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Titel Berlin-buecher
Bild: Shutterstock [Montage]
Buchtipps

Lesezeit: 10 Berlin-Bücher für Urlaub, Freizeit und den Weg zur Arbeit

So langsam rückt die Urlaubszeit näher. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Nach wie vor ist unsicher, ob wir in nächster Zeit verreisen können. Aber selbst wenn es mit dem Strandurlaub nichts werden sollte: Ein gutes Buch sollte auch beim Entspannen auf Balkonien oder im Garten nicht fehlen. Dabei lässt sich Berlin noch mal von einer neuen Seite erleben – denn nicht wenige druckfrische Bücher spielen in der Hauptstadt. Wir sagen Ihnen, mit welchen Büchern Sie gut über den Sommer kommen – von spannend bis unterhaltsam, vom Roman bis zur Lebensgeschichte.

1. Roman aus Berlin: Stern 111

Lutz Seiler Stern111

Autor: Lutz Seiler, geboren 1963 in Gera, lebt in Wilhelmshorst bei Potsdam und in Stockholm. Für „Stern 111“ wurde er in diesem Jahr in der Kategorie Belletristik mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet.

Worum geht es? Schon lange hatten Inge und Walter Bischoff davon geträumt, einmal um die Welt zu reisen und der Enge ihrer thüringischen Heimat zu entfliehen. Zwei Tage nach dem Fall der Mauer brechen sie auf in ihr neues Leben. Ihren Sohn Carl wiederum zieht es nach Berlin. Hier erlebt er die unmittelbare Nachwendezeit, unternimmt seine ersten Expeditionen durch die Stadt, durch Prenzlauer Berg, durch Mitte. Er findet Anschluss an die Hausbesetzer-Szene, an das „kluge Rudel“ – junge Leute, mit denen gemeinsam er ein altes Kellerloch in die Untergrundkneipe „Assel“ verwandelt. Carl ist mittendrin im anarchischen Chaos, das es so nur in den Wochen und Monaten nach dem Mauerfall gab.

Welche Sätze bleiben im Gedächtnis? „Das Wort Penner summte noch in seinem Schädel. Ein Penner war jemand, der mit blutender Nase auf einem Bahnsteig hockte, an dem kein Zug abfuhr. Jemand, der nicht weiß, wohin die Reise geht, dachte Carl.“

Wer liest es? Alle, die in einem noch nicht gentrifizierten Berlin soziale Utopien träumten, die sich mehr und mehr an der gesellschaftlichen Realität stießen. „Stern 111“ ist ein Stück literarische Geschichtsschreibung.

Wer dieses Buch mag, liest vielleicht auch jenes gern: Lutz Seiler: „Kruso“ (Suhrkamp Verlag).

Stern 111

Lutz Seiler
Suhrkamp Verlag, 2020
528 Seiten
www.suhrkamp.de

2. Berlin-Buch: Der Canaletto vom Prenzlauer Berg

Knut Elstermann Der Canaletto

Autor: Knut Elstermann, geboren 1960 in Ost-Berlin, studierte Journalistik in Leipzig. Seit der Wende ist er vor allem als Film-Experte bekannt geworden und hat darüber hinaus zahlreiche Bücher verfasst, unter anderem „Gerdas Schweigen“ und „Meine Winsstraße“.

Worum geht es? Abblätternde Stuckfassaden, angeschlagene Skulpturen und Säulen, unkrautüberwucherte, stille Höfe, durchbrochene Mauern mit Blick auf die nächste rußige Mietskaserne: Es ist die Stadtlandschaft von Prenzlauer Berg, die Knut Elstermann in seiner Kindheit der 1960er-Jahre liebt. Maler Konrad Knebel hat dieses Berlin-Typische, das seinen Charme nicht vom Repräsentativen, sondern vom Unauffälligen bezieht, über sechs Jahrzehnte in seinen Bildern festgehalten. Elstermann, der den betagten Maler in seinem Atelier besucht hat, stellt nicht nur dessen Werke vor, sondern erzählt auch die Geschichte hinter den Bildern.

Welche Sätze bleiben im Gedächtnis? „Mir kam es so vor, als mische sich bei Knebel unter die Freude, ein Bild verkauft zu haben, eine gewisse Schwermut wegen des endgültigen Abschieds vom eigenen Werk.“

Wer liest es? Es ist ein Buch für Fans realistischer Malerei mit Berlin als Hauptmotiv. Es spricht alle an, die das alte Vorwende-Berlin noch kennen.

Wer dieses Buch mag, liest vielleicht auch jenes gern: Ciarán Fahey: „Verlassene Orte. Berlin“, Band 1 und 2 (Fotobände, be.bra Verlag)

Der Canaletto vom Prenzlauer Berg

Knut Elstermann
be.bra Verlag, 2020
112 Seiten mit über 60 bislang unveröffentlichten Gemäldereproduktionen
www.bebraverlag.de

3. Berliner-Wohngeschichte: Leinen los

Autorin: Kerstin Hack, geboren 1967 in Coburg, studierte Anglistik und Ethnologie. Sie arbeitet unter anderem als Supervisorin und Trainerin für gewaltfreie Kommunikation und lebt auf ihrem Hausboot, mit dem sie in Berlin auf der Spree vor Anker gegangen ist.

