Titel Berliner Umland
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Brandenburgs Beste

Geheimtipps fürs Berliner Umland

Das Wetter ist zu schön, um die Freizeit auf dem Sofa zu verbringen. Direkt vor den Toren der Stadt lockt Brandenburg mit 3.000 Seen, beschaulichen Dörfern und Atem beraubenden Ausblicken. Wir verraten Ihnen fünf Ziele für Kurztrips und Tagesausflüge zu unberührten Naturlandschaften, prachtvollen Herrenhäusern und Perlen des Mittelalters.

Landgut Borsig

Geschichte zum Anfassen, Herrenhaus-Flair und Übernachten im Biohotel

Im Havelland an der deutschen Alleenstraße, zirka 40 km von Berlin, liegt das Landgut Borsig mit seinen schönen Backsteingebäuden. In der DDR war das große Areal total verfallen. Erst der Berliner Bauunternehmer Michael Stober erweckte die geschichtsträchtige Anlage mit Feingefühl und mehreren Millionen Euro zu neuem Leben. Um 1800 ließ Landrat Peter von Itzenplitz am Großen Behnitzer See ein Herrenhaus errichten.

Restaurant Seeterrassen Landgut
Restaurant Seeterrassen im Landgut Borsig. Bild: Peter Stumpf

Ende des 19. Jahrhunderts wurde daraus ein landwirtschaftlicher Musterbetrieb, der die Mitarbeiter der Berliner Eisenbahndynastie Borsig auf dem eigenen Schienenweg mit frischem Gemüse und Obst versorgte. Heute kann man einen Spaziergang um den See machen und dann auf der Seeterrasse bei Küchenchef Konstantin Kovac zu regionalen Spezialitäten einkehren.

Landgut Borsig
Landgut Borsig: Das Herrenhaus punktet mit schönen Spazierstrecken. Bild: Peter Stumpf

Wer über Nacht bleiben möchte, findet in Brandenburgs erstem zertifizierten Biohotel ein bequemes Bett. Und wer sich für die Geschichte des Guts interessiert: Besitzer Stober bietet auch Führungen an.

Anreise : über die B5 Richtung Nauen, Abzweig Wachow
Landgut A. Borsig, Behnitzer Dorfstraße 29, Groß Behnitz
www.landgut-aborsig.de

Köpenick

Mit dem Rad an den Stadtrand, Bootstour und Barockschloss

Für erholsamen Ausflüge „jwd“ ins Grüne braucht man Berlin gar nicht zu verlassen. Am Stadtrand finden sich noch schöne alte Dörfer, die es zu entdecken lohnt. Zum Beispiel Köpenick, berühmt geworden durch den gleichnamigen Hauptmann. Eine Tour von 18 Kilometern zeigt die schönsten Plätze: Vom S-Bahnhof Köpenick nach Süden zum Elcknerplatz, Borgmannstraße bis zum Mandrellaplatz mit dem alten Amtsgericht und der Gedenkstätte Köpenicker Blutwoche vom Juni 1933.

Koepenick Dahmeufer
Köpenick Dahmeufer: Eine kleine Flucht, für die man noch nicht mal über die Stadtgrenze muss. Bild: Andreas Steinhoff (CC BY-SA 3.0, http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de)

Von dort geht es durch den Bellevuepark zur Bahnhofstraße mit dem historischen Abwasserpumpwerk. Am Platz des 23. April kann man auf ein Fahrgastschiff wechseln und eine Bootstour einschieben oder man radelt weiter Richtung Luisenhain. Über Alt-Köpenick kommen Tagesausflügler zu Rathaus, Laurentiuskirche und zur Langen Brücke. Von hier ist es ein Katzensprung zum schönen 1677 erbauten Wasserschloss, bis heute das einzige Barockschloss Berlins.

Danach geht es über die Müggelheimer Straße zur Müggelbergallee und durch den Wald zu den Kanonenbergen. Die Müggelberge sind mit 115 Metern Berlins höchste natürliche Erhebung. Wer noch einen Abstecher machen will, fährt rechts ab zum 30 Meter hohen Müggelturm, dem Wahrzeichen Köpenicks. Bei klarem Wetter reicht der Blick bis nach Königs Wusterhausen und Bernau. Achtung: Am Müggelturm wird gerade gebaut. Engagierte Ausflügler sollten sich davon aber nicht abschrecken lassen.

Schloss Koepenick
Schöner Höhepunkt der Exkursion: das Schloss Köpenick. Bild: Dr. Minx (CC BY-SA 3.0, http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de)

Weiter über den Kuhwall zum Großen Müggelsee, am Westufer entlang bis zum Spreetunnel und dem Ortsteil Friedrichshagen, der um 1880 den Titel klimatischer Luftkurort erhielt. Dann über die idyllische Bölschestraße und die Christopheruskirche zum S-Bahnhof. Schön ist der Kurpark, hinter dem man das Erpetal mit dem Mühlenfließ erreicht. Von dort geht es zurück nach Köpenick.

Passend zur historischen Tour ist ein Besuch im Altstadtcafé Cöpenick, Alt Köpenick 16, in dem der Gast wie anno dazumal von weiß beschürzten Damen mit Hauben auf dem Kopf bedient wird. Deftige Speisen und leckeres Bier serviert das Waschhaus Alt Köpenick mit schönem Biergarten und Blick aufs Wasser am Katzengraben 19.

