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Titel Fake-news Erkennen
Bild: Shutterstock
Vorsicht vor falschen Nachrichten

Wie Fake News entstehen und wie man sie erkennen kann

Jemand behauptet etwas Falsches, warum auch immer. Ein anderer hört das, nimmt es für bare Münze, erzählt es weiter. So verbreitet sich die Falschnachricht – die Fake News – von Ohr zu Ohr, von Mund zu Mund – und schon ist das Gerücht in der Welt. Das Phänomen ist altbekannt. Neu ist das Ausmaß, in dem sich Lügenmärchen im digitalen Zeitalter verbreiten. Ein Klick in den sozialen Netzwerken – und schon nimmt die rasante Verbreitung der Fake News ihren Lauf. Millionenfach, weltweit. Wie erkennt man Fake News? Und wie kann man sich davor schützen?

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echtsanwalt Tobias Klingelhöfer, der seit Jahren als Rechtsexperte für die Düsseldorfer ARAG-Versicherung arbeitet, erinnert sich noch an den Fall Lisa F., der vor gut vier Jahren für Schlagzeilen sorgte. Die damals 13-Jährige aus Marzahn war von der Schule nicht nach Hause gekommen, die deutsch-russischen Eltern meldeten das Mädchen als vermisst. Tags drauf tauchte Lisa wieder auf und behauptete, von drei Männern vergewaltigt worden zu sein.

Mann Computer Misstrauisch
Bild: Shutterstock / pathdoc

Wie sich herausstellte, hatte die Jugendliche sich das ausgedacht. Doch im Internet kursierte die Geschichte, russische Staatsmedien meldeten, drei Flüchtlinge hätten Lisa vergewaltigt. „Der Fall war zwar frei erfunden, führte aber sogar zu Spannungen zwischen dem russischen und dem deutschen Außenminister“, erklärt Klingelhöfer, „diplomatische Verwicklungen wegen Fake News“. Der Jurist hat das Beispiel gewählt, um zu zeigen, welche heftigen Auswirkungen Falschnachrichten haben können.

Was sind Fake News?

Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) erklärt, Fake News seien gefälschte Nachrichten, die den Eindruck erwecken, dass es sich um echte Nachrichten handelt. „Mit reißerischen Schlagzeilen, gefälschten Bildern und Behauptungen werden so Lügen und Propaganda verbreitet“, heißt es auf der Website der Bundeszentrale mit Verweis auf „Das junge Politik-Lexikon“ von Gerd Schneider und Christiane Toyka-Seid.

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Wie kommen Fake News zustande?

Klar, es kann passieren, dass jemand versehentlich etwas Falsches behauptet und die Falschnachricht Kreise zieht. Aber nicht selten passiert das ganz gezielt, und oft sind es Politiker, die damit in Misskredit gebracht werden sollen. „Die Grünen-Politikerin Renate Künast etwa wurde auf Facebook zitiert mit einem Kommentar über einen Mädchenmörder. Als Quelle wurde die Süddeutsche Zeitung angegeben. Weder Künast noch die SZ hatten mit dem Zitat irgendetwas zu tun“, erklärt Rechtsexperte Klingelhöfer.

Frau Schockiert
Bild: Shutterstock / pathdoc

Und im Wahlkampf um die US-Präsidentschaft sei zu lesen gewesen, dass Hillary Clinton einem Kinderporno-Ring vorstehe. „Das war natürlich völlig aus der Luft gegriffen – hat aber unter Umständen den Wahlausgang beeinflusst“, so Klingelhöfer. Denn mit falschen Behauptungen oder erfundenen Skandalen werde die Glaubwürdigkeit von Politikern erschüttert, Stimmung gemacht, würden Menschen manipuliert, warnt die Bundeszentrale für politische Bildung.

Warum fallen Menschen auf Fake News herein?

Gerade im Zuge der Corona-Krise haben Fake News wieder Hochkonjunktur. Da wurde im Netz behauptet, das Virus sterbe bei einer Temperatur von 26 bis 27 Grad ab – was nicht stimmt. Da machte im März über die sozialen Medien ein Screenshot die Runde, der vermeintlich von der Internetseite des Landesamtes für Gesundheit und Soziales in Berlin stammte und auf dem von einer beschlossenen Ausgangssperre die Rede war. Das Foto war gefälscht, Senatskanzlei und Gesundheitsverwaltung dementierten die Nachricht.

Wann Fake News besonders gut funktionieren

Dass Fake News gerade in Krisenzeiten grassieren, ist für den Jenaer Medienpsychologen Tobias Rothmund nicht überraschend. Seine These: Seien Menschen verunsichert oder fühlten sich bedroht, würden Falschinformationen besonders stark verbreitet.

Mann Hyterisch
Bild: Shutterstock / pathdoc

„Wenn eine Information meine Sorgen, Wünsche, Überzeugungen anspricht, dann bin ich besonders gefährdet, sie zu glauben und zu teilen“, erläutert Rothmund. Viele irreführende Behauptungen würden gezielt Wut auslösen, erklärt die österreichische Journalistin Ingrid Brodnig, Autorin des Buches „Lügen im Netz. Wie Fake News, Populisten und unkontrollierte Technik uns manipulieren“. Wenn man sich über eine Nachricht furchtbar ärgere, sei der Impuls groß, die Meldung mit Bekannten zu teilen. „Im Affekt vergisst man die zentrale Frage: Stimmt die Behauptung wirklich?“, schreibt Brodnig.

