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Großstadtsafari
Bild: Shutterstock
Stadtnatur

Großstadt-Safari

An unzähligen Orten lässt sich Berlins reiche Artenvielfalt erleben. Denn mitten zwischen Häuserschluchten und in den unzähligen Grünflächen der Stadt finden sich überraschende Biotope. Lernen Sie hier einige Ihrer faszinierenden Nachbarn etwas genauer kennen.

Säugetiere

Waschbär
Bild: pixabay / klimkin

Für den Trubel in der Großstadt sorgen nicht nur 3,5 Millionen Menschen, sondern auch Tausende weitere Tierarten. Diese machen Berlin zu einer der artenreichsten Großstädte Europas. Denn immerhin sind 42 Prozent Berlins Wasser- bzw. Waldfläche. Doch viele Lebensräume verändern sich rasant, weil Brachflächen versiegelt werden und der Klimawandel dem Ökosystem einheizt.

Wildschwein

Die Urahnen unserer Hausschweine sind äußerst anpassungsfähig. So ist die Population der schlauen Allesfresser explodiert, obwohl zuletzt deutschlandweit über 600.000 Schweine im Jahr erlegt wurden. Die bis zu 150 Kilo schweren Keiler durchbrechen auf Nahrungssuche mühelos Gartenzäune, Muttertiere können auch mal angriffslustig sein.

Waschbär

Die eigentlich knuffigen Allesfresser sind echte Problembären. Bis zu 800 Waschbär-Familien treiben in Berlin ihr Unwesen: Vor allem in Spandau, Reinickendorf, Marzahn und Köpenick, aber auch am Nollendorfplatz oder in der Torstraße durchwühlen sie Mülltonnen, nisten sich in Dachböden ein und hinterlassen eine Spur der Verwüstung. Füttern strengstens verboten.

Formate: video/youtube

Wildkaninchen

Karnickel
Bild: Shutterstock

Die possierlichen und nacht­aktiven Tiere wohnen überall in der Stadt, besonders wohl fühlen sie sich an bewaldeten Böschungen und in Parks wie dem Tiergarten. Ihre Jungen ziehen sie in weitverzweigten Höhlen auf, was sie nicht bei allen Berlinern beliebt macht. Der deutlich größere Feldhase ist neuerdings vor allem in Siedlungen am östlichen Stadtrand anzutreffen.

Ratte

Schätzungen sagen, dass es in der Hauptstadt etwa doppelt so viele Ratten wie Berliner gibt – also rund 7 Millionen! Zuletzt wurden sie zur echten Plage: 10.000 Einsätze zur Rattenbekämpfung gab es im letzten Jahr, ein neuer Rekord. Wegen der unbeliebten Nager mussten wiederholt Spielplätze und Parks gesperrt werden.

Fuchs

Sie haben sich dem Berliner Rummel perfekt angepasst und kaum mehr Scheu gegenüber dem Menschen, der sie in der Stadt nicht jagt. Futter finden sie nicht nur in Grünanlagen, sondern auch auf Straßen und Plätzen, in Höfen und Gärten. Sie sind vollkommen ungefährlich, da die Tollwut deutschlandweit ausgerottet werden konnte.

Vögel

Kohlmeise
Bild: pixabay / Oldiefan

Der NABU ruft jedes Jahr zur Vogelzählung auf. Im letzten Jahr beteiligten sich 2.034 Berliner Vogelfreunde daran und zählten insgesamt 45.764 Vögel. Rund zwei Drittel aller in Deutschland vorkommenden Arten fühlen sich in Berlin wohl. Die häufigsten sind:

Haussperling oder Spatz

Sein typisches Tschilpen ist wohl jedem geläufig: Der Spatz ist der mit Abstand häufigste Stadtvogel, er liebt die Nähe der Menschen. Spatzen leben sehr gesellig in kleinen Gruppen zusammen. Die Männchen sind am kastanienbraun eingefassten Scheitel, weißen Wangen und einem schwarzen Latz gut zu erkennen, die Weibchen tragen ein schlichtes Graubraun.

Star

Vom NABU zum Vogel des Jahres 2018 gekürt, vielleicht auch wegen seiner Talente: Der Star kann andere Vögel und Umgebungsgeräusche perfekt nachahmen, sogar Handyklingeltöne oder Hundebellen. Beeindruckend auch seine Schwarm-Formationen, bei denen Hunderttausende Individuen perfekt aufeinander abgestimmt durch die Lüfte gleiten.

Kohlmeise

Sie hat ihren Namen wegen der kohlschwarzen Kopfzeichnung, ansonsten dominiert ein gelbes Federkleid, das bei Weibchen etwas blasser ausfällt. Die intelligente und größte Meisenart kommt mit ihren menschlichen Nachbarn prima zurecht und verwirrt sie durch ein großes Gesangsrepertoire.

