Newsletter abonnieren
GlamCola_AnjaKarrasch
Bild: Anja Karrasch

GlamCola: Die mit dem Durchblick

Die Kreuzbergerin Nermin Çelik will den Softdrink-Markt revolutionieren. Ihre Mission: eine gesündere Cola für alle. Ihre „Glam Cola“ ist frei von tierischer Gelatine, künstlichen Süßstoffen – und komplett durchsichtig. Eine Cola-Variante, die so ungewöhnlich ist wie ihre Erfinderin selbst.

D

as vegane Restaurant an der Warschauer Straße hat morgens um kurz nach neun noch geschlossen. Für Nermin Çelik (41) machen die jungen Männer mit Bart und Zopf eine Ausnahme. Man kennt sich, denn die Unternehmerin kommt oft mit ihrer Familie zum Essen hierher. Zum Probieren serviert sie die schmale Flasche mit dem durchsichtigen Getränk selbst. Eine ruhige, entspannte Frau. Hochgewachsen, etwas verhalten – und angenehm natürlich. Genauso wie ihr Produkt.

Durchsichtige Cola: vegan, koscher und halal

Glam Cola Webung
Die Klare aus Kreuzberg: Glam Cola verzichtet auf farbliche Zusatzstoffe. Nun soll auch eine Kinder-Variante folgen. Bild: Glam Cola

Ihre Cola verzichtet auf alles, was die herkömmliche Variante ausmacht: Sie enthält keine Farbstoffe, keine tierische Gelatine, keine Phosphorsäure. Statt auf Raffinerie-Zucker basiert sie auf der Fruchtsüße vom Apfel. Besonders stolz ist Nermin Çelik, dass sie einen Ersatzstoff für den Geschmacksträger Ethanol gefunden hat, der unter anderem für den typischen Cola-Geschmack sorgt. „Da Ethanol Alkohol ist, musste ich etwas Neues entwickeln. Mir ist wichtig, dass meine Cola nicht nur vegan und koscher, sondern auch halal ist. Das gab es bislang nicht“, sagt sie.

Das Auge ist ob der durchsichtigen Optik zwar zunächst irritiert, doch die „Glam Cola“ schmeckt tatsächlich nach Cola und leicht nach Ingwer. Nermin Çelik selbst trinkt sie an diesem Sommer-Vormittag nicht; es ist Ramadan und die Tochter türkischer Einwanderer fastet seit rund zwei Wochen.

Inspiration durch eigene Kinder

Die Idee zu der ungewöhnlichen Brause kam der Berlinerin durch ihre fünf Kinder. Die mochten Cola besonders gern. Nermin Çelik nervte es aber, dass sie ihnen keine leckere Alternative zur gängigen Cola anbieten konnte. Als sie dann noch in der Zeitung von einer Frau las, die in den USA an ihrer Colasucht gestorben war, kam der Impuls, die Getränkewelt zu revolutionieren. „Die typische Berliner Haltung ‚Hey, das nervt mich. Ich ändere das’ hat mich inspiriert. Woanders hätte ich nicht gewagt, meine Vision in die Realität umzusetzen.“

Von Anfang an hatte Nermin Çelik eine klare Vorstellung von „ihrer“ Cola als durchsichtigem Getränk in einer schmalen Flasche, umgeben von einem glänzenden Heiligenschein. Daher kommt der Name „Glam“, wie „Glanz“. Das goldschwarze Etikett mit dem Slogan „Kein Stil. Nur Geschmack“ passt zu ihrem Understatement, einen Schritt nach dem anderen zu machen und dabei das große Ziel fest im Blick zu haben. Bei ihr soll der Geschmack im Mittelpunkt stehen – nicht die Marke.

Pharmazie, Schauspiel, Kulturmanagement – und jetzt Cola

Dass sie einmal als Erfinderin und Unternehmerin den deutschen Softdrink-Markt aufmischen würde, hätte Nermin Çelik selbst nicht gedacht. Ihre Eltern kamen in den 1960er-Jahren als Gastarbeiter aus der Türkei nach Deutschland. Aufgewachsen ist sie in Hamburg, nach dem Realschulabschluss wollte sie zunächst in die Pharmazie gehen. Alles, was mit Biologie, Chemie und Physik zu tun hat, interessierte sie. Bis heute. Aber die Dinge entwickelten sich anders.