Worum geht es? „Es ist die Geschichte einer Frau, die mit praktisch nichts als einem Traum begann, ein altes rostiges DDR-Marineschiff umzubauen“, schreibt Kerstin Hack selbst im Vorwort. Wobei das „Nichts“ nicht ganz richtig ist: Denn immerhin hatte sie einen Zimmermannshammer, eine Metallsäge, eine Rohrzange, eine Handvoll Freunde und jede Menge Idealismus. Den brauchte sie auch, denn der Weg zum freien, unabhängigen Leben auf schwankenden Planken war lang und teils steinig. Es gab mehr als eine Krise und auch Momente, in denen das ganze Projekt zu scheitern drohte. Doch letztlich gelang ihr das scheinbar Unmögliche, der Umzug auf ihr Schiff.

Welche Sätze bleiben im Gedächtnis? „Ich las das Kleingedruckte der Visions-Packungsbeilage: Lassen Sie sich auf die Sehnsucht ein, kann das zu Schmerz, Irritationen im beruflichen oder privaten Umfeld, schlaflosen Nächten und Kopfschmerzen führen. Und ignorierte es.“

Wer liest es? Leute, die selbst in ihrem Leben vielleicht noch einmal etwas verändern wollen. Das Buch macht Mut, den eigenen Traum auch in die Tat umzusetzen, sich gegen Widerstände zu behaupten und daran zu wachsen. Kerstin Hacks Botschaft ist eindeutig: „Lebe dein Leben.“

Wer dieses Buch mag, liest vielleicht auch jenes gern: Nicole Dau: „Glück ist in der kleinsten Hütte. Unser Traum vom Tiny House“ (Piper-Verlag)

Leinen los

Kerstin Hack
Bene-Verlag, 2018
207 Seiten
www.droemer-knaur.de

4. Berlin entdecken: Geheime Gärten in Berlin

Geheime Gaerten

Autorin: Susanne Gatz ist nicht nur Gartenexpertin, sondern selbst glückliche Gartenbesitzerin und als nebenberufliche Pflanzenplanerin immer auf der Suche nach neuen Ideen. Sie hat nicht nur in Berlin, sondern auch rund um die Hauptstadt und in Leipzig geheime Gärten erkundet und über ihre Entdeckungen geschrieben.

Worum geht es? Mehr als 2.500 öffentliche Grün- und Erholungsanlagen laden die Berliner zum Flanieren und Verweilen ein. Doch neben den bekannten – und somit auch häufig überlaufenen Parks – bietet Berlin auch viele kleine, gut versteckte, aber doch öffentlich zugängliche Gartenparadiese. Susanne Gatz führt die Leser zu den 80 schönsten grünen Oasen der Hauptstadt. Das sind etwa der Garten der Malzfabrik in Schöneberg, der Rosengarten in der Karl-Marx-Allee in Friedrichshain oder der Garten der Religionen auf dem Gelände des ehemaligen Gutshofs in Gatow. Sie führt in den neu gestalteten Park am Gleisdreieck mit dem „grünen Marktplatz“ und erklärt, dass im Neuköllner Körnerpark nicht immer Rittersporn blühte, sondern die neubarocke Gartenanlage ursprünglich eine Kiesgrube war.

Welche Sätze bleiben im Gedächtnis? „Pflanzen machen Städte lebenswerter, und Berlin hat das Glück, die grünste aller europäischen Großstädte zu sein.“

Wer liest es? Auf jeden Fall lassen sich Gartenliebhaber von dem Streifzug durch die geheimen Gärten Berlins begeistern. Aber auch all diejenigen, die es lieben, in der Hauptstadt jenseits der bekannten Sehenswürdigkeiten besondere Kleinode zu entdecken. Lageskizzen bieten eine rasche Orientierung.

Wer dieses Buch mag, liest vielleicht auch jenes gern: Gerhard Drexel: „Sehnsuchtsorte in Brandenburg. Refugien für den kleinen Urlaub“, mit einer Übersicht über Hofläden und Manufakturen. (be.bra Verlag)

Geheime Gärten in Berlin

Susanne Gatz
Jaron Verlag, erweiterte Neuausgabe, 2020
192 Seiten, 268 farbige Fotos
www.jaron-verlag.de

5. Roman aus Berlin: Die goldenen Jahre des Franz Tausend

Mueller Franz Tausend

Autor: Titus Müller, geboren 1977, studierte Literatur, Mittelalterliche Geschichte, Publizistik und Kom­mu­ni­ka­tions­wis­sen­schaf­ten. Er hat sich auf historische Romanstoffe spezialisiert. 2014 wurde er bei einer Histo-Couch-Umfrage zum Histo-König des Jahres gewählt. Zuletzt erschienen die Romane „Berlin Feuerland“ und „Der Tag X“.

Worum geht es? Die Goldenen Zwanziger: Thomas Mann kämpft mit Selbstzweifeln, neidet dem Schriftstellerkollegen Gerhart Hauptmann seinen Ruhm, sehnt sich nach dem Nobelpreis für Literatur. Pazifist und Journalist Carl von Ossietzky reibt sich dagegen als kritisch-politische Stimme am deutschen militaristischen Nationalismus auf, während er vom Kommissar der Politischen Polizei, Heinrich Ahrndt, observiert wird. Und mittendrin macht munter der Aufsteiger und Scharlatan Franz Tausend (eine reale Figur wie Mann und von Ossietzky) mit den Träumen der Gierigen seine Geschäfte, prellt beispielsweise mit dem Versprechen, Gold herstellen zu können, namhafte Industrielle und Politiker ebenso wie kleine Anleger. Eine Melange an Portraits, die die brodelnde Stimmung zwischen den Weltkriegen widerspiegelt.

