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Bild: Wolfgang Stahr
Camping

Großstadtcamper

Auf kleinstem Raum Geborgenheit: Touristen und Berliner schätzen das einfache Leben in Zelt, Wohnwagen oder Reisemobil. Eine Reportage von vier Generationen auf dem Camping-Platz, rollender Unabhängigkeit und Erholungs­paradiesen vor der Haustür.

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ereits in den ersten Wochen ihres Lebens sieht die kleine Luna halb Europa. Die junge Hündin ist mit Herrchen Georg (66) und Frauchen Inneke (63) vor ein paar Tagen im nagelneuen Wohnmobil in Belgien aufgebrochen. Das Ehepaar hat einen Fahrradanhänger für den noch tollpatschigen Familienzuwachs besorgt. Nun lässt sich Luna beim Aufenthalt in Berlin bequem am Fernsehturm vorbeikutschieren.

Ein rollendes Zuhause für die ersehnte Unabhängigkeit

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Neun Meter Unabhängigkeit: Inneke und Georg aus Belgien mit Hündin Luna. Nach Berlin geht die Fahrt weiter Richtung Warschau. Bild: Wolfgang Stahr

Hier war Georg zuletzt 1965. Der gelernte Mess- und Regeltechniker war damals von seinem Arbeitgeber Telefunken zum Einsatz an den Antennen auf den Ostberliner Prestigebau geschickt worden. Knapp vierzig Jahre später, lange nachdem die drei Kinder aus dem Haus sind, nun die Rückkehr in ein wiedervereinigtes Berlin.

Mit der Pensionierung im letzten Jahr hatte sich das Ehepaar einen Traum erfüllt: Ein fast neun Meter langes rollendes Zuhause für eine lang ersehnte Unabhängigkeit. Nur um die geht es beim Reisen im Wohnmobil: „So ein Gefährt kostet im sechsstelligen Bereich”, berichtet der stolze Fahrer etwas verlegen, „das ist keine günstige Art zu reisen”.

2.500 Stellplätze in der Stadt

Nachbarn am Campingplatz
Familienbande: Vier Generationen sind Nachbarn am Campingplatz. Uroma Erika (sitzend) ist eine Institution am Krossinsee. Bild: Wolfgang Stahr

Für ihren Berlin-Aufenthalt haben die beiden den Caravanstellplatz auf der Weddinger Seite der Chausseestraße angesteuert. Von den acht Berliner Campingplätzen ist dies mit Abstand der zentralste, auch wenn wegen der Enge des Areals auf so manchen Komfort verzichtet werden muss. In Reisemobil, Wohnwagen oder Zelt lässt sich außerdem in Tegel, Spandau und Köpenick übernachten.

Insgesamt gibt es rund 2.500 Stellplätze im Stadtgebiet, wovon allerdings rund 1.000 von einheimischen Dauercampern belegt werden. Ein wahres Camperparadies liegt gleich vor der Haustür: Brandenburg bringt es laut Bundesverband der Deutschen Campingwirtschaft auf gut 42.000 Stellplätze.

Camping-Ausflug statt Klassenfahrt

 Zeltaufbau am Köpenicker Krossinsee
Wochenende in der Stadtrand-Natur: Eine Neuköllner Schulklasse beim Zeltaufbau am Köpenicker Krossinsee. Bild: Wolfgang Stahr

Am idyllischen Krossinsee im äußersten Südosten Köpenicks ist das Nachbarbundesland tatsächlich nur einen Steinwurf entfernt. Weitläufig erstreckt sich die Campinganlage in einem lichten Kiefernwald. An einem Freitagabend beginnt hier eine Jugendgruppe mit dem Aufbau ihrer Igluzelte. Es ist die 10. Klasse des Hermann Hesse-Gymnasiums in Neukölln, die sich auf ein gemeinsames

Nachdem eine größere Klassenfahrt nicht zustande kam, haben die Jugendlichen den Ausflug selbst organisiert. Nun helfen die Jungs ihren Mitschülerinnen, der 17-jährige Said mahnt zur Eile. „Beeilt euch Leute, wir müssen zum Grillplatz”, feuert er die multikulturelle Truppe an.

Seit fast 40 Jahren Dauercamping

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Campen verbindet: Manche Berliner campen seit mehr als 40 Jahren. Bild: Wolfgang Stahr

Ein paar Schritte Richtung Ufer ist vom Trubel der jugendlichen Kurzzeitgäste nichts zu merken. Hier stehen die Wohnwagen der Dauercamper – im gut abgedichteten Vorzelt fast immer mit vollwertiger Einbauküche.

Erika ist mit ihren 78 Jahren bekannteste Camperin vom Krossinsee. Bereits seit knapp 40 Jahren wohnt die zierliche Dame aus Köpenick zwischen April und Oktober in ihrem Wohnwagen. „Ich war noch nie im Urlaub”, berichtet sie. Seit 1991 steht der Wagen von Tochter Carmen (58) gegenüber – und auch Enkelin Lydia (38) ist mit den Urenkeln eine Nachbarin im Sommer.

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Campen mitten in der Großstadt: Wo steht unser Bulli-Zelt hier? Bild: Wolfgang Stahr

Im Mikrokosmos auf dem Campingplatz gibt es Geborgenheit unter Gleichgesinnten. „Beim Camping ist es einfach viel lockerer als in einer Kleingartenanlage”, erläutert Dauercamperin Carmen.

Auch am Wohnmobilstellplatz in Mitte genießen an diesem Abend Georg und Inneke ihre Unabhängigkeit. Allerdings wird sich ihr Wohnmobil bald wieder in Bewegung setzen. Zur Route gibt es nur ungefähre Planungen, ein Termin für die Rückkehr nach Belgien steht noch nicht fest. „Wir bleiben, wo es uns gefällt”, schwärmt Inneke. „Eilig haben wir es nicht, zu Hause haben wir fast nur noch Plastikblumen.”

Bulli-Zelt zu gewinnen! (GEWINNSPIEL BEENDET!)

In Zusammenarbeit mit dem Berliner Onlineshop „Coolstuff – Das Gadgetparadies” verlosen wir unser rot-weißes Titelmodel der aktuellen Printausgabe. Das Vier-Mann/Frau-Campingzelt kommt komplett mit Innenzelt und zwei abtrennbaren Räumen. Maßstab 1:1, also Originalgröße des VW-Bullis.
www.coolstuff.de

Gewinnfrage:
Auf welchem Berliner Platz entstand das Titelbild unserer aktuellen Printausgabe Sommer 2014?

E-Mail mit Lösung
bis 30. September 2014 an berliner.akzente@berliner-sparkasse.de .

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