Anreise : Mit dem Rad, oder der S3 nach Köpenick
www.koepenick.net

Das Schlaubetal

Geheimtipp für Naturliebhaber: Smaragdeidechsen, unberührte Paradiese

Seeadler und Eisvögel ziehen ihre Kreise, 700 Arten farbenprächtiger Schmetterlinge flattern umher, am Wegesrand blühen seltene Orchideen. Und mit etwas Glück entdeckt man Smaragdeidechsen und Sumpfschildkröten. Das Schlaubetal, 90 km südöstlich von Berlin, ist eine landschaftliche Perle.

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Bild: Blacky Neubauer

Fast 300 km Wanderwege durchziehen das unberührte Paradies am wildromantischen Flüsschen Schlaube. Eingangstor zum Naturpark ist das 750 Jahre alte Städtchen Müllrose. 13,4 km wandert oder radelt man über die Radower Mühle zum Forsthaus Siehdichum. Nach einigen Kilometern erreicht man die Brehmsdorfer Mühle, die schön im Schlaubetal liegt. In der beliebten Gaststätte stillen Wanderer ihren Durst.

Für Wasserfreunde: An der Marina am Kleinen Müllroser See kann man Kajaks mieten und über den idyllischen Oder-Spree-Kanal in 1 Stunde zum Katharinensee paddeln. Im gesamten Naturpark verwöhnen Gasthöfe ihre Gäste mit einem „Schlaubetal-Teller“ für 15 Euro (inkl. Getränk).
Anreise: Über die A 12 Berlin-Frankfurt (Oder) bis zur Abfahrt Müllrose.
www.schlaubetal-tourismus.de

Bücher zum Thema:

Robert Zagolla: „Brandenburg mit Kindern“
be.bra Verlag, 14 Euro

Edwine Bollmann/Peter Rieprich: „Die schönsten Dörfer Berlins“
Vergangenheitsverlag, 9,90 Euro

Claus-Dieter Steyer: „Geheime Orte in Brandenburg“
Nicolai Verlag, 12,95 Euro

Antje Leschonski: „Kindheitsspuren zwischen Havel und Oder“
vbb, 14,95 Euro

Klaus Schädel: „Ganz Brandenburg – 72 Ausflüge in die Mark“
reisetours, 12,95 Euro

Manfred Reschke: „Wanderungen durch Brandenburg“
Fischer Verlag, 14,95 Euro

Fläming

Zeitreise ins Mittelalter: Traumhafte Ausblicke, Burgrestaurant, Oasen der Ruhe

Eine Zeitreise ins Mittelalter geht schneller als man denkt. Das 1000 Jahre alte Städtchen Bad Belzig mit seinem verwinkelten Gassenlabyrinth und den liebevoll restaurierten Bürgerhäusern liegt ca. 70 km südwestlich von Berlin.

Flaeming Wiesenburg
Mehr als 3.000 Seen und Schlösser warten in Brandenburg, so zum Beispiel Schloss Wiesenburg. Bild: TMB-Fotoarchiv / Paul Hahn

Auf dem Bricciusberg thront die Burg Eisenhardt mit traumhaftem Blick auf die hügelige Landschaft des Fläming. Im Burghotel kann man hervorragend speisen. Gute 20 Kilometer sind es mit dem Rad zur Burg Rabenstein in Raben und nochmal 17 km zum Renaissance-Schloss Wiesenburg. Traumhaft ist der 95 Hektar große, im englischen Stil angelegte, Park, der zu den schönsten Brandenburgs gehört. Eine Oase der Ruhe mit jahrhundertealten Eichen, Goldlärchen aus China und Gingkobäumen aus Japan.

Wunderschön auch der Kunstwanderweg mit zahlreichen Skulpturen, der die Bahnhöfe von Bad Belzig und Wiesenburg verbindet. Abtauchen kann man in den „Fluten“ der Belziger SteinTherme www.steintherme.de . Das jodhaltige Wasser, das aus 775 Meter Tiefe in die Becken sprudelt, macht die Muskeln wieder locker.

Anreise: Mit RE 7 nach Belzig, Auto: A9 bis Abfahrt Niemegk
www.reiseregion-flaeming.de

Schorfheide

Schorfheide
Bild: TMB-Fotoarchiv/Gerhard Hoffmann

Wo Liebermann am liebsten speiste, Biber wohnen und das Kloster Chorin lockt

Im nordöstlichen Teil der Mark Brandenburg, keine Autostunde von Berlin entfernt, fühlen sich Biber und Fischotter zuhause, finden Schwarzstorch und Kraniche ideale Lebensbedingungen. 3000 Moore, über 240 Seen gibt es in Deutschlands zweitgrößtem Landschaftsschutzgebiet (1291 qkm), seit 1990 Unesco Biosphärenreservat. Es locken jede Menge Wanderwege über blühende Wiesen, durch dichte Wälder, vorbei an knorrigen Eichen, die über 600 Jahre alt sind. Zum Beispiel erreicht man von Kloster Chorin, einem Juwel märkischer Backsteingotik, in zirka neun Kilometern auf schmaler Straße, dann auf einem Waldweg die Kroneneiche, einen der imposantesten Bäume der Gegend.

Schorfheide Kopie
Bild: Shutterstock

Beliebte Ausflugsziele sind auch der Werbellinsee, der Askanierturm und das von Friedrich Wilhelm IV. erbaute Jagdschloss Hubertusstock. Einkehren kann man in der Alten Klosterschänke Chorin am Amtsee. In dem 250 Jahre alten Gasthof speisten schon die Maler Max Liebermann und Max Pechstein.

Anreise: RE 3 nach Chorin oder über die A 11, Abfahrt Chorin in das Biosphärenreservat
www.schorfheide-chorin.de

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