Welche Sätze bleiben im Gedächtnis? „Der Blutmai mit den vielen Toten. Die Wirtschaftskrise. Und jetzt, im September 1930, der Erdrutschsieg der Nazis. Millionen sozial Absinkender hatten den Ausschlag gegeben. Die Sieger feierten im Sportpalast, sie torkelten in seliger Besoffenheit. War dieser Sieg schon der Auftakt einer faschistischen Diktatur?“

Wer liest es? Leser, denen es weniger um eine reine Kriminalgeschichte denn um ein Sittenbild geht, dessen Parallelen sich auch heute zeigen.

Wer dieses Buch mag, liest vielleicht auch jenes gern: Christoph Ernst: Dunkle Schatten (Pendragon Verlag)

Die goldenen Jahre des Franz Tausend

Titus Müller
Blessing Verlag, 2020
384 Seiten
www.randomhouse.de

6. Historischer Roman aus Berlin: Die Königin von Berlin

Roth Die Koenigin Von Berlin

Autorin: Charlotte Roth, Jahrgang 1965, ist gebürtige Berlinerin, Literaturwissenschaftlerin und seit zehn Jahren freie Autorin. Sie lebt heute in London, liebt aber Berlin über alles. Ihr Debütroman „Als wir unsterblich waren“ war ein Beststeller. Seither sind zahlreiche weitere Romane erschienen. Im Fokus stehen dabei stets Frauenschicksale vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte.

Worum geht es? Eines will ihr Buch nicht sein und ist es auch nicht: eine Biografie. Denn Roth wollte Ereignisse, Spielorte und Figuren so ergänzen oder verschieben, wie es ihr „die Dramaturgie zu erfordern schien“. Und das hat sie auch getan. Dennoch ist die Story der Königin von Berlin eine wahre Geschichte. Es geht um Carola Neher, gefeierter Bühnenstar in den 1920er-Jahren. Wo sie auftrat, jubelten die Menschen der jungen Frau mit der geheimnisvollen Aura zu. Berlin lag ihr in jenen letzten Jahren der Weimarer Republik zu Füßen. In durchfeierten Nächten verdrehte sie einem berühmten Mann nach dem anderen den Kopf – darunter dem Dichter Klabund, den sie schließlich heiratete, und Bertolt Brecht, dessen Muse sie war und als dessen erste Polly sie unsterblich wurde.

Welche Sätze bleiben im Gedächtnis? „…und sie tat auch nichts anderes als Spielen. Im Grunde lief sie, seit ihre Beine sie trugen, im Kostüm durch die Gegend. Wenn man annahm, bei einem Nachtmahl mit Setzei und Speck der eigenen Tochter gegenüberzusitzen, hatte man es in Wahrheit mit der Jungfrau von Orleans oder mit Rusalka, dem Wassergeist, zu tun.“

Wer liest es? Leute, die sich für das wilde Leben im Berlin der 1920er-Jahre interessieren. Zum einen zeichnet das Buch ein Bild der brodelnden Metropole mit ihren verruchten Kneipen und dem pulsierenden Nachtleben, zum anderen bringt Charlotte Roth dem Leser eine Künstlerin nahe, die „beispielhaft für viele Menschen steht, die nichts als ihr Talent ausleben wollten und auf brutale Weise vom Zeitgeschehen um diese Möglichkeit gebracht wurden“.

Wer dieses Buch mag, liest vielleicht auch jenes gern: Peter Prange: „Eine Familie in Deutschland“, 2 Bände, Band 1: „Zeit zu hoffen, Zeit zu leben“, Band 2: Am Ende die Hoffnung“ (Scherz-Verlag).

Die Königin von Berlin

Charlotte Roth
Verlag Droemer Knaur, 2020
416 Seiten
www.droemer-knaur.de

7. Berliner Zeitgeschichte: Ost-Berlin. Biografie einer Hauptstadt

Stefan Wolle Ost-berlin

Autor: Stefan Wolle studierte an der Berliner Humboldt-Universität Geschichte, 1971 wurde er aus politischen Gründen von der Uni relegiert, konnte sein Studium später aber fortsetzen. Seit 2005 ist er wissenschaftlicher Leiter des DDR-Museums Berlin, er ist Autor zahlreicher zeitgeschichtlicher Bücher (darunter: „Die heile Welt der Diktatur“).

Worum geht es? Stefan Wolle besucht zentrale Orte im Ostteil Berlins: den Alexanderplatz, die Straße Unter den Linden und das Brandenburger Tor, er spürt den einstigen Machtzentren der SED nach und erkundet Treffpunkte der Subkultur. Die Zeit zwischen dem Kriegsende 1945 und der Friedlichen Revolution 1989 unterteilt er in fünf Abschnitte. Er spannt einen Bogen vom Kampf um Berlin über den Bau der Stalinallee und den Palast der Republik bis zur Rolle der Kirche für die Opposition. Er beschreibt den Alltag, Ausflüge am Wochenende oder die Wohnungssuche, zitiert zudem aus Akten und literarischen Werken.