Formate: video/youtube

Amsel

Amsel
Bild: pixabay / Kaz

Wie viele andere Arten aus der Familie der Drosseln ist auch die Amsel ein vollendeter Sänger. Die melodischen Strophen beginnen mit ziemlich tiefen Flötentönen und enden mit leiseren „Anhängseln“. Das Männchen ist tiefschwarz und hat einen leuchtend gelben Schnabel. Das Weibchen dagegen ist einfarbig dunkelbraun.

Blaumeise

Blau sind Kappe, Flügel und Schwanzspitze: Die kleinere Schwester der Kohlmeise turnt sehr lebhaft durch die Berliner Gärten. Ihr abwechslungsreicher Gesang beginnt meist mit einem hohen »tii-tii« und endet mit einem hübschen Triller. Bettelrufe der Jungvögel machen schon im Mai auf ihre Nisthöhle aufmerksam.

Und auf den nächsten zehn Plätzen: Ringeltaube, Nebelkrähe, Elster, Feldsperling, Eichelhäher, Mehlschwalbe, Rotkehlchen, Buntspecht, Grünfink.

Asiatische Mandarinenten

Rund 800 haben sich neu in Berlin angesiedelt, bedrohen aber nicht unser Ökosystem. Andere sogenannte Neozonen wie die aggressive Nilgans oder der amerikanische Sumpfkrebs verdrängen hingegen die angestammten Arten.

Amphibien

Erdkroete
Bild: pixabay / Kathy2408

Klimawandel, Straßenverkehr und die Zerstörung von Lebensräumen setzen den in Berlin lebenden Fröschen, Kröten und Molchen stark zu. Insbesondere im April und Mai, wenn die Tiere von ihren Winterquartieren im Unterholz zu ihren Laichgewässern wandern, sind sie in Lebensgefahr.

Erdkröte

Von den 13 in Berlin heimischen Amphibienarten ist die Erdkröte eine der häufigsten und mit bis zu elf Zentimetern auch eine der größten. Die Oberseite ist bräunlich gefärbt und mit einer Vielzahl von Warzen ausgestattet. Erdkröten besiedeln ein breites Spektrum an Lebensräumen und sind an einer Vielzahl von Gewässern zu finden.

Auch sechs Reptilienarten sind in Berlin heimisch: Am häufigsten sind Zauneidechse, Blindschleiche und Ringelnatter.

Insekten

Kleiner Feuerfalter
Bild: pixabay / makamuki0

Die meisten Insekten sind nicht gerade populär, erfüllen aber auch im städtischen Raum eine wichtige Funktion im Ökosystem. Eine Langzeitstudie hat gerade ergeben, dass deren Gesamtpopulation in drei Jahrzehnten um bis zu 80 Prozent geschrumpft ist – mit dramatischen Folgen für Natur und Landwirtschaft.

Schmetterling

Etwa 80 Prozent unserer Tagfalter stehen auf der Roten Liste der bedrohten Arten, denn ihr Lebensraum wird seltener, lieben sie doch Pflanzen, die der Mensch gerne als Unkraut bekämpft – zum Beispiel Distel, Fetthenne oder Brennnessel. Ein naturnah bewirtschafteter Garten mit Wildkräutern kann einiges dazu beitragen, für viele Falterarten ein Paradies zu schaffen.

Biene

Honigbienen sind für den Menschen überlebenswichtig: Sie bestäuben drei Viertel unserer Obst- und Gemüsesorten. Doch der Einsatz von Pestiziden, die gefürchtete Varoa-Milbe und zu wenig Imkernachwuchs minimieren die Armada der summenden Helferlein stark. Immerhin steigt die Zahl der Stadtvölker, auch auf dem Dach der Berliner Sparkasse am Alex wird leckerer Hauptstadthonig produziert.

Wespe

Schließen Sie Frieden mit Wespen und Hornissen – fordert der NABU. Erstens sei gegen sie ohnehin kein Kraut gewachsen. Zweitens dürfen sie auch aus menschlicher Sicht durchaus als »nützlich« gelten, schließlich jagen sie auch Mücken und Fliegen. Und: Bewahren Sie stoische Ruhe, bis die Plagegeister das Interesse verloren haben, erst heftige Bewegungen machen sie aggressiv.

Bäume

Ahorn
Bild: pixabay / gregovish

Über 440.000 Bäume säumen Berlins Straßen, das sind fast 40 Prozent mehr als zu Zeiten der Wiedervereinigung. Hinzu kommen unzählige Bäume in den Wäldern, Parks und Friedhöfen im Stadtgebiet. Dort dominiert mit fast zwei Dritteln die Kiefer, die nach dem Krieg schnell Bauholz liefern sollte. Inzwischen wird immer mehr mit Eichen aufgeforstet.

