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Titel Gutes Restaurant Erkennen
Bild: iStock

7 Tipps: Daran erkennen Sie ein gutes Restaurant

Mehr als 5.000 Restaurants, Cafés und Bars gibt es in Berlin. Woran Sie ein gutes Lokal erkennen, verrät unsere Gastro-Expertin Maggie Riepl. Sie hat mit Restaurant-Managern, Küchenchefs und Spitzenköchen gesprochen.

Tipp 1: An der Einrichtung

Ob man sich in einem Lokal wohlfühlt, hat viel mit dem persönlichen Geschmack zu tun. Mitnichten. Der Wohlfühlfaktor ist messbar.

Tilo Roth
Küchenchef im “The Grand”: Tilo Roth. Bild: Lena Ganssmann

„Die Einrichtung muss stimmig sein“, sagt zum Bespiel Thilo Roth, Küchenchef im The Grand in Mitte. Einrichtung und Atmosphäre müssen passen, das ist auch für Michaela Baier, Restaurant-Managerin im Vox am Potsdamer Platz, das entscheidende Kriterium. Und Felix Mielke Küchenchef im Le Faubourg sieht bei unbequemen Stühlen wenig Verheißung auf einen gelungenen Abend. Vor allem, wenn dieser lang und gemütlich mit Freunden werden soll.

Tipp 2: Am sauberen Geschirr

Schlecht gewaschenes Geschirr, schmuddelige Küche, ungepflegte Waschräume. Geht gar nicht: Sauberkeit ist ein absolut entscheidendes Kriterium für ein gutes Restaurant. Auch Gerüche sind ein No-Go: Im Lokal selber darf es keinesfalls nach Küche riechen. Und die Waschräume müssen in jeder Beziehung tip-top gepflegt sein. Tipp der Experten: Achten Sie darauf, ob im Örtchen Kerzen, Raumduft und Hygiene-Artikel vorhanden sind. Dann geht die Lokalität die Extra-Meile im Service!

Der Kellner darf nicht vornehmer sein als der Gast, aber auch nicht devot und anbiederisch.

Tipp 3: Am Service auf Augenhöhe

„Ganz wichtig ist der erste Eindruck“, sagt Felix Mielke vom „Le Faubourg“ und ergänzt: „Ich möchte schon beim Betreten nett begrüßt werden und mich willkommen fühlen.“ Der Kellner darf nicht vornehmer sein als der Gast, aber auch nicht devot und anbiederisch. Guter Service ist herzlich und kompetent – das macht selbst kleine Fehler wett: „Einer, der freundlich ist und nicht alles weiß, ist mir lieber als ein unfreundlicher Besserwisser“, findet Mielke. Für Michaela Baier vom Vox ist auch entscheidend, wie das Personal mit Pannen umgeht: „Entschuldigt man sich, wenn etwas schief gelaufen ist, das Steak ‚well done‘ statt ‚medium‘ war, habe ich damit kein Problem.“

Bedienung Restaurant
Guter, aber nicht aufdringlicher Service: das ist die Kunst. Bild: iStock

„Guten Service darf man nicht merken. Er ist da, aber man bekommt ihn nicht mit. Für mich sollte ein Kellner ein unkomplizierter Gastgeber mit Humor sein.“ Entspannte Atmosphäre mit lockerem Service, so wie bei guten Freunden zu Hause – so stellt sich auch Thilo Roth die perfekte Bedienung vor. Felix Mielke möchte in gehobenen Lokalen nicht belächelt werden, „weil ich etwa ein Gericht nicht kenne. Ich bin der Gast und möchte stets zuvorkommend behandelt werden.“

Tipp 4: An einer ausgewählten Karte

Eine umfangreiche Karte mit 100 Gerichten – das spricht für Auswahl, aber auch für Qualität? „Nein“, sagt Mielke, „da hat man Zweifel an der Frische. Eine Karte sollte überschaubar sein.“ Auch Michaela Baier mag große Karten nicht „ weil es nervt, mich ewig lange durch die Vielzahl der Gerichte zu arbeiten.“ Thilo Roth: „Riesenkarten sprechen nicht für einen eigenen Stil. Und ich will ja auch beim Asiaten keine Pizza essen.“

Michaela Baier
Michaela Baier, Restaurant-Managerin im „Vox“ am Potsdamer Platz. Bild: Privat

Eine gute Küche ist kreativ, hat ihren eigenen Stil und ist authentisch. „Ich finde es toll, wenn mir jemand rote Bete mit Wow-Effekt vorsetzt, so wie ich sie noch nie gegessen habe“, erklärt Michaela Baier. Thilo Roth erwartet von einem guten Restaurant ein besonderes Ess-Erlebnis: „Wenn ich mir ein Gericht zu Hause selber kochen kann, muss ich nicht ausgehen.“

Für Thilo Roth ist eine gute Weinkarte wichtig und die entsprechende kompetente Beratung, „denn ich probiere gerne Neues aus.“ Felix Mielke hingegen, der keinen Alkohol trinkt, freut sich, wenn man sich in Restaurants Gedanken um eine alternative alkoholfreie Begleitung macht.

Tipp 5: An frischen Zutaten

Essenszubereitung Koch
Sind die Zutaten frisch und 1a verarbeitet? Ein weiteres Qualitätskriterium für Restaurants. Bild: iStock

„Die Qualität eines Lokals erkennt man an der Güte seiner Produkte und dass sie 1a verarbeitet sind“, erklärt Thilo Roth. Zutaten müssen hochwertig und frisch sein – egal, ob es sich um Sellerie oder Trüffel handelt. „Ich wurde von einem Hoteldirektor mal gefragt, ob man aus einem schlechten Apfel einen guten Apfelkuchen machen kann. Die Antwort ist nein“, sagt Felix Mielke.

Saisonalität und Regionalität sind aus ökologischen Gründen zu befürworten. Für Michaela Baier punktet ein Restaurant, wenn auf der Karte steht, woher die Produkte stammen.

Tipp 6: Nicht an der Fassade

Muss ein gutes Lokal auch schick aussehen? Nicht unbedingt. Für Felix Mielke ist der äußere Eindruck nicht entscheidend: „Auch in unspektakulären Läden kann man großartiges Essen bekommen.“ Seine Erfahrung: Gerade Asia-Lokale machen oft nicht viel her, aber die Küche ist gut.

Felix Mieke
Unser dritter Experte: Felix Mielke Küchenchef im „Le Faubourg“. Bild: Promo

Thilo Roth würde sich überreden lassen, denn „manchmal geht einem drinnen das Herz auf, obwohl das Lokal von außen nicht toll aussieht.“ Auch Michaela Baier würde sich von einem heruntergekommenen Äußeren nicht abschrecken lassen, bevorzugt es aber, wenn der erste Eindruck positiv ist.

Tipp 7: Bewertungsportale kritisch sehen

Viele nutzen heute Bewertungsportale als Entscheidungshilfe. Michaela Baier hält davon gar nichts. Auch Thilo Roth verlässt sich nicht darauf: „ Da sind viele Meckerer unterwegs und Positives ist oft Fake. Mir sind Empfehlungen von Freunden und Besprechungen in den Medien wichtiger.“ Felix Mielke nutzt hingegen Tripadvisor, Yelp und Co privat vor allem auf Reisen in Städte, in denen er sich nicht auskennt. „Ab 100 Beurteilungen wird es für mich relevant. Das ist allerdings auch ein bisschen schade, weil damit kleine Restaurants mit nur einer Handvoll Bewertungen wegfallen.“

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