Titel Auto-fruehling
Sonnige Aussichten: Am Wochenende kann Autofahren in Berlin im Frühling durchaus eine Freude werden. Bild: iStock / Shutterstock [Montage]
Spritztouren

Freie Fahrt in den Frühling

Ob Drive-in-Bäcker, Autokinos oder Oldtimer-Ausstellung: Autofahren kann in Berlin richtig Spaß bereiten. Fahrer müssen nur wissen, wie – und wo. Unsere Autorin Katrin Starke nimmt Sie deshalb mit auf Spritztour, unter anderem zu den Schauplätzen der „Berlin Motor-Map“.

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erlin-Adlershof. Samstagvormittag. Statt vorm Bäcker warnblinkend in der zweiten Reihe zu parken, biegen wir ab zum „Bakers Drive“ und halten direkt vorm Fenster neben dem Verkaufstresen: „Zwei Schrippen, ein Croissant und einen Milchkaffee“, ordern wir mit laufendem Motor.

Erster Stopp: Drive-in-Bäcker. Hier gibt’s die Brötchen direkt auf die Hand. Bild: Katrin Starke

Und während wir ins saftige Croissant beißen, geht es nun weiter auf den Spuren der Berlin Motor-Map, die zeigt, wo Autofahren in Berlin zur wahren Freude werden kann. Es geht zu Oldtimer-Remisen, Schrauberhimmeln und Autokinos. Unterwegs recherchieren wir via Smartphone gute Nachrichten für alle Autofahrer: Die Staus sind 2016 rund um Berlin sogar zurückgegangen – zwar nur um drei Prozent. Aber immerhin ein kleines Vorwärtskommen in die richtige Richtung.

Die Stadtautobahn lieber meiden. Hier stehen Berliner statistisch gesehen am häufigsten. Bild: Shutterstock

Und noch besser: Der Berliner Innenstadt-Ring ist nicht mehr Deutschlands am meisten befahrene Autobahn. Hier hat der Kölner Ring Berlin überholt. Meiden sollten Sie dennoch den Abschnitt auf der Stadtautobahn A100 zwischen Alboinstraße und Tempelhofer Damm. Hier stand der Verkehr 2016 am längsten still.

28 Locations für Fans von Autos, Benzin und Fahrtwind

Ähnliche Orte wie die Drive-in-Bäckerei sind auf der „Berlin Motor Map“ verzeichnet; einem U-Bahn-Plan der anderen Art: Am U-Bahnhof Rathaus Reinickendorf und an der U7-Station Haselhorst weisen beispielsweise Kreise mit stilisierten kleinen Autos auf Kart-Bahnen hin, am S-Bahnhof Lichtenrade dienen zwei gekreuzte Schraubenschlüssel als Symbol für die „Oldtimer-Garage“. Außerdem warten das DDR-Motorradmuseum, das Trabi-Museum oder die Bauhaus-Drive-in-Arena, wo Berliner reinfahren, aufladen und rausfahren können – ohne großartig das Auto verlassen zu müssen. Ingesamt 28 Locations für Autofans sind in der Map verzeichnet.

Erfunden hat die Karte der Berliner Jens Schwan. Der 44-Jährige ist Chef der Online-Redaktion des Autovermieters Sixt, schreibt in den „Roadmap-Magazinen“ über grüne Mobilität und nachhaltiges Fahren. Anspruch auf Vollständigkeit der Map erhebt er nicht. „Das sind alles Sachen, die meine Kollegen und ich sehr mögen.“ Und die offensichtlich auch bei den Berliner Motor-Fans gut ankommen: „Ich hab‘ die Map auf Facebook gepostet – und in null-komma-nichts wurde sie fröhlich geteilt und ich hatte ein paar tausend Klicks“, freut sich Schwan.

Zahl der gemeldeten Pkws in Berlin: 1.178.417 – alle Staus in Berlin 2016 zusammengerechnet: 76.000 Kilometer – Straßennetz in Berlin insgesamt : 5.466,4 Kilometer Quellen: ADAC und Statistisches Jahrbuch Berlin, Zahlen von 2016

Chromblitzende Oldtimer – nur mit den Augen berühren

Schwans persönlicher Favorit: die Classic Remise, wo wir den Wagen als nächstes hinsteuern. Das denkmalgeschützte ehemalige Straßenbahndepot in Moabit sei „spektakulärer als jedes Auto-Museum“, schwärmt er. Auf 16.000 Quadratmetern biete die Remise allen, „für die Oldtimer mehr sind als nur Fortbewegungsmittel“, ein Forum. „Die Werkstätten für amerikanische und italienische Autos – ein wahrer Schrauberhimmel.“

Ziel vieler Auto-Fans: die Classic Remise in Moabit mit unzähligen Oldtimern. Bild: Katrin Starke

Ringsherum haben sich Oldtimer-Vermieter angesiedelt, präsentieren Händler chromblitzende Liebhaber-Fahrzeuge und Luxus-Karossen. Dazu gibt es 88 verglaste Einstellboxen, wo Besitzer von Oldtimern ihr Schätzchen dauerhaft parken. „Nur mit den Augen berühren“, gilt für die meisten Ausstellungsstücke.

