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Titel Lesen Mirai-mens
Bild: privat
Nachgehakt

Mirai Mens: „Lesen ist ein Geschenk“

Nachgehakt bei Mirai Mens. Die 13-jährige Pankowerin liest mit Leidenschaft – und das schon seit acht Jahren. Auf ihrem Blog „Lass mal lesen!“ schreibt die Schülerin, die eine Schnelllernerklasse an einem Berliner Gymnasium besucht, über ihre Leseerlebnisse. Sie rezensiert Kinder und Jugendbücher, gibt Leseempfehlungen, führt Interviews mit Kinder- und Jugendbuchautoren. Ende 2019 ist sie für ihr „herausragendes individuelles Engagement“ mit dem Deutschen Lesepreis ausgezeichnet worden.

Du liest seit deinem fünften Lebensjahr. Wie hast du das Lesen gelernt?

Meine Eltern haben mir immer sehr viel vorgelesen. Da habe ich irgendwann angefangen mitzulesen – und als ich mit fünf Jahren in die Schule kam, konnte ich es. Ein paar Wochen nach meiner Einschulung war ich schon eine richtige Leseratte. Mit sieben Jahren habe ich dann die ersten Rezensionen geschrieben.

Wie bist du auf die Idee gekommen, über Bücher zu schreiben?

Ich habe so viel gelesen, dass meine Eltern jeden zweiten Tag in die Bibliothek laufen und mir neue Bücher holen mussten. Das war ganz schön aufwendig. Über einen Aushang erfuhr ich, dass man in der „Buchbox“ in Prenzlauer Berg so viele Bücher ausleihen kann, wie man will – wenn man sie rezensiert. Das war der Anfang. Später habe ich auch als Kinderreporterin für einen Verlag über Bücher geschrieben und für einen weiteren Buchladen.

Und wie kam es zu deinem Blog „Lass mal lesen!“?

Seitdem ich sieben Jahre alt bin, fahre ich jedes Jahr mit meiner Mutter zur Leipziger Buchmesse. Als wir 2018 dort waren, konnte ich die Kinderbuchautorin Sabine Städing interviewen. Danach war die Frage, was ich mit diesem tollen Content anfangen könnte. Zufällig lernte ich auf der Messe eine Bloggerin kennen und so entstand die Idee für einen eigenen Blog. Kurz darauf habe ich „Lass mal lesen!“ programmiert und an den Start gebracht.

Wie viele Bücher liest du pro Woche?

Das ist unterschiedlich – je nachdem, ob in der Schule gerade viele Klassenarbeiten anstehen oder nicht. Im vorigen Jahr habe ich um die 165 Bücher gelesen. Derzeit sind es im Schnitt zehn bis 20 pro Monat. Ich nutze jede Gelegenheit zum Lesen. In den Ferien habe ich schon mal acht Bücher an einem Tag verschlungen. Pro Stunde schaffe ich etwa 150 Seiten. Nach jedem Buch mache ich mir gleich Notizen, worum es darin geht und wie es mir gefallen hat.

Was liest du am liebsten?

Ach, es gibt so viele tolle Bücher. Ich lese querbeet von Liebesromanen bis zu Krimis – aber nicht die für Erwachsene, sondern für ältere Kinder und Jugendliche. Nicht so gerne lese ich Pferdebücher und Thriller. Die Genres, die mich nicht interessieren, kommen in meinem Blog aber trotzdem vor. Dafür habe ich ja meine Gastautorinnen und -autoren.

Bleibt bei deinem Lesepensum und dem Bloggen noch Zeit für andere Hobbys?

Ja, ich mache beim Workshop „Kreatives Schreiben“ mit, bin Rettungsschwimmerin bei der DLRG. Das Tennisspielen und das Hip-Hop-Tanzen habe ich allerdings vorübergehend aufgegeben.

Viele Jugendliche in deinem Alter lesen nur noch Nachrichten auf dem Handy, kaum noch Bücher…

…das finde ich sehr schade. Wer keine Bücher liest, verpasst viel. Lesen eröffnet eine neue, eine andere Welt. Aus Büchern kann man enorm viel lernen und Lesen ist auch etwas total Fesselndes.

Hast du bestimmte Kriterien, nach denen du die Bücher für deinen Blog und deine Interviewpartner auswählst?

Bei den Büchern entscheide ich nach persönlichem Interesse. Ich mag klischeefreie Geschichten, vor allem solche mit starken Protagonistinnen. Wichtig ist mir Diversität. Darum bespreche ich zum Beispiel auch Bücher, in denen es um Menschen mit Behinderungen oder mit Migrationshintergrund geht oder auch um gleichgeschlechtliche Liebe. Und meine Interviewpartnerinnen und -partner wähle ich danach aus, ob ich Fragen zu ihren Büchern habe. Mittlerweile habe ich zu vielen Autorinnen und Autoren Kontakt – wie beispielsweise zu Kirsten Boie, Anna Ruhe, Tanja Stewner oder Jochen Till.

Was und wen willst du mit deinem Blog erreichen?

Ich versuche, Menschen dadurch zum Lesen zu bringen – denn Lesen ist ein Geschenk. Das Bloggen macht mir enorm viel Spaß, ich habe dadurch schon viele tolle Menschen kennengelernt – Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer, andere Bloggerinnen und Blogger. Und ich bekomme viele positive Rückmeldungen – Mails, Likes, Kommentare. Es ist einfach ein schönes Gefühl, zu wissen, dass ich durch meinen Blog andere zum Lesen motivieren konnte.

Du hast den Deutschen Lesepreis in der Kategorie „Herausragendes individuelles Engagement“ erhalten. Wie wichtig ist dir die Auszeichnung?

Ich habe mich riesig darüber gefreut. Vor allem hat mich überrascht, dass es der erste Preis geworden ist. Ich wusste, dass ich unter den letzten drei war, aber damit hatte ich nicht gerechnet.

Hier geht’s zu Miras Blog: www.lass-mal-lesen.blog
Auch bei Instagram hat sie einen Feed: instagram.com/lesehexemimi/

Noch mehr Bücherempfehlungen? Hier geht es zu unserem Beitrag „Lesezeit: 10 Berlin-Bücher für Urlaub, Freizeit und den Weg zur Arbeit“ >>

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