Titel Flussbad
Bild: Marc Beckmann
Erholung

Sprung in die Spree

Vor rund 20 Jahren entstand die Idee für ein Flussbad mitten in Berlin. Jetzt hat es das Vorhaben in den Koalitionsvertrag geschafft und die Planer sehen ihr Projekt auf einem guten Weg.

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emächlich ziehen Touristen ihre Bahnen vor dem Bode-Museum, gestresste Werber suchen eine kurze Erfrischung in der Mittagspause und Besucher des nahegelegenen Monbijou-Theaters haben ein Handtuch im Gepäck. Wenn es nach den Leitern der Initiative Flussbad Berlin geht, sind diese Bilder in Berlins Mitte in wenigen Jahren vollkommen selbstverständlich.

Vor wessen geistigem Auge jetzt von Juckreiz geplagte Schwimmer mit schweren Darmerkrankungen aus den Fluten steigen, der muss wissen: Schon heute ist die Wasserqualität der Spree meistens gut.

Seit rund 20 Jahren setzen sie sich dafür ein, den kaum genutzten Spreekanal entlang der Museumsinsel in ein etwa 830 Meter langes, innerstädtisches Flussbad zu verwandeln. Vor wessen geistigem Auge jetzt von Juckreiz geplagte Schwimmer mit schweren Darmerkrankungen aus den Fluten steigen, der muss wissen: Schon heute ist die Wasserqualität der Spree meistens gut. Nur wenn es heftig geregnet hat, kommt es zu starken Verschmutzungen. Denn dann kann die Kanalisation, in die neben Regenwasser auch Abwässer fließen, die Massen nicht mehr aufnehmen. In solchen Fällen werden diese Mischabwässer in die Spree geleitet. Das kommt etwa 30 Mal im Jahr vor.

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Pflanzenfilter reinigt Spree-Wasser zusätzlich

Damit die Wasserqualität zukünftig auch nach solchen regenbedingten Überläufen stimmt, plant Flussbad Berlin mithilfe eines rund 300 Meter langen natürlichen Pflanzenfilters zwischen Gertraudenbrücke und Auswärtigem Amt das Spreewasser zu reinigen. Dies ist ein Teil der umfangreichen Planung, die aktuell läuft, damit sich auf der Strecke zwischen Bode-Museum und Schlossplatz zukünftig Schwimmer tummeln können.

„Wir freuen uns, dass das Vorhaben seit Kurzem offiziell im Berliner Koalitionsvertrag festgehalten ist. Zwar hatten wir vorher schon alle politischen Parteien hinter dem Projekt versammelt, aber nun ist noch einmal Bewegung reingekommen“, sagt Charlotte Hopf, zweite Vorsitzende des Flussbad Berlin Vereins. „Momentan befinden wir uns in der Mitte der vierjährigen Förderperiode, in deren Rahmen der Bund und das Land Berlin rund vier Millionen Euro für die Realisierung des Berliner Flussbads zur Verfügung gestellt haben.“

Flussbad-pokal
Bild: Flussbad e.V.

In dieser Phase stehen große Schritte an: Ab Mai soll es eine dauerhafte Open-Air-Ausstellungs- und Diskussionsplattform an der Friedrichsgracht geben. Dort bietet der Verein Informationen rund um das geplante Flussbad, die nächsten Schritte sowie anstehende Veranstaltungen. Eine davon ist der Wettbewerb Flussbad-Pokal, der Anfang Juli bereits zum dritten Mal ausgetragen wird. Dank einer Ausnahmegenehmigung steigen an diesem Tag zahlreiche Schwimmer ins Wasser und treten auf einem Teilstück der zukünftigen Badestrecke gegeneinander an. „Wir möchten so auf unser Vorhaben hinweisen und zeigen, welches Potenzial eine dauerhaft saubere Spree haben könnte“, sagt Charlotte Hopf.

„Wir möchten mitten im urbanen Trubel und im touristischen Zentrum Berlins einen Ort realisieren, der zur Erholung und zum Verweilen einlädt.“ Charlotte Hopf, Verein „Flussbad Berlin“

Um zukünftig immer die gewünschte Wasserqualität zu haben, testet der Verein ab Mai mehrere Filtermöglichkeiten. Hierfür bauten die Initiatoren einen 40 Meter langen und fünf Meter breiten Lastkahn aus dem Jahr 1920 um. Im Schiffskörper befinden sich nun mehrere Becken mit verschiedenen Materialien, wie etwa Kies unterschiedlicher Granulatgröße oder Wasserpflanzen. Auch ein Muschelfilter wird in einem der Bassins getestet.

„Das Prinzip des natürlichen Pflanzenfilters ist erprobt und wird weltweit erfolgreich eingesetzt. Neu bei unserem Projekt ist, dass es sich um ein Fließgewässer handelt“, sagt Charlotte Hopf. „Die Filter, die zukünftig den Schwimmabschnitt reinigen sollen, müssen also mit Wasser von sehr unterschiedlicher Qualität fertig werden – denn nach längerem Regen wird die Spree stärker verschmutzt sein. Die Herausforderung besteht darin, trotzdem immer Badegewässerqualität zu gewährleisten.“ Kies-, Pflanzen- und Muschelfilter sind zwischen Gertraudenbrücke und Auswärtigem Amt geplant.

FlussLÄUFE am Tag der Städtebauförderung, Samstag, 13. Mai

Von der Fischerinsel bis zum Bodemuseum: Entlang des 1,8 Kilometer langen Spreekanals vermitteln Mitglieder des Vereins historisches Wissen und berichten von dem Vorhaben, diesen Flussabschnitt in einen neuen innerstädtischen Lebensraum zu verwandeln.

13. Mai 2017
Führungen um 11 Uhr, 14 Uhr und 17 Uhr, jeweils ca. 90 Minuten
Treffpunkt Inselbrücke
Teilnehmerzahl maximal 25 Personen
Anmeldung bis zum 10. Mai unter: info@flussbad.berlin

Erholung mitten im zentralen Trubel

Zugang zum Flussbad sollen Besucher über Treppen erhalten, deren genaue Verortung noch geprüft wird. Darüber hinaus ist geplant, den flussaufwärts an der Fischerinsel gelegenen Kanalabschnitt zu renaturieren, um ein Biotop für Flora und Fauna zu schaffen sowie neue Uferwege für Flaneure.

Flussbad-pokal 2
Bild: Annette Hauschild

„Wir möchten mitten im urbanen Trubel und im touristischen Zentrum Berlins einen Ort realisieren, der zur Erholung und zum Verweilen einlädt“, so Vorsitzende Hopf. „Dieses Angebot richtet sich gleichermaßen an die Berliner und unsere Gäste aus aller Welt. Bis es soweit ist, werden wir durch verschiedene Veranstaltungen auf unser Vorhaben aufmerksam machen.“

Ehe tatsächlich Schwimmer zwischen den Ufermauern und entlang der Museen ihre Bahnen ziehen oder auf den neu angelegten Flusswiesen sitzen können, wird noch einige Zeit vergehen. Ende 2018 wollen die Initiatoren eine entscheidungsreife Planung mitsamt aller technischen Details und Kosten abliefern. Vorab wollen sie nach und nach die einzelnen Bausteine, wie etwa die Filteranlagen, erproben. Bei dem ambitionierten Vorhaben soll nichts dem Zufall überlassen werden. Denn das letzte, was Berlin in diesen Tagen braucht, ist ein weiteres gescheitertes Großprojekt.

Weitere Informationen zum geplanten Flussbad, zu aktuellen Aktionen und zum Stand des Projekts unter: www.flussbad-berlin.de.

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