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Titel Interview Kaldenhoven
Bild: Photografic-Berlin
Interview: Brettspiele

„Digital Detox in der Freizeitgestaltung“

Die Popularität von Brettspielen kann Axel Kaldenhoven auch am steigenden Umsatz ablesen: Er ist Geschäftsführer der Neuköllner Schmidt Spiele, die neben „Mensch ärgere dich nicht“ unzählige alte und neue Klassiker im Programm haben.

Seit über 23 Jahren sind Sie nun schon im Spiele-Gewerbe tätig. Wie hat sich der Markt aus wirtschaftlicher Sicht verändert?
Kaum. Die Spiele- und Spielwarenbranche ist über die Jahrzehnte betrachtet sehr stabil, vor allem in Deutschland. In kaum einem anderen Land sind Gesellschaftsspiele so beliebt.

Angesichts des Siegeszuges von elektronischen Spielen ist das erstaunlich. Raubt die digitale Konkurrenz nicht Kunden?
Ob man sich mit einem elektronischen Gerät beschäftigt oder mit einem klassischen Brettspiel, macht einen großen Unterschied. Wenn man gemeinsam spielt, stehen die Interaktion und Emotionen, das Miteinander im Fokus. Außerdem erzeugt jeder Trend einen Gegentrend: Wo der Alltag vieler Menschen zunehmend digitalisiert ist, steht „Digital Detox“ in der Freizeitgestaltung hoch im Kurs.

Mit der Globalisierung ist auch der Spielemarkt internationaler geworden. Wie unterscheiden sich Spiele aus den USA oder China von Spielen, die in Deutschland und Europa entwickelt werden?
Spannende Spielideen entstehen auf der ganzen Welt. Bei Schmidt Spiele arbeiten wir daher auch gern mit ausländischen Autoren zusammen. Denn die Spielmechanismen von Brett- und Kartenspielen funktionieren global. Vorlieben sind hier typabhängig und nicht unbedingt kulturell bedingt: Die einen lieben strategische Spiele, bei denen sie viel nachdenken und taktieren können, die anderen mögen es schnell und stark zufallsgesteuert.

Mensch Aergere Dich Nicht
Bild: Christoph Schieder

Nehmen Sie zum Beispiel „Schach“ und „Mensch ärgere Dich nicht“: Beides globale Hits, auch über Generationen hinweg, und doch beide sehr verschieden von der Idee und dem Spielmechanismus, die dahinterstehen. Anders verhält es sich hingegen bei der Gestaltung der Spiele.

Wo sehen Sie hier Unterschiede?
Anpassungen nehmen wir vor allem bei den Charakteren in einem Spiel vor, wenn beispielsweise mit landestypischen Stereotypen gearbeitet wird. Aber auch das gesamte Layout passen wir mitunter an unterschiedliche Kulturen und das vorherrschende ästhetische Empfinden an. An deutschen Brettspielen wird international ganz klar die hohe Qualität in Material und Verarbeitung als Alleinstellungsmerkmal gesehen. Wir unterziehen all unsere Spiele, Puzzles und Spielwaren Qualitätstests nach höchsten Maßstäben. Denn nur so bleibt das Spielvergnügen von Dauer.

„Spiel des Jahres“, „Kennerspiel des Jahres“ und „Kinderspiel des Jahres“: Es gibt zahlreiche Auszeichnungen, Schmidt Spiele wird selbst regelmäßig prämiert – zuletzt für den „Quacksalber von Quedlinburg“. Welche Bedeutung haben solche Auszeichnungen für ein Spiel?
Wirtschaftlich gesehen garantieren Preisträger-Spiele einen großen Erfolg, da die Jury-Auszeichnungen für viele Konsumenten mit in die Kaufentscheidung fließen. Solch renommierte Auszeichnungen sind für uns außerdem sowohl Bestätigung unserer Arbeit als auch Motivation, weiterhin so qualitativ hochwertige Produkte zu entwickeln.

Interview: Michael Metzger

Die Mutter aller Brettspiele kommt aus Neukölln

„Mensch ärgere Dich nicht“, die Mutter aller Brettspiele, kommt aus Neukölln. Denn es ist eins von über 600 Spielen aus dem Programm von Schmidt Spiele, das hier seit über 20 Jahren seinen Verlagssitz hat. Ebenso lang ist Axel Kaldenhoven hier Geschäftsführer. Einen Grundstein zur typisch deutschen Brettspielleidenschaft legte Josef Friedrich Schmidt, als er 1907 aus antiken Vorbildern den Spieleklassiker im roten Karton entwickelte. Rund 90 Millionen Mal wurde „Mensch ärgere Dich nicht“ seitdem verkauft, hinzu kamen im Laufe der Jahrzehnte unzählige weitere Klassiker wie „Kniffel“, „Qwirkle“, „Carcassonne“ oder letztes Jahr erst „Die Quacksalber von Quedlinburg“, das zum „Kennerspiel des Jahres 2018“ gekürt wurde.

Lesen Sie auch unseren Bericht über den Spiele-Trend in Berlin: Die wollen doch nur spielen.

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