Welche Sätze bleiben im Gedächtnis? „Der Krieg, die Zerstörungen und die Teilung der Stadt in Sektoren blieben in Ost-Berlin auf schmerzhafte Weise präsent. Die Stadt lebte seit 1945 in einer Nachkriegszeit, die nicht enden wollte.“

Wer liest es? Geschichtlich interessierte Menschen, die gern anhand von Fakten und historisch belegten Ereignissen ihre Stadt erkunden möchten.

Wer dieses Buch mag, liest vielleicht auch jenes gern: Konrad Haemmerling: „Die Kunst, in Berlin zu leben. Ein Führer durch das Berlin der Nachkriegszeit.“ (be.bra-Verlag).

Ost-Berlin. Biografie einer Hauptstadt

Stefan Wolle
Ch. Links Verlag, 2020
272 Seiten
www.christoph-links-verlag.de

8. Roman aus Berlin: Beide Seiten einer Straße

Autor: Martin Beradt wurde 1881 in Magdeburg geboren und starb 1949 in New York. Nach Jurastudium und Promotion in Freiburg arbeitete er in Berlin am Kammergericht, später war er als Rechtsanwalt tätig. Von 1914 bis 1933 lebte er in der Joachimsthaler Straße. 1939 emigrierte er zunächst nach England und dann in die USA.

Worum geht es? Es ist ein Roman über ostjüdisches Leben in Berlin, erzählt anhand des Schicksals des jungen Mannes Frajim Feingold, der nach dem ersten Weltkrieg in Berlin strandet – im Scheunenviertel, wo in der Grenadierstraße Händler und Bettler, Gelehrte und Kleinkriminelle aufeinandertreffen, die zwischen Synagogen und Trödelläden, zwischen Kaschemmen und Bordellen ein ärmliches Leben führen. Und doch mischt sich in die Verzweiflung der Ostjuden immer wieder der Traum von einem besseren Leben – und der Seelentrost des traditionellen jüdischen Schtetl-Lebens, das inmitten der Metropole Berlin bunte Blüten treibt.

Welche Sätze bleiben im Gedächtnis? „Er kam unmittelbar aus einer Judengasse von Piaseczno und wußte genau, in welche Gasse er hier zu gehen hatte; es gab nur eine.“

Wer liest es? Der in den 1930er-Jahren verfasste, aber erst 1965 erstmals erschienene und jetzt wiederveröffentlichte Roman ist eine Fundgrube für alle, die sich für historische Berlin-Romane mit realistisch geschildertem Hintergrund interessieren.

Wer dieses Buch mag, liest vielleicht auch jenes gern: Mariam Kühsel-Hussaini: „Tschudi“ (Rowohlt-Verlag)

Beide Seiten einer Straße

Martin Beradt
Verlag Das Kulturelle Gedächtnis, Neuauflage, 2020
320 Seiten
www.daskulturellegedaechtnis.de

9. Spannendes Berlin-Buch: Die schwarze Fee

Ehmer Die Schwarze Frau

Autorin: Kerstin Ehmer, geboren in Hamm, studierte Theater- und Filmwissenschaften, Amerikanistik und Philosophie in Berlin und machte eine Ausbildung zur Fotografin am Lette-Verein. Seit 16 Jahren betreibt sie mit ihrem Mann die Victoria-Bar in Berlin.

Worum geht es? Die Revolution in Russland hat Adelige, Industrielle oder Andersdenkende in die Emigration getrieben. Vorläufige oder dauerhafte Heimat ist für viele Berlin geworden. Was die sowjetische Geheimpolizei nicht davon abhält, konterrevolutionäre oder anarchistische Kräfte zu bespitzeln. Durch zwei Giftmorde gerät Kommissar Ariel Spiro in die russische Szene.

Welche Sätze bleiben im Gedächtnis? „Die Reaktionen auf den Wodka sind so unterschiedlich wie die Trinker selbst. … Der eine zieht sich in sein Innerstes zurück wie eine Schnecke oder weint wehleidige Tränen. Der andere schreit und redet sich heiß. Der Nächste entdeckt im Grund seines Glases sein verschüttetes Herz, wird liebevoll und schmiegsam wie ein kleiner Hund, der allein dafür gezüchtet wurde, den verwaisten Schoß seiner Herrschaft zu wärmen.“

Wer liest es? Alle Fans der Fernsehserie „Babylon Berlin“, basierend auf den Romanen von Volker Kutscher, werden hier ein richtiges Lesevergnügen finden. Absolut lesenswert ist auch der erste Krimi von Kerstin Ehmer um den Kommissar Ariel Spiro, „Der weiße Affe“.

Wer dieses Buch mag, liest vielleicht auch jenes gern: Amber & Berg: „Pandora. Auf den Trümmern von Berlin“ (Droemer-Verlag)

Die schwarze Fee

Kerstin Ehmer
Pendragon-Verlag,
397 Seiten
www.pendragon.de

10. Berlin-Erzählung: Damals in Berlin

Mell Damals In Berlin
Bild: Droemer

Autor: Corinna Mell wurde Ende der 50er-Jahre in der Nähe von Osnabrück geboren. Ihre berufliche Laufbahn begann sie im Einzelhandel. Zum Schreiben kam sie mit knapp 30 Jahren während der Schwangerschaft mit ihrer Tochter. Sie lebt als freie Autorin in Berlin und in der Nähe von Köln. Mit „Damals in Berlin“ knüpft sie an ihren ersten Roman „Marienfelde“ an, der die 1950er-Jahre und die Ereignisse rund um den Mauerbau in Berlin beleuchtet.

