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Titel Soziales Engagement
Bild: Shutterstock
25 Jahre Berliner Akzente

Hauptstadt mit Herz: Eine neue soziale Identität

Berlin ist eine Stadt mit viel Herz, viel ehrenamtlichem Engagement und vielen Stiftungen. Was hat sich seit der Nachwendezeit getan? Ist Berlin sozialer geworden? Wir sprachen mit Bianca Richardt, Leiterin des Bereichs Stiftungen der Berliner Sparkasse. Ein Rundgang durch 25 Jahre soziales Berlin.

B

erlin nach der Wende: Erst war da diese unbeschreibliche Euphorie. Dann kam die Wandlung zur deutschen Hauptstadt. In Gang gesetzt wurde eine Entwicklung, die bis heute anhält und die Stadt nicht nur im Hinblick auf Bauten oder Stadtplanung veränderte.

Das Berlin der Nachwendezeit machte sich auf den Weg in das neue Jahrtausend und wuchs zusammen. Heute gilt Berlin im Vergleich zu anderen deutschen Großstädten wahlweise als raues Pflaster, exotische Spielwiese oder abgehobener Regierungssitz. Doch wie hat sich die Stadt im sozialen Miteinander verändert?
Wenn man sich das soziale Engagement Berlins in Zahlen ansieht, muss die Bestandsaufnahme positiv ausfallen. Es gibt einen großen Trend zum Ehrenamt. Geschätzt 44 Prozent der Berlinerinnen und Berliner sind ehrenamtlich aktiv. Auch die Stiftungslandschaft Berlins wächst. Es gibt heute insgesamt 984 ansässige Stiftungen. Seit dem Jahr 2000 wurden jedes Jahr ca. 35 neu gegründet. In absoluten Zahlen liegt die Hauptstadt damit auf Platz 3, nach Hamburg (1445) und München (1038).

Hierbei muss man bedenken, dass die deutsche Teilung auch im Stiftungsbereich Spuren hinterlassen hat“, sagt Bianca Richardt, die bei der Berliner Sparkasse seit 2015 den Bereich Stiftungen mit allen drei Stiftungen der Berliner Sparkasse leitet. „In der Bundesrepublik begann nach dem Zweiten Weltkrieg der Wiederaufbau des Stiftungswesens durch Privatpersonen und Unternehmen.“ In der DDR hingegen hatten Stiftungen aus verschiedenen Gründen kaum Bedeutung. Viele Bereiche wurden in dem realsozialistischen Staat anders abgedeckt. „Den Begriff „Ehrenamt“ zum Beispiel gab es in der Alltagssprache der DDR nicht. Es war schlicht nicht notwendig, das gesondert zu benennen. Viele haben sich eingesetzt, ob im Breitensport, in der Kindererziehung oder in anderen Bereichen. Auch die sozialen Unterschiede waren nicht so stark spürbar. Das sind Aspekte, die man aus der heutigen Sicht oft vergisst“, sagt Richardt, die selbst in der DDR aufgewachsen ist.

Bianca Richardt
Bianca Richardt ist stets ansprechbar, wenn es um einen guten Zweck geht. Sie verantwortet die drei Stiftungen der Berliner Sparkasse und steht für Inklusion, Migration, Wissenschaft und kulturelle Bildung Bild: Hahn+Hartung

Seit den 90er-Jahren boomt Berlin in vielerlei Hinsicht. Vor allem in den letzten zehn Jahren hat sich die Anzahl der Einwohner positiv entwickelt. Auch in der Wirtschaft gab es Zuwachs, gerade im digitalen Bereich. Das Wachstum des Pro-Kopf-Einkommens allerdings blieb vergleichsweise gering. Dennoch strotzt die Stadt vor Leben, Energie, Kultur und Selbstbewusstsein. „Eine so große, vielfältige und wachsende Stadt hat natürlich auch ihre Problemfelder. Bildung und Chancengerechtigkeit für Kinder und Jugendliche sowie auch den Umweltschutz, um nur zwei prominente Beispiele zu nennen.“ Ein besonderes Problem in Großstädten, so auch in Berlin, ist die Versorgung und Hilfe für wohnungslose Kinder und Jugendliche, die auf der Straße leben. Hier hat die Hauptstadt auch bundesweit eine Magnetwirkung und zieht unter Jugendlichen verlorene Existenzen aus der ganzen Republik an. Bundesweit geht man von mehr als 6500 Straßenkindern aus, ein Großteil davon in Berlin. „Wenn Jugendliche kein Zuhause haben, das ist ein Schicksal, das nur schwer zu ertragen ist. Das sind Brennpunkte, an denen Hilfe dringend gebraucht wird“, so Richardt.