Sie begann Schauspiel in Hamburg zu studieren, zog 2003 aus beruflichen Gründen nach Berlin, lernte ihren Mann kennen und wurde Mutter von fünf Kindern. „Als die Kinder kamen, habe ich meinen Beruf nicht weiter verfolgt. Später habe ich eine Umschulung zur Kulturmanagerin gemacht und unter Shermin Langhoff die Eröffnung des Ballhaus Naunynstraße organisiert“, erzählt Nermin Çelik. „Als ich mit meinen jetzt sechsjährigen Zwillingen schwanger war, habe ich mich von all dem gelöst. Und dann kam die Glam Cola“, erzählt sie weiter mit einem leichten Schulterzucken. Als wundere sie sich selbst ein wenig über ihren unkonventionellen Lebensweg. Die beiden ältesten Kinder sind mittlerweile aus dem Haus, Nermin Çelik führt das Unternehmen allein, unterstützt von einer Werbeagentur und wahrscheinlich demnächst von einer Assistentin.

Nächster Schritt: „Kids Cola”

Die ersten Flaschen verkaufte sie noch in einem Hinterhof in Kreuzberg. Inzwischen stehen sie in ausgewählten Supermärkten für knapp 1,80 Euro im Regal. Mittlerweile lässt sie zehntausend Flaschen in einer Brauerei in der Oberlausitz produzieren, da dort das Wasser besonders gut ist. Am liebsten würde sie heute allen Kunden nicht nur deutschland-, sondern weltweit eine gesündere Cola anbieten. Doch noch ist die Glam Cola ein hochpreisiges Produkt. „Wir würden sie gerne für alle erschwinglich machen, aber das ist bei der momentanen Produktionsauflage nicht möglich. Wir wagen gerade einen großen Schub an Investitionen, um auf eine hohe Stückzahl gehen zu können, sodass wir weitere Produkte anbieten können“, erläutert die Geschäftsfrau. Wie die „Kids Cola“ für Kinder ohne Koffein und Ingwer, die in den nächsten Wochen auf den Markt kommen soll.

Für den Vertrieb arbeitet sie überregional mit Händlern in Süddeutschland und Nordrhein-Westfalen zusammen. Heute wird sie sich noch mit Geschäftspartnern aus Hamburg und Hannover treffen. Die Konkurrenz durch die großen Cola-Marken sowie die vielen kleineren Brause-Start-ups scheut sie nicht. Die würden ja schließlich mit künstlichen Farbstoffen und Industriesüße arbeiten, während „Glam Cola“ auf beides verzichtet. Das ist ihre Nische.

Demnächst auch in den USA?

Abgehoben wirkt sie dabei nicht, dafür hat sie in den vergangenen drei Jahren genügend Höhen und Tiefen erlebt. Es gab immer wieder Momente, in denen sie sich gefragt hat: „Wie sollen wir das alles schaffen?“ Irgendwie ging es jedes Mal weiter. Dank der Unterstützung ihres Mannes, ihres Beraterteams und auch der Schauspielerei. „Ob im Geschäft oder auf der Bühne, jeder klappert, so gut er kann“, meint Nermin Çelik lächelnd. Ein Satz, der so ehrlich und natürlich ist wie ihr Produkt.

Das soll übrigens demnächst auch in Übersee erhältlich sein. „Ein großes amerikanisches Unternehmen ist total begeistert und will eine Testphase in allen amerikanischen Bundestaaten starten“, berichtet Nermin Çelik erfreut. Der große Clou soll im Oktober starten. Dann will Nermin Çelik auch im Geburtsland der Coca Cola Fuß fassen.

Glam Cola kaufen

Glam Cola gibt es in zahlreichen REWE-Märkten sowie vielen kleinen Getränke-Läden. Hier gibt es eine Übersicht über alle Verkaufsstellen .

Mehr Infos zur durchsichtigen, gesünderen Cola erhalten Sie hier:

Website :
www.glamcola.de

Facebook :
www.facebook.com/glamcola

Diese Themen könnten Sie auch interessieren