Worum geht es? West-Berlin, 1967. Die 31-jährige Monika führt einen Friseur-Salon im Wedding. Als ihr der neun Jahre jüngere Lehramtsstudent Jens Avancen macht, verliebt sie sich Hals über Kopf in den wortgewandten jungen Mann, der sich in der Studentenbewegung engagiert. Sie taucht ein in eine Welt, die sie bislang nicht kannte. Während sich ihre Kundinnen fragen, welches Kostüm die persische Kaiserin Farah Diba beim Schah-Besuch in Berlin wohl trägt, wird Jens durch den Tod seines Kommilitonen Benno Ohnesorg fast aus der Bahn geworfen.

Welche Sätze bleiben im Gedächtnis? „Im Friseursalon lief alles wie gewohnt, durch Monikas Seele dagegen wehte der Wind des Wandels.“

Wer liest es? Es ist lockere Feierabend-Lektüre, jedoch vor dem Hintergrund einer politisch unruhigen Zeit. Dass Schwangerschaften über laichende Frösche diagnostiziert werden, ist ebenso Thema wie eine Liebelei zwischen zwei ungleichen Partnern.

Wer dieses Buch mag, liest vielleicht auch jenes gern: Brigitte Riebe: „Die Schwestern vom Ku’damm. Wunderbare Zeiten“ (Wunderlich-Verlag)

Damals in Berlin

Corinna Mell
Verlag Droemer Knaur, 2020
397 Seiten
www.droemer-knaur.de

11. Roman aus Berlin: Allee unserer Träume

Gerold Haenel Allee-unserer-traeume

Autor: Ulrike Gerold und Wolfram Hänel. Beide Jahrgang 1956, haben Germanistik und Theaterwissenschaften an der FU Berlin studiert und an verschiedenen Theatern gearbeitet, bevor sie gemeinsam zu schreiben begannen.

Worum geht es? Berlin in den Nachkriegsjahren: Die junge Architektin Ilse will mithelfen, die Stadt wieder aufzubauen. Der Wettbewerb für den Bau der Arbeiterpaläste in der Stalinallee – der heutigen Karl-Marx-Allee – ist ihre große Chance. Als einzige Frau will sie sich gegen die männlichen Kollegen durchsetzen. Doch ihr Ehemann erpresst sie, gibt ihre Entwürfe als seine eigenen aus.

Welche Sätze bleiben im Gedächtnis? Die Ostberliner Aufbauhymne: „Die Spatzen vom Alex, die pfeifen es laut / Hier wird unser neues Berlin aufgebaut…“

Wer liest es? Leute, die sich für die jüngere Geschichte Berlins interessieren. Das Autorenduo spannt in diesem packenden Roman den Bogen von Ilses Kindheit in den 1930er-Jahren bis in die Zeit weit nach dem Mauerfall. Entstanden nach einer wahren Begebenheit, die Autoren verknüpfen Historie und Fiktion.

Wer dieses Buch mag, liest vielleicht auch jenes gern:
Corinna Mell: Marienfelde (Droemer)

Allee unserer Träume

Ulrike Gerold, Wolfram Hänel
Ullstein Buchverlage
560 Seiten, 2019
www.ullstein-buchverlage.de

12. Lieblinsbuch über Berlin: Kempinski erobert Berlin

Autor: Horst Bosetzky. Der 2018 verstorbene Berliner gilt als Erfinder des deutschen Sozio-Krimis. Als Romanautor bekannt wurde er mit „Brennholz für Kartoffelschalen“, der stark autobiografisch geprägten Geschichte des Schlüsselkindes Manfred aus Neukölln.

Worum geht es? Berlin während der Kaiserzeit: Das „Kempinski“ ist ein leuchtender Stern am Gastronomie-Himmel. Die Gäste sind begeistert von Flair und Kulinarik, aber auch vom charismatischen Besitzer Berthold Kempinski. Trotz wirtschaftlicher Schwierigkeiten im Ersten Weltkrieg gelingt es den Nachfolgern des Firmengründers, 1928 am Potsdamer Platz das „Haus Vaterland“ zu eröffnen. Doch schon bald bedrohen Weltwirtschaftskrise und aufkommender Antisemitismus das Familienunternehmen.

Welche Sätze bleiben im Gedächtnis? „Berthold Kempinski konnte es nicht fassen. In Berlin erleichterten sie sich nicht in hölzernen Buden, sondern in kleinen Tempeln. Was für eine herrliche Stadt musste das sein!“

Wer liest es? Berliner, die sich für die Historie ihrer Stadt interessieren. Bosetzky erzählt die Geschichte einer Familiendynastie zwischen Kaiserreich und NS-Diktatur – den grandiosen Aufstieg und tragischen Niedergang des legendären Restaurants „Kempinski“.

