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Sommer-Cocktails 2018

Das sind die Trends der Berliner Barkeeper

Hugo war gestern, Aperol Spritz geht immer, doch was ist das Sommer-Getränk 2018? Wir haben Barkeeper gefragt, welche Cocktail-Mischungen in Berlin am häufigsten über den Bar-Tresen gehen.

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och einmal kräftig schütteln, dann gießt Tamara Simunovic (45) ihre neueste Kreation ins Glas: Ein „Kaffir Smash“ mit der Extraportion Exotik. Das Clandestine in Steglitz liegt in einer Seitenstraße an den S-Bahn-Gleisen nahe des Rathauses Steglitz. Kein Laufpublikum kommt hier vorbei, die Gäste steuern ganz gezielt die Cocktailbar an. Die vielen besetzten Tische an einem Dienstag kurz nach Öffnung sprechen für sich. Tamara überzeugt ihre Gäste mit ihren interessanten Eigenkreationen, die sie mit viel Experimentierfreude austüftelt.

„Wenn ich merke, dass ein bestimmtes Aroma oder Zutaten vermehrt gefragt werden, ist es Zeit für mich zu experimentieren. Im Moment sind das definitiv Kräuter und Blüten.“ Tamara Simunovic, Barbesitzerin Clandestine

Mit einem ganzen Korb voller Lavendel, Rosen, Zinnkraut oder Johanniskraut macht sich die Barkeeperin ans Ausprobieren. Sie mischt Blätter und Blüten mit verschiedenen Spirituosen, bis sie vom Ergebnis überzeugt ist. Herausgekommen ist dabei zum Beispiel eine Variation des „Lavendel Gin Fizz“, der mit „Cherry Blossom Tonic“, einem Kirschsoda, statt mit normalem Soda aufgefüllt wird. So wird der Gin Fizz besonders frisch und fruchtig.

Clandestine Tamara
Tamara Simunovic vom „Clandestine“ setzt auf Kräuter und Blüten. Bild: Jochen Roeder

„Auch wenn Regionalität gerade ein großes Thema ist, bleiben exotische Zutaten im Trend“, meint Tamara. „Unser Kaffir Smash kommt aktuell sehr gut an.“ Der Cocktail aus thailändischen Kaffir-Limetten-Blättern, Zitronensaft, Zuckersirup und Gin knüpft an die populäre asiatische Küche an. „Die Leute kennen das Aroma aus den zahlreichen thailändischen oder vietnamesischen Restaurants und sind neugierig, wie der Geschmack in einem Cocktail harmoniert“, berichtet die passionierte Barkeeperin.

Spritzig-herb statt klebrig süß

Kronleuchter, dunkle Ledersofas, goldumrahmte Spiegel und Kerzenlicht: Das Timber Doodle bringt mit hochwertigen Drinks und klassischem Bar-Ambiente Eleganz in den Simon-Dach-Kiez. Besitzerin Susanne Baró Fernández (36) wollte mit ihrer Bar einen Ort im Stil eines Gentlemen Clubs des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts erschaffen. „Im Sommer werden grundsätzlich leichtere und erfrischende Cocktails getrunken“, berichtet sie. Statt klebrig-süßer Cocktails seien dann vor allem herbe Geschmacksnoten gefragt. Kräuter sieht auch Susanne als großen Trend „Kräuter und frische Zitrusfrüchte – von Yuzu bis Grapefruit – sind momentan sehr angesagt“.

Timber Doodle
Im „Timber Doodle“ schwört man auf leichte und frische Zitrus-Cocktails. Bild: La Vida Creations

Ein Cocktail, der im Timber Doodle besonders gerne bestellt wird, ist der „Jeu et Innocence“, eine Hommage an Hermann Hesses Gedicht „Bäume“ von 1918. Der Cocktail besteht aus London Dry Gin, Limette und Grapefruit zu gleichen Teilen, Ahornsirup, Rosenblütenwasser und Weinberg-Pfirsichmarmelade. Das Ganze wird geshaket, abgeseiht und mit hausgemachter Lavendel-Limonade aufgegossen. Dazu gibt es Knallbrause, „wie damals auf dem Eis am Strand im Frankreichurlaub“, erklärt die Barbesitzerin.

