Titel Berlinale
Als wolle er sagen ‘Du kommst auch zur Berlinale!’: Berlinale-Chef Dieter Kosslick hat ein gutes Händchen, die Stars nach Berlin zu holen. Bild: Shutterstock

Berlinale 2017

Der Coup des Kosslick

Jedes Jahr macht die Berlinale Berlinern das Geschenk, ein ganz besonderes Kino zu entdecken: Filme, die oft sonst nie wieder in Deutschland zu sehen sein werden. Welche Highlights auf die Besucher warten – und wie gleich mehrere Clous besonders viele Stars anziehen.

Inhaltsspalte
D

ie 67. Berlinale rollt vom 9. bis 19. Februar 2017 rund um den Potsdamer Platz und vor den Kinos der Stadt ihre Roten Teppiche aus und lässt die Stars und Sternchen der Filmwelt glitzern. Im Konkurrenzkampf der großen drei Filmfeste Europas, punktet Kosslicks Berlinale in diesem Jahr mit den Granden, die die Fäden ziehen: Der Wettbewerb wartet mit einigen der ganz großen Regisseure des Weltkinos auf: Aki Kaurismäki, Oren Moverman, Agnieszka Holland und Sally Potter. Für solche Koryphäen wollen die Stars spielen, weshalb die Fotografen und Autogrammjäger auf Richard Gere, Laura Linney und Chloë Sevigny ebenso hoffen dürfen, wie auf Penélope Cruz, Emily Mortimer, Cillian Murphy und Kristin Scott Thomas.

Paul Verhoeven
Paul Verhoeven. Bild: Lex de Meester

Ein weiterer cleverer Schachzug: Die Berlinale hat keinen Geringeren als den niederländischen Regisseur und Drehbuchautoren Paul Verhoeven zum Präsidenten der Jury dieser 67. Internationalen Filmfestspiele Berlin ernannt. Dieser hat aktuell hervorragende Chancen, mit seinem neuen Werk „Elle“ an alte Erfolge wie „RoboCop“ oder „Basic Instinct“ anzuknüpfen. Er sei ein Regisseur, „der in den unterschiedlichsten Genres sowohl in Europa als auch in Hollywood gearbeitet hat”, wie Berlinale-Direktor Dieter Kosslick seinen Coup kommentiert. „In der Bandbreite seines Filmschaffens spiegelt sich seine kreative, vielfältige Verwegenheit und sein Experimentierwillen.“

Formate: video/youtube

Weltpremiere von Django eröffnet Berlinale 2017

Einen cleveren Akzent setzt diese Berlinale-Ausgabe überdies mit der Weltpremiere von Etienne Comars Regiedebüt „Django“. Der Debütfilm, in dem Schauspieler Reda Kateb die Titelrolle des begnadeten Musikers Django Reinhardt übernimmt, eröffnet die Filmfestspiele. Comar, der bisher als Drehbuchautor und Produzent in Erscheinung trat, erzählt von Reinhardts Flucht aus dem von den deutschen Nazis besetzten Paris 1943.

Django
Django. Bild: Roger Arpajou

„Django Reinhardt war einer der schillerndsten Vorreiter des europäischen Jazz und Begründer des Gypsy-Swing. ‚Django’ zeigt auf packende Weise ein Kapitel seines bewegten Lebens und ist eine ergreifende Überlebensgeschichte. Die ständige Bedrohung, seine Flucht und die fürchterlichen Gräueltaten an seiner Familie konnten ihn nicht daran hindern weiterzuspielen“, sagt Berlinale-Chef Kosslick. „Django“ als Eröffnungsfilm zu exponieren passt hervorragend zur Berlinale, da das Werk sich zum einen mit dem Leben eines absoluten Weltstars auseinandersetzt, aber gleichzeitig auch mit der deutschen Geschichte, was für den stets politischen Anspruch des Festivals und seines kritischen Geistes steht. Und: Eröffnete die Berlinale in den vergangenen Jahren häufig mit Produktionen, die „außer Konkurrenz“ gezeigt wurden, tritt „Django“ im internationalen Wettbewerb an.

