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Titel Dlrg
Bild: Marzena Skubatz
DLRG

Hobby: Lebensretter

Rund 600 Freiwillige der DLRG sichern im Sommer die Berliner Gewässer – ihre Einsätze summieren sich jedes Jahr auf rund 230.000 Stunden ehrenamtliches Engagement. Wir haben zwei junge Rettungsschwimmer an ihrem Wachtposten an der Havel besucht.

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in Sonntag im Mai an der Wasserrettungsstation „Großes Fenster“ im Berliner Südwesten. Es weht eine frische Brise, über die Havel fegen Wellen mit kleinen Schaumkronen. Viele Segelboote sind auf dem Wasser. Eines ist gekentert und treibt mit dem Kiel nach oben. Die Rettungsschwimmer Hendrik Oehler und Carlo Prinzing beobachten erstaunlich gelassen die Situation von ihrer Station aus. Eigentlich wäre das ein Fall für sie, aber heute müssen sie nicht rettend eingreifen. Zwei orangefarbene Begleitboote der benachbarten Segelschule kümmern sich um den Segler und sein Boot.

Herzmuskelmassage am Strand

Die jungen Männer tragen die leuchtend rote DLRG-Montur mit neongelben Streifen und erzählen von ihrem Hobby: Lebensretter. „Die Leute freuen sich, wenn wir ihnen helfen, und aus jedem Einsatz kann ich etwas lernen“. Der 18-jährige Carlo ist seit elf Jahren bei der DLRG aktiv. Auf seiner Jacke trägt er das Abzeichen „Sanitäter“.

Dlrg Hendrik Und Carlo
Erst Rettungsschwimmer, nun Sanitäter: Hendrik (links) und Carlo haben sich im Ehrenamt weitergebildet. Kernanliegen der DLRG-Ausbildung ist allerdings der Schwimmunterricht – als effektivste Maßnahme gegen Badeunfälle. Bild: Marzena Skubatz

Auch Hendrik hat sich nach der Ausbildung als Rettungsschwimmer zum Sanitäter weitergebildet und erste Erfahrungen gesammelt. „Das war letzten Sommer bei einem zweiwöchigen Einsatz mit der DLRG an der Ostsee, als ich einem Mann mit Herzinfarkt am Strand eine Herzmuskelmassage geben musste. Dabei haben mir schon die Hände gezittert“, erinnert sich der 17-jährige Schüler. Bis schließlich der Rettungswagen kam und den Mann ins Krankenhaus brachte. Er überlebte, auch dank Hendriks Hilfe.

Ehrenamtlicher Einsatz von Mai bis Oktober

In der Saison von Anfang Mai bis Oktober verbringen Hendrik und Carlo fast jedes Wochenende auf der Station. Ein idyllischer Ort umgeben von Natur mit Vereinshaus und Badebucht. Es ist nicht nur der Wunsch zu helfen, der sie in ihrer Freizeit hierher zieht.

Sich mit anderen für eine gute Sache zu engagieren und in brenzligen Situationen aufeinander verlassen zu können, das schweißt zusammen. Freundschaften entstehen und ganz selbstverständlich lernen hier die Jüngeren von den Älteren und profitieren von deren Erfahrungen. „Mit den benachbarten Segelvereinen organisieren wir gemeinsame Übungen. Und gestern hat uns das Team von der Rettungsstation 219 besucht. Wir haben zusammen gegessen und den Abend verbracht“, berichtet Carlo, der im „normalen“ Leben Maschinenbau studiert.

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Mit dem Boot über die Havel

Auch zum Einsatz starten sie nie allein. Auf dem Boot müssen mindestens vier Personen sein: Bootsführer, Funker und zwei Rettungsschwimmer. Von der Station sind es nur wenige Schritte zum Steg. Vorbei am Strand, wo Familien und Paare windgeschützt in der Frühlingssonne liegen. Von hier aus haben die Uferhelden einen guten Überblick über die Badebucht und ihr Einsatzgebiet an der Havel, zu dem die Große Breite, von Schwanenwerder bis Breite Horn, die Große Steinlanke und die Klare Lanke gehören.
Heute liegt das Rettungsboot von der Zentralstelle aus Spandau am Steg. Carlo übernimmt das Steuer und wir drehen eine Runde über die Unterhavel. Mit an Bord ist Michael Neiße, dem man seine 61 Jahre nicht ansieht. „Draußen an der frischen Luft und in der Natur zu sein, hält jung“, lacht er. Es gibt aber Schwierigkeiten, die ihm Sorgen machen.

Dlrg Rettungstation Grosses Fenster Berlin
Rettungsstation am Großen Fenster: Die DLRG-Bezirksgruppe Tempelhof sichert von hier aus die Unterhavel. Rund 20 Freiwillige sind an Sommerwochenenden im Schichtdienst. Bild: Marzena Skubatz

100 Einsätze zum Saisonstart

Der Pressesprecher des Berliner DLRG-Landesverbands berichtet, dass in Berlin immer mehr Schwimmhallen geschlossen würden, was die Schwimmausbildung erschwert. Grund dafür sind die umfangreichen Sanierungen und deshalb jahrelange Schließung vieler Bäder. Die Folgen: Weniger Menschen lernen schwimmen und auch die Mitgliederzahlen der DLRG sind rückläufig. Wie wichtig die ehrenamtliche Arbeit der Rettungsschwimmer ist, zeigt die Bilanz zum Saisonstart am 1. Mai: Die Wasserretter mussten zu rund 100 Einsätzen ausrücken. Carlo und Hendrik waren mit ihrem Team nicht darunter. Noch nicht, die Saison hat ja erst begonnen. Aber im Ernstfall ist auf sie Verlass.

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) unterhält in Berlin 16 Bezirksgruppen, jeweils mit eigener Jugendgruppe. Ehrenamtliches Engagement sowie Spenden sind jederzeit willkommen.

www.berlin-dlrg.de

Lesen Sie mehr über Berlinerinnen und Berliner, die sich ehrenamtlich engagieren auf unserer Engagementseite >>

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