Wie erkennt man Fake News?

Grundsätzlich sollte man immer prüfen, wer eine Nachricht verbreitet. Bei jeder Veröffentlichung im Netz muss es – ebenso wie bei Printmedien – ein Impressum geben. „Dort müssen Name, Adresse und Kontaktmöglichkeiten der Person stehen, die für die Nachrichten auf der Seite verantwortlich ist“, informiert die Bundeszentrale für politische Bildung. Wenn die Angaben fehlen oder unvollständig sind, ist Vorsicht geboten. Denn: „Seriöse Seiten verschleiern ihre Herkunft nicht“, sagt Jurist Klingelhöfer. Zudem könne man den Namen einer Website googeln, rät Ingrid Brodnig. Habe ein Onlineportal bereits einen Ruf als „Desinformationsschleuder“, ließen sich bei der Google-Suche oft auch warnende Artikel oder Faktenchecks finden. Ingrid Brodnig verweist darauf, dass besonders weit verbreitete Gerüchte oft schon von Faktencheckern überprüft worden seien.

Hier können Sie Nachrichten auf Richtigkeit prüfen

www.mimikama.at: 2011 in Österreich gegründeter Verein zur Aufklärung über Internetmissbrauch
faktenfinder.tagesschau.de: Hier überprüft die ARD selbst Themen und erklärt sie
www.correctiv.org: Website eines von Journalisten gegründeten Start-ups

„Googlen Sie einfach eine falsche Behauptung und schreiben Sie dazu das Wort ,Faktencheck‘ oder ,Fake‘.“ Ingrid Brodinger, Autorin

Auch sollte man die Namen von Personen oder Institutionen im Netz suchen, die in einem Text vorkommen. „Sind keine oder nur lückenhafte Informationen zu finden, kann das als Warnsignal gelten, dass sie gar nicht existieren“, erläutert Tobias Klingelhöfer. Vorsicht sei auch geboten, wenn nur eine Meinung geäußert und Stimmung gemacht werde, ohne einen Sachverhalt zu erläutern, mahnt die Bundeszentrale für politische Bildung.

Frau Mit Lupe
Bild: Shutterstock / pathdoc

Nicht nur Text, sondern auch Bilder überprüfen und gegenchecken

Auch Fotos solle man nicht bedenkenlos trauen, erklärt Ingrid Brodnig. Bilder könnten retuschiert oder in einen ganz anderen Zusammenhang gestellt worden sein als den, in dem sie ursprünglich entstanden sind. Brodnig empfiehlt, die Authentizität von Fotos mit Hilfe von Bildsuchmaschinen zu prüfen. „Unter der Adresse images.google.com lässt sich jedes Foto hochladen und darauf überprüfen, ob es bereits im Web zu finden ist. Wurde eine Aufnahme schon vor fünf Jahren geteilt, dann kann sie nicht der Fotobeleg für einen Vorfall gestern sein“, informiert die Publizistin.

Kann man etwas gegen Fake News tun?

Wichtigste Regel: Bestehen Zweifel, ob eine Nachricht wirklich echt ist, sollte man sie lieber nicht liken oder teilen, rät die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). Also: Immer erst eine Sekunde länger nachdenken und Informationen kritisch hinterfragen, bevor man auf den Weiterleiten-Button drückt.
Zwei ganz konkrete Tipps hat auch Ingrid Brodnig parat:
Zum einen sollte man Falschmeldungen aufdecken, wenn man im Netz auf sie stößt und sie entlarvt hat. Mehr noch: Man sollte dabei begründen, warum eine Behauptung nicht stimmt. Erklärungen erhöhten die Chance, dass der Leser die Information in Erinnerung behalte.
Und zum anderen rät sie, wenn man einen wichtigen Faktencheck zu einer Falschmeldung entdeckt habe, diesen zu liken, zu verlinken oder zu kommentieren. Das trage dazu bei, „dass seriöse und richtige Information sichtbarer wird – und die Fälscher und Provokateure es eine Spur schwerer haben“. (Die Aussagen von Ingrid Brodnig stammen aus einem bearbeiteten Auszug aus ihrem Buch „Lügen im Netz“, den die Bundeszentrale für politische Bildung veröffentlicht hat).

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Ist das Verbreiten von Fake News eigentlich strafbar?

Es kann strafrechtlich relevant sein, allerdings gibt es in Deutschland aktuell keinen eigenen Paragrafen. „Vielmehr sind es unterschiedliche Straftatbestände, die je nach Inhalt der Falschmeldung in Frage kommen könnten. Dazu zählt beispielsweise die Verleumdung oder üble Nachrede“, erläutert die Juristin Sandra May auf der Internet-Plattform OnlinehändlerNews. Allerdings plane die Vizechefin der EU-Kommission Vera Jourova einen Fake-News-Paragrafen. „Als Vorbild könnte dabei Tschechien gelten: Das Land hat seit 2017 eine Behörde, die sich allein dem Kampf gegen Falschmeldungen verschrieben hat“, so May.

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