Wer dieses Buch mag, liest vielleicht auch jenes gern:
Charlotte Roth: Wir sehen uns Unter den Linden (Knaur)

Kempinski erobert Berlin

Horst Bosetzky
Jaron
368 Seiten, 2010
www.jaron-buchshop.de

13. Buch aus Berlin: Gott wohnt im Wedding

Regina-scheer Gott-wohnt-im-wedding

Autor: Regina Scheer, geboren 1950 in Berlin, studierte Theater- und Kulturwissenschaften an der Humboldt-Universität. Für ihren ersten Roman „Machandel“ erhielt sie 2014 den Mara-Cassens-Preis.

Worum geht es? Im roten Wedding kreuzen sich die Lebenswege von Einheimischen und Zugezogenen in einem Haus in der Utrechter Straße. Auf dem Dachboden hielten sich während des zweiten Weltkrieges der junge Jude Leo und sein Freund Manfred vor der Gestapo versteckt. Nach über 70 Jahren kehrt Leo an diesen Ort zurück, an den es auch Laila verschlagen hat, die gar nicht weiß, dass ihre Sinti-Familie hier einst gewohnt hat.

Welche Sätze bleiben im Gedächtnis? „So denkt Leo Lehmann und bleibt in seinen eigenen Gedanken hängen. Ist er nicht selbst ein Deutscher? Ein deutscher Jude. Wie das klingt. Wie ein Opfer. Er ist Israeli, das hört sich schon besser an. Aber Berliner ist er eben doch.“

Wer liest es? Menschen, die gern lesen, wie sich Stadtgeschichte in den Schicksalen einzelner Bewohner spiegelt. Besonderheit: Die Geschichte wird teils aus der Perspektive des Hauses erzählt.

Wer dieses Buch mag, liest vielleicht auch jenes gern:
Holger Siemann: Das Weiszheithaus. Ein Jahrhundertroman (Dörlemann-Verlag)

Gott wohnt im Wedding

Regina Scheer
Penguin Verlag
416 Seiten, 2019
www.randomhouse.de

14. Berlin-Buch: Blutsbrüder. Ein Berliner Cliquenroman

Ernst Haffner Blutsbrueder

Autor: Ernst Haffner, der den Roman 1932 unter dem Titel „Jugend auf der Landstraße Berlin“ veröffentlichte.

Worum geht es? Anfang der 1930er-Jahre lebten in Berlin Tausende obdachloser Jugendlicher auf der Straße. Manche waren Opfer der wirtschaftlichen Verhältnisse, andere hatten im Ersten Weltkrieg ihre Familie und danach den Boden unter den Füßen verloren. Ein wenig soziale Wärme fanden sie in selbstorganisierten Cliquen. Mit ihren Banden trafen sie sich in Fabrikbaracken, tranken, tanzten, vergaßen für Stunden das eigene Elend.

Welche Sätze bleiben im Gedächtnis? „Das Mädchen ist jetzt sinnlos betrunken, torkelt von Tisch zu Tisch und bietet sich an. Friedel gibt mal wieder an, sagt man und ist nicht weiter von der traurigen Szene eines betrunkenen Kindes, das seine mageren Reize zeigt, berührt. Rückerklause, eine Art Zuhause für den, der es nicht hat.“

Wer liest es? „Ich muß gestehen, daß ich selten Schilderungen des Milieus gelesen habe, die so spannend geschrieben sind“, notierte der renommierte Literaturkritiker Siegfried Kracauer nach Erscheinen des Buches. Und doch geriet es in Vergessenheit, bis es 2013 neu aufgelegt wurde. Eine intensive Lektüre.

Wer dieses Buch mag, liest vielleicht auch jenes gern:
Julius Berstl: Berlin Schlesischer Bahnhof (Verlag Das Neue Berlin)

Blutsbrüder. Ein Berliner Cliquenroman

Ernst Haffner
WALDE + GRAF bei Metrolit
264 Seiten, Erstausg. 1932, Neuauflage von 2013
www.verlag.walde-graf.de

15. Lieblingsbuch aus Berlin: Effingers

Autor: Gabriele Tergit war Journalistin in Berlin, wurde durch ihre Gerichtsreportagen und den Roman „Käsebier erobert den Kurfürstendamm“ bekannt. Der Roman Effingers erschien erstmals 1951 und wurde in diesem Jahr neu entdeckt.

Worum geht es? Effingers ist eine Familienchronik über vier Generationen, die das Schicksal einer jüdischen Familie beobachtet, deren Mitglieder glühende Patrioten und Preußen waren. Die Familien Goldschmidt und Oppner, Seelenverwandte der „Buddenbrooks“, wohnen in der Tiergartenstraße, sind Bankiers und Kunstmäzene. Doch nach dem Ersten Weltkrieg beginnen ihre bürgerlichen Gewissheiten zu bröckeln und auch ihre prachtvollen Feste können nicht mehr über den immer brutaleren Antisemitismus hinwegtäuschen.

Welche Sätze bleiben im Gedächtnis? Paul Effinger schreibt aus Berlin an seine Schwestern: „Das ist hier eine sehr hässliche Stadt, in die so bald keiner zum Vergnügen reisen wird. Aber es ist alles sehr für den Gewerbefleiß prädestiniert, und der Fortschritt wird hier nicht aufgehalten wie in Kragsheim.“

Wer liest es? Leute, die historisch präzise Romane mögen und der Geschichte des Judentums in Berlin nachspüren möchten. Ein temporeicher Roman – und mit 900 Seiten eher geeignet für einen längeren Urlaub.