„Ein weiterhin großes Thema ist alles Selbstgemachte. Generell wird mehr selbst gemacht, Zusatzstoffe und Fertigprodukte werden vermieden.“ Susanne Baró Fernández, Timber Doodle

„Ein weiterhin großes Thema ist alles Selbstgemachte. Generell wird mehr selbst gemacht, Zusatzstoffe und Fertigprodukte werden vermieden.“ Dazu kommen laut Fernández jedes Jahr ein oder zwei Trendspirituosen. In diesem Jahr sieht die Barkeeperin den „Italicus“ ganz weit vorne: „Der italienische Bergamottenlikör mit Rose löst gerade den klassischen Spritz ab und wird mit Prosecco aufgegossen, dazu ein paar Oliven auf dem Spieß – fertig ist das Trendgetränk.“

Heimische Früchte als Trendzutat

Doch wie wird ein Getränk zum Trend? „Die großen Trends der vergangenen Jahre wie beispielsweise der Aperol Spritz kamen durch Marketing-Kampagnen von Firmen“, berichtet Nils Wrage, Chefredakteur des Cocktailmagazins „mixology “. Ein Trend entstehe aber auch durch die Dominanz von bestimmten Früchten und Aromen. Passend zur übergreifenden Bevorzugung von möglichst regionalen Produkten sieht Wrage hier heimische Früchte wie Quitte oder generell Kernobst wie Äpfel und Birnen von alten Streuobstwiesen weit vorne.

Auch Rhabarber kommt in diesem Sommer verstärkt zum Einsatz. „Ein kleiner ‘Trend im Trend’ sind einige Start-Ups, die das eh boomende Segment Cider mit kleinen, handgemachten und biozertifizierten Produkten bereichern“, sagt der Experte. Ungeachtet der regionalen Prägung bei den Zutaten sieht Nils Wrage einen anderen Hype: „das Thema Cold-Brew-Kaffee beziehungsweise dessen Paarung mit Tonic Water und Gin.“

Persönliche Beratung für jeden Gast

„Regional“ für Laura Maria Marsueschke (32), Inhaberin der Thelonious Bar in der Neuköllner Weserstraße das Stichwort. Die Barbesitzern sieht den aktuellen Trend zur Regionalität nicht nur bei den Zutaten, sondern auch bei den Spirituosen. So sind es sogenannte GSA-Produkte, also Produkte aus Germany, Switzerland und Austria, die eine große Rolle hinter der Theke spielen.

Kraeuter Und Cocktail
Weiterer großer Trend: regionale Zutaten auch im Cocktail. Bild: Shutterstock

Die Regionalität spiegele sich zudem bei Kräutern und Früchten wider. „Heute gehen Barkeeper tatsächlich wieder raus in die Natur und sammeln Kräuter, pflücken Kirschen oder Blumen für ihre Kreationen“, weiß die Bar-Inhaberin. Im Thelonious entschleunigt man in stilvollem Interieur: Indirektes Licht, sanfter Jazz im Hintergrund, dunkle Möbel. Statt Getränke von der Standardkarte zu bestellen, verlassen sich Gäste auf die Empfehlung der Inhaberin: „Mir ist die persönliche Beratung wichtig. Jeder soll den Drink bekommen, der zu ihm passt.“

Ein paar Exoten hat Laura aber auch in petto für den Sommertrend: Mezcal und Sotol, zwei mexikanische Brände aus Spargelgewächsen. „Die Mezcal- und Sotolherstellung ist noch echte Handwerkskunst mit Geschichte und das kommt an“, so die Barkeeperin und ist sich sicher: „Die werden noch ganz groß.“

Trendgetränk? Lillet Wildberry!

Im Capital Beach ganz in der Nähe des Hauptbahnhofs herrscht Hochbetrieb. Wenn die Sonne scheint, versammelt sich am Spreebogen ein bunt gemischtes Publikum. Hier treffen Geschäftsreisende, die gemeinsam das Meeting bei einem kühlen Drink beenden, auf Hauptstädter, die am Wasser einfach die Seele baumeln lassen. Nico (34), Barchef im Capital Beach, weiß, was seine Gäste am liebsten bei heißen Temperaturen trinken: „Bei uns läuft der Lillet Wildberry definitiv am besten!“ Das Getränk aus Lillet Blanc und Schweppes „Russian Wildberry“ wird mit tiefgefrorenen Waldbeeren aufgepeppt.

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Geht immer (noch): Aperol Spritz. Bild: Julia Schattauer

„Das macht den Cocktail richtig schön kühl und bringt eine tolle Farbe, wenn der Alkohol die Farbstoffe aus den Beeren löst“, erklärt er und entschuldigt sich auch wieder. Der nächste Lillet soll gemischt werden. Fruchtig geht eben immer bei sommerlichen Temperaturen!

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