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Titel Jungfuechse
Bild: Christoph Schieder
Sportförderung

„Es hat in den Fingern gekribbelt“

Die Nachwuchsarbeit der Füchse Berlin wird von der Berliner Sparkasse seit 2015 als Hauptpartner unterstützt. Sie gilt bundesweit als vorbildlich. Berliner Akzente sprach mit Jugend-Koordinator Fabian Lüdke (30) und U-19-Nationalspieler Nils Lichtlein (18) über das Training in Corona-Zeiten und die Herausforderungen in der neuen Saison.

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eit Oktober 2015 ist die Berliner Sparkasse Hauptförderer des Handballnachwuchses der Füchse Berlin. Durch die finanzielle Unterstützung ermöglicht Berlins größtes Geldinstitut dem Verein, weiter zu wachsen und noch mehr junge Menschen für den professionellen Teamsport zu begeistern. „Die Füchse Berlin und die Berliner Sparkasse – das passt zusammen. Denn die Hauptstadt ist unser gemeinsames Revier”, sagt Dr. Johannes Evers, Vorstandsvorsitzender der Berliner Sparkasse.

Nicht umsonst ist die gute Nachwuchsarbeit der Füchse Berlin deutschlandweit seit Jahren bekannt und wird von der Handball Bundesliga regelmäßig “mit Stern” bewertet. Bob Hanning, Geschäftsführer der Füchse, freut sich, einen so starken Partner gewonnen zu haben: „Die Berliner Sparkasse gibt uns die Möglichkeit, auf einem weltweit führenden Niveau die Arbeit für junge Talente fortzusetzen.

Zum Saisonstart sprach Berliner Akzente mit dem Jugend-Koordinator Fabian Lüdke und U-19-Nationalspieler Nils Lichtlein über das Training in Corona-Zeiten und die Herausforderungen der neuen Saison.

Ist die Nachwuchsarbeit der Füchse Berlin die größte Trumpfkarte des Vereins?

Fabian Lüdke: Ja. Die Ausbildung der Talente wird bei uns gelebt – und ihre Perspektive passt. Dass mit Bob Hanning der Manager des Klubs seit Jahren sehr erfolgreich die A-Jugend trainiert, zeigt den außergewöhnlichen Stellenwert, den die Ausbildung der Talente bei uns genießt.

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Fabian Lüdke. Bild: Christoph Schieder

Was macht die Nachwuchsarbeit so besonders?

Fabian Lüdke: Alles greift ineinander. Die Strukturen mit dem Internat, das 26 Plätze hat, und der Schule direkt auf dem Campus sind herausragend. Die kurzen Wege sind eines der größten Argumente, die ich in Gesprächen mit Probespielern vorbringe. Die Vereinbarkeit von Schule und Leistungssport ist bei uns zu 100 Prozent gegeben, es ist viel Verständnis von beiden Seiten da.

Nils Lichtlein: Das war einer der Gründe, warum ich 2016 von Regensburg nach Berlin gegangen bin. Meine Eltern haben großen Wert auf die schulische Ausbildung gelegt. Früher bin ich von Regensburg oft nach München oder Erlangen zum Training gependelt, da waren schnell eineinhalb Stunden weg. Hier bin ich in zwei Minuten in der Trainingshalle.

Fabian Lüdke: Ein weiterer Pluspunkt: Der Kontakt zwischen den Talenten und den Profis ist sehr eng. Man trifft sich, man tauscht sich aus. Nils trainiert bereits häufiger in der Bundesliga-Mannschaft mit. Man hat sein Ziel bei uns nah vor Augen.

Nils Lichtlein: Das stimmt. Und dieser direkte Kontakt ist eine unglaubliche Motivation – und hilft sehr. Man bekommt viele Tipps von den Profis, ich vor allem von Fabian Wiede, der auch als Linkshänder aus der eigenen Jugend kam. Aber auch mit Paul Drux, Tim Matthes und Fredrik Genz verstehe ich mich gut. Sie haben den Sprung aus dem eigenen Nachwuchs zu den Profis geschafft, den ich auch schaffen will.

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Nils Lichtlein. Bild: Christoph Schieder

Fabian Lüdke: Unser Ziel ist es, pro Jahrgang ein, zwei Spieler in die Bundesliga zu bringen. Durch Corona gewinnt der Nachwuchs nochmal an Bedeutung. Der 15. oder 16. Platz des Bundesliga-Kaders wird in diesen Zeiten noch eher als sonst mit einem eigenen Talent besetzt.

Wieviel vom gewohnten Sport-Alltag brach durch Corona im Frühjahr weg?

