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Titel Falknerin Schlosspark
Bild: privat
Nachgehakt

Thora fliegt für Naturschutz

Nachgehakt bei Andrea Badouni: Im Hauptberuf ist sie Gartenmeisterin im Schlosspark Charlottenburg. In ihrer Freizeit ist sie Falknerin – und auch in dieser Funktion regelmäßig im Scchlosspark anzutreffen.

Wie sind Sie auf die Falknerei gekommen?
Andrea Badouin: Das war Anfang der 90er-Jahre. Damals habe ich im Britzer Garten gearbeitet – und da flog eines Tages ein Greifvogel mit einem Glöckchen an mir vorbei. Ein Falkner war dort unterwegs und der Lederriemen von einer Bell hatte sich gelöst. Ich fragte, ob ich ihm helfen könne – was ihn sehr erstaunte, weil üblicherweise die Leute Angst hätten vor Greifvögeln. Ich aber war begeistert von dem Tier und wusste sofort, dass ich auch Falknerin werden möchte.

Was ist dazu notwendig?
Zunächst habe ich die Jägerprüfung abgelegt, anschließend einen Falknerkurs besucht und parallel einen Falkner ein Jahr lang begleitet, bevor ich in der Jagdschule im niedersächsischen Springe die Falknerprüfung abgelegt habe. In Berlin gab es das damals noch nicht.

Falknerin Schlosspark
Bild: privat

Und dann haben Sie sich einen Greifvogel zugelegt?
Ja. Meinen ersten Habicht habe ich 16 Jahre gehabt, einen Terzel (Männchen). Danach kam Thora.

Ist es schwierig, einen Greifvogel zu zähmen und für die Jagd abzurichten?
Wild bleibt so ein Vogel immer, ein Habicht ist da anders als ein Hund. Aber bei Thora waren die Voraussetzungen bestens, weil ich sie als Jungtier bekommen habe, im ersten Lebensjahr. Das ist die richtige Zeit, um die Aufgabe der Eltern zu übernehmen und das Tier auf eine bestimmte Beute zu trainieren. Mit viel Geduld habe ich Thora daran gewöhnt, dass meine Faust, auf der sie sitzt, ein sicherer Ort ist. Nach acht Wochen Erziehungszeit war sie beutebereit.

Beutebereit? Das bedeutet, dass Sie dann mit ihr jagen gehen konnten?
Richtig. Aber das klappt nicht bei allen Tieren so schnell. Es gibt auch extrem sture Habichte – es sind eben Charaktertiere.

Und was machen Sie nun mit Thora im Schlosspark Charlottenburg?
Da geht es zwischen September und Februar zwei- bis dreimal die Woche auf Kaninchenjagd. Ebenso im Volkspark Rehberge im Wedding. Keinesfalls ist aber das Ziel, die Kaninchen auszurotten, sondern lediglich, ihre Population etwas zu reduzieren.

Warum ist das nötig?
Um Seuchen zu verhindern. Wo sehr viele Kaninchen vorkommen, übertragen sich Krankheiten wie die sogenannte China-Seuche oder die Myxomatose, die Kaninchenpest, recht schnell. Außerdem können durch die Beizjagd von Kaninchen verursachte Schäden eingedämmt werden. Sie schälen Sträucher und Bäume, buddeln auch viel. Im Volkspark Rehberge graben sie sich immer wieder unter den Zäunen hindurch ins Wildgehege – mit dem Ergebnis, dass Tiere in das Gehege eindringen können.

Ist für das Jagen in der Stadt eine besondere Erlaubnis notwendig?
Grundsätzlich braucht man zuallererst die Erlaubnis des Flächeneigentümers – also der SPSG beim Schlosspark Charlottenburg und des Senats beim Volkspark Rehberge. Und dann benötigt man die Jagdgenehmigung der Berliner Forsten.

Was macht Thora eigentlich im Sommer, wenn keine Jagdsaison ist?
Dann ist sie mit der Mauser beschäftigt. Anfang April verliert sie die ersten Federn und wechselt dann bis September ihr gesamtes Gefieder – jede einzelne Feder, das ist ziemlich anstrengend.

Dadurch kommt dann auch im Sommer keine Langeweile auf?
Habichte sind Einzelgänger, die langweilen sich nie. Außerdem hole ich sie bei mir zu Hause im Havelland regelmäßig aus der Voliere, nehme sie mit auf Spaziergänge oder auch zum Unkrautjäten im Garten. Oft sitzt sie auch auf dem dicken Hauklotz vor der Tür in ihrer Voliere und beobachtet mich.

Zum Schluss noch eine Laienfrage: Man spricht von Falknerei, aber Sie haben doch gar keinen Falken, sondern einen Habicht…
Die Falknerei bezeichnet die Kunst, mit Vögeln zu jagen. Zu Zeiten Friedrichs II. nahm man dafür hauptsächlich Falken. Habicht und Falke gehören zu unterschiedlichen Familien. Der Unterschied ist, dass ein Falke in der Luft jagt, Vögel fängt. Der Habicht dagegen ist ein Grifftöter, der Hasen, Kaninchen oder Fasane jagt.

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