Newsletter abonnieren
Titel Hochkultur Kinder
Bild: Aurelio Schrey
Kultur

Hochkultur für Kinder

Mit speziellen Angeboten begeistern Berliner Spielstätten ein junges Publikum für Klassik und Musiktheater. Von großen, lehrreichen Brüdern, Orchestern zum Anfassen und Hinter-den-Kulissen-Touren bei komischen Großmüttern.

Oper ist teuer, altmodisch und nur in Abendgarderobe zu betreten: Mit diesen Klischees hat man in der Komischen Oper immer wieder zu kämpfen. Noch schlimmer: „Oper ist nichts für Kinder.” Da kann Musikpädagogin Anne-Kathrin Ostrop nur den Kopf schütteln: „Wer sagt das? Man muss es einfach nur mal anders machen!”

Kindliche Begeisterung für die Oper

Die ehemalige Lehrerin weiß, wovon sie spricht: Seit 13 Jahren arbeitet sie im Opernhaus in Mitte mit Kindern und Jugendlichen und erlebt dort täglich aufs Neue die Begeisterungsfähigkeit für eine so komplexe Kunstform wie die Oper.

In mehr als 300 Workshops jährlich bereitet Anne-Kathrin Ostrop zusammen mit ihren Kollegen Mädchen und Jungen ab vier Jahren auf den Besuch der Aufführungen vor. „Das sind oft ganz tolle Erlebnisse”, schwärmt sie, „weil außer den Kindern und den Eltern auch die Erzieher oder Lehrer mit dabei sind und dann alle miteinander neue Konstellationen erleben.”

Komische Oper
Ob auf der Bühne oder im Zuschauerraum: Die Komische Oper bezieht Kinder mit ein. Bild: Aurelio Schrey

Kinderopern, Workshops, Führungen

In den Kursen erarbeiten die jungen Teilnehmer wichtige Szenen aus der Aufführung selbstständig, schlüpfen in Rollen aus dem Stück und fühlen sich in die Musik des Werkes ein. „Mir geht es nicht darum, Geschichten nachzuspielen, sondern darum, dass die Kinder zu einer eigenen Interpretation kommen”, erklärt die Pädagogin.

Hemmungen, sich auf das fremde Medium einzulassen, werden über die vertrauten Grundthemen überwunden: „Liebe, Hass oder Neid, das gibt es in jedem guten Märchen, in jedem guten Hip-Hop-Song und eben auch in jeder guten Oper.”

Führungen hinter die Kulissen

Ergänzend zu den Workshops werden auch Führungen durch das Traditionshaus angeboten, denn viele Kinder waren vorher noch nie in einem Theater oder Konzerthaus. „Wo ist denn jetzt die komische Oma?” lautet eine oft gestellte Frage.

Der Lohn für so viel Engagement sind strahlende Gesichter und der Beifall des Publikums nach jeder Vorstellung. Für Anne-Kathrin Ostrop zählt aber noch mehr: „Die schönste Rückmeldung ist für uns, dass die Lehrer immer wiederkommen.”

Musiktheater für Kinder wird hier übrigens auch mit Kindern gespielt. Das Haus verfügt über einen eigenen Kinderchor.

Das gesamte Spektrum der Kinder erreichen

Auch beim ATZE Musiktheater im Wedding will man seit 30 Jahren das gesamte Spektrum der Berliner erreichen. Allen voran die Grundschulkinder, aber gerne auch deren Eltern. Ziel sei es, mit einer Vorstellung ein gemeinsames Erlebnis zu schaffen, über das später gesprochen werden kann, erklärt Tom Müller-Heuser, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit des Hauses. „Mir hat es super gefallen und meinen Kindern übrigens auch”, sei das größte Lob, das von Müttern oder Vätern kommen kann.

Huehneroper im ATZE Musiktheater Berlin
Die Hühneroper im ATZE Musiktheater, ausgezeichnet mit dem IKARUS 2018 als herausragende Theaterinszenierung für Kinder. Bild: Jörg Metzner

Die Programmverantwortlichen vom ATZE haben keine Angst vor schwierigen Themen – Inhalte wie Trennung, Trauer, Flucht und sexuelle Aufklärung aber auch das Wahlrecht für Kinder gehören zu den anspruchsvollen Themen, die in den Stücken hier gezeigt werden. Mit „Die Hühneroper“ (ausgezeichnet mit dem IKARUS 2018 als herausragende Berliner Theaterinszenierung für Kinder) engagiert man sich auch für Umweltschutz und gegen Massentierhaltung. Oft sind es auf den ersten Blick ganz einfache Stoffe, die aber zum Nachdenken anregen, wie beispielsweise in „Oh, wie schön ist Panama” von Janosch, das einen neuen Blick auf das eigene Glück ermöglicht.

Musik überwindet Barrieren

Trotz des Einflusses der neuen Medien hat Müller-Heuser keine Bedenken, dass die Theaterkultur in der neuen Generation verloren gehen könnte. Der Riesenerfolg eines Stückes wie „Emil und die Detektive” nach dem Kinderbuch-Klassiker von Erich Kästner aus dem Jahr 1929 beweise, dass man mit einer spannenden Inszenierung weiterhin ein sehr großes Publikum erreichen könne.

Das ATZE, das übrigens nach der Berliner Bezeichnung für „großer Bruder” benannt ist, will Kinder nicht belehren, sondern sie an die Hand nehmen und ihnen neue Dinge im Leben zeigen. Die Musik hilft dabei, sprachliche Barrieren zu überwinden.

Ein Orchester zum Anfassen

Auf die Wirkung von Musik setzt naturgemäß auch das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin (DSO). Das Spitzenorchester lädt den Nachwuchs nun schon seit sieben Jahren zu interaktiven Kinderkonzerten ein.

Deutsches Symphonie Orchester
Große Töne: Beim Deutschen Symphonie Orchester darf auch der Nachwuchs bei interaktiven Kinderkonzerten ran. Bild: Oliver Ziebe

Sechs- bis Zwölfjährige werden hier zu Entdeckern: Vor jedem dieser Konzerte öffnet das DSO seine Türen zum „Open House”. Unter Anleitung von Orchestermusikern können die Kinder dann die verschiedenen Instrumente kennen lernen und ausprobieren, sich schminken lassen, singen und vieles andere mehr.

Das kommt offensichtlich an: Die DSO-Kinderkonzerte sind ein Riesenerfolg und es soll nicht wenige Berliner Kinder geben, die das DSO deutlich cooler finden als DSDS. Schließlich gibt es in der Klassik viel erfolgreichere Superstars als bei Dieter Bohlen.

Große Kunst für Kleine

Komische Oper
Behrenstraße 55, Mitte, Tel. (030)47 99 74 00
www.komische-oper-berlin.de

ATZE Musiktheater
Luxemburger Straße 20, Wedding,
www.atzeberlin.de
Tel. (030)81 79 91 88

Deutsches Symphonie Orchester (DSO)
www.dso-berlin.de

Diese Themen könnten Sie auch interessieren