„Booah, guck mal, ein Impala“, raunt ein junger Mann unterdessen seiner Begleiterin zu, „mindestens sechs Liter“. Das gibt’s doch nicht, so wenig? Ungläubig bestaunen wir den fast fünfeinhalb Meter langen Chevrolet aus den späten 50ern. „Nee, nicht, was Sie denken“, hat der Mann meine Stirnfalten richtig gedeutet: „Sechs-Liter-Maschine. An Sprit braucht der sicher 20 Liter.“

Oldtimertage Berlin-Brandenburg

Ob Messerschmitt Kabinenroller, die Isabella von Borgward oder die Giulia von Alfa Romeo: Bei den 30. Oldtimertagen Berlin-Brandenburg am 13. und 14. Mai geben sich jede Menge automobile Schätzchen ein Stelldichein in der Classic Remise. Insgesamt 1.500 Oldtimer auf zwei, drei und vier Rädern und 15.000 Besucher werden erwartet.

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Wo der Autositz zum Kuschelsessel wird

Die 1950er-Jahre waren auch die Zeit, in der Autokinos in den USA Kult wurden. Weshalb das Autokino am Flughafen Schönefeld ganz auf authentische 50er-Jahre-Atmosphäre setzt. Mit Bedienungen, die im zeitgemäßen Outfit Burger servieren. Und Filmen wie „Grease”, die diese Zeit auf zwei gegenüberliegenden Leinwänden aufleben lassen – neben aktuellen Block Bustern.

Und abends empfehlen wir eines der Auto-Kinos: zum Filme-Gucken – und vielleicht auch Knutschen. Bild: Berliner AutoKino

Nur eine Leinwand gibt‘s dagegen im „Bärliner Autokino“ hinterm Festplatz am Kurt-Schumacher-Platz. Auch Alkoholisches können Cineasten hier nicht kaufen, stattdessen Cocktails, Wein, Sekt und Bier mit null Promille. „Natürlich von uns getestet“, sagt Inhaber Axel Reinke. Welcher Film diesmal die Saison eröffnet? Mitarbeiterin Isidora Sturc zuckt die Schultern. „Die Zusage vom Verleih bekommen wir meist sehr kurzfristig.“

Wann es losgeht, hänge vom Wetter ab. Logisch. Zwei Stunden im Auto – das kann ganz schön kalt werden. Außer, man hat eine Standheizung. Sie peilt „Richtung Ostern“ an, sagt Isidora Sturc. Dann will auch sie sich zum ersten Mal mit ihrem Auto vor der Leinwand einreihen. „Ich hab‘ erst letzten Sommer den Führerschein gemacht. Ziemlich spät“, gibt die 36-Jährige offen zu. Einen Platz zu reservieren sei zum Saisonauftakt noch nicht nötig, schätzt sie ein. Man habe ja für 120 Autos Platz. Die müssen nur über eines verfügen: ein Radio. Denn der Ton zum Film kommt über eine eigene Radiofrequenz. Und selbstverständlich sollten die Autoscheiben geputzt sein, damit der Blick auf die Leinwand ungetrübt ist – vorausgesetzt, man will den Film überhaupt sehen. Die Schauspieler in den 1950er-Jahre-Streifen machen’s doch vor: Das Autokino ist einfach der perfekte Ort zum hemmungslosen Knutschen.

Die Berliner Motor-Map kann heruntergeladen werden unter:
http://roadmap-magazine.de/berlin-motor-map/

Bakers Drive
Wiener Feinbäckerei Heberer
Volmerstraße 27
Berlin-Adlershof
Telefon: 67 80 40 50
Montag bis Freitag: 6.00-19.00 Uhr
Sonnabend und Sonntag: 7.00-17.00 Uhr
www.heberer.de

Classic Remise Berlin
Wiebestraße 36-37
Berlin-Moabit
Telefon: 364 07 80
Öffnungszeiten
Montag bis Sonnabend: 8.00-20.00 Uhr
Sonn- und Feiertage: 10.00-20.00 Uhr
Der Eintritt ist kostenlos.
www.remise.de/Classic-Remise-Berlin.php

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