Nils Lichtlein: Der größte Teil. Schule und Internat schlossen, unsere A-Jugend-Meisterschaft wurde abgebrochen. Ich bin im März zur Familie nach Regensburg gefahren und habe dann zu Hause für mich allein trainiert. Zwei-, dreimal in der Woche gab es ein virtuelles Teamtraining, am Samstag eine Telefonkonferenz. Es hat sich angefühlt wie eine ungewollte, viel zu lange Pause. Man wusste, es geht irgendwann weiter – aber man wusste nicht, wann. Das war schon ungewohnt und schwierig. Es hat in den Fingern gekribbelt. Ich hab‘ zu Hause in meinem Zimmer den Handball gegen die Wand geworfen, was meine Mutter nicht so toll fand (lacht). Auch im Garten hab‘ ich ein bisschen gespielt. Aber es ist ohne die anderen Jungs nicht das Gleiche.

Fabian Lüdke: Das Tagesgeschäft fiel von heute auf morgen weg. Das hat uns etwas Luft verschafft, um ein paar strukturelle Sachen voranzutreiben – etwa die Grundschulliga oder die für Zweitklässler neu gegründete Bambini-Liga, für die jetzt die Testphase ansteht. Aber für die Planung war die Zeit nicht einfach. Wie die Meisterschaft weitergeht, war länger unklar. Ende April wurde sie abgebrochen und unserer A-Jugend der Meistertitel zugesprochen. Viele Dinge waren ungewiss. Wir haben den Jungs für ihr Heimtraining viel Video-Feedback gegeben und ihnen zur Theorie-Auffrischung immer wieder Szenen aus Spielen geschickt.

Wie haben die Spieler in der Zeit mitgezogen?

Fabian Lüdke: Sehr gut. Die Jungs aus der A- und B-Jugend kamen nach drei Wochen Urlaub, die wir ihnen gaben, in einem sehr guten Fitness-Zustand aus dem Heimtraining zurück. Das hat uns Ende Juli, als wir mit der Vorbereitung auf die neue Saison begannen, geholfen.

Nils Lichtlein: Es hat nach der Rückkehr, als wir dann wieder Mannschaftstraining machen durften, etwas gedauert, um sich wieder einzuspielen. Aber das war normal.

Die Jung-Füchse wurden Deutscher Meister, aber ein Finale gab es nicht. Fühlte sich dieser Titel anders an?

Fabian Lüdke: Wer mal ein Endspiel erlebt hat, weiß, wie einen die Atmosphäre packt. Diese Emotionen haben diesmal gefehlt. Es war ein Titel, der sportlich den Stellenwert hat wie die anderen Titel, aber emotional hat es sich weit davon entfernt angefühlt. Wir haben die Feier später nachgeholt.

Jungfuechse-interview Fabian Luedke 2
Bild: Christoph Schieder

Nils Lichtlein: Wir haben uns nach der Entscheidung des Verbandes untereinander in unserer Whatsapp-Gruppe beglückwünscht. Das hat sich eher angefühlt wie eine bestandene Prüfung. Der Glücksmoment des Sieges in einem Endspiel in einer vollen Halle hat gefehlt.

Die Berliner Sparkasse ist seit Oktober 2015 Hauptpartner der Jungfüchse. Wie wichtig ist diese Unterstützung?

Fabian Lüdke: Sie ermöglicht uns als unser wichtigster Partner strukturell und damit sportlich sehr, sehr viel. Ohne Partner wie die Berliner Sparkasse, die auch in Corona-Zeiten fest an unserer Seite steht, wäre das Projekt Füchse Berlin auf diesem Niveau nicht möglich. Der Berliner-Sparkassen-Cup, der wegen Corona dieses Jahr Anfang September für A-, B- und C-Jugend in etwas reduzierter Form stattfand, ist eine tolle Bühne für die Talente und hat eine große Tradition.

2012 starteten alle Berliner Profi-Klubs das Projekt „Profi-Vereine machen Schule”, 2018 das Projekt „Profi-Vereine machen Kita“. Welche Ergebnisse sehen Sie?

Fabian Lüdke: Es war 2012 der Schulterschluss der Vereine mit Hilfe des Berliner Senats, um in der Gesellschaft etwas zu verändern und ihr etwas zurückzugeben. Es geht nicht darum, bei den Fünfjährigen den nächsten Nils Lichtlein zu entdecken, sondern darum, bei den Kindern den Spaß am Sport zu wecken, ihnen Bewegungsangebote in Schulen und Kitas zu schaffen – und dem Trend in der Gesellschaft, die sich immer weniger bewegt, entgegenzuwirken. Berlin hat damit etwas Einzigartiges auf die Beine gestellt. Wir sind mit den Füchsen mittlerweile in acht Schulen und zehn Kitas – und arbeiten daran, dass die Rädchen zwischen Kitas und Schulen noch besser ineinandergreifen.

Die Füchse haben seit dieser Saison mit dem 26-jährigen Jaron Siewert den jüngsten Trainer der Handball-Bundesliga. Geht die Tür bei einem so jungen Coach für den eigenen Nachwuchs noch ein Stück weiter auf?