Wer dieses Buch mag, liest vielleicht auch jenes gern:
Marion Brasch: Ab jetzt ist Ruhe. Roman meiner fabelhaften Familie (S. Fischer Verlag)

Effingers

Gabriele Tergit
Schöffling & Co.
904 Seiten, 2019 (4. Auflage)
www.schoeffling.de

16. Berlin-Roman: Kein Wunder

Frank Goosen-kein Wunder

Autor: Frank Goosen ist für seine im Ruhrgebiet angesiedelten Romane bekannt – lebt er doch auch mitten im Ruhrgebiet, in Bochum. Mit seinem neuesten Buch schlägt er die Brücke vom Ruhrgebiet nach Berlin.

Worum geht es? Berlin 1989. Fränge ist ein junger Mann von Anfang 20, der das Leben in vollen Zügen genießt – und das gleich mit zwei Freundinnen: Marta im Westen und Rosa im Osten. Logisch, das die beiden Frauen nichts voneinander wissen. Als seine Freunde Förster und Brocki aus dem Ruhrgebiet zu Besuch kommen, erleben sie zwei Biotope in ihren letzten Monaten: die Subkultur West-Berlins und die Dissidentenszene im Osten.

Welche Sätze bleiben im Gedächtnis? „Hausbesetzung, dachte Förster. Das kannte er natürlich aus dem Westen. Hier hieß das Schwarzwohnen. ,Du weißt doch‘, sagte das Mädchen grinsend zu Förster und Brocki, ,im Sozialismus gibt es keine Kriminalität, deshalb brauchste kein Schloss an der Wohnungstür.‘“

Wer liest es? Zuzügler, die zur Wendezeit nach Berlin gekommen sind, und sich gern erinnern an die Zeit, in der alles möglich schien und die voller Hoffnung auf Neues steckte. Und die mit dem Humor des Ruhrpöttlers können, denn „Kein Wunder“ ist eine komische Liebesgeschichte.

Wer dieses Buch mag, liest vielleicht auch jenes gern:
Sven Regener: Der kleine Bruder (Eichborn-Verlag)

Kein Wunder

Frank Goosen
Kiepenheuer&Witsch
352 Seiten, 2019
www.kiwi-verlag.de

17. Polit-Thriller aus Berlin: Berlin Prepper

Johannes-groschupf Berlin-prepper

Autor: Johannes Groschupf kam zum Studium der Germanistik, Amerikanistik und Publizistik an der FU nach Berlin. Er arbeitet seit vielen Jahren als freier Journalist in Berlin – das merkt man „Berlin Prepper“ auch an. Da beschreibt er Situationen, wie sie nur Redaktionsinsider kennen.

Worum geht es? Bei einer großen Tageszeitung in Berlin (die in dem Hochhaus sitzt, das einst direkt an der Mauer stand) ist es Noacks Job, tagtäglich Abertausende von Pöbeleien und Hasstiraden aus den Leserkommentaren unter den Online-Artikeln zu löschen. Er hat mit Reichs- und Wehrbürgern zu tun. Er selbst ist ein sogenannter Prepper, der Vorräte für den Katastrophenfall bunkert. Dann erlebt er einen persönlichen Schicksalsschlag.

Welche Sätze bleiben im Gedächtnis? „,Im Newsroom gibt’s keine Freunde‘, sagte Harry. ,Als Content-Moderator hast du nur eine Aufgabe: acht Stunden täglich Hasskommentare lesen und löschen. Volkes Stimme, Schaum vor dem Mund, rund um die Uhr. Beleidigungen, Lügen, Unterstellungen, Tiraden, Gewaltphantasien, Morddrohungen. All das muss weg.‘“

Wer liest es? Leute, die politisch interessiert sind und Krimis lieben. Aber ein „Thriller“, wie es auf dem Titel angekündigt wird, ist „Berlin Prepper“ eher nicht. Sondern vielmehr eine kritische Betrachtung dessen, wie sich im Internet-Zeitalter Hass ausbreiten kann. Fesselnd!

Wer dieses Buch mag, liest vielleicht auch jenes gern:
Volker Heise: Außer Kontrolle (Rowohlt Berlin)

Berlin Prepper

Johannes Groschupf
Suhrkamp Verlag
236 Seiten, 2019
www.suhrkamp.de

18. Lieblingsbuch aus Berlin: Moabit

Volker Kutscher Moabit

Autor: Volker Kutscher, illustriert von Kat Menschik. Mit seiner Krimiserie um Kommissar Gereon Rath im Berlin der 1930er-Jahre gelang Kutscher ein phänomenaler Erfolg. Sie diente als Vorlage für die TV-Produktion „Babylon Berlin“. Kat Menschik ist Illustratorin, lebt in Berlin. Mit ihren Zeichnungen prägt sie die Optik im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Worum geht es? „Moabit“ ist der perfekte Einstieg in das Gereon-Rath-Universum. Es ist die Geschichte von Charly, der großen Liebe von Kriminalkommissar Rath, und spielt zu einer Zeit, als Charly noch Lotte heißt und bei ihren Eltern wohnt, in einer Beamtenwohnung am Zellengefängnis Moabit. Einer Zeit, in der sie nachts heimlich mit ihrer Freundin Greta durch die Berliner Tanzlokale zieht. Noch wichtiger als der Text sind die ästhetischen Zeichnungen von Kat Menschik, in denen sie das verruchte Berlin der 1920er-Jahre aufleben lässt – ob sie nun ein Sezierbesteck zeichnet, Handschellen, eine Szenerie aus dem Venuskeller mit viel nackter Haut oder Zigarettenwerbung, die „höchsten Rauchgenuß“ anpreist.

