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Titel Freiwilligen-agentur Marzahn
Bild: Marzena Skubatz
Soziales Engagement

Ehrenamt in der Krise: Stresstest für Helfershelfer

Zahlreiche Berliner Ehrenamts-Initiativen haben in der Corona-Krise schwer zu kämpfen. Constanze Paust von der Freiwilligen-Agentur Marzahn berichtet, wie jetzt mit der neuen Herausforderung umgegangen wird.

I

n Corona-Zeiten ist das ehrenamtliche Arbeiten nicht leicht. Fehlender Kontakt zu Betroffenen, eingeschränkte Ressourcen oder schlichtweg keine Möglichkeit, zusammenzuarbeiten, machen die dringend benötigte Hilfe oft schwierig oder unmöglich. Auch die vier festen und drei freien Mitarbeiter der Freiwilligen-Agentur Marzahn-Hellersdorf tun, was sie können, um diesen Missstand auszugleichen. „Aber wir haben uns in der Agentur gut auf die neue Situation eingestellt und hoffen, dass auch wir bald zu einer gewissen Normalität zurückkehren können“, sagt Constanze Paust, seit Anfang April Geschäftsführerin.

Freiwilligen-Agentur Marzahn
Freiwilligen-Agentur Marzahn. Bild: Marzena Skubatz

Freiwilligen-Agenur in Marzahn-Hellersdorf: Vermittlung für Freiwillige

Die Freiwilligen-Agentur listet seit der Gründung 2008 in ihrer Datenbank Menschen auf, die sich im Bezirk ehrenamtlich engagieren wollen. Rund 900 Interessierte bieten an, in Kitas, Seniorenheimen, Schulen, Parks und Vereinen mitzuhelfen, ohne dafür Geld zu bekommen. Als Counterpart stehen rund 270 dieser Einrichtungen ebenfalls in der Datenbank, sodass zwischen Helfern und Hilfsbedürftigen vermittelt werden kann. Die Datenbank ist nur einsehbar für die Agentur-Mitarbeiter. „Wir führen Gespräche mit beiden Seiten und bieten, abgestimmt auf die Beweggründe und Vorhaben der Person, die sich engagieren will, Einsatzfelder an. Und wir prüfen auch, ob die Einrichtungen, die nach Freiwilligen suchen, unseren Standards und unseren Qualitätskriterien entsprechen.“
Zu den rund 900 registrierten Freiwilligen kommen noch etwa 400 sogenannte Volunteers. Ihre Arbeit ist zeitlich begrenzt und bezieht sich meist auf eine Veranstaltung oder ein Projekt. Klassische Ehrenamtliche hingegen sind langfristig und fest in Strukturen eingebunden. Außerdem gibt es Organisationen wie zum Beispiel den Bundesfreiwilligendienst. Bürgerschaftliche Initiativen sind eine weitere Form des Ehrenamts: von Menschen selbst gegründet, um z. B. Angelegenheiten in ihrer Nachbarschaft zu verbessern. Freiwilligen-Agenturen gibt es berlinweit in jedem Bezirk.

Constanze Paust
Constanze Paust. Bild: Marzena Skubatz

Bedürfnis vieler Menschen für andere da zu sein

Constanze Paust sieht häufig eine große Gemeinsamkeit bei Menschen, die anderen helfen wollen. „Sie verbindet ein Empathie-Vermögen“, erklärt sie. „Sie können sich vorstellen, was es bedeutet, auf Hilfe angewiesen zu sein.“ Viele hätten eine Art innere Haltung zum Engagieren. Ihre Motivation beeindrucke sie sehr. „Sie sagen sich ›Ich kann aktiv etwas tun, um jemandes Situation entscheidend zu verbessern‹.“ Häufig erfülle diese Menschen eine Dankbarkeit ihrem eigenen Leben gegenüber. Das münde in das Bedürfnis, sich für die Gesellschaft sozial engagieren zu wollen.

Wenn das Soziale zum Risiko wird

Doch viele Ehrenamtliche gehören in der Corona-Zeit zu Risikogruppen. Freiwillige, die dennoch helfen können, kümmern sich um die aktuell Hilfsbedürftigen. Sie leisten Nachbarschaftshilfe, Kurierdienste oder Gassi-Service. Ein Beispiel erlebte die Geschäftsführerin kürzlich mit einigen Studenten, die sonst regelmäßig in einem Partykeller feierten. „Sie konnten weder studieren noch ihren Studententreff weiter betreuen. So überlegten sie, was sie sinnvolles tun konnten. Und gingen dann für Menschen einkaufen, die nicht hinauskonnten.“

Mehr Informationen: www.aller-ehren-wert.de

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