Linde

Rund 155.000 Linden flankieren die Straßen der Hauptstadt, mit einem Anteil von 35 Prozent prägen sie das Stadtbild am stärksten. Bevorzugt gepflanzt wird die Winterlinde, die als mittelgroßer Baum auch in schmalen Straßen noch Raum findet. Die großkronige Kaiserlinde ist dagegen den weiträumigen Alleen vorbehalten.

Ahorn

Die Gattung der Ahorne umfasst rund 20 Prozent des Gesamtbestandes. Für den Wuchs an der Straße ist vor allem der Spitzahorn geeignet. Er ist beliebter Frühlingsbote, da seine Blütendolden noch vor dem dunkleren Laubaustrieb die Stadt in helles Grün taucht, während viele andere Bäume noch weitgehend kahl sind.

Eiche

Eiche
Bild: Shutterstock

Der edle Laubbaum braucht viel Licht, ist deshalb nur für breite Straßen und Plätze geeignet. Trotzdem sind rund 9 Prozent unserer Stadtbäume Eichen, wobei vor allem die Stil-Eiche vorkommt. Lediglich bei den Neupflanzungen im Regierungsviertel kam die Spree-Eiche zum Einsatz, die sich unter anderem durch eine besonders schöne Herbstfärbung auszeichnet.

Platane

Die Puschkinallee in Treptow ist vermutlich Berlins eindrücklichste Platanenallee. Rund 6 Prozent aller Straßen sind von dem stattlichen Baum gesäumt, dessen Stamm durch abgeblätterte Borke das typische Mosaik aus weißlichen und grünlichen Bereichen aufweist. Platanen werden bis zu 30 Meter hoch und haben bis zu 20 Meter Kronendurchmesser.

Kastanie

Die beliebte Rosskastanie, mit rund 5 Prozent Anteil an den Berliner Straßenbäumen, hat schwer zu kämpfen: Erst setzte die Miniermotte den weiß blühenden Kastanien stark zu, inzwischen haben es schädliche Bakterien auf die rot blühende Variante abgesehen. Wegen ihrer Anfälligkeit werden nun keine Kastanien mehr neu gepflanzt.

Wildpflanzen

Lavendel
Bild: pixabay / Hans

Wälder, Parks, Straßenränder, Brachflächen, Kanalufer: Berlin ist voller faszinierender Biotope – und damit viel artenreicher als ähnlich große Flächen im Umland. Über 2.000 unterschiedliche Blütenpflanzen konnten im Stadtgebiet nachgewiesen werden, rund 230 Pflanzenarten gelten in Berlin als bedroht.

Retten Sie die Artenvielfalt!

Geben Sie seltenen und bedrohten Pflanzen aus unserer Region ein neues Zuhause: Die Aktion „Urbanität & Vielfalt“, an der auch das Späth-Arboretum der Humboldt-Universität beteiligt ist, stellt engagierten Berlinerinnen und Berlinern Jungpflanzen zur Verfügung, denen auf dem Balkon oder im Garten eine neue Heimat gegeben werden soll. Mehr Informationen gibt es auf der Website. Die feierliche Pflanzenausgabe an alle, die mitmachen wollen, findet am 17. Juni von 11 bis 16 Uhr auf der U&V Archefläche, Kienbergpark, Eingang Hellersdorfer Straße statt.
www.UundV.de

Gehen Sie auf Großstadtsafari!

Langer Tag der Stadtnatur am 16./17. Juni 2018

Rund 500 Veranstaltungen an 150 Orten zur Artenvielfalt in Berlin. Über 200 Experten aus Verbänden, Verwaltungen und Vereinen führen an spannende und überraschende Naturorte, Veranstalter ist die Stiftung Naturschutz Berlin. Beginn am 16. Juni, 15 Uhr, Ende am 17. Juni, 17 Uhr, Tickets für alle Veranstaltungen 7 Euro, ermäßigt 5 Euro, Reservierung für Veranstaltungen mit beschränkter Personenanzahl ab 22. Mai. Mehr Infos und das ganze Programm:
www.langertagderstadtnatur.de

Berliner Smartphone-App „Naturblick“

Heimische Tiere und Pflanzen anhand von unzähligen Merkmalen bestimmen, Vogelstimmen aufnehmen und automatisch erkennen lassen, das Entdecken von faszinierenden Naturorten überall in der Stadt: Mit der umfassenden App, die das Berliner Naturkundemuseum in Zusammenarbeit mit kompetenten Institutionen und Vereinen entwickelt hat, können insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene die Berliner Stadtnatur ganz praktisch erforschen.
Kostenlos im Appstore bei Google oder Apple.

Kalender für Führungen, Vorträge und Events

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