Familienfragen. Bild: privat

Im Ostteil schon vorher üblich, gingen West-Berliner Kids früher erst ab dem dritten Lebensjahr in die Tagesstätte. Allerdings, so räumt Schmitz ein, sei es anstrengender geworden, den gewünschten Kita-Platz zu bekommen. Zwar haben Eltern auf dem Papier ein Wunsch- und Wahlrecht, aber in der Realität kann die Suche nach einem geeigneten Platz zur Belastungsprobe werden.

Die neuen Vaterfreuden

Ist der Platz gefunden, sind es längst nicht mehr nur die Mütter, die sich mit dem Kind an der Hand vor der Kita treffen. „Es ist nichts Exotisches mehr, wenn ein Vater Sohn oder Tochter aus der Kita abholt“, sagt Gabriele Schmitz. Darüber ist sie froh, ist es doch ein Zeichen dafür, dass sich die Eltern die Betreuung ihres Nachwuchses teilen. Möglich sei das, weil sich in der Arbeitswelt viel getan habe in Sachen familienfreundlicher Unternehmenskultur. Egal ob Väter oder Mütter: Berufstätige können heute eine Führungsposition anstreben, ohne einen Knick in ihrer Berufs-Biografie befürchten zu müssen, wenn sie wegen ihrer Kinder eine Zeit lang kürzertreten. „Dass Väter in Elternzeit gingen, war vor ein paar Jahren doch noch die große Ausnahme.“

Elterngeld sorgt für positive Veränderung bei der Kindererziehung

Da habe die veränderte Bundesgesetzgebung viel bewirkt, sagt Schmitz und erinnert sich an die Zeit, als ihre heute 20-jährige Tochter zur Welt kam. „An Elterngeld war damals nicht zu denken.“ Auch die Möglichkeit, die Elternzeit über mehrere Jahre zu staffeln, gab es noch nicht. Im Westteil Berlins sei es in den 1990er-Jahren eher üblich gewesen, mit nur einem Gehalt pro Haushalt auszukommen. Die flexible Elterngeldregelung rege heute dazu an, weiter arbeiten zu gehen. „Heute braucht man zwei Einkommen – aber es gibt eben auch mehr Gleichberechtigung“, sagt Gabriele Schmitz. Schwieriger geworden sei es für Familien indes, eine neue, bezahlbare Wohnung zu finden. „Noch schwerer wird es, wenn Familien eine passende Wohnung in ihrem angestammten Kiez suchen, um Kita- und Schulwechsel oder weite Fahrten zu Freunden zu vermeiden.“

Forderung an die Politik: mehr Spielplätze für Berlin

Deutlich besser als vor 25 Jahren sei dagegen die Ausstattung mit Familienzentren in Berlin, „ob das nun staatlich geförderte Einrichtungen freier Träger sind oder Häuser privater Initiativen“. Auch Eltern-Kind-Cafés oder Familienrestaurants seien damals eher selten gewesen. Bei den Spielplätzen hinke Berlin allerdings noch immer hinterher. Ein Quadratmeter Fläche soll pro Einwohner zur Verfügung stehen. So steht es im Berliner Spielplatzgesetz. De facto waren es 2018 im Schnitt nur 0,6 Quadratmeter, wie der Beirat für Familienfragen ermittelte. Aktuell seien es eher private Initiativen, die bei Neubauprojekten mehr Spielplätze anlegen würden. In seinem aktuellen Familienbericht regt der Familienbeirat an, die Aufenthaltsqualität im Freien zu verbessern. „Studien haben gezeigt, dass Kinder mehr draußen sind und sich mehr bewegen, wenn sie in einer Umgebung mit hoher Aufenthaltsqualität aufwachsen«, so Schmitz. Ihr Vorschlag: mehr kind- und familiengerechte Angebote in Grün- und Freiflächen – »beispielsweise Sportgeräte, wie es sie im Monbijoupark in Mitte gibt“.

Von Funsport bis Open-Air-Spielplatz

Derweil müssen die Knirpse mit dem vorhandenen Angebot auskommen.Aber auch das kann sich sehen lassen. So gibt es nicht nur rund 20 Indoorspielplätze für die Wintermonate, sondern auch diverse Kinderbauernhöfe. Und jede Menge besondere Open-Air-Spielplätze wie den „Sherwood Forest“ am Savignyplatz, wo Kinder auf den Spuren von Robin Hood wandeln, das Funsport-Areal Mellowpark an der Wuhlheide mit seinen BMX-Strecken, den Bauspielplatz in Treptow oder den Spielplatz am Arkonaplatz, wo Jungen und Mädchen auf Wackelbrücken ihren Gleichgewichtssinn trainieren können.

Lesen Sie auch das Essay von Arche-Gründer Bernd Siggelkow über das Ungleichgewicht zwischen Arm und Reich und der gemeinsamen Verantwortung, bessere Voraussetzungen für die gesellschaftliche Teilhabe aller Kinder zu schaffen >>

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