Titel Teenager
Bild: Jens Bonnke
Familie

Die erste eigene Bude

Raus von zu Hause und hinein in das eigene Leben: Wie Studenten und Azubis am überhitzten Markt Wohnung oder Zimmer finden.

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ie Zeit für die Wohnungssuche mit kleinem Budget scheint in Berlin vorbei. Die Nachfrage übersteigt längst das Angebot, die Preise steigen rasant. Auch die degewo, Berlins größtes Wohnungsbauunternehmen mit einem Bestand von 75.000 Wohnungen, konnte in diesem Jahr erstmals keine Schnäppchenangebote zu Semesterbeginn bereitstellen.

„Es gibt kaum Leerstand“, berichtet degewo-Sprecherin Isabella Canisius . Wer aber doch über die Wohnungsbaugesellschaften eine günstige geförderte Wohnung findet, zahlt im Schnitt für eine Einzimmerwohnung zwischen 350 bis 400 Euro Warmmiete, je nach Ausstattung, Wohnlage und Größe. Das ist im Vergleich günstig, dranbleiben lohnt sich also.

Wohnheime bieten sogar Club- und Sportraum

Eine kostengünstige Möglichkeit für Studenten, eigenen Wohnraum zu mieten, bieten die Studentenwohnheime. In kleinen Apartments oder WG-Zimmern kann man hier nicht nur mit Gleichgesinnten büffeln, sondern auch seine Freizeit in den Clubs und Sporträumen der Anlagen verbringen. Für durchschnittlich 225 Euro Warmmiete ist man dabei. Der Nachteil: Es gibt eine lange Warteliste.

Jürgen Morgenstern vom Studentenwerk Berlin macht aber dennoch Mut zur Studentenbutze im Wohnheim, denn, wie er sagt, bekommt man in der Regel einen Raum, wenn man im Schnitt vier Monate Wartezeit einkalkuliert. Der Vorteil für Platzsuchende: Wer hier einzieht, muss mit dem Ende des Studiums, der Exmatrikulation, ausziehen, länger als sieben Jahre darf auch niemand bleiben. Es wird also immer mal wieder was frei.

Wichtig ist es, dass man sich gut organisiert und auch weiß, wo man bleibt, wenn man noch keinen eigenen Wohnraum hat. Jürgen Morgenstern, Studentenwerk Berlin

Oft ergibt es Sinn, egal ob bei Wohnheim oder Wohnung, sich nicht auf die Innenstadtbezirke zu versteifen. Größere Chancen habe man häufig in den Randbezirken. Morgenstern rät dazu, flexibel zu sein. Wichtig findet er, „dass man sich gut organisiert und auch weiß, wo man bleibt, wenn man noch keinen eigenen Wohnraum hat.“

Auch soziale Netzwerke nutzen

Das Problem kennt auch Sophie Hohler. Während der Suche haben einige ihrer Freunde in Hostels übernachtet. Die HU-Studentin rät Wohnraumsuchenden im Bekanntenkreis, soziale Netzwerke wie Facebook zu nutzen. „Viele wollen nach Neukölln oder Kreuzberg, weil sie da auch ausgehen.” Sie selbst wohnt in Reinickendorf. „Mit meiner eigenen Wohnung bin ich eher die Ausnahme“, sagt die HU-Studentin. Die meisten ihrer Freunde leben in WGs.

Die Kosten steigen wegen großer Nachfrage rasant: 420 Euro werden derzeit im Durchschnitt bei Neuvermietungen aufgerufen, ergab eine Studie der Onlinebörse WG-Gesucht.de, vor zwei Jahren waren es noch 350 Euro Warmmiete. Nachteil: Meist wird man bei einem WG-Casting als potenzieller Mitbewohner genau unter die Lupe genommen. Doch auch dem Suchenden müssen die künftigen Mitbewohner zusagen. „Gut ist es, wenn man mit Leuten zusammenzieht, die einen ähnlichen Rhythmus haben“, rät Hohler.

Eine Wohnung gefunden hat bisher jeder aus ihrem Bekanntenkreis. Eventuell braucht man einen langen Atem, dann klappt es aber auch mit den eigenen vier Wänden.

Adressen für die Wohnungssuche

Studentenwohnheime und Beratung
www.studentenwerk-berlin.de

Städtische Wohnungsbaugesellschaften
www.degewo.de
www.gesobau.de
www.gewobag.de
www.wbm.de
www.howoge.de
www.stadtundland.de

Online-Wohnraumportale
www.wg-gesucht.de
www.studenten-wg.de
www.wg-suche.de
www.immobilienscout.de

Facebook
„Wohnung frei in Berlin“, „WG-Zimmer Berlin“ und diverse geschlossene Gruppen.

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