Titel Feeback Factory
Insekten-Snack: So etwas können Berliner in der Feedback Factory probieren. Bild: Laura Lucas
Läden

Berlins erster Start-up-Supermarkt

Die Trends von morgen schon heute kaufen? Das geht! In der Feedback Factory, einem Testmarkt in den Wilmersdorfer Arcaden, sind Produkt-Neuheiten erhältlich, die noch nicht flächendeckend im Handel sind. Unsere Autorin hat sich dort einmal umgesehen.

D

ie Zukunft schmeckt nach Insekten mit Pfeffer. Ich halte eine kleine unscheinbare Plastikbox mit einem rosa Pappumschlag in den Händen. Eine Snackverpackung, wie es sie in den Regalen der Supermärkte zu Dutzenden gibt. Doch diese hier ist besonders. Statt gerösteter Nüsschen enthält sie geröstete Grillen – hergestellt von „Wicked Cricket“, einer Insekten-Manufaktur. Das Unternehmen will mit seinen Snacks einen Beitrag zu nachhaltiger Ernährung leisten. Insekten gelten nämlich als hervorragende Proteinquelle.

"Die Feedback Factory ist ein Marktplatz, der Handel und Marktforschung vereint." Franziska Schetter, Gründerin

Die „Gerösteten Grillen“ sind nur eines von vielen neuartigen Produkten, die Berliner in der Feedback Factory kaufen können, noch bevor sie flächendeckend erhältlich sind.

Feeback Factory
Die beiden Gründerinnen: Ola Klöckner (links) und Franziska Schetter. Bild: Privat

Für Trendsetter ist dieser Testmarkt in den Wilmersdorfer Arcaden in Charlottenburg das reinste Eldorado. Hier können sie Neuheiten vor allen anderen entdecken und werden sogar nach ihrer Meinung gefragt. „Die Feedback Factory ist ein Marktplatz, der Handel und Marktforschung vereint“, beschreibt Franziska Schetter das Konzept. Gemeinsam mit Ola Klöckner hat sie den Start-up-Supermarkt gegründet.

Meinungen ausdrücklich erwünscht

Auf diese Weise können Konsumenten die Produkte nach ihren Wünschen mitgestalten, wie das Beispiel Zveetz zeigt. Die Fruchtgummis des Berliner Start-ups sind ebenfalls in der Feedback Factory erhältlich. Sie kommen ohne Zucker aus und enthalten laut Hersteller-Angaben 80 Prozent weniger Kalorien als herkömmliche Fruchtgummis. Seit der Testmarkt im März eröffnete, haben die Käufer fleißig Feedback gegeben: „Die Konsumenten haben sich mehr Süße und Härte gewünscht“, berichtet Christian Krause, Co-Founder von Zveetz. „Das konnten wir direkt in die Weiterentwicklung unserer Fruchtgummis einfließen lassen und starten im Mai die Produktion mit der neuen Rezeptur.“

Feedback Factory Innen
Start-up-Atmosphäre: Der Laden ist optisch noch eher minimalistisch. Bild: Laura Lucas

Auch optisch ist die Feedback Factory gelebte Start-up-Kultur. Die Einrichtung ist rau und minimalistisch. Von der unverkleideten Decke hängen nackte Glühlampen an langen Kabeln herunter. Die Bänke im Verköstigungsbereich sind aus gestapelten Limo-Kästen. Die Regale selbst spartanisch: viel Holz, viel Metall, alles möglichst flexibel. Nichts lenkt hier von den Produkten ab.

Ein Konzept wie gemacht für die Hauptstadt: „Berlin pulsiert, was Innovationen angeht.“ Franziska Schetter

Am Eingang des Testmarkts können Kunden einen anonymen Bogen ausfüllen, in dem demografische Angaben wie Alter oder Geschlecht abgefragt werden. Im Anschluss bekommt jeder eine individuelle Nummer. Dann wird gestempelt: Neben jeder Produkt-Neuheit gibt es eine kleine Metalldose und bunte Zettel. Orange etwa heißt: „Will ich kaufen!“ – violett heißt: „Interessiert mich nicht!“. Über den Nummernstempel geben Kunden dann ihr Feedback zum Artikel ab und stecken es in die Dose.

Ein Konzept wie gemacht für die Hauptstadt. „Berlin pulsiert, was Innovationen angeht“, sagt Franziska Schetter. Die Jungunternehmerin weiß, wovon sie spricht. Gemeinsam mit Ola Klöckner hat sie nicht nur die Feedback Factory entwickelt, sondern auch die Matcha-Limonade „Matcha You“. Für Start-ups sei es schwierig, mit ihren Produkten in den Handel zu kommen, der vor allem auf große Player ausgelegt sei, sagt Schetter. Aus der eigenen Not machten die Gründerinnen also eine Tugend und gingen mit ihrem Testmarkt an den Start.

Bio, nachhaltig, regional

Noch liegt der Schwerpunkt der Feedback Factory deutlich erkennbar auf Lebensmitteln. Die sind dafür aber oft bio, nachhaltig und regional. Mein persönliches Highlight: der Öko-Abflussstab „TwistOut“. Der dünne, 40 Zentimeter lange Stab aus Buchenholz hat einen spiralförmigen Schliff. Mit ihm kann man ganz ohne Chemie und buchstäblich im Handumdrehen den Abfluss von Waschbecken, Dusche und Co. von Verstopfungen befreien.

Feedback Factory Feedback-brett
Kann das was oder kann das weg? Die Kunden können per Zettel ihr Feedback geben. Bild: Laura Lucas

Kurz vor der Eröffnung im März wurde es noch einmal turbulent für Schetter und Klöckner. Eigentlich sollte ihr Start-up-Supermarkt „Kaufhaus des Testens“ heißen, doch das berühmte Kaufhaus des Westens verstand bei der Anlehnung keinen Spaß und machte den Betreiberinnen einen Strich durch die Rechnung. In Windeseile schraubten sie dann an einer neuen Marke.

Bis Ende August ist die Feedback Factory in den Wilmersdorfer Arcaden nun geöffnet. Wenn es weiterhin gut läuft, gibt es vielleicht sogar eine Verlängerung, verrät Franziska Schetter. Mitmachen kann übrigens jeder, der möchte. Nur eine Bedingung stellen die Gründerinnen an interessierte Start-ups: „Das Produkt muss darauf ausgelegt sein, irgendwann im Handel bestehen zu können.“ Das Sortiment wird sich also in den kommenden Monaten ganz sicher noch verändern.

Feedback Factory
Wilmersdorfer Arcaden
Wilmersdorfer Str. 46
10627 Berlin
Mo bis Sa 10 bis 20 Uhr
https://www.wilmersdorfer-arcaden.de

Wussen Sie, dass die Berliner Sparkasse nicht nur Privatkunden hat, sondern auch tausende Firmenkunden in Berlin? Noch mehr Start-up-Kultur finden Sie auf unserer entsprechenden Seite „Firmen und Märkte“ und in unserer Rubrik “Start-up des Monats”: https://www.berliner-akzente.de/geld_finanzen/firmen_maerkte/

Diese Themen könnten Sie auch interessieren