Welche Sätze bleiben im Gedächtnis? „Dich nennen sie den Schränker. Weil du einer bist. Einer der besten der Stadt. Keine Tür, die du nicht öffnen, kein Tresor, den du nicht knacken kannst. Und der rote Hugo, was kann der? Nichts. Nicht einmal rot ist der, kriegt nur schnell ’ne rote Birne, wenn er sich aufregt, das ist alles.“

Wer liest es? Fans besonderer Editionen. Dieses in Leinen gebundene dünne Bändchen mit dem gezeichneten Stadtplanausschnitt auf dem hinteren Einband ist definitiv nichts für einen Tag am Strand – sondern eher die richtige Lektüre für einen Abend im Hotelzimmer. Sonnencremeflecken auf dem Cover wären ein schlimmer Frevel.

Wer dieses Buch mag, liest vielleicht auch jenes gern:
Curt Moreck: Ein Führer durch das lasterhafte Berlin. Das deutsche Babylon 1931 (be.bra-Verlag)

Moabit

Volker Kutscher, Kat Menschik
Galiani Berlin
88 Seiten, 2017
www.galiani.de

19. Die ersten Tage von Berlin: Der Sound der Wende

Ulrich Gutmair-die Ersten Tage

Autor: Ulrich Gutmair wurde an der Donau geboren und lebt an der Spree, ist Kulturredakteur.

Worum geht es? Nach dem Fall der Mauer wird Berlin-Mitte mit seinen Brachen und zerfallenden Häusern das Zentrum einer neuen Bewegung: Künstler, Clubbetreiber, DJs und Raver eignen sich die alte Stadtmitte an und erwecken sie wieder zum Leben. Ulrich Gutmaier war dabei, lässt Akteure von damals zu Wort kommen und verwebt Erinnerungen mit historischem Material zu einem Porträt der gerade wiedervereinigten Stadt.

Welche Sätze bleiben im Gedächtnis? „Es war eine einmalige historische Begebenheit. Wer das erleben durfte, kann sich glücklich schätzen. Sowas gibt’s nur einmal im Leben. Das war mir klar, als ich 1990 nach Berlin kam. Es war zugleich aber auch ein Anachronismus der Geschichte, dass es eine Stadt gibt, die zur Hälfte leer steht, die man sich aneignen kann.“

Wer liest es? Ein Buch für Zugezogene und all diejenigen, die die kurze Phase der Anarchie im Nachwende-Berlin erlebt haben.

Wer dieses Buch mag, liest vielleicht auch jenes gern:
Jutta Voigt: Stierblutjahre. Die Boheme des Ostens (Aufbau-Verlag)

Die ersten Tage von Berlin: Der Sound der Wende

Ulrich Gutmair
Ullstein Verlag
256 Seiten, 2015
www.ullstein-buchverlage.de

20. Der Klassiker unter den Berlin Büchern: Berlin Alexanderplatz. Die Geschichte vom Frank Biberkopf

Autor: Alfred Döblin (1878-1957), der nach dem Studium der Medizin 1911 in Berlin eine eigene Praxis eröffnete. 1933 flüchtete er vor den Nazis nach Zürich, lebte im Exil in Frankreich und den USA.

Worum geht es? Der Roman erzählt die Geschichte des Franz Biberkopf, der nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis in einen Strudel aus Verrat und Verbrechen gerät. Das Berlin des Kriminellen Biberkopf ist die Stadt der Hinterhöfe, Huren und Zuhälter. Döblin erzählt aber auch die Geschichte des Berlin der Zwanziger Jahre.

Welche Sätze bleiben im Gedächtnis? „Rumm rumm wuchtet vor Aschinger auf dem Alex die Dampframme. Sie ist ein Stock hoch, und die Schienen haut sie wie nichts in den Boden. Eisige Luft. Februar. Die Menschen gehen in Mänteln. Wer einen Pelz hat, trägt ihn. Wer keinen hat, trägt keinen. Die Weiber haben dünne Strümpfe und müssen frieren, aber es sieht hübsch aus.“

Wer liest es? Dieser Berlin Roman ist ein Muss für jeden Berliner – ob einheimisch oder zugezogen. 1929 erstmals erschienen, gilt es als Klassiker der literarischen Moderne, gehört zu den bedeutendsten Großstadtromanen der Weltliteratur. Jede Menge Lokalkolorit – vom „Stettiner Bahnhof“, an dem Döblin als Zehnjähriger mit seiner Mutter ankam, über die Ackerstraße bis zum Alexanderplatz.

Wer dieses Buch mag, liest vielleicht auch jenes gern:
Hans Fallada: Ein Mann will nach oben (Rowohlt-Verlag)

Berlin Alexanderplatz. Die Geschichte vom Franz Biberkopf

Alfred Döblin
Fischer Taschenbuch
560 Seiten, Erstauflg. 1929, Neuauflage 2013
www.fischerverlage.de

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