Faszinierende Dokumentation über Joseph Beuys

Beuys
Beuys. Bild: Ute Klophaus © zeroonefilm / buk Ernst von Siemens Kunststiftung, Stiftung Museum Schloss Moyland

Damit konkurriert er mit einem deutschen Berlinale-Routinier: Regisseur Andres Veiel, der schon mit „Die Spielwütigen“ (Berlinale 2004) und „Wer wenn nicht wir“ (Berlinale 2011) auf dem Filmfest mit Preisen bedacht wurde, geht mit dem Dokumentarfilm „Beuys“ ins Bären-Rennen. Das Schaffen des vielleicht größten zeitgenössischen Künstlers Joseph Beuys hat nichts an seiner Wirkkraft verloren – ebenso wenig wie die Faszination, die vom streitbaren Menschen Beuys ausging.

Mit „Der junge Karl Marx“ findet sich ein weiterer deutscher Beitrag als „Special“ im Festivalprogramm. Darin versucht sich August Diehl in der Rolle als junger Trierer Gesellschaftstheoretiker. Das Biopic von Raoul Peck, der mit dem ebenfalls sehr beachtenswerten „I Am Not Your Negro“ mit gleich zwei Werken bei den Festspielen vertreten ist, beleuchtet die Freundschaft von Karl Marx und Friedrich Engels.

Formate: video/youtube

So kommen Sie an Tickets

Eine Besonderheit der Berlinale-Generation: Jedes Jahr können Gruppentickets (ab 5 Personen) telefonisch über die Generation-Hotline bestellt und am Generation-Schalter im Berlinale-Service-Center abgeholt werden. Gruppenkartenbestellungen sowie eine Vielzahl von Vormittagsvorführungen machen den Festivalbesuch für Schulklassen und Gruppen leichter möglich.

Tickets für die restliche Berlinale gibt es an den Countern (wie am Potsdamer Platz) bei einigen Vorverkaufsstellen sowie über die Berlinale-Internetseite. Wie in jedem Jahr schenkt die Berlinale als größtes Publikumsfestival seinen Besuchern den abschließenden Festivaltag, womit der 19. Februar zum Publikumstag wird. So können Kinofans selbst über die Roten Teppiche des Filmfests flanieren.

Berlinale: Programm und Tickets

Der Ticketvorverkauf für die Berlinale beginnt am Montag, den 6. Februar 2017 um 10.00 Uhr (MEZ). Tickets können jeweils drei Tage im Voraus erworben werden, für die Wettbewerbswiederholungen vier Tage im Voraus. Am Tage der Vorstellung sind Tickets nur an den Tageskassen der Kinos und online erhältlich.

Das komplette Programm (mit Möglichkeit zum Online-Ticketkauf) finden Sie hier: www.berlinale.de/de/programm

Zentrale Vorverkaufsstellen
Ab 6. Februar, täglich von 10:00 bis 20:00 Uhr

Potsdamer Platz Arkaden
Alte Potsdamer Straße 7, 10785 Berlin

Mehr
Formate: video/youtube

Festivals neben der Berlinale

Im Umfeld der Berlinale tummeln sich eine ganze Reihe von interessanten Filmfesten, die Berlin so besonders machen. Hier drei Empfehlungen für Festivalkino abseits der Berlinale.

Woche der Kritik
Zum dritten Mal richtet der Verband der deutschen Filmkritik die „Woche der Kritik“ aus. Nach dem Auftakt am 8. Februar mit der Diskussion „Müssen Filme politisch sein?“ geben in den Folgetagen bemerkenswerte internationale Filme den Anstoß für Debatten, die nicht im Kinosaal enden sollen.

Lohnt sich für: Kinofans, die sich mehr Tiefe in der Diskussion um Film und seine gesellschaftliche Wirkkraft wünschen.

Von Mittwoch 08.bis Donnerstag 16. Februar 2017
http://wochederkritik.de/de_DE/critics-week/

Mehr

Diese Themen könnten Sie auch interessieren