Fabian Lüdke: Er ist auch ein Eigengewächs und jetzt aus Essen von seiner ersten Cheftrainer-Stelle nach Berlin zurückgekehrt. Für unsere Talente kann das eine noch größere Chance bedeuten. Jaron ist in Meetings mit den Nachwuchs-Trainern immer dabei, er schaut mit großem Interesse auf den Unterbau. Aber er kann natürlich nicht alles auf die Nachwuchs-Karte setzen, dafür geht es in der Bundesliga um zu viel.

Sie haben als Jugend-Koordinator, Co-Trainer der zweiten Männermannschaft und Co-Trainer von Bob Hanning in der A-Jugend praktisch drei Jobs in einem. Wie anstrengend ist das?

Fabian Lüdke (lacht): Es wird maximal viel verlangt, aber wer viel investiert, hat gute Chancen, dass er viel zurückbekommt. Das gilt bei uns für Spieler und Trainer.

Soll es irgendwann den Cheftrainer Fabian Lüdke geben?

Fabian Lüdke: Sicherlich ist das mein Ziel, aber in den nächsten zwei Jahren will ich neben meiner hauptberuflichen Tätigkeit bei den Füchsen erstmal mein Studium – Sport und Geographie auf Lehramt – beenden. Und etwas Zeit für die Familie sollte auch immer noch bleiben.

Was sind die Ziele für die neue Saison?

Nils Lichtlein: Wir wollen unseren Meistertitel verteidigen – diesmal sportlich und nicht am grünen Tisch.

Jungfuechse-interview Nils Lichtlein 1
Bild: Christoph Schieder

Fabian Lüdke: Wir haben große Lust auf die neue Saison und hoffen, dass wir irgendwann wieder so etwas wie Normalität – Spiele vor Publikum – haben werden. Und natürlich ist ein Ziel, dass möglichst viele Talente in der Bundesliga ankommen.

Herr Lichtlein, Ihr Onkel Carsten ist Bundesliga-Rekordspieler, Welt- und doppelter Europameister. Ihr Opa Artur war 1973 mit dem TV Großwallstadt Deutscher Meister. Sind gute Gene die halbe Miete?

Nils Lichtlein: Unsere Familie ist so Handball affin, da war es klar, dass ich irgendwann auf den Handball treffe. Und weil es mir Spaß gemacht hat, bin ich dabeigeblieben. Bei Familien-Treffen kommt schon der eine oder andere Tipp.

Onkel und Opa sind, beziehungsweise waren, Torhüter. Sie spielen im Rückraum. Waren Sie fürs Tor nicht groß oder nicht verrückt genug?

Nils Lichtlein (lacht): Beides! Im Rückraum, vor allem in der Mitte, hat man unglaublichen Einfluss aufs Spiel. Man bekommt jeden zweiten oder dritten Ball in die Hände. Ich kann das Spiel steuern, verändern – oder auch verlieren. Das bedeutet viel Verantwortung. Diese Rolle hat mich gereizt und liegt mir.

Carsten Lichtlein wird im November 40 und spielt in Minden immer noch Bundesliga. Streben Sie auch eine so lange Karriere an?

Nils Lichtlein: Wenn der Körper mitmacht, auf jeden Fall. Man macht sein Hobby zum Beruf und verdient mit Spaß Geld. Besser geht es nicht.

Was bringt Nils mit, Herr Lüdke?

Fabian Lüdke: Wir sind 2016 praktisch zeitgleich zu den Füchsen gekommen. Er hat hier eine unfassbare Entwicklung genommen und war bereits als C-Jugendlicher in der B-Jugend eine tragende Säule. Jetzt ist er mit seinen Fähigkeiten im Abwehr- und Angriffsspiel die zentrale Figur in der A-Jugend. Wenn es ins Offensivspiel geht, haben wir keinen anderen Jugendspieler mit so einer Qualität und so einem Verständnis für Spiel, Raum und Gegner.

Das war jetzt sehr viel Lob, Herr Lichtlein. Sind Sie schon bereit für die Bundesliga?

Nils Lichtlein: Man kommt nie als fertiger Bundesliga-Spieler aus der Jugend, weil der Sprung in den Männerbereich sehr groß ist. Man muss sich rankämpfen. Das will ich, um meine beiden Träume – Bundesliga und später Nationalmannschaft – zu verwirklichen. Ich hab‘ im Sommer meinen Führerschein angefangen, schreibe dieses Schuljahr mein Abitur, dazu sollen Turniere wie die U-19-EM in Slowenien, die wegen Corona verschoben wurde, und die Schul-WM nachgeholt werden. Ich weiß, dass diese Saison anstrengend wird, aber ich bin bereit. Mein Onkel ist in kleinen Etappen und sehr beharrlich seinen Weg gegangen. Das möchte ich auch. (Interview: Steffen Rohr)

www.fuechse.berlin

Die Berliner Sparkasse ist aber nicht nur Partner im Leistungsbereich, sondern unterstützt u.a. auch bei Nachwuchsturnieren, Talentiaden oder Feriencamps den Handballnachwuchs unserer Stadt >>

Mehr über die Sportförderung der Berliner Sparkasse erfahren Sie im Beitrag „Mehr Bewegung für Berlin“ >>

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