Nach einer bewegten Historie hat Berlin die Arme geöffnet. Im sozialen Engagement wie auch im Miteinander. Bianca Richardt, Leiterin des Bereichs Stiftungen der Berliner Sparkasse

Berliner: Freude am Helfen

Aber auch die Pflege der Alten hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. „Wir müssen uns besser und gezielter um alte Menschen kümmern. Es ist wichtig, dass die Menschen so lange wie möglich selbstbestimmt leben können.“ Das gilt erst recht zu Zeiten von Corona. In Anbetracht solcher Herausforderungen freut sich Richardt über das rege Engagement der Berlinerinnen und Berliner. Die Stiftung Berliner Sparkasse – von Bürgerinnen und Bürgern für Berlin ist eine von drei Stiftungen der Berliner Sparkasse. Sie engagiert sich in vielen unterschiedlichen Bereichen. 2019 hat die Stiftung ca. 100 gemeinnützige Projekte mit insgesamt rund 800.000 Euro gefördert. „Das ist ein fantastisches Ergebnis“, freut sich Richardt.

Der Wille zur Vielfalt

Wenn sie an die Entwicklung der letzten 25 Jahre denkt, gewinnt „Political Correctness“, ein Begriff, den man Anfang der 90er noch kaum kannte, zunehmend an Bedeutung. „Das Bewusstsein für Verhalten und Sprache ohne Diskriminierung hat sich erfreulicherweise sehr positiv entwickelt. Das ist auch unbedingt notwendig, denn wir leben gerade in Berlin in einer vielfältigen Gesellschaft, die eine große Bereicherung für alle ist. Gegenseitiger Respekt, Wertschätzung, lernen aus vielen unterschiedlichen Kulturen … das brauchen wir für ein gutes Miteinander, was wir uns ja alle wünschen.“
Gibt es ein Fazit für die Multimillionenstadt? Natürlich kann man nicht alles über einen Kamm scheren. Dennoch gibt es viele positive Aspekte, die man in Berlin fast täglich beobachten kann, sei es beim Bäcker, auf dem Spielplatz oder im Straßen-Café. Doch auch die typische „Berliner Schnauze“ ist den Berlinerinnen und Berlinern keinesfalls abhandengekommen. Aber die Stadt ist in den letzten 25 Jahren vielfältiger, multikultureller und weltoffener geworden. Ein neuer Teil der Identität, der nun zu der Stadt dazugehört. Mit der Fähigkeit, sich in einem bunten Kosmos zu bewegen – mit den unterschiedlichsten Menschen – und dabei entspannt und respektvoll zu bleiben. „Smart“, nennt das Bianca Richardt und lächelt. „Nach einer bewegten Historie hat Berlin die Arme geöffnet. Im sozialen Engagement sowie auch im Miteinander.“ Eine Tendenz, über die man sich, trotz aller bleibender Herausforderung, freuen kann.

Für kulturellen Austausch, medizinischen Fortschritt und bürgerliches Engagement

Mit insgesamt drei Stiftungen fördert die Berliner Sparkasse ganz unterschiedliche Bereiche des gesellschaftlichen Zusammenlebens und möchte so ihren Teil dazu beitragen, Berlin in eine lebenswertere und buntere Stadt zu verwandeln.

Stiftung Berliner Sparkasse – von Bürgerinnen und Bürgern für Berlin www.stiftung-berliner-sparkasse.de

Sparkassenstiftung Medizin
www.sparkassenstiftung-medizin.de

Stiftung Brandenburger Tor – Die Kulturstiftung der Berliner Sparkasse
www.stiftungbrandenburgertor.de

Mehr zu den Stiftungen der Berliner Sparkasse erfahren Sie auch auf der Website der Berliner Sparkasse >>

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